Da werde ich meinen Bericht einfach mal anschließen, bin gestern gerade aus Moskau zurückgekehrt, und habe dabei die E30 benutzt. Ich muss sagen, schneller und unkomplizierter bin ich noch nie in meinem Leben gefahren. Auf russisch / belarussischer Seite ist die Qualität der Straßen außerordentlich gut, die GAI in Russland gut sichtbar und in BY (zumindest am Samstag) quasi nicht präsent. Fotoapparate stehen in BY, sind aber von weitem sichtbar und blitzen von hinten, weshalb man sich auf sie gut einstellen kann. An der Grenze (war gegen 22:00 Ortszeit in Brest) gab es quasi keine Wartezeit. Ich konnte direkt in die Haltebucht vorfahren und wurde auch ziemlich sofort abgefertigt, war noch vor den Belgiern, die da schon standen, an der polnischen Grenze. Dort schaute man halbherzig durch die Heckscheibe, nahm mit gelangweiltem Polnisch meine Dokumente und ließ mich eine halbe Stunde warten. Dann Dokumente zurück und gute Reise. War baff, grad mal eine Stunde gebraucht um in die EU zurückzukommen. Vielleicht ist Samstag am späten Abend einfach wenig los, ich weiß es nicht.
Die 2 zwischen Terespol und Warschau ist in gutem Zustand, allerdings wegen der vielen, teils halsbrecherisch überholenden "Gruzowuschki" nur mäßig schnell befahrbar, hab mich nach ca. 100km auf einem TIR-Parkplatz für ein paar Stündchen zur Ruhe gelegt. Warschau ist ohne Navi eine Katastrophe, da die 2 in Richtung Berlin einfach in die Innenstadt führt, wo man nirgends mehr eine Beschilderung findet. Habe nur mithilfe hilfsbereiter Ukrainer und einem Stadtplan die Trasse aufgetan. (War auf dem Hinweg ähnlich, da endete die A2 einfach, und an der Abfahrt stand nirgends geschrieben, wie man Richtung Terespol weiterkommt...) Nach Warschau gehts zügig, aber teuer bis Frankfurt. 18 € hat der Spaß gekostet, und dabei ist das Erste stück noch nicht mal Mautpflichtig, die Stationen stehen aber schon, es wird als bald noch teurer. Polnische Polizei habe ich kein einziges Mal gesehen und Blitzer stehen an der Autobahn nur bei den Mautstellen, auf höhe der 70er-Schilder, also da unbedingt drauf achten. Kleiner Tipp: Wenn ihr euch in Polen noch einmal den Tank vollschlagen wollt, tut das nicht kurz vor der Grenze, sondern etwa 50km davor, ich bin unverrichteter Dinge wieder von der Tanke runter, weil die Schlange der deutschen PKW bis auf den Verzögerungsstreifen reichte.
Die Hinreise war im Großen und Ganzen ähnlich unkompliziert, nur dass ich an der Grenze PL-BY erheblich mehr Zeit zugebracht habe. Insgesamt fast 4 Stunden reine Wartezeit vor der belarussischen Grenze, die Polen haben mich mehr oder weniger im Rollen abgefertigt, einmal in den Pass geschaut und "gute Reise". An schlafen war nicht zu denken, weil sich alle 10-15 Minuten die Schlange um eine Autolänge bewegt hat. Auch hier ein Tipp für Einreise-Neulinge: Stellt euch mit EU-Kennzeichen gleich an den Roten Kanal an, auch wenn ihr nichts zu verzollen habt. Euer Auto ist in dem Fall zu verzollen. Ein Deutschrusse mit seinem SUV hat das am eigenen Leib erfahren, er stand eine Halbe Stunde in der Schlange für den grünen Kanal und wurde dann von den Grenzern zurückgeschickt, ganz ans Ende der roten Schlange.
Noch ein Tipp für Belarus: Die Mautstellen nehmen so ziemlich jede Währung - außer polnischen Zloty und belarussischen Rubel. Also immer eine Ausreichende Menge Euro oder RUR dabei haben (kostet 3x 3€ bzw, 3x 120rub).
Das einzige was ein wenig genervt hat, war der MKAD (Von Zarizyno bis M1) und die M1 selber bis zum Ende der Baustellen. Dort stand man sich zusammen mit den Moskauern, die auf dem Weg zu ihren Datschen waren, die Räder eckig. Und unterwegs hat mich ein GAIschnik mit 55 km/h zuviel gelasert, 10km weiter waren sie dann aber mit 20€ glücklich wie kleine Kinder an Neujahr...
Kurz zusammengefasst kann ich sagen: Die Strecke ist entspannt. Sie fährt sich gut und schnell. Ich habe sie alleine bewältigt, mit ca. 3 Stunden Schlaf auf der Hälfte. Und ich empfehle sie jedem, der über Freude am Autofahren und ein komfortables Auto verfügt. Mein Volvo 240 ist dafür bestens geeignet, er liegt gut, hat bequeme Sitze und ist gut Geräuschgedämmt. Außerdem genießt er in Russland, speziell in Moskau, aufgrund seiner Größe und Bulligkeit eine gewisse Autorität, die das Fahren entspannter macht. Auch ist ein Kombi an der Grenze von Vorteil, weil die Grenzer das Gepäck besser überschauen können und so nicht anfangen zu wühlen.
So, ich hoffe, mein Erfahrungsbericht war interessant und für alle, die diese Reise ebenfalls planen Hilfreich.
Viele Grüße aus Berlin (bzw. bald Moskau) von Justin
