Orthodox in Russland heiraten?

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!
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Zayna
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Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von Zayna »

Guten Abend,
möglicherweise hat jemand schon Erfahrungen zu meinem doch recht speziellen Anliegen gemacht oder kennt sich mit der Rechtslage aus.

Mein Verlobter, Kasachstandeutscher mit deutschem Pass, und ich, Halb-Libanesin mit deutschem Pass, wollen nächstes Jahr standesamtlich heiraten. Er würde wirklich äußerst gern darüber hinaus orthodox in Russland (wo ein großer Familienteil wohnt) heiraten. Wir sind beide nicht getauft, aber gläubig (ohne einer Konfession zugehörig zu sein).
Zu einer orthodoxen Taufe, wie sie wohl Voraussetzung ist, wären wir allerdings bereit.

Ist dies alles "Ausländern" in Russland (alternativ auch Kasachstan) überhaupt gestattet?
Ist unsere Konfession (und steuerrechtlich) in Deutschland dann zwangsläufig orthodox?
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manuchka
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Re: Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von manuchka »

Hallo Zayna,

wer kirchlich heiraten will, der muss einer Kirche angehören, das ist Voraussetzung. Dabei reicht für eine orthodoxe Trauung auch, wenn einer der Verlobten orthodox getauft ist und der andere einer anderen christlichen Kirche angehört, aber für so eine interkonfessionelle Trauung müsste man beim örtlich zuständigen Erzbischof eine Erlaubnis einholen. Das soll ja aber euer Problem nicht sein, wenn ihr euch beide vorher orthodox taufen lasst.

Sowohl die Taufe als auch die Trauung sind in der orthodoxen Kirche ein Sakrament, also eine ernsthafte heilige Handlung. Das sollte vorher gut überlegt sein und nicht einfach gemacht werden, weil man Lust auf eine schöne Zeremonie hat. Das nur als Randbemerkung. Selbstverständlich können auch Ausländer der russisch-orthodoxen Kirche beitreten und in ihr heiraten, und zwar egal, wo sich diese Kirche territorial befindet (es gibt überall auf der Welt russisch-orthodoxe Kirchen).

In eurem Fall würde ich empfehlen, Taufe und Trauung nicht unbedingt zusammen zu legen. Ich erkläre kurz warum: Die Taufe ist ein wichtiger Schritt, man wird mit ihr Mitglied der Kirche, und heutzutage ist es vielerorts üblich, dass mit einem erwachsenen Taufwilligen zur Vorbereitung vorab ein oder mehrere Gespräche stattfinden, damit er auch weiß, worauf er sich einlässt und was das für Folgen hat. Ich persönlich finde das sehr vernünftig. Insofern wäre es gut, wenn ihr euch nach Möglichkeit in Deutschland eine russisch-orthodoxe Kirchgemeinde in eurer Nähe sucht (wo wohnt ihr denn?) und mal Kontakt aufnehmt, dort hineinschnuppert und euch taufen lasst und dort dann auch zukünftig Anschluss zu anderen orthodoxen Christen habt. Der zusätzliche Vorteil für dich ist, dass die Gespräche dann auch in deutscher Sprache stattfinden können...

Es ist dann kein Problem, in einer anderen Kirche, z.B. in Russland oder in Kasachstan, kirchlich zu heiraten - dafür muss man natürlich auch mit dem Priester vor Ort sprechen und einen Termin ausmachen, logisch (aber das kann auch jemand von der Verwandtschaft organisieren). Zur Not ginge es bestimmt auch, dass ihr euch am Vortag der Trauung taufen lasst, aber wie oben schon gesagt, empfehlenswert wäre eher, dass man das trennt. Ihr solltet auch vorher in eurer Trau-Kirche abklären, welche Unterlagen von euch erforderlich sind. Im Normalfall reicht die standesamtliche Heiratsurkunde, aber da ihr vermutlich in DE heiraten werdet, ist es recht wahrscheinlich, dass ihr eine beglaubigte Übersetzung für die Heiratsurkunde braucht (und vielleicht vorab auch noch eine Apostille auf die Heiratsurkunde selbst, aber eher nicht - die Kirche ist keine staatliche Struktur).

Wenn ihr beide der russisch-orthodoxen Kirche beitretet, ist eure Konfession russisch-orthodox, ja.
Steuerrechtlich ist das nicht relevant, weil die russisch-orthodoxe Kirche sich nicht über Kirchensteuern finanziert.

Wenn du noch mehr Fragen hast, immer her damit.
Du erntest, was du säst.
Anelya
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Re: Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von Anelya »

Irgendwie verstehe ich dein Anliegen nicht ganz, es klingt nach "Wasch mich, aber mache mich nicht nass".

Wegen Steuern müsst ihr übrigens keine Angst haben: Orthodoxe bezahlen in Deutschland über den Staat keine Steuern, ganz egal, ob du beim Einwohnermeldeamt eingetragen hast, ob du orthodox bist oder nicht. Die Finanzierung der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland läuft über Spenden in den Gottesdiensten bzw. Spenden für Leistungen der Kirche (Trauungen, Taufen, Segnungen, Beichte etc.pp.). Darüber müsstest du dir also schonmal keine Sorgen machen.

Man kann als Ausländer in der russisch-orthodoxen Kirche getraut werden, der Pass ist da erstmal kein Hindernis. Aber es sollte schon mindestens einer der Partner russisch-orthodox sein - das ganze ist ja keine schöne Kulisse, sondern ein kirchlicher Akt. Zudem muss auch der zweite Partner christlich getauft sein - hier geht aber auch evangelisch oder katholisch, es muss nicht unbedingt orthodox sein.

Wenn ihr orthodox getauft seid ist eure Konfession natürlich orthodox - was denn sonst?

Ich würde mir überlegen, ob ihr einfach nur eine tolle Feier mit der russischen Familie wollt (das geht nämlich auch ohne Trauung, einfach eine gute Tamada und Band organisieren und zwei Tage feiern), oder ob ihr wirklich den inneren Wunsch verspürt, kirchlich getraut zu werden. Zur Vorbereitung der orthodoxen Trauung muss man normalerweise auch die Fastenzeit einhalten, Beichten, Kommunion empfangen etc.pp. - einfach mal für zwei Wochen nach Russland fliegen und dann dort alles inklusive Taufe und Trauung durchführen wird vielleicht irgendwie funktionieren, dafür braucht ihr aber einen sehr verständnisvollen Batjushka.

Und wegen der "Rechtslage" - also unser Pfarrer wollte zum Beispiel von mir kein Taufzeugnis sehen, er hat mir einfach geglaubt, dass ich katholisch getauft wurde. Das muss man mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.
m1009

Re: Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von m1009 »

Anelya hat geschrieben: Und wegen der "Rechtslage" - also unser Pfarrer wollte zum Beispiel von mir kein Taufzeugnis sehen, er hat mir einfach geglaubt, dass ich katholisch getauft wurde. Das muss man mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.
Ist vom Pfarrer abhaengig. Es gibt orthodoxe Pfarrer, welche sogar die Taufe eines Kindes verweigern, wenn ein Elternteil z.B. katholisch ist. Eine Trauung kommt bei diesen Pfarrern gar nicht in Frage.
Zayna
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Re: Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von Zayna »

Mein Anliegen ist vielleicht schwer nachzuvollziehen - ich bin gläubige Christin, aber (noch) nicht getauft. Mein Weg zum Glauben führte über eine neutrale Kindheit über starken Atheismus - heute ist es mir wichtig, die Taufe durchzuführen. Es gibt sicher freikirchliche Gemeinden o.ä. die dies "off the record" machen würden, doch die gibt es nicht in meiner Stadt (und die Gemeinden die es gibt, hatten etwas merkwürdige Ansichten zum Thema). Was mich in Deutschland stört, ist die Verbindung zwischen Staat und Kirche über die Kirchensteuer sowie die Institutionalisierung. Kirche heißt damit nicht einfach "Gemeinschaft der Gläubigen", sondern "Gruppe von traditionsbewussten Leuten, die, sofern sie glauben, sich nach auf modernen Kirchentagen festgelegten Ordnungen richten". Daher möchte ich einfach nur zu Gott hin getauft werden, meinen Zehnten gebe ich auch so, das muss nicht über den Staat laufen - ist es ein Zwangsabgabe, ist es doch kein Almosen mehr, das verdreht doch den Sinn. Mir ging es dementsprechend auch nur darum, ob Kirchensteuer zu entrichten ist (das ist ja automatisch der Fall, wenn ich behördlich im Konfessionsfeld etwas angebe), die Selbstbezeichnung versteht sich von selbst.
Warum dann orthodox? Mein Zukünftiger möchte dementsprechend heiraten (nicht nur als schöne Szenerie), ich möchte auch eine christliche Hochzeit und da wir uns sowieso taufen lassen wollten (nur eben nicht wussten "wo"), klang das nach einer guten Idee.
Viele Traditionen (Fasten usw.) mache ich sowieso auf Grund meiner Herkunft (auch im Libanon gibt es eine orthodoxe Konfession, da gibt es viele Ähnlichkeiten), das wäre sicher keine Hürde.
Anelya
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Re: Orthodox in Russland heiraten?

Beitrag von Anelya »

Zayna hat geschrieben: Mir ging es dementsprechend auch nur darum, ob Kirchensteuer zu entrichten ist (das ist ja automatisch der Fall, wenn ich behördlich im Konfessionsfeld etwas angebe), die Selbstbezeichnung versteht sich von selbst.
Das ist nur automatisch der Fall, wenn die im Kofessionsfeld angegebene Konfession eine Abmachung mit dem deutschen Staat über den Kirchensteuereinzug hat. Du kannst beim Einwohnermeldeamt angeben, dass du orthodox (oder Hindu oder Shintoist) bist - dann zählst du in irgendeine Statistik mit rein, musst aber trotzdem keine Kirchensteuer zahlen.

Gibt es in deiner Nähe eine russisch-orthodoxe Gemeinde? Ich würde es wie Manu vorgeschlagen hat versuchen und dort erstmal Kontakte knüpfen. Wenn dich schon in Deutschland die Verbindung zwischen Staat und Kirche stört, dann wirst du vielleicht auch nicht zufrieden sein mit der Verbindung zwischem russischem Staat und russisch-orthodoxer Kirche. Auch die russisch-orthodoxe Kirche richtet sich nach strengen Ordnungen und ist traditionsbewusst - vielleicht sogar noch mehr als die heutigen evangelischen und katholischen Gemeinden.

Während der Verlobung wirst du beispielsweise folgendes beten (Übersetzung ins Deutsche):
"Für das leidgeprüfte russische Land und seine orthodoxen Menschen, die in der Heimat und in der Zerstreuung leben und um ihr Heil, für dieses Land, die es regieren und beschützen, lasset uns zum Herrn beten." - über solche und andere Fragen kannst du dich am besten in einer jeweiligen deutschen Gemeinde informieren, es gibt inzwischen einige in den größeren Städten.
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