Berlino10 hat geschrieben:
....Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.
Genau da sind wir an dem Punkt gelandet, der kräftig ausgeknautscht wird. Man verschiebt einfach den Schwarzen Peter durch fast schon standardmäßige Ausweichformulierungen in der Art:
"Laut AFP wurde am Montag ....." (jetzt ist AFP der Sündenbock),
"Wie uns aus Kreisen der Separatisten berichtet wurde ...." (da hat sich irgendeine Plaudertasche wichtig gemacht),
"Poroschenko ist der Meinung, dass ...." (auch ihm steht eine meinung zu),
"Aus dem Umfeld von Putin wurde und zugetragen ..." (war der Zuträger bestellt oder nur indiskret?),
"Passanten berichteten ...." (20 Passanten = 20 verschiedene Blickwinkel/Geschichten),
"Gerüchten zufolge ..." (da passt nun alles rein, denn Gerüchte sind extrem flexibel) usw.
Damit wird jede Lüge zur Wahrheit, so lange die Information von AFP, der Separatisten, Poroschenko, Umfeld, Passanten, Gerüchte usw.
korrekt wiedergegeben wurde.
Dazu kommen noch die Ungenauigkeiten in Orts- und Zeitangaben.
"Heftige Kämpfe im Donbass ..."; Das betraf zwar nur ein Dorf, aber es liegt nun mal auch im Donbas und "überall im Donbass" kann ich nirgends lesen.
"Unwetter am Wochenende in Brandenburg"; klar, in Finsterwalde war am Samstagabend der Teufel los. Liegt aber auch in Brandenburg und Samstagabend gehört zum Wochenende. Da wird die Einordnung der Dimension dem Leser überlassen und der liegt dann meist total daneben.
Beliebt ist auch die Kunst des Weglassens ("Konzentration"). Aus dem 3-Stunden-Interview mit mir wird nach dem Schnitt ein 5-Minuten-Bericht. Garantiert fehlt dann die Substanz, die ich vermitteln wollte, aber die schlagzeilentauglichen Phrasen bleiben drin -- dennoch: Originaton 'klaupe'
Mit solchen Taschenspielertricks kann man Meldungen manipulieren und aufbauschen und bleibt dennoch immer auf der sicheren ("erhlichen") Seite.
Das Gleiche passiert hier doch täglich: Es werden kleine Passagen zitiert und zerfleddert, ohne die Kernaussage verstanden zu haben. Dann geht es weiter wie mit der "Stillen Post" und jede Diskussion ufert in die falsche Richtung aus.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.