Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.
Berlino10
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Berlino10 »

Wladimir30 hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Diese sog. "Gefühle von Gläubigen" sind nichts als Kleingeist, Vorwand für Zensur und Auftragskunst ..
Bist Du gläubig? Deiner Aussage, die durchaus als abwertend klassifiziert werden kann, nicht.

Ich bin tiefgläubig und halte derartige Aussagen für eine viel größere Beleidigung als Theateraufführungen.
Ich schreibe nicht über die Gefühle von Gläubigen allgemein - die etwa bei Pussy Riot zu Recht als verletzt empfunden werden konnten,
sondern über "Diese sog. "Gefühle von Gläubigen" " ... wo sie durch Aufhetzung erst künstlich generiert werden.
Nikolaus hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Wenn die Gegenseite Grundrechte einschränken und Kunst verbieten lässt, muss sie den Nachweis führen.
Berlino, kannst Du Dich denn bitte an die Fakten halten und nicht so schrecklich uebertreiben. Oder weisst Du nicht, dass das Stueck nicht von Behoerden oder einem Gericht verboten, sondern von dem Opernhaus abgesetzt wurde.
Ähnlich wie in Perm der Kurator kritischer Karikaturen gefeuert wurde - und damit eine Vorgabe für Kunst-Zensur errichtet wurde, wirkt auch hier durch die Absetzung des Direktors die Zensur und das Verbot kritischer bzw. unangenehmer Kunst.
Zejtnot hat im Eingangsbeitrag den Kontext, die umfassende Fürsprache für den Direktor durch Kollegen sowie deeskalierende Angebote ausgeführt.
Dennoch hat sich die ultra-orthodoxe Kirche als Richterin über die Kunst durchgesetzt - ein Alptraum für jede zivilisierte Gesellschaft. Mit einer solchen Politik wird RUS sicher keine europäische Kunstbiennale wie die Manifesta10 mehr austragen dürfen - zu Recht.
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klaupe
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von klaupe »

Berlino10 hat geschrieben:Ich schreibe nicht über die Gefühle von Gläubigen allgemein - die etwa bei Pussy Riot zu Recht als verletzt empfunden werden konnten,
Gibt es eine Verletzungsskala, wo Pussy oder Tannhäuser eingestuft werden? Was ist Kunst, was nicht?

Beide profitieren. Pussy Riot tingeln um die Welt und sicher wird der Exhibitionisten-Tannhäuser bald irgendwo seine Liebhaber finden.
Ob es nun als politische Freiheit oder Freiheit der Kunst ausgelegt wird, ist dabei im Prinzip egal -- es geht um Freiheit.

Es kann auch den orthodoxen Christen nicht verwehrt werden, gegen das Stück zu protestieren.
Da wird es natürlich schon kritisch, denn waren sie dagegen, weil der Pope es predigte/anordnete oder weil sie es selbst gesehen haben und angeekelt und verletzt das Theater verlassen hatten?
Na, großzügig betrachtet reicht es auch, wenn der Pope sich in seinem Diensteifer aufopfert, es begutachtet und seine Erfahrungen weiterträgt und auf der Basis die Massen zu Demos animiert.

Anfangs kam es so an, bei mir jedenfalls, als würde die Staatsmacht auf Drängen der Kirche da mit den Muskeln spielen und durchgreifen.
Wenn der Direktor das Stück absetzt und den Regisseur entlässt, ist das eine übliche Personalentscheidung, auch dann noch, wenn er sich da den Wünschen einer Gruppe der Gesellschaft beugt.

Aber dann wird es mysteriös, denn wie verlief der Kräftefluss bei den folgenden Personalentscheidungen?
Offensichtlich gab es zumindest Kommentare höchster Regierungsstellen bis zur passenden oder unpassenden Bemerkung von Putin.

Ein staatliches Opernhaus hat natürlich auch eine staatlichen Überbau, der Entscheidungen über seine Einrichtungen fällt.
Hier wäre es das Kulturministerium, aber sicher kein Kanzleramts-Referent von Frau Merkel oder gar sie selbst oder gar nach Absprache mit dem Bischof von Berlin, dem dieser Tannhäuser sicherlich auch nicht gefallen würde.

Ich erinnere mal kurz an das lange Debakel mit der "Körperwelten"-Leichenshow (Menschen-Museum) in Berlin am Alex, dass auch staatliche Gerichte beschäftigte und heftigste Debatten auslöste. Die Freiheit der Wissenschaft, Kunst, Kultur wird vorgeschoben, aber tatsächlich geht es darum, Geld zu scheffeln.
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Wladimir30 »

Berlino10 hat geschrieben:
Wladimir30 hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Diese sog. "Gefühle von Gläubigen" sind nichts als Kleingeist, Vorwand für Zensur und Auftragskunst ..
Bist Du gläubig? Deiner Aussage, die durchaus als abwertend klassifiziert werden kann, nicht.
Ich bin tiefgläubig und halte derartige Aussagen für eine viel größere Beleidigung als Theateraufführungen.
Ich schreibe nicht über die Gefühle von Gläubigen allgemein - die etwa bei Pussy Riot zu Recht als verletzt empfunden werden konnten,
sondern über "Diese sog. "Gefühle von Gläubigen" " ... wo sie durch Aufhetzung erst künstlich generiert werden.
Mich würde interessieren, woher Du weisst (egal ob von Berlin oder Wolgograd aus), inwiweit die Gefühle der Gläubigen "durch Aufhetzung künstlich generiert" wurden oder echt sind? Wie gesagt, der Direktor des Wladimirer Theaters hat mir gesagt, dass auch Mitarbeiter der Oper an der Inszenierung Anstoß genommen haben. Von wem sind die aufgehetzt worden?

Meinem Empfinden nach wäre etwas mehr Rücksicht und Vorsicht bei der Beurteilung dessen, wer welche religiösen Gefühle hat, angemessen. Ich verneine nicht die Frage, dass unter den Demonstranten auch solche waren, wie Du es meintest. Aber alle gleich über einen Kamm scheren und veruteilen ist in den seltensten Fällen der richtige Weg, um ein komplexes Problem zu verstehen und richtig zu bewerten.
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von klaupe »

Wladimir30 hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:...Diese sog. "Gefühle von Gläubigen" " ... wo sie durch Aufhetzung erst künstlich generiert werden.
Mich würde interessieren, woher Du weisst (egal ob von Berlin oder Wolgograd aus), inwiweit die Gefühle der Gläubigen "durch Aufhetzung künstlich generiert" wurden oder echt sind?
Ich bin zwar nicht gefragt, gebe aber trotzdem mal meinen Senf dazu:
Die Fotos bei Страх божий (фоторепортаж) erwecken den Eindruck, dass diese Demo-Veranstaltung nicht so spontan war. Fahnen, Transparente und der Auftritt prominenter Sprecher, das bedarf schon einiger Vorbereitung.
Ob da nun der Unmut der Gläubigen organisiert wurde oder etwas "Animation" dabei war, kann ich nicht beurteilen.

Ich setze mal voraus, dass all diese Demonstranten das Stück nicht vorher gesehen haben. Folglich müssen sie ja entsprechend informiert worden sein und zwar so eindrucksvoll, dass sie auf die Straße gehen.
Wie gesagt, der Direktor des Wladimirer Theaters hat mir gesagt, dass auch Mitarbeiter der Oper an der Inszenierung Anstoß genommen haben. Von wem sind die aufgehetzt worden?
Welcher Direktor war es denn nun, der alte, abgesetzte oder schon der Nachfolger?
Meinem Empfinden nach wäre etwas mehr Rücksicht und Vorsicht bei der Beurteilung dessen, wer welche religiösen Gefühle hat, angemessen. Ich verneine nicht die Frage, dass unter den Demonstranten auch solche waren, wie Du es meintest. Aber alle gleich über einen Kamm scheren und veruteilen ist in den seltensten Fällen der richtige Weg, um ein komplexes Problem zu verstehen und richtig zu bewerten.
100 % korrekt!
Zuletzt geändert von klaupe am 01 Apr 2015, 15:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Wladimir30 »

klaupe hat geschrieben: Die Fotos bei Страх божий (фоторепортаж) erwecken den Eindruck, dass diese Demo-Veranstaltung nict so spontan war. Fahnen, Transparente und der Auftritt prominenter Sprecher, das bedarf schon einiger Vorbereitung.
Können Gläubige etwa keine Demo organisieren???? Können das nur Ungläubige?
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Berlino10 »

Wladimir30 hat geschrieben: Mich würde interessieren, woher Du weisst (egal ob von Berlin oder Wolgograd aus), inwiweit die Gefühle der Gläubigen "durch Aufhetzung künstlich generiert" wurden oder echt sind?
Entschuldige, aber wenn ich das lese, dann wird mir schlecht, was für ein aufgehetzter nationalistischer, kranker Pöbel da entstehend soll
« Они первые, кто будет болтаться на фонарях, когда придет сюда фашистская дрянь»
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Was bitte schön, haben da nationalistische Fahnen und Sprüche zu suchen ... Verteidigung gegen Faschismus ...
Прочие выступающие были настроены так же воинственно. Основные тезисы их выступлений: против России идет идеологическая война, и спектакль в оперном театре — это часть кампании по уничтожению российских святынь.
Das ist reine Hetze ... erzkonservativ, nationalistisch ... reaktionär, antidemokratisch, intolerant ... einfach nur krank, ... finstes Mittelalter
с тем, чтобы изменить конституцию (в частности, отменить гарантированное основным законом политическое многообразие), а также призвал очистить от «предателей и "пятой колонны"» органы власти и СМИ. Что же касается спектакля, то, как заявил Артюх, «если еще такая выходка будет, этот театр будет вывезен в Нью-Йорк — пускай Обама смотрит эти спектакли».
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von klaupe »

Wladimir30 hat geschrieben:Können Gläubige etwa keine Demo organisieren???? Können das nur Ungläubige?
DAas ist sicherlich kein Privileg der Ungläubigen, aber da wie dort wurde vorher "Überzeugungsarbeit" geleistet und die Vernstaltung geplant und organisiert. Genau das habe ich erklärt.

Daran gibt es auch nichts zu kritisieren.
Eine Demo, die das Volk spontan auf die Beine stellt, sieht anders aus -- bei Atheisten, wie bei Christen.

Spontan war vielleicht die Demo auf der Brücke nach dem Anschlag auf Nemzow.
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Nikolaus »

Wladimir30 hat geschrieben:Können Gläubige etwa keine Demo organisieren???? Können das nur Ungläubige?
Irgendwie klingt "Unglaeubige" etwas diskrimierend, fast drohend, offenbar sind damit Atheisten, wie ich, gemeint?! :lol:
Aber in der Sache bin ich Deiner Meinung: Jede oeffentliche Veranstaltung muss den Behoerden vorab gemeldet worden sein und ggf. mit diesen abgestimmt worden sein, sonst ist sie illegal. Verantwortlich dafuer ist in RU, genauso wie in D, der Organisator.
Auch der "spontane" Trauermarsch anlaesslich der Ermordung von Nemzow war natuerlich von seinen Genossen angemeldet und mit den Behoerden abgestimmt.
Berlino10 hat geschrieben:
Wladimir30 hat geschrieben: Mich würde interessieren, woher Du weisst (egal ob von Berlin oder Wolgograd aus), inwiweit die Gefühle der Gläubigen "durch Aufhetzung künstlich generiert" wurden oder echt sind?
Entschuldige, aber wenn ich das lese, dann wird mir schlecht, was für ein aufgehetzter nationalistischer, kranker Pöbel da entstehend soll
...
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Das ist reine Hetze ... erzkonservativ, nationalistisch ... reaktionär, antidemokratisch, intolerant ... einfach nur krank, ... finstes Mittelalter
Hm, Berlino, sorry, aber Du enttaeuschst mich:
- Hier zitierst Du offenbar das "oppositionelle Kaeseblatt", das Zejtnot vor einer Weile verlinkt hatte. Weisst Du denn, ob dieser Bericht auch nur einigermassen objektiv ist? Weisst Du zumindest, wem dieses Blatt gehoert und von wem es finanziert wird, wessen Interessen es vertritt?
- Warum zitierst Du eigentlich nur solche Ausschnitte aus dem Bericht, die die Teilnehmer des Meetings als Neofaschisten oder zumindest nationalistische Extremisten darstellen (oder einfach als fehlgeleitete Dummkoepfe)? Das hat doch nicht mal der Korrespondent getan!?
- So wie ich verstehe, hat sogar Zejtnot weder die Inszenierung erlebt, noch war er beim Meeting anwesend. Von uns anderen hier im Forum mal ganz abgesehen. Und hieraus entstanden bereits etliche, sagen wir mal Unkorrektheiten und deutlich ueberstuerzte und einseitige Bewertungen. Vielleicht sind die Akzente doch vor Ort ganz anders gesetzt!?
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Berlino10 »

Wenn die nationalistischen und intoleranten Fahnen, Banner und Sprüche verfälscht sind, bin ich der Erste, der sich freut, und nehme alles gerne zurück.
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Re: Skandal am Opernhaus in Novosibirsk

Beitrag von Wladimir30 »

Du bist ja wirklich richtig feinfühlig und noch einfühlsamer, was die inneren Beweggründe von russisch-orthodoxen Christen betrifft, weisst sogar, wie sie manipuliert werden etc.

Dieses Empfinden hast Du Dir in der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde wo nochmal verinnerlicht? Nein, nicht im Kopf erlernt (wobei ich ehrlich gesagt daran zweifel, dass Du die Grundlagen und erst recht die Feinheiten des russisch-orthodoxen Glaubens überhaupt kennst, aber vielleicht täusche ich mich hier auch), nein, ich meine, das Gefühl, die Seelenwelt, wenn man so will, die ein Russisch-Orthodoxer empfindet in bestimmten Situationen.

Solange Du das nicht kennst, solltest Du Dich mit Beurteilungen darüber, was diese Leute empfinden, wesentlich mehr zurückhalten.
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