Herdubreid hat geschrieben: 20 Jun 2020, 20:54Eigentlich hätte ich mir erhofft, dass Du mich offen und direkt, mich ernst nehmend unterrichtest wie ein guter Ablauf aussehen könnte?!
Wenn dies so einfach wäre?! Alle mir bekannten Fälle - und das sind einige - haben die Aufenthaltsgenehmigung als Ehepartner erhalten. Zwei Ausnahmen: Ein Auswanderer hat ein eigenes Unternehmen gegründet und darüber eine Arbeitsgenehmigung - jedoch hatte auch er eine Partnerin, die ihm dabei geholfen hat. Und eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation hatte eine Aufenthaltsgenehmigung für humanitäre Zwecke, aber ihre Organisation hat mir berichtet, dass dies nur in wenigen föderalen Objekten so problemlos läuft wie in Novosibirsk. Und auch da kann es sich jederzeit ändern.
Z. B. Hier die nächsten Wochen/ Monate den Antrag am Konsulat zu stellen, dass ist kein Problem da meine Partnerin Rentnerin ist, hat sie quasi die Aufenthaltsgenehmigung zu 90 % schon in der Tasche. Oder, hättest Du geschrieben, nimm dir ein Jahresvisa, und stell in den ersten 90 Tagen den Antrag vor Ort, reise aus, komm nach 3 Monaten wieder und guck was Sache ist...
Vor Ort ist der Antrag in jedem Fall einfacher, weil die Laufwege einfacher sind: Tests zu Sprache, Geschichte und Verfassung, Drogentest, Siphilistest, Aidstest, Tuberkolosetest, Wohnnachweis, finanzielle Absicherung. Die örtlichen Behörden wissen genau, woher sie dies alles wollen und es ist alles bezahlbar.
Die größte Hürde ist aber vor allem: Als Ausländer ohne Ehepartner und ohne Arbeitsvertrag als Hochqualifizierter fällt man unter die Quote. Und diese wird meist am Jahresanfang sofort ausgereizt. Im folgenden Sommer kann man einen Antrag für den nächsten Januar stellen, ob man dann reinkommt, ist aber völlig offen.
Den Satz mit der Partnerin verstehe ich übrigens nicht so recht? Ja, Rentner müssen die Tests zu Sprache, Geschichte und Verfassung nicht ablegen - aber ansonsten gelten doch ebenso die Quoten? Oder habe ich da etwas verpasst?
Oder tu dich mit einer 30 Personen Gruppe zusammen, pachte, kaufe über einer dieser Person ein Grundstück / Haus um für den Antrag ein Mietverhältnis zu haben, oder wenn du zu den Gründern der 30 Mann Gruppe gehörst welche ein Unternehmen aufstellen und zu Putins Rückholprogramm gehören, somit die Aufenthaltsgenehmigung / Staatsbürgerschaft ganz sicher bekommen.
Rückholprogramme gelten nur für Russlanddeutsche.
Es gibt Sonderregeln für Investoren, aber das muss dann schon eine ganz schön große Hausnummer sein oder viel PR für den Kreml machen, dass Du in die Liste der vom Präsidenten verliehenen Staatsbürgerschaften rutschst. Gérard Depardieu oder Steven Seagal hatten diese Ehre. Aber die meisten Investoren wollen doch selbst nicht in Russland leben und ihren Expats zahlen sie genug, damit sie als Hochqualifizierte gelten.
Wenn Du eine einfache Lösung suchst: Gründe ein Unternehmen, stelle Dich als Hochqualifizierter mit mindestens 2 Mio Rubel Jahreslohn an. Vermutlich brauchst Du dazu aber erst einmal einen Strohmann in Russland, dem Du vertrauen kannst.
... aber ich möchte Dir nur sagen, ich habe mir mehr Sensibilität gewünscht ohne abgewatscht zu werden. Denn ich meine es ernst.
Sorry, dass ich skeptisch bin. Ich habe über die Jahre viele potentielle Auswanderer getroffen, teils persönlich, teils hier im Forum. Von jenen, deren Grund war, dass Sie sich "in Deutschland nicht mehr als Deutscher und Wohl fühle", ist am Ende niemand angekommen. Denn jene Dinge, die sie in Deutschland gestört haben - Politik nicht für die Menschen, Migranten, Bürokratie -, waren vor Ort in Russland letztlich mindestens genauso unbefriedigend. Das trifft ebenso auf jene zu, die einen russischen Partner haben, aber für diese gab es einen zusätzlichen - oft den wichtigsten - Grund und ferner auch noch einen festen Halt bei all diesen Widrigkeiten.
Wenn Du in zwei Jahren wirklich in Russland lebst, spendiere ich gern einen Riesling aus der alten Heimat. (Das ist mein ungefragter Wetteinsatz. Komm gern auf mich zurück, ich meine es Ernst!)