Saworotnjuk gestorben

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paramecium
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Re: Saworotnjuk gestorben

Beitrag von paramecium »

Axel Henrich hat geschrieben: 31 Mai 2024, 00:11 Scheint aber, zu spät erkannt, doch ein ziemlicher aggressiver Hirntumor zu sein?!
Ja, relativ schnell wachsend, schlecht operabel und auch mit Bestrahlung/Chemotherapie kann man das Leben nur verlängern, das Glioblastom aber nicht heilen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt (im Westen) bei etwa 7%. Dementsprechend konnte man bei Saworotnjuk schon das Maximale ausreizen.
Axel Henrich hat geschrieben: 31 Mai 2024, 00:11 Habe mal bisken gegoogelt...
Also ist das wahrscheinlich Quark, was Rasin (ihr Manager) sagt, dass das wohl im Zusammenhang mit einer (ЭКО) künstlichen Befruchtung stand, oder?
Kurze Antwort: Nein, nicht nach aktuellem Stand der Wissenschaft.

Lange Antwort: Das Wachstum vieler Tumore kann durch Hormone begünstigt werden. Beispielsweise fördert Testosteron die Entwicklung vieler Krebszellen, inklusive das von Glioblastomen. Daher haben Männer auch etwas häufiger Glioblastome als Frauen. Bei einer in-vitro Fertilisation werden die Geschlechtshormone LH und FSH gegeben, welche zur vermehrten Ausschüttung von Testosteron, Progesteron und Östrogen führen, die komplex wechselwirken. Bei Tumoren die Östrogen-Rezeptoren tragen (z.B. bestimmte Brustkrebsarten) kann so eine Therapie tatsächlich bei bestehendem Krebs zu einem verbesserten Wachstum führen. Ob eine Therapie sogar Krebs-verursachend sein kann, ist nicht abschließend geklärt. Glioblastome gehören nun aber nicht zu dieser Kategorie der Tumore die Östrogen-Rezeptoren tragen. Hohe Progesteron-Konzentrationen haben eher einen negativen Effekt auf Glioblastomwachstum. Man würde also erwarten, dass die in-vitro-Fertilisations-bedingten Auswirkungen von hohen Testosteron- und Progesteronkonzentrationen sich gegenseitig aufheben. Und genau das scheint nach aktuellem Stand der Wissenschaft zu passieren. Jedenfalls kann bisher keine Häufung von Glioblastom-Fällen bei Frauen festgestellt werden, die sich künstlich befruchten lassen. Selbst wenn irgendwann festgestellt werden sollte, dass es einen Effekt gibt, scheint dieser sehr gering zu sein.
Wie entstehen nun Glioblastome? Zum einen gibt es eine genetische Disposition die zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung führt. Zum anderen ist ionisierende Strahlung wohl hauptverantwortlich (Röntgen/CT, Natürliche Hintergrundstrahlung, Höhenstrahlung bei Flügen, Radioaktivität) in dem sie zu de novo-Mutationen führt. Jedes zusätzliche Mal, wenn wir uns ionisierender Strahlung - oder generell krebs-verursachenden Faktoren - aussetzen erhöhen wir unser Risiko für diverse Krebsarten ein wenig. Also bildlich der Griff in eine riesige Lostrommel mit abertausenden Losen und wenigen Nieten. Statistisch haben dann manche Personen einfach Pech, dass sie bereits sehr früh von so einer Krankheit betroffen sind.

[Disclaimer: Ich bin kein Glioblastom-Experte. Wir entwickeln und produzieren Krebs-Feindiagnostika (= Welche Gen-Mutationen sind ursächlich für das spezifische Karzinom?] für häufige Krebsarten (z.B. Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs, Darmkrebs) bei denen mittels Diagnostik und gezielter Therapie eine signifikante Lebensverlängerung oder Heilung möglich ist. Vereinfacht: Wenn also der Eierstockkrebs durch Mutation A ausgelöst wird, hat man mit einem bestimmten Medikament eine 85-90%-ige Heilungschance, während man bei bei Mutation B keinen oder nur geringe Effekte durch das gleiche Medikament sehen würde. Dafür hilft dieses ggf. bei Eierstockkrebs mit Mutation B.]
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Re: Saworotnjuk gestorben

Beitrag von Axel Henrich »

Thx für deine sehr interessante und ausführliche Antwort!

-ah-
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