Wladiwostok Einreise über China Hunchun

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ximenji
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Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von ximenji »

Hatte im April geschäftlich bei VW in Changchun in Nordost-China zu tun und übers Wochenende immer viel Freizeit. Welche russische Stadt fehlt mir noch? - Wladiwostok.

Am Freitag also rein in den Schnellzug von Changchun nach Hunchun, in 2h ist man in der Grenzstadt, von wo gleich am Bahnhof für rund EUR 20 ein Bus bis nach Wladiwostok abfährt- angeblich in 5h zu schaffen. Ausreise aus China alles gewohnt einfach, keine 5min und ich war draußen. Wieder in den Bus und rüber zum russischen Grenzposten. Im Niemandsland erstaunt einen die rege Bautätigkeit, dort werden 2 spurige "Autobahnen" asphaltiert, die Zollgebäude erneuert, wie viele Gäste erwartet man hier?

Die Russen gewohnt humorlos, die Grenzerin lächelte auf mein Begehren den Stempel doch bitte auf ein Blatt Papier zu geben, weil ich in den USA regelmäßig nach den Russenstempeln gefragt werde, mit einem milden Lächeln und einem fetten Einreisestempel in den Reisepass. Natürlich werde ich auch noch vom FSB über 1h nach den Grund meiner Reise gefragt, im Gegensatz zum übergewichtigen Erstkontakt stellt sich der FSB Beamte als großer Fan Deutschlands heraus, sein Bruder lebt schon im schönen Köln, er will auch dorthin. Wir haben Fotos von Autos ausgetauscht und er hat mich noch am Zoll vorbeibegleitet. Insgesamt ein schwach positiver Gesamteindruck.

Die Straßen ab der chinesischen Grenze können getrost als "russisch" geschrieben werden, viele Schlaglöcher, wildes Überholen ohne Sicherheitsabstand und ausreichende Sicht. Dennoch eine doch recht lustige Busfahrt, auch wegen den netten jungen Damen, die auf dem Rückweg vom Chinaurlaub mich gleich mit 1000 Fragen gelöchert haben, da vergaß man schnell die Babuschka im Bus hinten, die sich dauernd über unsere fröhliche Lautstärke beschwert hat, war ich doch eher von den jungen Frauen angetan.

Ankunft in Wladiwostok am Nordbusbahnhof nach 6h, es war bereits Abend und weit und breit keine Wechselstube zu finden, das Chinarestaurant an der Einfahrt hat mir dann noch ein paar RMB in RUB getauscht und mir ein Taxi in die Innenstadt besorgt. Die Stadt sieht aktuell definitiv wenige westliche Touristen, doch strömen Massen an Nordkoreanern zum Tagesausflug in die Metropole, man erkennt sie an den Nordkorea Fähnchen und ihrem leisen Auftreten, sehr ordentliche Leute.

Die Stadt selbst gibt nicht viel her, ein Schlenderer über den Prospekt zum Hafen, georgisches Essen im "besten Restaurant" der Stadt und am nächsten Tag noch schnell den bekannten Bahnhof besuchen. Der kleiner wirkt, als man ihn sich vorstellt, naja, aus China war ich gigantisches gewohnt. Zudem hat ich durch den Sicherheitsmann am Bahnhof noch ein neues, russisches Wort gelernt, er sprach immer von "Rost, Rost", das bedeutet wohl Körpergröße.

Die Bewohner der Stadt haben sich als äußerst freundlich herausgestellt, vor allem die junge Generation, sie waren durch die Bank sehr interessiert warum ich denn hier sei, ob mir Russland gefällt, wirklich herzlich. Im Gegensatz dazu sind mir die älteren Semester wie immer als schrecklich grimmig in Erinnerung geblieben, kein Lächeln, keine Gefühlsregung, einfach nur regungsloses Angaffen, nur noch geschlagen von den betrügerischen Taxifahrern aus Zentralasien, die mich bei jeder Taxifahrt übers Ohr hauen wollten.

Insgesamt ein schwach positives Gesamterlebnis, trotzdem war ich froh, am Sonntag Abend wieder in China angekommen zu sein, man fühlte sich dort sicherer und vor allem willkommener.
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Axel Henrich
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Re: Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von Axel Henrich »

Danke für deinen Bericht, coole Schreibe ... ;)

-ah-
kamensky
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Re: Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von kamensky »

@ ximenji

Ebenfalls besten Dank fuer deinen intressanten und "humorvollen" Bericht! [Danke]
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Norbert
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Re: Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von Norbert »

Danke für den Einblick!

Und warum wollte der Sicherheitsmann am Bahnhof Deine Körpergröße?
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HJ52
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Re: Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von HJ52 »

Im umgekehrten Fall, Tagesausflug in chinesische Grenzstädte. Visa frei seit gut 2 Jahren für DE Pass. Was ist mit den Einreiseformalitäten? Hotel/Unterkunft entfällt, "Kontaktperson" in China ebenfalls. Das elektronische Einreiseprozedere (QR Code) sieht Tagesausflügler gar nicht vor, eine Vorabanmeldung ist somit irgendwie nicht möglich.
Je stärker die Nato, desto sicherer der Weltfrieden.
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Kolot
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Wladiwostok Einreise über China Hunchun

Beitrag von Kolot »

ximenji post hat geschrieben: 1.: . . . Die Russen gewohnt humorlos, . . .
2.: Natürlich werde ich auch noch vom FSB über 1h nach den Grund meiner Reise gefragt, im Gegensatz zum übergewichtigen Erstkontakt stellt sich der FSB Beamte als großer Fan Deutschlands heraus, sein Bruder lebt schon im schönen Köln, er will auch dorthin. . .
3.:Insgesamt ein schwach positiver Gesamteindruck.

4.:
Die Straßen ab der chinesischen Grenze können getrost als "russisch" geschrieben werden, viele Schlaglöcher, wildes Überholen ohne Sicherheitsabstand und ausreichende Sicht.
5.: Im Gegensatz dazu sind mir die älteren Semester wie immer als schrecklich grimmig in Erinnerung geblieben, kein Lächeln, keine Gefühlsregung, einfach nur regungsloses Angaffen, . . .
Zu 1.: "gewohnt humorlos" - besser hätte ich es nicht formulieren können, vielleicht noch so: "Das Gesicht zur Faust geballt"
Zu 2.: Das ging mir genauso am Grenzübergang von KZ -->> RUS / Tscheljabinsk. Dazu noch die saudumme Frage: "Warum fahren Sie alleine mit einem so großen Wohnmobil? Noch blöder geht's nun wirklich nicht
Zu 3.: "Schwach positiv" = eine vornehme Formulierung, fast schon diplomatisch
Zu 4.: Auch das ist nichts Neues, habe ich auf meinen Tausenden KM von GEO und KZ -->> RUS auch immer festgestellt.
Zu 5.: Auch das ist typisch RUS - und wird sich so schnell auch nicht ändern. Die jungen Leute sind da aufgeschlossener, viele sprechen inzwischen auch etwas englisch.

Danke f. d. Bericht; die Ecke Fern Ost kenne ich auch noch nicht und wie es ausschaut, werde ich sie wohl auch nicht kennenlernen; zumindest nicht in diesem Leben, evtll dann im Nächsten . . .
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