Ganz schön trocken

Für alle Kommunikationssüchtigen. Hier wird getratscht, geflirtet und gepostet bis zum Abwinken. Das besondere an dieser Rubrik? Themen in denen 2 Tage Funkstille herrscht werden bedingungslos abgeräumt.
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Norbert
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von Norbert »

AnuLeB hat geschrieben: 04 Jul 2026, 11:13Es ist schon bezeichnend, dass die Raffinerien im Westen Russlands zerstört werden, der Treibstoff im Osten Russlands aber ausgeht. Wie üblich spielt in Russland eben nichts eine Rolle, was östlich des Urals stattfindet.
Gestern wurde auch die Raffinerie in Omsk angegriffen, also nicht weit von Novosibirsk entfernt. Es ist eben nicht mehr nur im Westen Russlands.

Und natürlich wird das verbleibende Öl im Land verteilt, damit alle ein wenig bekommen und es möglichst nirgends eskaliert. Du stehst ja aktuell in so ziemlich allen Gegenden stundenlang an der Tankstelle, wenn ich es richtig verstehe.
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bella_b33
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von bella_b33 »

Wladimir30 hat geschrieben: 04 Jul 2026, 09:41 Es gibt einen Chat, "Benzin 33" (weil Wladimir die Gebietskennung 33 hat). Dort sind 20.000 Teilnehmer, und es wird rund um die Uhr (!) ausschließlich darüber gesprochen, wo es welches Benzin gibt und, wenn ja, wie lang die Schlangen sind. Innerhalb von einer halben Stunde kommen die locker 300, 400 Nachrichten zusammen.
Ja, hilfreich ist auch noch gdebenz.ru fürs ganze Land und davon gibt es so lokale Kopien, z.B. für Novorossiysk. Da haben wir teils genaue Warteschlangen-Infos und wieviel m³ noch in den Tanks der Stationen sind.

Ich habe gerade 2650km hinter mir
Republik Komi,
Oblast Kirov
Mari El
Tschuwaschien
Nizhegorodskaja Oblast
Mordowien
Penzenskaja Oblast
Saratovskaja Oblast
Voronezhskaja Oblast
Rostovskaha Oblast
Krasnodarskiy Krai

Sehr viele geschlossene Tankstellen in einigen Oblasten(wobei nördlich von Mordowien alles noch halbwegs okay war, 20L Beschränkungen an Markentankstellen überall, teils aber auch 30L an den Trassen). Ich hab versucht meinen Tank immer voll zu halten + durch angepasste Fahrweise einen guten Verbrauch zu erzielen.
Benzin ist ein deutlich größeres Problem als Diesel(den gibt es an vielen Tankstellen noch und dort sind meist auch keine Warteschlangen). Die M4 war(5.07.) eigentlich benzintechnisch fast trocken. Die wenigen Tankstellen mit Benzin waren gnadenlos überfüllt. Ich hab in Kalatsh nochmals an ner Yukon AZS zu 100+++ Rub getankt und dann auf der M4 südlich von Rostov(kurz nach dem Abzweig bei km 1198) eine Rosneft etwas abseits gefunden, wo verhältnismäßig wenig los war um nochmals 30 liter reinzulassen. Dadurch bin ich mit viel Restsprit im Novorossiysk angekommen und hier unten bleibt das Auto sowieso die meiste Zeit einfach in der Garage stehen. Warten wir ab und hoffen wir, daß es bald besser wird.
Wer sein Gewicht halten will, der muss auch mal grillen wenn er keinen Hunger hat!
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von AnuLeB »

bella_b33 hat geschrieben: 07 Jul 2026, 12:11 ..... Warten wir ab und hoffen wir, daß es bald besser wird.
Geht es weiter wie bisher, wird es auf der einen Seite eine komplett zerstörte Ukraine, auf der anderen Seite ein beinahe komplett handlungsunfähiges Russland geben, wo humanitäre Katastrophen im Bereich des Möglichen liegen. Was für ein Irrsinn!!
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Norbert
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von Norbert »

AnuLeB hat geschrieben: 08 Jul 2026, 06:38 ... auf der anderen Seite ein beinahe komplett handlungsunfähiges Russland geben, wo humanitäre Katastrophen im Bereich des Möglichen liegen. Was für ein Irrsinn!!
Ehrlich, da hast Du die post-sowjetische Kultur wohl noch zu wenig erlebt: Bevor es zu einer humanitären Katastrophe kommt, muss noch ziemlich viel passieren. Die russische (wie auch die ukrainische) Gesellschaft sind sehr leidensfähig, wenn sie es für nötig halten. Du hast es ja in den vergangenen Wintern in der Ukraine erlebt - selbst wenn die Heizungen nicht mehr funktionieren, ist dies kein Grund, aufzugeben. Und irgendwie findet man eine Lösung.

Beispiel Novosibirsk: An einigen Tankstellen gibt es aktuell Säulen, welche für systemrelevante Dienste reserviert sind. Privatpersonen stehen stundenlang an, aber Krankenwagen, Feuerwehr, Lebensmitteltransporte, etc. bekommen sofort Benzin. Dann fällt halt der Urlaub aus, dann geht es halt mit dem Fahrrad auf die Datscha. Leere Regale im Baumarkt? Ist man noch aus Sowjetzeiten gewohnt. So lange es noch Wasser und Gretschka gibt, ist es keine humanitären Katastrophe.

Das würde ich also eher als Deinen Wunschtraum einordnen.

Und was es mit der Gesellschaft macht, ist total offen. Ich erlebe gerade zwei Effekte: Bei einigen Frust über die eigene Regierung, bei anderen Wut auf die ukrainische Regierung. Die Wut hat gefühlt mehr Effekt als der Frust. Frust frisst man in sich rein, Wut bringt man voran.
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von kamensky »

bella_b33 hat geschrieben: 07 Jul 2026, 12:11
Ja, hilfreich ist auch noch gdebenz.ru fürs ganze Land und davon gibt es so lokale Kopien, z.B. für
Danke @Silvio

Doch Webseite gdebenz.ru geht hier im Ural nicht, infolge angeblich "keine sichere Verbindung" , alternative funzt dafuer jedoch https://gdebenz.org/
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von AnuLeB »

Norbert hat geschrieben: 08 Jul 2026, 09:32 ....

Beispiel Novosibirsk: An einigen Tankstellen gibt es aktuell Säulen, welche für systemrelevante Dienste reserviert sind. Privatpersonen stehen stundenlang an, aber Krankenwagen, Feuerwehr, Lebensmitteltransporte, etc. bekommen sofort Benzin. Dann fällt halt der Urlaub aus, dann geht es halt mit dem Fahrrad auf die Datscha. Leere Regale im Baumarkt? Ist man noch aus Sowjetzeiten gewohnt. So lange es noch Wasser und Gretschka gibt, ist es keine humanitären Katastrophe.
....
Nun warte doch erst mal ab. Wir haben gerade Juli, die Treibstoffkrise ist mal gerade eben 3 Wochen alt, die Sonne lacht, und selbstverständlich gibt es noch alles zu kaufen.

Und, nö, die Idee mit der humanitären Katastrophe in Russland ist nicht mein Wunschdenken. Allerdings gibt es mittlerweile mehrere russische Stimmen, welche befürchten, dass die Landwirte ihre Ernte nicht einbringen können. Ist die Ernte da, kann sie nicht transportiert werden. Für mich selber würde es jedoch einen gewissen Charme beinhalten, wenn der von Russland in die Ukraine getragene Krieg nach Russland zurückkommt.

Ich denke mal, dass es noch deutlich mehr Russen geben wird, welche fürchterlich wütend auf Gott und die Welt sein werden, wenn die Ukrainer die Reichweite ihrer Drohnen noch mehr erweitern, und der russische Alltag noch mehr Einschränkungen und Behinderungen beinhalten wird.

Die Russen könnten ja mal auf die Idee kommen, ihre Wut zu nutzen, um sich lautstark für Frieden einzusetzen, oder auch ihren Diktator aus dem Land zu jagen.

Immerhin haben es die Ukrainer schon mal vorgemacht, indem sie sowohl einen Diktator als auch einen prorussischen Präsidenten aus dem Land revoltiert haben.
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von paramecium »

Ich hab da eher Sorgen vor dem Winter. Russland hat in den letzten Jahren in den Wintermonaten vermehrt die Stromversorgung angegriffen. Falls das wieder passieren sollte und die Ukraine symetrisch reagiert kann sich das schnell hochschaukeln.
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von Wladimir30 »

AnuLeB hat geschrieben: 08 Jul 2026, 19:04 Für mich selber würde es jedoch einen gewissen Charme beinhalten, wenn der von Russland in die Ukraine getragene Krieg nach Russland zurückkommt.
Ich verstehe nicht so ganz, was für einen Charme es haben soll, wenn ein Krieg in irgendeine Gegend ausgeweitet wird. Der einzige Charme besteht meiner Meinung nach darin, wenn ein Krieg beendet wird.
Ich denke mal, dass es noch deutlich mehr Russen geben wird, welche fürchterlich wütend auf Gott und die Welt sein werden, wenn die Ukrainer die Reichweite ihrer Drohnen noch mehr erweitern, und der russische Alltag noch mehr Einschränkungen und Behinderungen beinhalten wird.
Nun, es gibt grundsätzlich mal gesehen verschiedene Arten, wie auf vergrößerte Einschränkungen reagiert wird. Die von Dir so bezeichnete furchtbare Wut gehört sicherlich auch zu durchaus möglichen Reaktionen. Inwieweit gerade diese Reaktion diejenige ist, die in der russischen Bevölkerung "deutlich mehr" verbreitet werden wird, möchte ich aufgrund einiger verschiedener Gründe stark in Frage stellen. Diese Denkschablone steckt ja hinter den ganzen Sanktionen des Westens, die die einfache Bevölkerung treffen soll, damit diese gegen die Obrigkeit aufbegehrt, diesen Krieg zu beenden. Dieses ist jedoch so nicht eingetreten. @Norbert hat das ja schon etwas erläutert.
Die Russen könnten ja mal auf die Idee kommen, ihre Wut zu nutzen, um sich lautstark für Frieden einzusetzen, oder auch ihren Diktator aus dem Land zu jagen.
Genau das meine ich ja in vorherigen Absatz.

Die Klassifizierung Putins aus Diktator, der sonstwohin geschickt werden soll, ist ja die westliche Denke, die als Grundlage für das eigene Vorgehen herangezogen wird. Die Frage ist jedoch, ob diese westliche Einschätzung und die westlichen Denkstrukturen mit den in Russland verbreiteten kongruent ist. Wer sich etwas eingehender mit russischer Geistesgeschichte befasst hat, wird erkannt haben, dass jedoch ganz andere Prinzipien und Werte im russischen Denken verankert sind. Somit sind die Einschätzungen, Bewertungen dessen, was passiert, in Russland und im Westen seit jeher zum Teil gänzlich anders. Dieses Missverstehen oder zuweilen Falschverstehen hat zu manchen Katastrophen geführt. Man sollte daraus lernen und diesen Punkt bei bewußt herbeizuführenden Eskalationen immer im Blick haben.
Immerhin haben es die Ukrainer schon mal vorgemacht, indem sie sowohl einen Diktator als auch einen prorussischen Präsidenten aus dem Land revoltiert haben.
Eine schöne Ansicht. Aber hält die auch einer tieferen Analyse über die Hintergründe stand?
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von HJ52 »

Das ein Hochschaukeln offenbar gewünscht ist, zeigt der Nato-Ukraine-Clan immer offener.

Technik und Raffinerien werden repariert, passive Schutzmaßnahmen und die Luftabwehr massiv ausgebaut. So verlieren die Nato-UA Luftangriffe "tief im russischen Kernland" zeitnah an Bedeutung.

Was ich nicht verstehe, warum der Abgabepreis von Kraftstoff bei den großen Ketten vom momentan realen Großhandelspreis entkoppelt ist. Bei "Freigabe" wird Benzin und Diesel flächendeckend deutlich teuer, jedoch etwas der Druck vom Markt genommen. Für Landwirtschaft, Handel, Industrie und Handwerk subventionierte Kraftstoffpreise. Hat in Kasachstan vor einigen Jahrzehnten auch geklappt.
Zuletzt geändert von HJ52 am 08 Jul 2026, 23:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ganz schön trocken

Beitrag von Bluewolf »

Ok, dann ich mal wieder. Ich stimme zu 100% zu, dass sich das russische Volk im Zweifel immer gegen einen "angreifenden" Feind wenden wird. War schon immer so, egal welchen Grund es gab.
Diesmal scheint es mir aber anders zu sein. Wie schon mehrfach erwähnt, geht es diesmal nicht gegen einen "äusseren Feind", wie z. B. den globalen Westen. Das ist Propaganda. Die Ukrainer wissen ganz genau, nachdem sie die erste Wucht des physischen Angriffs überstanden haben, wie man Russland weh tut.
Keine westliche Macht könnte das auch nur ansatzweise verstehen. Warten wir ab.
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