Meine ersten Erfahrungen mit "Ossis" -> sind anders. Aber ohne direkte Wertung.
Als Kind in einer Stadt mit gleich drei Garnisonen groß geworden, war zwar ein gewisser Militarismus da, aber gar nicht mal in der Art "Sowjetunion böse". Eher, wir können euch noch nicht aus den Augen lassen, also Westdeutschland. Ich behaupte, für die meisten ohne direkten Familienbezug oder näher als 100 km an der Grenze wohnend, war in den 70/ 80er Jahren die DDR, und noch mehr die Sowjetunion, etwas fremdes, über das man mal im Geschichtsunterricht gehört hat. In meinem Gymnasium war das Thema Warschauer Pakt/ Eiserner Zaun in 4 Stunden abgehakt, gegenüber einem ganzen Schuljahr 1. WK, Weimarer Republik, 2. WK, mit expliziten Vorträgen zum Holocaust. Ich hätte, mitten in der Nacht geweckt, die Namen sämtlicher KZs aufsagen können, aber sicher nicht mehr als drei der damaligen Namen ostdeutscher Städte.
Mein bester Freund hatte einen Handwerksbetrieb. Alles dabei, von der Schreinerei, Malerbetrieb und Dachdecker. Als die Mauer fiel, war er eine Woche später in Thüringen und hat ein Lager in Zella-Mehlis gekauft. Danach ein Gebäude in Suhl, dass zum Büro umgebaut wurde. Wie die Jungs danach drauf waren, Stichwort "Drückerkolonnen" (du brauchst dringend ein neues Dach, und ich habe sogar einen Kredit dazu), hat mein Bild vom kapitalistischem Wessi nachhaltig geprägt. Das war, als hätte sich ein Rudel Orcas auf eine Kolonie Robben gestürzt. Diese Naivität bei ihren "Kunden" an manchen Stellen, tat fast körperlich weh. Meine Kumpels haben sich in dieser Zeit eine goldene Nase verdient. Das Geschäftsmodell ging irgendwann so weit, das sich die Jungs drei Tanklaster im Osten kauften, sie in Rumänien betankt haben und den Sprit auf dem Weg verkauft haben. Mit dem "Reichtum" kam dann die Überheblichkeit und Arroganz, und man hat sich ganz schnell zerstritten und gegenseitig Konkurrenz gemacht. Nachdem mein Freund mit 35 gestorben ist, war auch die Firma schnell Geschichte. Funfact: Der damalige Mann meiner Frau aus Russland hatte mit seinen Kumpels Autos in Westdeutschland gekauft und in Russland vertickt. Das war deren erste Erfahrung mit Westdeutschland

Dann kam noch das Thema Treuhand auf und das Ganze erreichte ein neues Level.
Also ja, ich verstehe speziell die Antipathie von heute 60/70 jährigen gegenüber Wessis. Jeder machte seine eigenen Erfahrungen, die meisten waren aber wohl nicht gut.