Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Hier kann alles diskutiert werden, dass in die anderen Unterforen nicht passt. Aber bitte keine politische Diskussion anzetteln, dafür ist das Politikforum da.
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Axel Henrich
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Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Beitrag von Axel Henrich »

HJ52 hat geschrieben: 28 Okt 2026, 20:02Ein moeglicher Grund war, zumindest meiner Meinung nach, dass man Russland nach 1991 auf einen Weg bringen wollte, der im Westen manchen offenbar als angemessen erschien: auf die Knie, als billiger Rohstofflieferant für westliche Märkte und unter dem Einfluss global agierender Großkonzerne.
Genau so war das!
Habe gerade mal nachgeschaut, ob sich Uwes 10teilige Serie auch auf YT noch finden lässt - "Russlands Souveränitätsverlust oder Wie Russland zur US-Kolonie wurde“:
https://youtu.be/12bMWaMiRfA?is=e9PlMaig5GULQk2H

Hier im 1. Teil, ab 12:30 geht er genau darauf ein, mit Videoschnipsel u.a auch von Putin. Einigen sicher bekannt, aber hier gerne nochmal daran erinnert, so von wegen "verstrahlt" ...
"1500 Berater und mehrere 100 CIA Mitarbeiter saßen bereits in Schlüsselstellungen...."

-ah-
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Axel Henrich
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Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Beitrag von Axel Henrich »

Wladimir30 hat geschrieben: 28 Okt 2026, 20:23Das alte [o] in geschlossenen Silben wurde im Russischen beibehalten, im Ukrainischen wurde es zu (i)
Ingwann mal auf einer Heimreise, gab es da plötzlich eine physische Grenze, standen plötzlich Container als Grenzposten mit klapprigen Schlagbäumen. An den Brücken stand nicht mehr мост, das "о" war zwar noch zu sehen, zu erahnen, wurde aber mit einem "i" überpinselt und ich dachte noch, na die haben Probleme, wenn das gleich mal die 1. Amtshandlungen waren ....
Dass sich das dann zum Verbot der russ. Sprache und des Glaubens ausweitet, natürlich ohne Einwand der westl. Partner, hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. :shock:
Wladimir30 hat geschrieben: 28 Okt 2026, 20:23Es gab de facto kein Geld, um Waren zu bezahlen, alles wurde im Tauschgeschäft (Barter) bezahlt. Wer nichts anzubieten hatte, bekam auch nichts.
Kannste alt werden wie ne Kuh, lernste immer noch dazu ... :lol: Bei Barter musste ich erstmal die KI bemühen. Der Ursprung ist lustig daher mal kopiert:
Hier ist die historische Entwicklung des Begriffs:
• Altfranzösisch (barater): Bedeutete ursprünglich „betrügen“, „schummeln“, „feilschen“ oder auch „hin und her bewegen“.
• Mittelenglisch (bartren / barten): Im 14. Jahrhundert gelangte das Wort durch die Normannen ins Englische. Dort verlor es seine negative Bedeutung („betrügen“) und wandelte sich hin zu „Waren gegen Waren tauschen“ oder „feilschen“.
Ja, das war i.d.T. so, es gab tatsächlich kein Geld! Schwiegerleute haben 4, 5 Monate keine Rente bekommen und das nicht 1 Mal, nicht 2 Mal ... Rentner(!), die aus Gründen körperlich nicht mehr arbeiten konnten, wurden sich selbst überlassen ... Klar galt das nicht für Alle. Bergbau und Militär z.B. konnten nochmal bis zu 10 Jahren eher in Rente und konnten (mussten) natürlich weiter arbeiten und wenn es der eigene Garten, oder Tierhaltung war, die Einem im Winter ernährten.

In Rasskasow z.B. war es nicht Hühnerfleisch, hier war es Wolle, Tuch und im Nachbarort ein ziemlich großer Fellverarbeitungsbetrieb. Die Mitarbeiter konnten in den Läden "anschreiben" bzw. mit ihren eigenen Produkten bezahlen, bzw. im gewissen Maße auf dem Basar auch Handel treiben und sich wenigstens so über Wasser halten. Natürlich haben sich einige Wenige davon auch Häuser gebaut ...
Wladimir30 hat geschrieben: 28 Okt 2026, 20:23Dann jedoch kam eine neue Generation an Politikern in Erlangen an die Macht, die mit Russland nichts am Hut hatten. Die Unterstützung der Austauschprojekte wurde stark zurückgefahren, und der Partnerschaftsbeauftragte wandte sich rigoros ab (wie schon geschrieben). Er hatte sich in Zeitungsartikeln und Leserbriefen äußerst negativ über die ehemalige Liebe "Wladimir" geäußert, und da er die Schaltstelle des Austausches war, ist von diesen "Spuren", wie Du schriebst, nur noch sehr wenig übrig geblieben.
Wie im Kleinen, so auch im Großen ...
Auch Putin hat lange und leidenschaftlich versucht, Russland als gleichberechtigten Partner zu etablieren....

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Jenenser
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Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Beitrag von Jenenser »

Axel Henrich hat geschrieben: 29 Okt 2026, 14:13
HJ52 hat geschrieben: 28 Okt 2026, 20:02Ein moeglicher Grund war, zumindest meiner Meinung nach, dass man Russland nach 1991 auf einen Weg bringen wollte, der im Westen manchen offenbar als angemessen erschien: auf die Knie, als billiger Rohstofflieferant für westliche Märkte und unter dem Einfluss global agierender Großkonzerne.
Genau so war das!
Habe gerade mal nachgeschaut, ob sich Uwes 10teilige Serie auch auf YT noch finden lässt - "Russlands Souveränitätsverlust oder Wie Russland zur US-Kolonie wurde“:
https://youtu.be/12bMWaMiRfA?is=e9PlMaig5GULQk2H

Hier im 1. Teil, ab 12:30 geht er genau darauf ein, mit Videoschnipsel u.a auch von Putin. Einigen sicher bekannt, aber hier gerne nochmal daran erinnert, so von wegen "verstrahlt" ...
"1500 Berater und mehrere 100 CIA Mitarbeiter saßen bereits in Schlüsselstellungen...."

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Das blendet ein wenig die Vorgeschichte aus. Uwe ist sich im Beitrag nicht mehr ganz sicher, ob der Ost-West-Konflikt zu Zeiten des Kalten Krieges bis zum Jahr 1991 ein rein ideologischer war. Schließlich brach nach seinen Worten der Kommunismus als Gesellschaftssystem in der UdSSR ja zusammen, der beschriebene Konflikt blieb jedoch bis heute bestehen. Logische Konsequenz: ewiger Hass zwischen Amerika und seinen Verbündeten und Russland als Art Naturgesetz.

Im Jahr 1991 diskutierten wir in Jena noch mit sowjetischen Studenten über den zukünftigen Gang ihres Landes. Die Hauptfrage bestand doch, bleibt die sozialistische Planwirtschaft aufgrund des staatlichen Eigentums, einschließlich des staatlichen Handelsmonopols bestehen oder kommt es zur Rückkehr in den Kapitalismus (Marktwirtschaft) mit der Schaffung von Privateigentum im produzierenden Bereich. Die zweite Variante setzte sich bekanntlich durch. Einfach ausgedrückt, verschwanden diese ideologische Gegensätze im Ost-West-Konflikt. Die Sowjetunion bestand nun nicht mehr darauf, ihr sozialistisches/ kommunistisches Gesellschaftssystem, die Weltrevolution, zu exportieren.

Aber trieb der Kapitalismus und der Sozialismus zu Zeiten des Kalten Krieges keinen Handel? Natürlich, ...ist anderes Thema.

Wie war denn die Ausgangslage 1991 in der Sowjetunion? Tschernobyl 1986! Mit Freunden in Jekaterinburg unterhielt ich mich vor ein paar Jahren über die Explosion eines Zuges in ihrer Stadt am 4.10.1988, der bei ihnen die Fenster der Wohnung sogar eindrückte. Die ganze Sowjetunion schien auf einmal wie „Tschernobyl in Zeitlupe“. Menschenleben standen auf dem Spiel. In einigen Regionen bahnten sich Hungersnöte an. Das politische und wirtschaftliche System, noch sozialistisch, ging sichtbar aus dem Leim. Sabotage? Es gab sicher Leute, die den Zusammenbruch aktiv voran trieben. Auf der Suche nach `was Besserem für das Land? Auf der Suche nach Vorteilen für sich selbst?

Der „Westen“ machte Angebote und stellte Bedingungen. Natürlich ging es hauptsäschlich um Rohstoffe und Absatzmärkte. Wer hatte denn von den Russen Ahnung von Kapitalismus? Es gab im Vergleich zur DDR überhaupt kein Privateigentum, sei es im Handwerk, in der Gastronomie, im Dienstleistungsbereich. Es ist richtig, erst Putin, in der verantwortungsvollen Rolle des Präsidenten Russlands, überschaute diese Vorgänge und versucht sie bis heute im Interesse des eigenen Landes zu korrigieren.
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Wladimir30
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von Wladimir30 »

Nun, die Ideologie war natürlich seit jeher nur ein vorgeschobener Grund für den Kalten Krieg. Das Schlimme für die USA war, dass es keinerlei Werkzeug gab, in irgendeiner Form auf die Sowjetunion einzuwirken, dass es nicht möglich war, sie in das dollarregulierte Finanzsystem einzubinden. Das musste notfalls mit Gewalt geändert werden. Was es ja auch wurde. Schließlich waren die ersten Schritte, nachdem Russland am Boden war, gerade die komplette Einbindung in dieses System (ich nenne es stark verallgemeinernd das "Bretton-Woods System", das zwar offiziell schon lange zu Grabe getragen war, das aber in seinen Grundzügen und den Grundsteinen, die damals gelegt worden waren, bis heute noch die Weltwirtschaft beherrscht, wiewohl es sich doch langsam auflöst). Auch die russische Zentralbank ist ja immer noch an die USA direkt gebunden. Dieses Ziele wurden also erreicht, und es wäre noch viel weiter gegangen, wenn nicht WWP hier rigoros gegengesteuert hätte.

Von einem ewigen Hass zwischen USA und Russland kann man sicher nicht sprechen. It's only Business. HJ52 hat es ja auch sehr anschaulich dargestellt, wie schnell das damals ging. Dieser Hass wird einem gebetsmühlenartig eingeredet. Nun werden Amis und Russen in absehbarerer Zeit sicherlich keine dicken Kumpels, aber verinnerlichter Hass? Nein, glaube ich nicht.

Und, doch, es gab schon Privateigentum in der Sowjetunion. Nachdem Stalin recht bald bemerkte, dass es mit 100% Staatseigentum nicht lief, erlaubt er erst die NEP, dann blieben noch Reste übrig, wie z.B. die Datschen. Die zwar eng beschränkt waren in der Größe, die aber die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln im langen Winter einigermaßen sicherstellen konnten.

Inwieweit es in der Sowjetunion keine Leute gab, die Ahnung vom Kapitalismus hatten. Klar, abgebrühter Kapitalismushaie gab es natürlich nicht. Was aber sehr stark entwickelt war, waren die Institute, die sich mit Gesellschaftssystemen beschäftigt hatten. Hier gibt es immer noch einige Leute aus ich nenne es mal "dieser Schule", die Alternativen für den Sozialismus, aber auch für den gegenwärtigen Kapitalismus bereit hatten (und, soweit noch am Leben, auch noch haben). Sie werden vom gesellschaftspolitischen und soziologischen mainstream seit jeher klein gehalten, und ein Einbinden in Diskussionsrunden, um die Situation in diversen Ländern oder Bündnissen zu ändern erscheint derzeit undenkbar. Was an sich schon sehr schade ist.
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Jenenser
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von Jenenser »

Wladimir30 hat geschrieben: 30 Okt 2026, 17:38 Von einem ewigen Hass zwischen USA und Russland kann man sicher nicht sprechen. It's only Business. HJ52 hat es ja auch sehr anschaulich dargestellt, wie schnell das damals ging. Dieser Hass wird einem gebetsmühlenartig eingeredet. Nun werden Amis und Russen in absehbarerer Zeit sicherlich keine dicken Kumpels, aber verinnerlichter Hass? Nein, glaube ich nicht.
Unterhalte ich mich mit Datschnikis in Russland, herrscht allgemein große Freude über unsere gemeinsame Freizeitaktivität. Vergessen sind auf einmal die stets abgegebenen Kommentare über Gayropa und seine Missstände. Engste Freunde – wer hätte das gedacht.
Wladimir30 hat geschrieben: 30 Okt 2026, 17:38 Nun, die Ideologie war natürlich seit jeher nur ein vorgeschobener Grund für den Kalten Krieg.
Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus galt im einstigen Ostblock als gesetzmäßig. Die neue Gesellschaftsordnung wird sich durchsetzen. So kenne ich das noch aus dem Unterricht. Den Kapitalisten geht es also an den Kragen (auch mit Gewalt)!

Nach dem Zusammenbruch des Systems in Europa war guter Rat teuer. Das Leben ging ja weiter. Warten wir die Zukunft ab, klang da tröstlich. Am besten erging es jedoch denen, die sich den neuen Gegebenheiten anpassten.

Der ehemalige Erlanger Partnerschaftsbeauftragte schwamm einst auch mit dem Strom Und als der Wind drehte änderte er die Richtung. In einem „Jenaer und Erlanger Friedens-Appell“ vom Februar 2022, den er unterschrieb, wurde zunächst nur „die expansive Machtpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin“ verurteilt, während gleichzeitig eine Betonung darauf lag, „dass dies keine Pauschalverurteilung des russischen Volkes sein darf.“ Mit seinem öffentlich getätigtem Schrei: „Fluch und Schande über diese Russen!“ scheint mittlerweile sogar dieser Aufruf veraltet. Einige nennen das Radikalisierung.
Wladimir30 hat geschrieben: 30 Okt 2026, 17:38 Das Schlimme für die USA war, dass es keinerlei Werkzeug gab, in irgendeiner Form auf die Sowjetunion einzuwirken, dass es nicht möglich war, sie in das dollarregulierte Finanzsystem einzubinden. Das musste notfalls mit Gewalt geändert werden. Was es ja auch wurde. Schließlich waren die ersten Schritte, nachdem Russland am Boden war, gerade die komplette Einbindung in dieses System (ich nenne es stark verallgemeinernd das "Bretton-Woods System", das zwar offiziell schon lange zu Grabe getragen war, das aber in seinen Grundzügen und den Grundsteinen, die damals gelegt worden waren, bis heute noch die Weltwirtschaft beherrscht, wiewohl es sich doch langsam auflöst). Auch die russische Zentralbank ist ja immer noch an die USA direkt gebunden. Dieses Ziele wurden also erreicht, und es wäre noch viel weiter gegangen, wenn nicht WWP hier rigoros gegengesteuert hätte.
Hier bin ich noch im Lernprozess. Danke für Deine Ausführungen!
Wladimir30 hat geschrieben: 30 Okt 2026, 17:38 Was aber sehr stark entwickelt war, waren die Institute, die sich mit Gesellschaftssystemen beschäftigt hatten. Hier gibt es immer noch einige Leute aus ich nenne es mal "dieser Schule", die Alternativen für den Sozialismus, aber auch für den gegenwärtigen Kapitalismus bereit hatten (und, soweit noch am Leben, auch noch haben). Sie werden vom gesellschaftspolitischen und soziologischen mainstream seit jeher klein gehalten, und ein Einbinden in Diskussionsrunden, um die Situation in diversen Ländern oder Bündnissen zu ändern erscheint derzeit undenkbar. Was an sich schon sehr schade ist.
Welche Persönlichkeiten kommen Dir in den Sinn?
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HJ52
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von HJ52 »

Jenenser hat geschrieben: 01 Nov 2026, 23:39 Einige nennen das Radikalisierung.
Vorweg: Buchmaessig haenge ich gerade in der Zeit von 1871 bis 1955 fest. Was jetzt folgt, ist daher eine rein subjektive Einschaetzung. Beeinflusst von meinem aktuellen Hoer-Lesestoff.
Fuer mich ist die aktuelle deutsche Berichterstattung, soweit sie für mich sichtbar ist, stark von den deutschen Erfahrungen der Jahre 1930 bis 1945 geprägt. Wieder scheint "Die Gefahr aus dem Osten!" zu kommen. Entmenschlichung der Russen, der "Kreuzzug gegen den Bolschewismus"... Heute, so mein Eindruck, gegen Putin und damit gegen "den Russen" im Allgemeinen. Unterlegt mit Bildern und Berichten ueber die Brutalitaet des Russen, etwa aus Butscha.
Wer in Deutschland lebt und die dortigen Medien nutzt, nimmt meine Perspektive/Eindruck moeglicherweise kaum wahr. Man bewegt sich ueberwiegend innerhalb desselben medialen und politischen Rahmens. Von aussen betrachtet, das ist ausdruecklich mein persönlicher Eindruck, sehe ich eine gefaehrliche Entwicklung. Deutschland bewegt sich in eine Richtung, die an Propagandamuster aus der NS-Zeit erinnert. Nicht in jeder Hinsicht und (vielleicht) nicht mit denselben Mitteln, aber doch so deutlich, dass ich es beunruhigend finde.

Ich hoffe, dass wir irgendwann nicht wieder sagen müssen... "Davon haben wir alle doch nichts gewusst".
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von Zejtnot »

Interessant fand ich hier die aktuelle Unterhaltung von Paul Ronzheimer und Filipp Piatov.

Piatov meinte, wenn auf Schülerdemos ein pro-russisches Plakat gezeigt wird, dann könne dies ja nur vom russischen Geheimdienst stammen, der es den ahnungslosen Schülern untergejubelt hätte. Lustigerweise haargenau dieselbe Argumentationslinie, die bei jeder Oppositionsdemo in Russland gegenüber der russischen Opposition aufgetischt wird. (Zynische Bewertung: Vielleicht braucht man russische Wurzeln, um sich so wenig vorstellen zu können, dass es durchaus auch einfach so passieren kann, dass Leute anders denken als man selbst.)

Angenehm war, dass die Ronzheimer seinen Kompagnon selbst gebremst hat. War wohl dann doch etwas zu plump.
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von willi »

HJ52 hat geschrieben: 02 Nov 2026, 15:14 Entmenschlichung der Russen, der "Kreuzzug gegen den Bolschewismus"... Heute, so mein Eindruck, gegen Putin und damit gegen "den Russen" im Allgemeinen. Unterlegt mit Bildern und Berichten ueber die Brutalitaet des Russen, etwa aus Butscha.
Wer in Deutschland lebt und die dortigen Medien nutzt, nimmt meine Perspektive/Eindruck moeglicherweise kaum wahr. Man bewegt sich ueberwiegend innerhalb desselben medialen und politischen Rahmens.
Stimmt leider! Wenn man sich dann noch die Kommentare in den deutschen Medien anschaut, fällt auf, dass es überall eine handvoll Schreiberlinge im 24/7 Modus gibt, die ununterbrochen den Ukrainekrieg als den brutalsten jemals stattgefundenen Krieg beschwören, -wobei ich bei einem gewissen Teil davon ausgehe, dass es Lohnschreiber sind, so wie Jonas Tögel es in seinen Vorträgen über kognitive Kriegsführung beschreibt.
In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders
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Wladimir30
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von Wladimir30 »

Natürlich sind es Lohnschreiber! Hatte ich ja schon neulich geschrieben. Die Medien sind längst nicht mehr unabhängig, wie ein etwas tiefer gehender Blick in das Impressum und die dahinterstehenden Strukturen der großen Medienhäuser zeigt. Wer zahlt sagt an. Was ist denn aus dem inverstigativen Journalismus eines Spiegel (Immerhin keine Zeitschrift, sondern ein Nachrichtenmagazin) geworden, vor dem sogar jemand wie F.J. Strauß zittern musste?

Und deshalb hat auch HJ52 recht mit seinem Beitrag.

Traurig ist das.

Ist in Russland nicht wesentlich anders, schon klar. Nur bringen whataboutismen nicht weiter, weil sie am Kern nichts ändern.
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Re: Ost- und Westdeutschland, Beziehung zur Sowjetunion und Russland

Beitrag von Bluewolf »

Ist aber eigentlich schon seit Jahren ein alter Hut. Vielleicht weiß das aber auch nicht jeder.
Es gibt so gut wie keine Medien mehr, die eigene Korrespondenten vor Ort unterhalten, wie z. B. die berühmten Reporter im Vietnam Krieg oder im Irak. Dafür aber Agenturen wie dpa, Reuters usw. die Nachrichten und Bildmaterial einkaufen. Sie müssen sie aber nicht auf Richtigkeit überprüfen. Und das führt dann zu bizarren Situationen, wie z. B. am Beispiel Gaza, in denen unsere öffentlich rechtlichen Medien 1:1 Palästineneser Propaganda weiterverbreiten.
Nein, Journalisten müssen eingekaufte Meldungen von führenden Nachrichtenagenturen rechtlich gesehen nicht vor der Veröffentlichung auf ihre Richtigkeit überprüfen.
Verantwortlich dafür ist das sogenannte Agenturprivileg. Dies ist eine juristische Sonderregelung im Medienrecht, die durch die Rechtsprechung verankert ist. Sie besagt, dass Redaktionen auf die Richtigkeit, Sorgfalt und Zuverlässigkeit von etablierten und anerkannten Nachrichtenagenturen wie der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Reuters oder Agence France-Presse (AFP) vertrauen dürfen.
Also eigentlich müssten die Agenturen die Richtigkeit überprüfen. Die wollen das aber gar nicht, weil sie lieber in der gleichen Zeit Geld mit den Beiträgen verdienen, aka weiterverkaufen wollen. Und wo kein Kläger (also ARD, ZDF usw.), da kein Richter.

Und dazu noch ein vertiefender Text meines Lieblings Erklärbärs:
„Journalist“ ist in Deutschland kein geschützter Begriff. Ein Journalist ist jeder, der Informationen aufbereitet, veröffentlicht und das nicht nur hobbymäßig betreibt.
Ob jemand wirklich Journalist ist, findet eine Redaktion beispielsweise dadurch heraus, dass er Mitglied in einem Verband ist, er sich öffentlich so präsentiert (LinkedIn o.ä.) oder ob, was und wo er bereits veröffentlicht hat.
Ein Journalist sollte bestimmten Standards genügen, beispielsweise indem er Informationen neutral darstellt (nicht indem er ohne Meinung ist!) oder indem er selber möglichst unbeeinflusst arbeitet. Das ist auch die Erwartungshaltung an den Journalisten in unserer Gesellschaft.

Die öffentliche Vorstellung davon, was ein Journalist ist, ist aber falsch. Im größten Verband DJV können beispielsweise auch Ton-Ingenieure Mitglied werden. Und in einem Krieg kann natürlich jeder Bilder – heutzutage mit seinem Handy – machen und sie als „Foto-Journalist“ über Stock-Datenbanken verkaufen.

Die Lobby der Medien möchte aber dieses Bild des Journalisten in der Öffentlichkeit hochhalten. Wogegen ja nichts zu sagen ist. Es ist halt nur nicht unbedingt zutreffend.
Das tut sie u.a. auch dadurch, dass beispielsweise auch freie Zubringer als „unsere Mitarbeiter“ bezeichnet werden. Oder indem Lobby-Verbände gerne von „getöteten Journalisten“ sprechen, ohne überhaupt zu wissen, ob diese Getöteten tatsächlich Journalisten nach unserem Verständnis waren.
Es gibt also automatisch eine Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung unserer Gesellschaft und der Realität.

Vor dem Krieg gab es im Gazastreifen 12 Hochschulen. Was sehr viel ist für die Bevölkerung und den gesellschaftlichen Stand, da sie häufig durch das Ausland finanziert wurden. Alle diese Hochschulen wurden offiziell durch die Hamas geleitet. Die Hamas entschied auch darüber, wer einen Studienplatz erhält und wer nicht. Was vor dem Hintergrund von einer Arbeitslosigkeit von über 45% nochmal eine ganz andere Dimension bekommt.

An fünf dieser zwölf Hochschulen wurden Ausbildung im Bereich Journalismus und Medien angeboten.
Das bedeutet nichts anderes, als dass die Hamas sich seit 20 Jahren einen Stab für Public Relations heranzüchten konnte. Denn alle diese Menschen mussten sich mindestens gut mit der Hamas stellen. Und ihnen wird auf die Finger geschaut. Es gibt inzwischen viele Beispiele davon, was mit Menschen passierte, die etwas Unliebsames veröffentlichten.

Die unwillkürliche Reaktion vieler im „Westen“, Israel solle freie Journalisten in den Gazastreifen lassen, ist noch naiver. Auch, oder gerade, weil viele Lobby-Verbände der Medien das ja immer wieder eigennützig als Aufhänger verwenden.
Nicht nur, weil keine Streitkraft weltweit seit dem Vietnamkrieg Journalisten frei an einer Front herumlaufen lässt. Und der Gazastreifen ist genau das. Sondern weil dadurch so getan wird, als könnten westliche, wirklich freie Journalisten (nach unserem Verständnis) sich wirklich frei im Gazastreifen bewegen. Wenn Israel sie nur ließe.

Das hätten sie nicht nur bis zum Mai 2024 tun können. Denn erst dann hat Israel den Grenzübergang nach Ägypten besetzt. Der ja auch gerne ignoriert wird. Auch vor dem Krieg mussten Journalisten zunächst bei einem Vertreter der Hamas in Ost-Jerusalem abknien. Und dann durften sie in Begleitung aus dem Gazastreifen berichten. Das haben mir inzwischen mehrere Journalisten in persönlichen Gesprächen auch genau so bestätigt.

Damit die „westlichen“ Medien also überhaupt etwas berichten können – denn militärische oder nachrichtendienstliche Kompetenzen haben sie nicht – müssen sie zwangsläufig Informationen und Bilder oder Videos aus dem Gazastreifen kaufen.
Da sie dann zumeist von „unseren Mitarbeitern“ sprechen oder beispielsweise Video-Sequenzen oder gar Interviews nicht kenntlich machen, entsteht der Eindruck, sie seien vor Ort. Sie würden – nach unserem Verständnis – frei berichten.
Und das Ganze gilt für so gut wie jedes Krisengebiet. Und wenn sich dann doch mal jemand selbst vor Ort ein Bild verschafft, kommt lustigerweise sofort die "Lügenpresse" Keule :lol:
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