Glider hat geschrieben:Zur eigentlichen Frage:
Während ich erleben konnte, wie Russen in Deutschland teilweise recht reserviert entgegengetreten wird (Krieg, Vertreibung, Vergewaltigungsgeschichten nach dem Krieg und bei Vorrücken der Roten Armee), teilweise Russen hier als "Exoten" betrachtet werden, weil es Ignoranten gibt, die Russland mit Sibirien gleichsetzen und da tobt ja bekanntermassen der russische Bär (denkt mal an den Bären, mit dem früher die SU und Heute Russland dargestellt werden),
läuft es für mich in Russland wesentlich angenehmer, als man mir dort (nicht nur in der Verwandtschaft) mit freundlichem Interesse begegnet.
Das deutsche Organisiertsein wird im Allgemeinen positiv bewertet, Auswüchse wie der dubiose "grüne Punkt" mit Humor belächelt.
All dies kann ich 100 Pro bestätigen:
Es gibt in D massive Ressentiments gegen alles was irgendwie mit russ... zu tun hat. Deshalb tut man sich hier einen Gefallen, seinen - durchaus geachteten - Patritismus nicht als persönliches Aushängeschild zu benutzen.
Rückt man hingegen erst nach dem ersten Eindruck mit seiner Herkunft heraus, hat man die Punkte schon mal auf dem eigenen Konto.
Umgekehrt scheint es mir anders.
Aus diversen Gründen hat man offenbar trotz aller Kriegsverbrechen usw. so eine Art Bonus als Dt'er in RUS. Man wird mit Neugier und Interesse aufgenommen und gleichzeitig behandelt, wie jemand, der Fürsorge nötig hat.
Haarig wird es aber, wenn es um Politik, Organisation und Präzision geht oder wenn man davon ausgeht, dass das hiesige das 'Normale' wäre...
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)