Naila hat geschrieben:... Und dann werde ich gelobt: "Sie sprechen aber sehr gut Deutsch". Ich sage: "Es ist mein Beruf, und ich hoffe, ich bin ein Profi darin".
Ich verstehe Dich sehr gut. Aber vergiss es!
Das hatten wir gestern auch erst wieder bei einer Party, wo ein paar Gäste waren, die meine Frau noch nicht kannten. Sie spricht zwar nuns schon seit ca. 15 Jahren Deutsch (gelernte Lehrerin), aber was glaubst Du, was passiert ist?
... Richtig geraten.
Gut gekontert.Und dann werde ich plötzlich von jemandem, den ich schon ewig kenne, gefragt: "Und wann fährst du wieder nach Hause?" Ich sage: "Na ja, so um 8". "Nein, nach Hause, nach Rußland". Wohne ich hier im Hotel etwa? Bin ich jetzt dazu verdammt, mein Leben lang mich auf der Durchreise fühlen zu müssen?
Ob Du's Dir leisten kannst, im Hotel zu wohnen oder das auf Dauer gemütlich findest, weiß ich natürlich nicht...
Nein mal im Ernst. Ich glaube wirklich nicht, dass Leute die sowas fragen dies so meinen, wie: "Wann haust Du endlich wieder hier ab?"
Vielmehr stellen sich zunehmend Leute hier die Frage, ob es noch erstrebenswert ist, hier zu sein, wenn man auch Alternativen hat.
Und es ist ja nicht selten so, dass heimatliche Bindungen, die man durch sein Herkunft hat, von anderen missverstanden werden, als sehnte man sich zurück - das ist nicht nur bei Leuten aus Russland so.
Wenn z.B. die Südamerikaner hier gelegentlich versonnen von den schönen Seiten des Lebens dort schwelgen, die hiir fehlen, wird das oft genau so missverstanden.
Da muss ich ebenfalls fragen, mit was für Leuten Du zu tun hast.Und ehrlich gesagt, nach 15 Jahren möchte ich, daß es wenigstens für die mich bereits kennenden Leute auch andere Gesprächsthemen gibt, als "Herkunft" . Man könnte sich mit mir zum Beispiel über die institutionelle Kommunikation unterhaltenOder den Sommerschlußverkauf
.
Es ist eben immer und überall eine "Nebenwirkung", die Zuwanderer bewältigen müssen - z.B. in dem sie selbst die Gespräche in die gewünschte Richtung lenken.
Meine Frau hat das inzwischen meisterhaft drauf: Gestern hat sie ihre Quälgeister dann halt mit Fragen zum Staatshaftungsrecht für Handlungen öffentlich bediensteter "genervt".
Und angesichts der zahllosen gestrichenen Flüge in der jüngsten Vergangenheit, wurde sie im Gegenzug mit Fragen zu Schadenersatzansprüchen gegenüber Gesellschaften aus dem Nicht-EU-Ausland gelöchert.
Ist doch eine nette Partykonversation für einen 55. Geburtstag.
PS: Wenn ich Dir einen gut gemeinten Rat geben darf: Veruche das so gut es geht mit Gelassenheit zu nehmen. Denn ich habe es schon allzu oft erlebt, das zu starkes Pochen auf das, was ja eigentlich völlig berechtigt ist, ganz übel dazu geführt hat, dass da nur mit den typischen Klischees reagiert wird: Bei Leuten aus Russland wäre dies dann die allseits "beliebte" Bemerkung: "Naja, typische russische Statusneurose eben."
(Für andere Nationalitäten kannst Du Dir selbst zusammenreimen, was da aus dem Srücherepertoire heruasgefischt wird - irgend was passt schon.)



