Sanya hat geschrieben:Vielleicht noch eine Anmerkung: Soweit ich das in den russischen Medien sehe, wird eben keine Selbstreflektion betrieben [...].
Exakt so sehe ich es auch, und nicht nur im Bereich der Ökonomie, sondern auch bezüglich der Geschichte, der Politik, der Kultur, in der Unterhaltungsindustrie... (o weia, hoffentlich hab ich jetzt kein Fass aufgemacht).
Die Zollpolitik ist zumindest in dem Bereich, in dem ich mich auskenne, ein wichtiger Faktor der volkswirtschaftlichen Entwicklung, wenn auch die erhoffte Wirkung nicht garantiert ist. Holz beispielsweise wurde in Russland während der letzten 20 Jahre auch aufgrund der niedrigen Exportzölle vor allem in roher Form nach Finnland und in die VR China exportiert, mit dem Ergebnis, dass die Wertschöpfung, die mit der Veredelung des Holzes einhergeht, in diesen Staaten erfolgte (Schnittholz, Zellulose, Papier, Möbel etc.). Durch eine beachtliche Erhöhung dieser Zölle versucht die Regierung schon seit geraumer Zeit mit Erfolg, Investitionen der holzverarbeitenden Industrie im eigenen Land zu erzwingen. Russisches Holz ist auf dem internationalen Markt inzwischen sehr teuer geworden.
Dass der Forst- und Holzsektor wie fast überall auf der Welt bis ins Mark von Korruption und illegalen Machenschaften verdorben ist, interessiert in Russland niemanden, weder die staatliche Verwaltung, noch die russischen Unternehmer, noch die ausländischen Investoren (es sei denn, eine ENGO steigt ihnen aufs Dach, oder ein Großabnehmer stellt sich quer), da die Beteiligten trotz allem noch profitieren. Die Gesamtentwicklung wird in diesem Fall durch die Kriminalität kaum behindert, und die gravierenden langfristigen Folgen werden erst innerhalb der nächsten Jahrzehnten zutage treten.