Beratung im russischen Markt

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Apollo
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Beratung im russischen Markt

Beitrag von Apollo »

Dieser Thread ist eine Auskopplung aus http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?p=81950#p81950. Admin
Bountyhunter hat geschrieben:Hat jemand einen Tipp, wie und wo ich Erfahrungen mit dem russischen Markt sammeln kann?
Ich sprach von den Investitionen die von Seiten der Fa. Gazprom notwendig wären unter Berücksichtigung der in diesem Jahr anstehenden Refinanzierungserfordernis laufender Verbindlichkeiten.

Der Begriff "russischer Markt" ist sehr abstrakt, von welchem Markt sprichst Du hier ?
Wo ist das Bernsteinzimmer versteckt ?

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Bountyhunter

Re: Bündnisspolitik

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Apollo,

schon klar - nur für die nötigen Investitionen, gerade in mittelfristige Energielieferungen ist eben auch kein Geld seitens des Staates da.

Mit russischem Markt meine ich geographisch Belarus, die Ukraine und die Russische Föderation (ja, ich habe grob verallgemeinert, sorry :oops: ). Meine Fachgebiete sind die Personal- und die Organisationsentwicklung.

Herzliche Grüße,

Markus
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Apollo
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Re: Bündnisspolitik

Beitrag von Apollo »

Bountyhunter hat geschrieben:Mit russischem Markt meine ich geographisch Belarus, die Ukraine und die Russische Föderation (ja, ich habe grob verallgemeinert, sorry :oops: ). Meine Fachgebiete sind die Personal- und die Organisationsentwicklung.
Stelle ich mir schwierig vor, vor allem weil ich nicht sicher bin, ob es da überhaupt aktuell einen Markt gibt.

Einen ausgeprägten Mittelstand habe ich bisher in Russland noch nicht wahrgenommen. Ich bin immer nur auf extrem grosse Unternehmen getroffen oder auf den klassischen Kleinunternehmer.

Die Loyalität im Personalbereich ist meines Erachtens nach von beiden Seiten auch nicht ausserordentlich ausgeprägt. Ein grosses Problem von Firmen war in der Vergangenheit die Deckung des Personalbedarfs. Kam ein besseres Angebot hat der Arbeitnehmer die Firma sofort verlassen.

Organisation, Effizienz usw. ist glaube ich auch schwierig, das Wirtschaftssystem ist doch noch stark von den Verflechtungen und Hierarchien der Vergangenheit geprägt. Effizienz ist nicht unbedingt ein anzustrebendes Merkmal.

Klar, Russland braucht know how, dieses ist aber, basierend auf meiner Erfahrung, in aller Regel technologiebasiert. Bei Projekten die mir aus dem Mining Bereich bekannt sind hatte immer die Regierung oder eine Oligarchenholding die Finger im Spiel.

Deine Kunden im Einzelhandel ? :D
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Bountyhunter

Re: Bündnisspolitik

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Apollo
Apollo hat geschrieben:Die Loyalität im Personalbereich ist meines Erachtens nach von beiden Seiten auch nicht ausserordentlich ausgeprägt. Ein grosses Problem von Firmen war in der Vergangenheit die Deckung des Personalbedarfs. Kam ein besseres Angebot hat der Arbeitnehmer die Firma sofort verlassen.
Ich denke vor diesem Hintergrund ist der Begriff "Humankapital" durchaus kommunikabel. Allerdings wird das im produzierenden Gewerbe häufig nicht so gesehen - vgl. Zeitarbeit bei uns.
Apollo hat geschrieben:Organisation, Effizienz usw. ist glaube ich auch schwierig, das Wirtschaftssystem ist doch noch stark von den Verflechtungen und Hierarchien der Vergangenheit geprägt. Effizienz ist nicht unbedingt ein anzustrebendes Merkmal.
Hm - ich habe die Erfahrung gemacht, dass dis bei unserem Mittelstand auch kein großes Thema ist. Durch Vorträge und Überzeugungsarbeit kam ich dann aber schließlich doch zum Zug.
Apollo hat geschrieben:Klar, Russland braucht know how, dieses ist aber, basierend auf meiner Erfahrung, in aller Regel technologiebasiert. Bei Projekten die mir aus dem Mining Bereich bekannt sind hatte immer die Regierung oder eine Oligarchenholding die Finger im Spiel.
Klar - weil es sich eben um produzierendes Gewerbe mit wenigen Jobclustern handelt. Da sieht man das noch nicht so eng - allerdings habe ich wiederum den Eindruck, dass Russland da schon darauf schaut, wie es denn anderswo gemacht wird und mit der Zeit kann die PE / OE auch zu einem zentralen Thema werden. Möglicherweise ist da auch der demographische Wandel ein Thema (obwohl ich das erst vernünftig recherchieren müsste, bevor ich da etwas sage).

Herzliche Grüße,

Markus
Bountyhunter

Re: Bündnispolitik

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Apollo,
Apollo hat geschrieben:Deine Kunden im Einzelhandel ? :D
boah - nä! Das war jetzt aber gemein!

KMU ist doch nicht gleich Einzelhandel! Auf dem Bild sieht man ja wohl auch hauptsächlich Handelwaren aus China, etc.
Wenn es jetzt um einen Hersteller von irgendeiner Ware gehen würde - gut.

Ürbigens: Ich würde KMW oder Diehl auch nicht als große Unternehmen bezeichnen - aber die stehen gut da.

... aber Bettvorleger, oder was das sein soll ... also wirklich - obwohl ich den rosa Klovorleger echt gut finde, wo findet man hierzulande noch sowas? :lol:

Gruß,

Markus
Zuletzt geändert von Bountyhunter am 30 Mär 2009, 23:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Apollo
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Re: Bündnisspolitik

Beitrag von Apollo »

Bountyhunter hat geschrieben:
Apollo hat geschrieben:Organisation, Effizienz usw. ist glaube ich auch schwierig, das Wirtschaftssystem ist doch noch stark von den Verflechtungen und Hierarchien der Vergangenheit geprägt. Effizienz ist nicht unbedingt ein anzustrebendes Merkmal.
Hm - ich habe die Erfahrung gemacht, dass dis bei unserem Mittelstand auch kein großes Thema ist. Durch Vorträge und Überzeugungsarbeit kam ich dann aber schließlich doch zum Zug.
In Deutschland sprichst Du, wie soll ich es ausdrücken, eine autonome Organisationseinheit an, die vielleicht sogar auf Basis rationaler Kriterien eine Entscheidung trifft. In Russland wendest Du Dich an ein System, das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen auf breiter Basis.
Mit jeder organisationalen Veränderung schaffst Du Verlierer im System, die einfach nicht verlieren wollen. Ihren Einfluss, Ihre Position, usw.
Nicht umsonst ist die Systemverkrustung und deren Sprengung ein nach aussen hin beliebtes Thema in Russland auf unterschiedlichen Ebenen.
Es wird viel geredet, aber wenig verändert ;-)

Schon mal die AHKs und die Bfai abgeklappert ?
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Re: Bündnisspolitik

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Apollo,

danke für den Tipp mit den AHKs und der Bfai.

Ich glaube kurzfristig ist es nicht geschickt und auch der Regierung und dem System gegeüber nicht wertschätzend, diese Strukture aufbrechen zu wollen. Die Botschaft ist aber: Durch gezielte Personalwirtschaft und Personalqualifikation weniger Verlierer zu schaffen und das Land in die Lage zu versetzen, zu einem selsbtlernenden System zu werden.

Nun, ich möchte nicht in den verdacht kommen, eine messiastische Botschaft verbreiten zu wollen. Aber kurfristig kann man so sogar Geld sparen und aktives Qualitätsmanagement realisieren.

Gruß,

Markus
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Zejtnot
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Zejtnot »

Markus, ich weiß, dass dies überheblich klingt, aber mit deutschem Qualitätsmanagement kommt man in Russland nicht weit. Ich habe in mehreren internationalen Firmen gearbeitet und gesehen, wie da die Vorgesetzten kamen und europäische Ordnung in ein russisches Unternehmen bringen wollten - und gescheitert sind. Der russische Personalmarkt, ebenso der Absatzmarkt und Immobilienmarkt, haben eine ganz eigene Dynamik, da man nicht unterschätzen sollte.

Klassische Wirtschaftstheorien sind quasi außer Kraft gesetzt und viele Entscheidungsprozesse sind mit Vernunft nicht zu begreifen. Wenn nun Dein Kunde plötzlich objektiv betrachtet vernünftig entscheidet, wird dies für ihn eher zu einem Nachteil als Vorteil.

Klassische Konzepte lassen sich definitiv nicht 1:1 übernehmen. Gewisse Grundzüge natürlich schon - aber wenn Du bislang keinerlei Erfahrung mit Russland hast, dann fehlt Dir quasi viel Wissen, wo Anpassungen an die europäischen Denkweisen nötig sind.

Wenn Du also unvorbereitet - oder nur nach ein paar Lektüren oder Vorträgen - direkt im russischen Markt Deinen Service anbieten wirst, solltest Du Dich auf einige Fehlschläge einstellen.
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Zejtnot,

zunächst einmal danke für all' die interessanten und vorallem anregenden Inputs hier (abgesehen von den Klovorlegern :D - ich kann's immer noch nicht vergessen ;) )

Ich bin wirklich dankbar für die vielen Hinweise und Ratschläge - aber in erster Linie weiß ich zu schätzen, dass es hier einen vernünftigen Diskurs zu Sachthemen gibt.
Zejtnot hat geschrieben:Markus, ich weiß, dass dies überheblich klingt, aber mit deutschem Qualitätsmanagement kommt man in Russland nicht weit. Ich habe in mehreren internationalen Firmen gearbeitet und gesehen, wie da die Vorgesetzten kamen und europäische Ordnung in ein russisches Unternehmen bringen wollten - und gescheitert sind. Der russische Personalmarkt, ebenso der Absatzmarkt und Immobilienmarkt, haben eine ganz eigene Dynamik, da man nicht unterschätzen sollte.
Gut - die will ich kennen lernen. Es wäre ja auch überheblich von mir, da hinzukommen und da ein neues System aus dem Boden stampfen zu wollen - bzw. das deutsche System kopieren zu wollen. Das klappt ja schon innerhalb Europas nicht. Hier kann ich auf Erfahrungen mit zwei großen Unternehmen aus Luxemburg zurückblicken (keine Banken! ;) ).
Zejtnot hat geschrieben:Klassische Wirtschaftstheorien sind quasi außer Kraft gesetzt und viele Entscheidungsprozesse sind mit Vernunft nicht zu begreifen. Wenn nun Dein Kunde plötzlich objektiv betrachtet vernünftig entscheidet, wird dies für ihn eher zu einem Nachteil als Vorteil.
Verstehe. Es steht also wirklich die Personalschulung im Vordergrund (Personal = alles ab und incl. Führungsebene 2) - mit den Theme Qualitätssicherung und -steigerung ... und das, wenn ich recht verstehe, in begrenztem Rahmen.
Zejtnot hat geschrieben:Klassische Konzepte lassen sich definitiv nicht 1:1 übernehmen. Gewisse Grundzüge natürlich schon - aber wenn Du bislang keinerlei Erfahrung mit Russland hast, dann fehlt Dir quasi viel Wissen, wo Anpassungen an die europäischen Denkweisen nötig sind.
Eigentlich eine sehr gute Ausgangslage: Dann fallen die großen und nach eben diesem Schema arbeitenden Unternehmensberatungen auf die Nase. (Es gibt hierzu übrigens ein schönes, kurzweiliges Buch: "Beraten und verkauft: McKinsey & Co. - der große Bluff der Unternehmensberater").

Genau deshalb suche ich nach Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln - jedenfalls war meine bisherige Erfahrung: Kein Konzept, das Du im Unternehmen A erarbeitet hast, lässt sich ohne weiteres auf Unternehmen B übertragen. Wenn man sich nicht die Zeit nimmt, auf jedes Unternehmen einzeln einzugehen, handwerklich gut zu analysieren und mal richtig Zeit aufwendet, dann geht es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Hose!

Da liegt aber auch das Problem: Je mehr Zeit ich aufwende, desto niedriger wird im Grunde mein Stundensatz. Nur gehört es eben zu meiner Arbeitsethik, dass ich meine Zeit lieber mit meinem "Handwerk" verbringe, als auf dem Golfplatz oder sonstwo abzuhängen. Das ist aber leider das Problem vieler Berater - dann muss bei Versagen eben das Unternehmen als Schuldiger herhalten. Genau das aber würde ich weder in Deutschland noch in irgendeinam anderen Land machen - aber: Es gibt viele, die genau das tun.
Zejtnot hat geschrieben:Wenn Du also unvorbereitet - oder nur nach ein paar Lektüren oder Vorträgen - direkt im russischen Markt Deinen Service anbieten wirst, solltest Du Dich auf einige Fehlschläge einstellen.
Also das werde ich bem besten Willen nicht tun! Wahrscheinlich würde ich auf diese Weise eh' keine Aufträge bekommen: Da wird dann lieber McKinsey gebucht, man macht schlechte Erfahrungen und dann ist wieder der Ruf aller Berater schlecht. Ich denke, der Weg führt eher über den Dialog, der noch nicht auftragsgesteuert ist - vielleicht auch über die Qualifizierung von Mitarbeitern in diesen Themen und einer sich anschließenden Umsetzungsbegleitung. Ich gehe da ganz unvorbelastet ran, denn ich will ja selbst lernen - außerdem behaupte ichmal, dass ich genau das habe, was die großen Freibeuter der Bertungsbranche nicht haben: Die nötige Bescheidenheit. Allerdings sehe ich darin auch wieder einen neuen Zwiespalt: Einerseits steht man in Russland wohl darauf, wenn jemand beeindruckt andererseits lässt man sich nicht gerne für dumm verkaufen.

Mein Maxime ist es jedenfalls (und das hat sich bewährt): Nicht kurzfristig am, sondern langfristig mit dem Unternehmen verdienen!

... und das hat schließlich mit einer Sache zu tun, die Du in der Beratungsbranche sehr, sehr selten finden wirst: mit Loyalität!

Herzliche Grüße,

Markus
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Zejtnot »

Bountyhunter hat geschrieben:abgesehen von den Klovorlegern :D - ich kann's immer noch nicht vergessen ;)
Verstehe ich gerade nicht, muss irgendwas verpasst haben.

Jedenfalls klingen Deine Vorstellungen schon sehr differenziert, was mich beruhigt. Wo man da aber im Moment am besten anfängt, kann ich Dir auch nicht sagen. :oops:
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