Marco hat geschrieben:Naila hat geschrieben: Polen sind da ganz anders. Von den baltischen Völkern ganz zu schweigen. Ich habe hier mit einer jungen Frau aus Litauen studiert. Sie besuchte vorzugsweise Seminare, die etwas mit Rußland zu tun hatten, konnte in einem akzentfreien Russisch zitieren, doch mit mir sprach sie nur Deutsch. Ich fand es zwar lustig, habe das aber widerspruchslos akzeptiert.
Wenn du in die Geschichte zurückblickst, dann weißt du warum es so ist.
Um es mal salopp zu formulieren:
Für sämtliche osteuropäischen Staaten war die Zeit von 1945-1990 eine "Episode" ihrer Geschichte. Die Russen sind gekommen, haben ihre Armeen dort stationiert, der Bevölkerung eins auf den Deckel gegeben, wenn mal ein Aufstand war und danach sind sie wieder abgezogen ohne wirklich tiefgreifend in die Kultur der Länder eingegriffen zu haben.
Genauso ist es ja auch im Verhältnis Deutsche-Russen. Die Deutschen sind zwar schuld am Tod von 20 Millionen Russen, wir waren aber nur kurz in Russland und die derzeitigen Generationen fühlen sich nicht tangiert, da sie nicht "dabei" waren. Als Deutscher wurde ich auch in Russland immer sehr freundlich aufgenommen.
Bei den explizit von dir genannten Staaten (Polen, Lettland, Litauen, Estland) ist die Sache ein wenig anders gelagert.
In Polen wurde seit Aufkommen von Nationalstaaten im 18. Jahrhunderts (bis zum 1. Weltkrieg), eine aktive Germanisierungspolitik bzw. Russifizierungspolitik betrieben. Ein unabhängiges Polen gab es dann erst nach Ende des 1. Weltkriegs. Und Deutsche, Österreicher und Russen waren teilweise nicht zimperlich in ihren Methoden.
Eine Tragödie des polnischen Volkes war es ja auch noch, dass sie im 1. Weltkrieg gegeneinander kämpfen mussten. Dort ist die Abneigung zu Russen (und Deutschen) jahrhundertelang entstanden, das kriegst du nicht innerhalb von ein paar Jahren ausgebügelt.
Bei den baltischen Staaten ist der Zeitraum zwar kürzer:
Bei Estland setzte die erste Welle der Russifizierungspolitik 1885 ein. Später natürlich während und nach dem 2. Weltkrieg, wie in den anderen baltischen Statten auch, wurden "baltische" Bürger de.......
1995) 18 e russisch"sprachige" Nationalitätenschule in Riga Lettland 10 Klasse.
11 Ukrainer (Staatenlos)
7 Russen (Staatenlos)
1 Ukrainer (Staatsangehörigkeit)
3 Weissrussen (Lettische Staatsbürger)
2 Polen (Staatenlos)
1 Bürger Israels
1 Armenier (Armenischer Bürger)
3 Armenier (Staatenlos)
2 Roma (wobei diese als Letten bezeichnet wurden und Staatsangehörige waren )
Und 1 Deutscher Staatsbürger (Ich)
Ich würde hier nicht Russen sagen sondern "russischsprachige" Menschen. In Lettland ist nur eine kleine Minderheit ethnisch russisch. Und die meisten sind nicht aus Russland gekommen sondern aus der Ukraine und Weissrussland.Viele aus dem zerstörten Sewastopol... (Deshalb sind viele russischsprachige Rigenser so hübsch)
Zum anderen war der 1 Weltkrieg auch für die über 2 Millionen Deutschen in Russland ein schreckliches Erlebnis als Deutsche gegen Deutsche zu kämpfen.
Ich weiss von einer Geschichte eines Urgrossonkels der sich in Petersburg erschossen hatte als er seinen Marschbefehl zur Westfront bekommen hatte.
Auch hat sich die ostpreussische Ehefrau von einem Urverwandten getrennt weil dieser als russischer Offizier gegen Deutschland in Ostpreussen kämpfte.Sie und die Kinder wurden in Petersburg interniert. Mein Urgrossvater starb an den Folgen einer Krankheit die er im Deutschen Kriegsgefangenenlager bekommen hatte kurz nach dem Krieg.
Die Psyche dvieler Deutschbalten wurde im 1 Weltkrieg zerstört. Deutsch war Lebensgefährlich.. es wurde in Radikalismen geflohen. Ein Teil kämpfte als Deutscher an der Front.. ein anderer Teil lief gerne zu Reichsdeutschland über (und wurde dort oft interniert)...ein anderer Teil versuchte in den Strassen von Petersburg und Moskau sich zu verstecken. Es wurden Deutsche Geschäfte angezündet usw...
Der Deutschbaltischen Adligen... Zur gleichen Zeit kämpfte in Ostpreussen der halbe baltische Adel gegen ihre Vettern und sogar Brüder. So wurde ein Graf von Lambsdorf 1914 von der Einheit seines eigenen Vetters getötet.
Nach der Niederlage 1914 in Königsberg wurden die Deutschbalten zum Zielobjekt der russischen Propoganda.. fast alle Deutschen aus dem Generalstab der russischen Armee versetzt oder in Rente gezwungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Rennenkampf
Das Problem der Balten.. und der Realität.. Sie haben es nicht kappiert das russischsprachige Menschen nicht Russen sind wobei diese Menschen aber sehr gerne sich mit Russland verbunden fühlen.
Im Fall Lettland wiederholte sich der gleiche Fehler der Ersten Lettischen Republik. Damals konnte die politische Elite nicht die Minderheiten (Polen,Russen,Weissrussen, Ukrainer,Deutschen,Juden) in die Republik holen. Es war trotz vieler Fälschungen in den lettischen Geschichtsbüchern nicht für einen Polen oder Deutschbalten .. Möglich ein "Lette" im Sinne von Staatsbürgerschaft zu sein.Die Abgeordneten der Deutschen und Polen redeten im Parlament Russisch oder Deutsch und führten nur Monologe... (Sie fühlten sich als Livländer, Kurländer, Deutsch,Pole usw)So ist zwar heute der Bürgermeister von Riga ein lettischer Staatsbürger und ein ethnischer Russe doch sogar er hat Probleme zu sagen "Ich bin ein Lette".. Er nennt sich "russischsprachig".. oder Rigenser.
Es gibt bei jungen russischsprachigen Leuten ein neues Kunstwort (seit etwa einem Jahr)... " Latviski" (wie etwa 1992 Rosian) .. ein ethnischer Lette heisst auf Lettisch Latvietis(e) aber Latviski gibt es nicht..alle anderen sind Krieviski (Russisch) noch nicht einmal im Sprachgebraucht der Sprachforscher habe ich von diesem Wort gehört.. Und das wohl EXTRA:. Es würde die politische Elite im Land in ein Problem bringen.. Ethnische Nicht-Letten fühlen sich zum Land verbunden im Sinne von Nation und Staatsangehörigkeit. So etwas ist eine Gefahr für eine politische Elite die sich ständig mit Feindbildern halten muss.