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Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 14 Jun 2010, 17:27
von harald63
kleinererpel hat geschrieben:Kenne in Deutschland einige "Studierte" die sich mit Taxifahren über Wasser halten! Nicht jede akademische Laufbahn macht Sinn bzw. führt in ein Arbeitsverhältniss.

An den Unis läuft aber auch einiges an Profs und Dozenten rum, die mal besser Taxifahrer sein sollten anstatt auf Studenten losgelassen zu werden.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 14 Jun 2010, 19:18
von Sanya
Das mit der "wishee obrosawanie" ist m.E. ein lokaler Fetisch - für einen Haufen Tätigkeiten (studierte Ökonomen, die als Buchhalter arbeiten, studierte Marketingleute, die als Verkäufer tätig sind, etc. pp) brauchte man keinen Uniabschluss. Ist also verschenkte Zeit.
Aber auch bei den Uniabsolventen aus dem postsowjetischen Raum die es durchziehen ist es idR so, dass die alles toll auswendig können, leider aber nicht denken gelernt haben (Ausnahmen bestätigen die Regel). Aber in D sind wir ja mit dem Batscheler de facto auch stramm auf dem Weg dahin....
Ein Depp mit Diplom bleibt immer noch nur ein Depp. Studiert hin oder her.
S.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 14 Jun 2010, 21:55
von lixil
Sanya hat geschrieben:
Aber auch bei den Uniabsolventen aus dem postsowjetischen Raum die es durchziehen ist es idR so, dass die alles toll auswendig können, leider aber nicht denken gelernt haben (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Ein Bekannter von mir der in Russland studiert (Naturwissenschaftler), und anschließend in Deutschland gearbeitet hat, hat mir auf die Frage wo denn die Ausbildung besser wäre in Rus oder in Deutschland,so geantwortet. Die russischen Absolventen hätten ein tieferes Verständniss von der Materie, würden aber länger brauchen um nach der Uni am Arbeitsplatz produktiv zu werden. Die Deutschen Absolventen wären dagegen viel schneller in der Lage sich auf die Anforderungen im Unternehmen einzustellen, hätten aber größere Schwierigkeiten wenn für die Problemlösung tiefgreifendes Wissen notwendig ist.
- Meine Erfahrungen bestätigen diese Aussage.
Der oben zitierte Spruch trifft möglicherweise auf bwl´er zu. Diese Ausbildung ist dort wirklich schlechter. Die Sprachwissenschaftler zeichenen sich auch oft dadurch aus, dass sie sehr viel Wissen, über die erlernte Sprache haben, aber diese dennoch nicht ganz so gut sprechen.
Bei Naturwissenschaftlern würde ich den zitierten Spruch aber auf keinen Fall unterschreiben.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 14 Jun 2010, 23:18
von Sanya
lixil hat geschrieben:Der oben zitierte Spruch trifft möglicherweise auf bwl´er zu. Diese Ausbildung ist dort wirklich schlechter. Die Sprachwissenschaftler zeichenen sich auch oft dadurch aus, dass sie sehr viel Wissen, über die erlernte Sprache haben, aber diese dennoch nicht ganz so gut sprechen.
Bei Naturwissenschaftlern würde ich den zitierten Spruch aber auf keinen Fall unterschreiben.
Danke für die Ergänzung. Du hast Recht und das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Naturwissenschaftliche/technische Studiengänge haben in RUS mehr Substanz. Bei Ingenieuren war (!) D ganz klar vorne - heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Meine Aussage bezog sich in der Tat auf die eher soften (manchmal auch Hilfswissenschaften genannten) BWL/VWL/Rechtswissenschaften/Business Administration/Unternehmensführung bzw. vergleichbare Studiengänge.
S.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 15 Jun 2010, 06:37
von Zejtnot
Ich denke der russischen Hochschulausbildung fehlt zum einen die Praxis und zum anderen die Entwicklung zur Selbstständigkeit. Eine Freundin, die zuvor in Russland studiert hat und nun in Deutschland studiert, meinte zu mir: "Ist überhaupt kein Vergleich! In Russland machst Du ein halbes Jahr Party oder gehst Arbeiten, dann setzt Du Dich drei Wochen vor der Prüfungszeit hin und lernst alles fix auswendig. Einen Tag nach der Prüfung hast Du es schon vergessen. In Deutschland wäre das unmöglich, da musst Du wirklich zu den Vorlesungen, damit Du den Stoff begreifst. Auswendig lernen hilft Dir dort nicht."
Ich selber habe in Moskau zwei Semester studiert, an der Eisenbahnuni (MIIT). Das vermittelte Wissen entsprach dem Lehrstoff einer Berufsschule der Deutschen Bahn. Geforscht wurde überhaupt nicht. Der Dezent las aus seinem Skript vor und alle hatten mitzuschreiben. Wer dies nicht tat, wurde ermahnt. In der Prüfung hatte man den Stoff vorzubeten. Eine Anwendung (!) des Stoffes, Weiterdenken, wurde nicht verlangt. Jeder wurde mitgeschleift - ein selbst organisiertes Studium, wie in Deutschland, gab es nicht.
Ich habe viele deutsche Austauschstudenten befragt - fast alle konnten meinen Eindruck bestätigen. Ausnahmen gibt es, aber diese trifft man vor allem in den seltenen Fächern der Naturwissenschaften (Physik, vereinzelt Mathe, ...). Auch das Architektur-Studium meiner Frau schien mir ausreichend breit aufgestellt zu sein. Ganz böse ist es hingegen in VWL - da hatte ich in der Grundlagenvorlesung für Ingenieure mehr Stoff behandelt, als hier im Hauptstudium dran kommt.
Stampiman hat geschrieben:Abitur und 2 Ausbildungen
Dies würde ich als gleichwertig zur russischen Hochschulausbildung bezeichnen.
In Russland gibt es einfach kein passendes Gegenstück zur deutschen Berufsausbildung (mit Berufsschule und Ausbildungsbetrieb). Es gibt Technikums, aber auch dort fehlt die Praxis. Insofern wäre man ohne Hochschulabschluss quasi ohne Ausbildung - deswegen besuchen in Russland mehr Leute die Hochschule!
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 15 Jun 2010, 08:18
von bella_b33
Zejtnot hat geschrieben:
Ich selber habe in Moskau zwei Semester studiert, an der Eisenbahnuni (MIIT).
Tuuut Tuuut

*duck und weg*
Zejtnot hat geschrieben:
Das vermittelte Wissen entsprach dem Lehrstoff einer Berufsschule der Deutschen Bahn. Geforscht wurde überhaupt nicht. Der Dezent las aus seinem Skript vor und alle hatten mitzuschreiben. Wer dies nicht tat, wurde ermahnt. In der Prüfung hatte man den Stoff vorzubeten. Eine Anwendung (!) des Stoffes, Weiterdenken, wurde nicht verlangt. Jeder wurde mitgeschleiftne Hochschulabschluss quasi ohne Ausbildung - deswegen besuchen in Russland mehr Leute die Hochschule!
Einige Mitstudenten kamen auch nur einmal im Jahr in die Uni......und haben es auch geschafft, wie mir meine Frau letztens mitteilte.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 15 Jun 2010, 19:03
von Uwe
Zejtnot hat geschrieben:
Stampiman hat geschrieben:Abitur und 2 Ausbildungen
Dies würde ich als gleichwertig zur russischen Hochschulausbildung bezeichnen.
Das zweifle ich aber sehr stark an. Wenn ich den Schreibstil von Stampiman sehe, kann ich da kaum ein Abitur erkennen und mich würde die Art der Ausbildungen interessieren.
Es kommt in Russland darauf an, an welcher Uni man studiert. Pauschalieren bringt da nichts.
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 16 Jun 2010, 08:15
von bella_b33
Uwe hat geschrieben:Wenn ich den Schreibstil von Stampiman sehe, kann ich da kaum ein Abitur erkennen und mich würde die Art der Ausbildungen interessieren.
Understatement pur!;) Aber freut mich wenigstens, daß mal wieder jemand in den Fettnapf getreten ist, Uwe!
Mich würde mal interessieren, was man aus meinem "Schreib-Stiehl" so alles herausliest
P.S. Ich war vor einigen Jahren irgendwann einmal bei der Bundeswehr, meinen Pflichtwehrdienst ableisten. Was man dort an "Intelligenzbestien" sah, da musste man sich schon gelegentlich Gedanken über die Art der Schulbildung machen! Aber fast alle frisch vom Abitur!
Re: Wie "HOCHWERTIG" ist eine russische Lehrerausbildung
Verfasst: 18 Jun 2010, 11:11
von opag78
Das hohe gesellschaftliche Ansehen von akademischen Titeln ist keine russ. Eigenheit, sondern gilt in gleicher Form auch fuer die meisten asiatischen und arabischen Laender.
Um genau zu sein, ist das heutige Nichtansehen von akademischen Titeln in Deutschland eher die Ausnahme und nicht anderersherum.
Sicher kann man argumentieren, dass die Wichtigkeit von akademischen Titeln in Russland zu einem gewissen Diplom-Fetischismus gefuehrt hat und die Qualitaet verwaessert wurde, nichtsdestotrotz gilt der HochSCHULabschluss (nicht Hochabschluss) in Russland als der wichtigste Gradmesser fuer den Bildungsstand eines Buergers, waehrend in Dtl. das Abitur diese Rolle eingenommen hat.
In der Tat ist es voellig normal, dass in Multinational Corporations alle geistig taetigen Mitarbeiter von der Sekretaerin bis zu den (russ.) Leitern einen Hochschulabschluss vorweisen koennen/muessen. Arbeiter, Lagerarbeiter,Fahrer usw. natuerlich nicht.
Es kam daher frueher manschmal zu merkwuerdigen Situationen wenn auslaendische Expats ohne Hochschulabschluss ploetzlich auf Ablehnung von ihrer durchweg akademisch gebildeteten Mitarbeiterschaft stiessen.
Inzwischen sind aber Hochschulabschluesse in vielen Taetigkeiten fuer Auslaender sowieso vorgeschrieben, um ueberhaupt eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten.
Um also das Ursprungsfrage vom ersten Beitrag zu beantworten. Ohne Hochschulabschluss wird man im Allgemeinen in Russland, aber auch in China, Indien, Malaysia etc. als nicht faehig angesehen, irgendwelche anderen als niedere Taetigkeiten oder Zuarbeiten auszufuehren.