Re: Reisebericht - 14.000 km Russland mit allen Verkehrsmitt
Verfasst: 19 Jul 2011, 01:38
von Axel Henrich
bauerkiel hat geschrieben: - Fotos - Bin noch nicht so ganz fit mit den Möglichkeiten des Forums
In der
Fotogalerie des RusslandForums findest du auch Hinweise fuer die ersten noetigen Schritte um hier im Forum Fotos zu posten ...
-ah-
Re: Reisebericht - 14.000 km Russland mit allen Verkehrsmitt
Verfasst: 22 Apr 2012, 23:12
von bauerkiel
...nach Abschlussarbeit, Jobsuche, Berufseinstieg und fast ein Jahr später, schreibe ich nun dort weiter, wo ich aufgehört habe:
Kaunas - Moskau - Moskau Domodedowo
In Kaunas endlich mit dem Reisebus, der bereits aus Deutschland kam, gegen Abend abgefahren, ging es nun über Lettland nach Moskau. Die Stimmung im Bus war klasse, die Reisenden vom Alter her munter durchmischt. Hauptsächlich waren es aber Familien und Personen, die ihre Freunde und Bekannte in Russland besuchen wollten. Viele der Fahrgäste sprachen deutsch mit russischen Akzent und verstanden sich als Deutsche - also Spätaussiedler... Genau so auch die etwas über siebzig jährige Frau, die neben mir saß. Sie kam aus Bremen und klagte etwas über Rückenschmerzen, doch der Trip nach Moskau sollte ja nun noch ein paar Stunden dauern und da konnte ich ihr auch nicht viel mehr helfen, als mit ihr den Platz zu tauschen, sodass Sie sich hin und wieder in den Gang stellen konnte, um dem Rücken etwas Abwechslung zu ermöglichen. Die Litauischen und Lettischen Straßen machten die Schmerzen sicher nicht besser, zumal der Bussfahrer versuchte, so schien mir, allein bis zu Grenze die verlorenen 2 Stunden wieder "reinzufahren". Als wir dann gegen 2:00 Uhr in der Nacht die lettisch-russische Grenze bei Zilupe erreichten und mich meine nette Sitznachbarin darum bat, ihr bei den Koffern zu helfen, da erfuhr ich dann auch am eigenen Leibe, woher ihre Rückenschmerzen kamen... Sie hatte scheinbar für jeden ihrer Großfamilie ein Mitbringsel in den Koffer gepackt. Ich konnte das Ding kaum heben und mir ist bis heute ein Zweifel, wie sie das den Leuten vom Zoll erklärt hat. Naja, 5 € hatte sie in Ihren Pass gesteckt, diskutiert wurde aber dennoch eine Zeit lang. Da der Bus komplett lehr gemacht wurde und jeder mit seinem Gepäck durch den Zoll musste, dauerte die Abfertigung doch eine reichliche Weile. Wir kamen aber zügig dran. Das war von Vorteil. Gut erzogen ließ ich alle älteren und weiblichen Mitreisende vor und wurde doch mehr und mehr genervt von den zahlreichen und recht hartneckigen Mücken, die an der Grenze auf uns warteten, sodass ich noch vor der Zollkontrolle meinen Rucksack abwarf und meine Anti-Mücken-Lotion rausholte. Danach hatte ich einigermaßen Ruhe... Viele andere wurden jedoch extremst zerstochen.... Nach etwa 2h ging es weiter.
Immernoch im Eiltempo ging es auf der M9 Richtung Moskau. Sobald ich draußen etwas sehen konnte, versuchte ich nicht einmal mehr zu schlafen. Viel zu spannend war für mich alles, was ich draußen sehen konnte - auch wenn es überwiegend moorige Wäler waren. Doch hier und dort war Holzeinschlag zu sehen. Die Wege auf denen das Holz rausgefahren wurde, waren als Knüppeldämme gebaut (Stamm an Stamm), damit die LKW überhaupt bis zur Straße fahren konnten. AUch schon bald sah ich die hoch voll mit Holz beladenen Ural-Trucks, die das geschlagene Holz zur Verarbeitung brachten.
Dem ersten Ziel in Russland näher kommend wurde ich auch unruhiger. Unruhiger, weil ich noch nicht wusste, wie ich zur Auto-Vermietung kommen sollte. Doch schnell fand sich jemand im Bus, der eine Kopie des Metro-Netzes von Moskau mehr dabei hatte und mir half, die richtige Route zu finden.
Zu dem Zeitpunkt lief vor meinem Geistigen Auge alles wie in gewohnten Bahnen ab: "Ok, ich weiss wo ich hin muss, ich habe genug Zeit, ich suche mir eine Bank zum Geldtauschen dann die nächste U-Bahn-Station, suche den Fahrkartenautomaten, ziehe ein Ticket und fahre zum Ziel.... -kein Thema! Das kriegst'e hin!"
Naja,... denkste...
Zum Glück drängte sich mir die ein paar Sitze im Bus weiter vorne sitzende junge Dame in dem meines Erachtens viel zu knappen Mini-Kleid auf, mir bei der Fahrt mit der Metro zu helfen. Da Sie halb aus Moskau halb aus Kaunas stammte und zudem recht weltoffen und gebildet wirkte, sprach Sie zu meinem Glück ein sehr gutes Englisch. Und dann hielt auch mal wieder der Langstrecken-Bus und Sie meinte: "Well, let's go". Doch die alte Dame mit ihrem Koffer rief mir noch einmal nach... Sie wollte auch aussteigen und ich schleppte ein letzes Mal ihren viel zu schweren Koffer aus dem Gepäckraum des Busses zum Bürgersteig, von wo sie abgeholt werden sollte. Meine 25kg auf dem Rücken kamen mir dagegen wie ein Fliegenschiss vor. Schnell verabschiedet ging es dann auch gleich Richtung Metro. Doch fast vergessen: Geld... Ich hatte ja noch gar keine Rubel.... "Kein Problem" hieß es gleich. Das kriegen wir schon irgendwie so hin.
Tja, und als wir dann in die Eingangshalle von der Metro-Station kamen, wurde mir bewusst: "So einfach ist das ja gar nicht mit dem Metro-Fahren". Denn FAHRKARTENAUTOMATEN sucht man vergebens.
Zack, in der Schlange weitergeschoben standen wir auch schon vor einem Schalter mit einer Dame gegenübersitzend hinter ein paar Gittern, die uns irgendwas auf russisch in einem wahsinnigen Tempo entgegenbrabbelte. Zu diesem Zeitpunkt war ich so heilfroh, die Hilfe meiner Mitreisenden angenommen zu haben. Sie gab mir das Ticket erklärte mir die Grundzüge des Systems der Metro, wie man sich orientiert, wie die Fahrkarte gilt und noch vieles mehr... Ich gab ihr meine letzten Litas, die ich noch überhatte aus Litauen und damit waren wir quit. Die lange Rolltreppe runter, rein in den nächsten Zug und schon mussten wir umsteigen. Ich bekam noch ein paar Instruktionen zum Verhalten in Moskau, was ich mir alles ansehen soll und sie vergewisserte sich noch 3 weitere Male, ob ich auch tatsächlich verstanden habe mit welcher Bahn ich nun wohin fahren muss und verabschiedete sich...
Tja, und dann stand ich da: Allein in Moskau an einer U-Bahn-Station mit meinen wenige Worte Russisch umfassenden Wortschatz und musste irgendwie alleine klar kommen. Aber ich war ja gut instruiert und so konnte ich das Umfeld beobachtend entspannt zu meiner Haltestelle fahren, aussteigen und die lange Rolltreppe empor Richtung Tageslicht fahren.
Ich kam aus der U-Bahn raus. Es war Freitagmittag am 10. Juni 2011, circa 25-30°C warm und Moskau-Zentrum... Den Mietwagen konnte ich laut Auskunft ab 13 Uhr bei der Hertz-Station abholen. Ich hatte circa noch 1,5 Stunden Zeit, die ich nutzte um mich ein wenig umzusehen und Geld zu tauschen. Schnell fand ich eine Bank, bei der ich Geld tauschen konnte. Doch die Dame in der Wechselkammer sprach kein Englisch und ich wollte mich gerne erklären, als ich meine gut verteilten 50-Euro-Scheine aus all erdenkliche Verstau- und Versteckmöglichkeiten am Rucksack und an meiner Kleidung suchte. Doch die 150€ die ich aus der Innentasche meiner Hose kramte und die, weil ich ja nun auch schon eine gute Stunde mit 25kg auf dem Buckel durch Moskau gezogen war, etwas getränkt von Schweiss waren, wollte Sie nicht entgegennehmen. Naja, halb so wild... Mit etwa 14.000 Rubeln ausgestattet verließ ich die Bank.
Nach etwas suchen und 4mal Fragen, wo ich bin und hin muss, fand ich dann auch die kleine Hertz-Autovermietungs-Filiale. (Im nachhinein muss ich sagen: Ich habe mir nach der Reise ein Smart-Phone angeschafft, weil ich begeistert war, wie die Passanten in Moskau mir damit den Weg gezeigt haben.) Bei Hertz angekommen, war ich sehr erleichtert, dass wir alles auf Englisch regeln konnten. Es hieß gleich: "Oh, Sie sind schon da?! Das Auto ist noch im Stau." "Hm...", dachte ich, " das fängt ja gut an". "Und ein Navi ist leider nicht verfügbar...", entgegnete mir der nette junge Mann auf meinen doch etwas ernüchterten Gesichtsausdruck. Wie ich allerdings daraufhin ausgesehen haben muss, wüsste ich heute noch gern. Denn nicht nur, dass Moskau eine große Stadt ist und ich alleine war, nein , es war auch Freitagnachmittag im Sommer und alle Welt wollte raus aus der Stadt und dementsprechend war auch der Verkehr.
Wir gingen dann jedoch recht schnell dazu über das Finanzielle zu regeln und ich versuchte mit meiner VISA-Card zu zahlen. Ging aber nicht... Ich hatte nicht daran gedacht den Verfügungsrahmen zu erhöhen. Doch Dank der guten Strukturierung der ComDirekt-Bank, konnte ich das mit einem Anruf erledigen und 15min später konnte ich über einen von mir frei gewählten Betrag von 2.000€ verfügen. Der nette Mann von Herz empfahl mir eine Karte zu kaufen, da ich nun keine Navi bekommen konnte und fing an mir zu erläutern, wo denn der nächste Buchladen sein. Doch in meinem Kopf lief schon der Kinofilm: "Henning allein im Moskauer-Verkehrschaos"... Ich unterbrach ihn und ließ mir schnell entschlossen erklären, wo ich ein Elektro-Handel/Handy-/Navi-Laden finde. Mein Gepäck lies ich dort und 3 mal um die Ecke gab es auch schon gleich eine riesen Auswahl. Für umgerechnet 75 Euro bekam ich dann dort auch schnell ein Navi. Für die 2 Wochen Mietdauer hätte ich 85 zahlen sollen... Zurück bei Herzt wartete ich noch 20min und dann kam auch endlich der Mietwagen: Ein Kia Rio mit Stufenheck, USB-Radio, Clima... super Karre!
Bei der Übergabe war ich sehr genau, weil ich dachte, nachher wollen die einem die Mängel andrehen oder ähnliches. So ein erfahrener Auto-miter bin ich nicht und mir wurde auch einiges schlechtes über die russische Mentalität erzählt. Nachdem der gute Hertz-Mann dann endlich alle von mir gefundenen Mängel notiert hatte und ich Wasser und Öl nachgesehen hatte, konnte er sich dann doch nicht mehr den Kommentar verkneifen, dass man doch merke, dass ich Deutscher sei. Er habe noch nie jemanden gehabt, der den Ölstand beim Mietwagen bei der Übergabe kontrolliert habe.
Es war alles ok, das Auto lief klasse, ich fuhr los. Nun schnell zum Flughafen, die Kollegen waren ja nun mittlerweile auch schon da. Da zeitlich alles aufeinander abgestimmt und ich ja nun etwas spät dran war, war mein eingeplanter Puffer von 1,5 Stunden nun auch aufgebraucht. Ich bin also gleich los, schnell zum Flughafen Domodedowo. Von meinem Standort aus circa 65km. Dreimal um die Ecke abgebogen, wie das Navi mich anwies, stand ich dann auch gleich im größten Stau meines Lebens. Naja, nach 4,5 Stunden war ich dann auch schon am Flughafen....
später mehr...