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Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 29 Mai 2012, 12:35
von Dietrich
pippie hat geschrieben:J.Eckel hat geschrieben:
Dietrich, die Russen sind selber schuld, jede Regierung ist ein Spiegel seiner Menschen
Das ist mir zu pauschal! Wie würde es denn in Deutschland aussehen, wenn wir die selbe gesellschaftliche Entwicklung gehabt hätten (und ich meine hier die Entwicklung der letzten 1500 Jahre)...?
So weit würde ich gar nicht zurückgehen. Da reichen 60 Jahre.
Wie würde es in Deutschland aussehen, wenn wir nicht die klare Gewaltenteilung hätten?
Wenn ich mir Russland so anschaue, dann würde ich 95% der Probleme im Endeffekt an der nicht unabhängigen Judikative festmachen. Wenn die Gerichte wirklich unabhängig wären, dann würde es so ziemlich in jedem Problemfeld viel schneller vorwärts gehen.
Dann gäbe es auch Leute die noch aktiver gegen Wahlfälschungen vorgehen würden. Es würden mehr und mehr Erfolge gegen die Korruption erzielt werden, was dann wieder mehr "Mut" bei den Leuten zur Folge hätte, solche Sachen anzuzeigen.
Auch in der Wirtschaft könnten sich die oligarchengestützten Saurier nicht mit mehr oder weniger illegalen Mitteln so lange an der Spitze halten. Das würde es kleinen innovativen Firmen dann eher ermöglichen, sich ihren Platz zu erobern.
Bürgerbeteiligung (Chimki, etc.) wäre erfolgreich und würde Nachahmer anziehen.
So aber wird die Judikative von der Staatsführung dazu ausgenutzt, sich die eigene Machtposition zu sichern. Und das bremst eben die notwendige Entwicklung in fast allen Bereichen.
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 29 Mai 2012, 16:33
von domizil
Dietrich hat geschrieben:Wenn ich mir Russland so anschaue, ...
... ich kann Deine Gedankengänge so in etwa nachvollziehen. Ich glaube auch das niemand bestreiten wird das Russland in vielen gesellschaftspolitischen Fragen Entwicklungspotential hat - und gerade das von Dir angesprochene "Feld" ist ziemlich groß und kompliziert zu "beackern". Irgendwie versuche ich aber auch immer Entschuldigungsgründe für Russland und den jetzigen Zustand zu finden. Als Putin die Fäden in die Hand genommen hat (2000) war Russland so ziemlich weit unten und er (Putin) sah/sieht seine Hauptaufgabe darin Russland wieder einen gebührenden Platz in der Weltgemeinschaft zu "organisieren". International gibt es Fortschritte, national etwas weniger Fortschritte - man kann nicht alles auf einmal lösen, obwohl 12 Jahre an sich viel Zeit ist, aber um einen Staat neu zu ordnen sind 12 Jahre sehr wenig. 1945 war Deutschland am Ende und 12 Jahre weiter, also 1957, wo stand da Deutschland - auch bei weitem nicht da wo wir heute stehen. Selbst 1968 wurden die Studenten zusammengeknüppelt, es gab Geheimdienstskandale, viele "Altgediente" aus der Nazizeit waren in staatlichen Strukturen ... also alles braucht seine Zeit.
Und deshalb war ja meine Ausgangsfrage zu diesem Thema was wir die nächsten 6 Jahre erwarten können?
Uwe Niemeier
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 29 Mai 2012, 19:21
von GIN
Bei Oilpreisen um die 110 USD erwarte ich für Russland in den nächsten 6 Jahren eine schnelle De-Industrialisierung in einigen Sektoren der Volkswirtschaft und grosse Erfolge in der Landwirtschaft sowie der Bauzulieferindustrie. Im Bereich Pharma, Biotechnologie, Chemie und Nanotechnologie hat Russland unabhängig vom Oilpreis wegen Mangel an Fachkräften und der schlechten Infrastruktur sowie der massiven Korruption keine Chance im weltweiten Markt zu bestehen. Durch die WTO Mitgliedschaft wird sich dieser Prozess beschleunigen, Projekte wie Skolkovo und die Nano-Tschubays und Co sind bürokratische Monster die massiv Geld verschlingen und schwachsinnige Projekte in dem Bereichen PBCN unterstützen. Der Totalschaden wird wohl bei hohen Oilpreisen an die 150- 200 Milliarden Euro gehen und viele Menschen fett machen.
Im Bereich Landwirtschaft wird Russland einer der führenden Produzenten für Rohstoffe, im Bereich Baustoffe wird Russland sich unabhängig machen.
Bei Oilpreisen von anhaltenden 110-80 USD erwarte ich in den Bereichen Landwirtschaft und Baustoff eine Stagnation.
Bei Oilpreisen anhaltenden Preisen unter 80 USD erwarte ich einen Staatsbankrott.
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 29 Mai 2012, 19:30
von GIN
würde es kleinen innovativen Firmen dann eher ermöglichen, sich ihren Platz zu erobern.
Bürgerbeteiligung (Chimki, etc.) wäre erfolgreich und würde Nachahmer anziehen
innovative Firmen in der LifeScience brauchen Spitzenleute, die gibts in Russland kaum, gerade in der Chemie, Biotechnik und Biologie gibts kaum Kräfte die in Russland arbeiten wollten, dazu fehlen die Anreize, mit einer funktionierenden Gerichtsbarkeit ist das nicht gemacht, es brauch erst mal massive Zuwanderung von Fachkräften oder man wartet 20 Jahre auf ausgebildete einheimische Kräfte. Die Bildung ist unter alles Sau.., hab in den letzten 12 Monaten sehr viele "Spitzenkräfte" in Russland getroffen, genug Doktoren und Profs.... die in Deutschland oder der Schweiz höchstens eine Laborstelle bekommen würden.
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 29 Mai 2012, 19:53
von inorcist
J.Eckel hat geschrieben:Bei Oilpreisen um die 110 USD erwarte ich für Russland in den nächsten 6 Jahren eine schnelle De-Industrialisierung in einigen Sektoren der Volkswirtschaft und grosse Erfolge in der Landwirtschaft sowie der Bauzulieferindustrie.
Bei Oilpreisen von anhaltenden 110-80 USD erwarte ich in den Bereichen Landwirtschaft und Baustoff eine Stagnation.
Bei Oilpreisen anhaltenden Preisen unter 80 USD erwarte ich einen Staatsbankrott.
Je länger ich in Russland bin, umso mehr muss ich dir zustimmen. Auf der Innovationseben ist meiner Meinung nach in Russland (noch) nichts zu holen. Allenfalls im IT-Bereich. Kann aber auch sein, dass ich einfach noch nicht lange genug hier bin, und noch Hoffnung habe

Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 30 Mai 2012, 01:58
von GIN
Auf der Innovationseben ist meiner Meinung nach in Russland (noch) nichts zu holen. Allenfalls im IT-Bereich. Kann aber auch sein, dass ich einfach noch nicht lange genug hier bin, und noch Hoffnung habe

Nichts zu holen?......Mit bescheurten "innovativen" Plänen und Geldgeschenken kannst Du Millionen einstecken. Was du brauchst ist einen ausländischen Prof, ein Geldgeschenk und bescheurten Plan den Du nem staatlichen Venture anbringst... mach einfach 50% 50% mit dem Entscheidungsträger und schaffe es die nächsten 10 Jahre viel Geld aus dem Land zu bringen.
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 30 Mai 2012, 23:10
von andreask020361
domizil hat geschrieben:Dietrich hat geschrieben:Wenn ich mir Russland so anschaue, ...
.
Und deshalb war ja meine Ausgangsfrage zu diesem Thema was wir die nächsten 6 Jahre erwarten können?
Uwe Niemeier
nichts, jedenfalls nichts gutes,oder positives,
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 31 Mai 2012, 11:14
von Dietrich
Zumindest können sie demnächst ohne Probleme jede Ansammlung von mehr als 2 Personen "zerstreuen". Und wenn man nicht hören will : 20.000p Strafe.
Wenn man sich sogar noch irgendwie "wehrt"... bis zu 300.000p.
http://www.echo.msk.ru/blog/nossik/894001-echo/
http://www.echo.msk.ru/blog/oreh/894015-echo/
Tja, anstatt Reformen, doch (wieder) nur Daumenschrauben.
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 31 Mai 2012, 21:58
von St. Germain
Wer an der Macht ist,
der klebt auch an ihr.
Das ist nun einmal so.
Bestes Beispiel Syrien und Assad. Der scheut sich nicht Kinder, Frauen und regiemtreue Männer niedermetzeln zu lassen.
Obwohl es, wie jedem Politiker, seine Aufgabe dem Volk zu dienen ist!
Putin und sein engster Anhang ist nicht anders,
nur längst nicht so brutal wie Assad.
Er ist halt wesentlich intelligenter und bedachter.
Angela Merkel schwenkt nach Fukishima mal eben auf den Atomausstieg um.
(Um Wählerstimmen nach der Volksmeinung zurückzugewinnen und den "Grünen"
den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie das konkret ablaufen soll, die Energieversorgung dabei gesichert bleibt
und was es den einzelnen Bürger kostet, darüber wurde überhaupt nicht nachgedacht.)
Und ich bin gespannt was Barrack Obama noch für unhaltbare Versprechungen machen wird, um Präsident der USA zu bleiben.
Aber in weiten Teilen der Weltbevölkerung setzt ein anderes Denken ein. Man läßt nicht mehr Alles mit sich machen
und warum sollen so unbedarfte Menschen wie in der Piratenpartei, bei den Linken oder auch bei den Grünen und der
wiedererstarkten FDP nicht Politik für die Menschen machen?
Nur befürchte ich, dass wenn sie erstmal an der Macht gerochen haben, sie nicht anders sein werden als die jetzigen Machthaber.
Die Mayas wußten dass es einen Wandel im Bewusstsein der Menschen geben wird,
konnten sich diesen aber nicht vorstellen und ließen deswegen ihren Kalender am 21. Dezember 2012 enden.
Die Welt wird an diesem Datum garantiert nicht untergehen, nur ist die Frage wie sie am 22. Dezember 2012 und danach aussehen wird?
Das alleine liegt in den Gedanken, Erwartungen und Vorstellungen der gesamten Menschheit
und ich bin schon sehr gespannt wie es nach dem 21. Dezember 2012 weitergehen wird.
LG
St. Germain
Re: ... wildes Forum - ich erinnere mich.
Verfasst: 01 Jun 2012, 14:16
von Gunnar
lang hab ich mich hier nicht mehr zu Wort gemeldet und fühle mich doch angesprochen, wenn es um die wilden und teilweise unsachlichen Auseinandersetzungen zu den Wahlen geht
Es war streckenweise nicht so schön und zugleich doch sehr interessant und auch aufschlussreich für mich, gerade was Argumentationsstrukturen und die ewigen (für mich hinkenden) Vergleiche von Russland mit den westlichen Demokratien anbelangt, die belegen sollen, dass es doch überall annährend gleich miserable zugehe. Gut ist aber auch, dass das dann mal zu Ende ging, das sehe ich wie Manu.
Was Russland heute anbelangt, so hat sich ja nix geändert. Für mich gibt es nach wie vor zwei massive Defizite und Ursachen für die Situation. Die eine hat Dietrich genannt, nämlich die nicht funktionierende Judikative. Das ist das Problem eines jeden nicht funktionierenden und korrupten Staates dieser Welt. Es ist auch keine Selbstverständlichkeit oder Mentalitätssache, dass es funktioniert. Nicht umsonst waren die Gestalter der damaligen Bundesrepublik Deutschland so weise, die obersten Deutschen Gericht nicht an den Sitz von Exekutive und Legislative (also Bonn) zu legen, sondern verstreuten sie über die Republik: Karlsruhe für das Verfassungsgericht und den Bundesgerichtshof, Berlin für das Bundesverwaltungsgericht, Kassel für das Bundessozialgericht und das Bundesarbeitsgericht, München für den Bundesfinanzhof. Sicher auch ein Tribut an den Föderalismus aber das macht es ja nicht schlechter sondern ist ja der tiefere Sinn des Föderalstaates. Gerade die räumliche Distanz des Verfassungsgerichtes macht es in seiner Betrachtung so unabhängig. Zahlt man dann noch gut auskömmliche Gehälter, sicherte die Gehälter und die Position für Lebenszeit zu und schützt die hinter den Richterämtern stehenden Personen bei Bedarf ausreichend, dann hat man promt ein funktionierendes System, soweit die Ausbildung der Richter inhaltlich und moralisch entsprechend gut und umfassend ist.
Das zweite massive Defizit ist die (fast) nicht vorhandene freie und unabhängige (investigative) Presse, also die vierte Macht im Staat. Es gibt kleine Lichtblicke aber eben keine Massenmedien, die sich das auf die Fahnen geschrieben haben. Sicherlich ist dieses Defizit letzen Endes ein Ausfluss aus der o.g. nicht funktionierenden Judikative, da sich zu kritische Journalisten und Presseorgane in Russland nachteiliger Behandlung oder sogar Repressalien ausgesetzt sehen, gegen die sie sich nicht ausreichend zur Wehr setzen können. DAnn lässt man es halt einfach lieber bleiben...
Machen wir uns doch nichts vor. Auch in Deutschland werden Misstände allzu häufig erst von einer aufmerksamen Presse hochgespült und erst dann in einem unabhängigen Gerichtsverfahren ihrem (hoffentlich) gerechten Schicksal zugeführt. Gerade das Thema Korruption und seine Verfolgung wird auch in Deutschland in aller Regel erst von den Journalisten ausgegraben bevor es dann die Judikative (zu der ich jetzt mal begrifflich nicht ganz korrekt) die Staatsanwaltschaften rechnen will, ins Visier nimmt. Die Presse ist daher oft genauso wichtig wie die Judikative.