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Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 11 Jul 2012, 11:15
von Dietrich
Jurij hat geschrieben:Wenn meine Eltern kriminell wären, dann würde ich mich nicht als Kämpfer gegen Kriminalität aufspielen und dabei nur meine Eltern verschonen.
Tut er dass?
Seine Eltern verkaufen angeblich(!) illegal Alkohol (irgendwo direkt zwischen Mord und Vaterlandsverrat) und er darf deshalb nicht gegen Korruption mobil machen?
Deine Naschi-Logik kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. In der Sowjetunion haben viele Kinder ihre Eltern verpetzt. Und sogar Eltern ihre Kinder, Kinder und Eltern sich untereinander, Nachbarn Nachbarn, etc. etc.
Meine Ideale sind das allerdings nicht....

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 11 Jul 2012, 15:43
von manuchka
Meine auch nicht, wobei ich differenzieren würde, ob mein Verwandter einen Witz über Stalin erzählt und dann für 8 Jahre ins Straflager geht oder ob da ein echtes Verbrechen verübt wurde.

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 12 Jul 2012, 10:03
von GIN
Wenn meine Eltern kriminell wären, dann würde ich mich nicht als Kämpfer gegen Kriminalität aufspielen und dabei nur meine Eltern verschonen. Gab doch mal so eine Geschichte von einem Kind in der Sowjetunion, dass seinen kriminellen Vater bei den Behörden verpetzt hatte. Aber Nawalny geht es anscheinend nicht um irgendwelche Ideale, sondern nur ums Geld.

Das mit dem Kind war der Zeitgeist in der UdSSR in den 20ern und 30ern. Es wurden Kinder rangezogen um gegen Eltern auszusagen, das machten sie oft nicht aus freien Stücken, mindestens zwei Beispiele kenne ich, da wurden Kindern der weitere Schulbesuch gestattet, wenn sie gegen den Vater aussagten. Kanns Du es ihm beweisen das er es wusste? das er eine Straftat deckte?, ausserdem gibts doch im modernen Recht die Möglichkeit für Kinder sich der Aussage zu verweigern oder?.
Was Du aber meinst ist Kollektivschuld, Kollektivschuld bedeutet, dass die Schuld für eine Tat nicht dem einzelnen Täter angelastet wird, sondern einem Kollektiv, allen Angehörigen seiner Gruppe, d. h. seiner Familie use. seines Volkes usw.
Schuld kann aber niemals einem Kollektiv gegeben werden, es gibt zbs. auch keine Kollektivschuld der Deutschen gegenüber der Juden usw. sondern nur eine KollektivHaftung des Deutschen Staates gegenüber Israel. usw.
Das mit der Kollektivschuld ist eine Sache für undemokratische Staaten, für Regime und einfache Zeitgeister, es kann für das moderne Russland nicht Gradmesser sein, ist ein gedanklicher Rückschritt in die Anfänge des 20 Jahrhunderts.

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 12 Jul 2012, 14:34
von manuchka
Kolletivschuld der Deutschen vs. Kollektivhaftung des Staates Deutschland... der letztlich aus Deutschen besteht, die als Steuerzahler für eine Schuld haften sollen, die sie nicht tragen?

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 12 Jul 2012, 15:38
von pippie
manuchka hat geschrieben:Kolletivschuld der Deutschen vs. Kollektivhaftung des Staates Deutschland... der letztlich aus Deutschen besteht, die als Steuerzahler für eine Schuld haften sollen, die sie nicht tragen?
Ja, das ist bis heute so, ob es uns gefällt oder nicht. http://www.ukrinform.ua/deu/news/deutsc ... leben_2797

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 12 Jul 2012, 23:16
von GIN
manuchka hat geschrieben:Kolletivschuld der Deutschen vs. Kollektivhaftung des Staates Deutschland... der letztlich aus Deutschen besteht, die als Steuerzahler für eine Schuld haften sollen, die sie nicht tragen?
Darauf finde ich keine Antwort. Scheint ein moralisches Problem hier zu geben

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 12 Jul 2012, 23:18
von Daten-Salat
manuchka hat geschrieben:Kolletivschuld der Deutschen vs. Kollektivhaftung des Staates Deutschland... der letztlich aus Deutschen besteht, die als Steuerzahler für eine Schuld haften sollen, die sie nicht tragen?
Pardon, aber nicht jeder, der in Deutschland Steuern zahlt, ist deutscher Staatsbürger.
Ganz abgesehen davon, dass ein erheblicher Anteil der Steuern von juristischen Personen gezahlt wird.

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 13 Jul 2012, 02:12
von storona
@domizil: um zurück zur "Nawalnys Idee in Kaliningrad" zu kommen -
Ich habe nichts gegen Meinungsäußerungen aller Art, sofern sie sachlich sind. Wenn aber Unbeteiligte zu Schaden kommen habe ich mit der Meinungsfreiheit ein Problem.
Warum hast du hier ausgerechnet mit Meinungsfreiheit ein Problem? Überleg mal: weswegen kommen Unbeteiligte zu Schaden? Nicht wegen irgendwelcher Meinungsäußerungen, sondern weil jemand diese Geldscheine nicht als Zahlungsmittel akzeptiert, obwohl sie "nach wie vor gültig sind, da sie nicht gefälscht wurden und nur eine Aufschrift macht einen Geldschein lt. gültiger Gesetzgebung nicht ungültig" und er deshalb eigentlich verpflichtet ist, diese Scheine zu akzeptieren.
Diese Menschen sind für diese Konsequenzen verantwortlich, auf sie solltest du und auch die alte Rentnerin sauer sein.
Das eigentliche Problem liegt darin, dass man realistisch gesehen in diesem Land seine Meinung auf "normalen" Wegen nicht mehr öffentlich sagen darf, wenn diese Meinung Pu/ER/Kreml-kritisch ist.

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 13 Jul 2012, 14:22
von Nikolaus
Domizil hat wohl recht: Durch diese duemmliche "Idee" von Navalny verlieren die Geldscheine ihre Umlauffaehigkeit und koennen (bestenfalls!) noch in einer Bank umgetauscht werden.
In Europa waere so etwas ggf. noch schlimmer, da die Aufschrift ja ganz offensichtlich bewusst aufgebracht worden ist. Dann gilt wohl:
Hierzu gibt es einen Beschluss der Europäischen Zentralbank, der folgendes zum Inhalt hat:
Wenn die nationalen Zentralbanken wissen oder ausreichende Gründe zur Annahme haben, dass die Beschädigung der Euro-Banknoten vorsätzlich herbeigeführt wurde, verweigern sie den Umtausch der Euro-Banknoten und behalten diese ein, um auf diese Weise zu verhindern, dass die Banknoten wieder in Umlauf gelangen bzw. dass der Antragsteller diese bei einer anderen NZB zum Umtausch vorlegt. Gleiches gilt, wenn die NZB wissen oder ausreichende Gründe zur Annahme haben, dass eine strafbare Handlung vorliegt. In diesem Fall übergeben sie die Banknoten an die zuständigen Behörden zur Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen (oder zur Einbringung in laufende strafrechtliche Ermittlungen).
http://www.frag-einen-anwalt.de/Ist-Gel ... 86696.html
Ich glaube mich uebrigens auch zu erinnern, dass in den USA das mutwillige Beschaedigen von Zahlungsmitteln generell einen Straftatbestand darstellt.

Re: Nawalnys "Idee" in Kaliningrad verwirklicht

Verfasst: 13 Jul 2012, 14:39
von domizil
storona hat geschrieben:Das eigentliche Problem liegt darin, dass man realistisch gesehen in diesem Land seine Meinung auf "normalen" Wegen nicht mehr öffentlich sagen darf, wenn diese Meinung Pu/ER/Kreml-kritisch ist.
... das eigentliche Problem liegt NICHT darin. Das eigentliche Problem liegt darin WIE man seine oppositionelle Meinung sagt oder zum Ausdruck bringt. Wenn dies im Rahmen bestehender Gesetze erfolgt wird keiner etwas dagegen unternehmen - schon gar nicht Putin (und Amtskollegen), die ja genau wissen wie die westlichen Demokratien die Geschehnisse in Russland verfolgen und jeden noch so kleinen Anlaß für "helfende demokratische Hinweise" nutzen.
Ich bin juristisch überhaupt nicht bewandert, nutze in diesem Fall einfach nur mein Bauchgefühl: Eine Banknote (egal von welchem Land) ist eine staatliche Urkunde. Und die mutwillige Beschädigung, Veränderung, Unbrauchbarmachung usw. sollte für den Verantwortlichen Konsequenzen haben - insbesondere wenn es hier nicht um einen einzelnen Geldschein geht sondern aufgerufen wird einen der Grundpfeiler jeder Ökonomie zu beschädigen ...
... und bitte: die von mir angeführte Kassiererin und die Babushka - dies sind symbolische Beispiele - ich glaube, ich bin hier im wesentlichen mit meinen wirklichen Bedenken verstanden wurden.

Ach, ich lese gerade den vorangestellten Beitrag von Nikolaus. Damit ist dann eigentlich alles klar - meine ich.
Uwe Niemeier