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Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 21 Sep 2012, 21:37
von domizil
Verschlechterung der Situation an der Grenze Kaliningrad - Polen

Die Senatorin des Föderationsrates, Walentina Matwijenko, richtete ein Schreiben an den Ministerpräsidenten der RF, D. Medwedjew mit der Bitte, Einfluss auf die Situation an der Grenze Kaliningrad-Polen zu nehmen.

Während einer Sitzung des Föderationsrates zu internationalen Angelegenheiten, wurde die Situation an der Grenze beraten. Neben einer Vielzahl von Einzelproblemen wurde insbesondere die uneffektive Organisation der Grenzabfertigung genannt, das Fehlen von automatischen Sperranlagen, die unterentwickelte Verkehrsinfrastruktur in den vorgelagerten Grenzgebieten, den fehlenden logistischen Dienstleistungen im Zusammenhang mit einem erhöhten Transportaufkommen, nach dem Beitritt Russlands zur WTO.

Die Teilnehmer der Sitzung des Föderationsrates erwarten eine umfassende technische Aufrüstung der Grenzübergänge und eine weitgehende Automatisierung der Grenzabfertigung. Große Aufmerksamkeit wurde der Notwendigkeit der verbesserten und beschleunigten Zollabfertigung gewidmet – und dies in erster Linie für LKW-Transporte.

Die russische Seite wird sich mit einer Bitte um Zulassung von Grenzübergängen für Fußgänger an die polnische Seite wenden.

Nach Meinung des Föderationsrates müssen diese Probleme auf Regierungsebene gelöst werden. Ziel ist, wesentlichen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung der Region zu nehmen.

Der Senator für die Kaliningrader Belange, Nikolai Wlasenko betonte, dass all diese Probleme schon lange existieren. Sie haben sich aber jetzt, im Zusammenhang mit dem kleinen visafreien Grenzverkehr und dem Beitritt Russlands zur WTO dramatisch zugespitzt.

Quelle: http://www.newkaliningrad.ru/news/commu ... lasti.html
Uwe Niemeier

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 23 Sep 2012, 19:58
von domizil
Woskresenski: Unqualifizierte Macht und die Wettbewerbsfähigkeit kommen Kaliningrad teuer zu stehen.

oder: Ein Schlag mitten ins Gesicht der Regierung?

In der vergangenen Woche fand ein internationales Investorensymposium in Sotchi statt. Führende Persönlichkeiten des Kaliningrader Gebietes vertraten dort die Interessen der Region. Wie bekannt, wurde dort auch die Gelegenheit genutzt, Verträge mit hochkarätigen Investoren zu unterschreiben (Airport, Zuckerfabrik).

Der Kurator des Kaliningrader Gebietes, im Auftrage des russischen Präsidenten, Stanislav Woskresenski, nutzte die Gelegenheit, erst wenige Wochen nach seinem Amtsantritt in Kaliningrad, für einige prinzipielle Aussagen. So ist der niedrige Qualifikationsstand der „Macht“ (für den Leser frei interpretierbar) einer der Gründe, weshalb viel Geld aus der Region abfließt. Er äußerte diese Worte während einer Sitzung zum Thema: „Wettbewerbsfähigkeit – eine Frage der Entwicklung oder eine Frage des Überlebens.“

Er zitierte aus seinem Lieblingsfilm „Durchhalten bis Montag“, den Haupthelden:

„Wir haben noch Zeit unseren Schülern zu beweisen, dass wir besser sind als sie über uns denken. Aber wenn es nicht so ist, los, beschäftigen wir uns mit anderen Dingen – mit Dingen wo uns Ausschuss nicht so teuer zu stehen kommt.“

Herr Woskresenski ergänzte: „Ich denke, das dieser Satz heute so aktuell ist und auf alle Führungsebenen angewendet werden kann, wie nie zuvor. Dieser Ausschuss kommt uns teuer zu stehen. Bis zur Grenze zur Europäischen Union sind es nur 45 Minuten. Und dieser Ausschuss in Form einer niedrigqualifizierten Macht, und die niedrige Wettbewerbsfähigkeit führen dazu, dass die Kaliningrader ihr Geld in Polen und Litauen ausgeben. Der Warenkorb des täglichen Bedarfs ist dort um die Hälfte billiger, für Arzneimittel sogar 5 – 7 mal billiger“ – so der Präsidentenbeauftragte.

An diesem Forum nahm auch der Kaliningrader Gouverneur teil, sowie der Vertreter der Kaliningrader Regierung (in unbekannter Funktion) Alexander Rolbinow, der Minister für Handel, Industrie und Entwicklung des Unternehmertums, Dmitri Shemakin.

Anmerkung UN: Wie lange brauchen Worte bis Moskau? Abwarten - wir werden es sehen!

Quelle: http://kaliningrad.ru/news/item/22532-v ... bhodyatsya
Uwe Niemeier

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 24 Sep 2012, 22:30
von domizil
Ein Gouverneur rechtfertigt sich …

… ohne auf die Worte von Stanislav Woskresenski, aus der vergangenen Woche, während des Investitionsforums in Sotchi, einzugehen. Ich erinnere, dass der Vertreter des Präsidenten die niedrige Qualifikation der „Macht“ und die damit verbundene, unhaltbare Situation in Kaliningrad angesprochen hatte.

Auf der heutigen Pressekonferenz bat der Gouverneur – zumindest hört es sich so an – um Verständnis für die Situation. Als er vor zwei Jahren in das Amt berufen wurde, fand er keine Regierung vor. Denn am Vortage wurden entweder die Regierungsmitglieder entlassen oder sie gingen ohne jede Notwendigkeit. Wer das alles organisiert oder veranlasst hat – dies wollte der Gouverneur nicht näher kommentieren. Er war gezwungen unter höchstem Zeitdruck eine neue Regierung zusammenzustellen. Und da kann es dann schon mal zu Fehlentscheidungen kommen, die jetzt korrigiert werden. Und deshalb, so der Gouverneur, haben wir in den letzten zwei Jahren eine ziemlich hohe Kaderrotation in der Kaliningrader Regierung – die bis in die vergangene Woche mit weiteren drei Personalveränderungen, angehalten hat. Die jetzige Regierung wird nun bis zum Jahre 2015 so arbeiten. Aber trotzdem will der Gouverneur weitere Personalveränderungen nicht ausschließen.

Anmerkung UN: Irgendwie komme ich mit dem Ganzen nicht klar. Der Gouverneur hat keine glückliche Hand bei der Personalauswahl 2010 gehabt. Ein Großteil der Regierung ist bereits ausgetauscht. Weitere Veränderungen sind nicht ausgeschlossen. Mit der Stadtverwaltung von Kaliningrad herrscht kein gutes Verhältnis. Das Verhältnis zu anderen zentralen Verantwortlichen in Kaliningrad soll, nach dem Hörensagen, auch schon einem Stresstest ausgesetzt gewesen sein. Und Schuld sind alle anderen? Aber vielleicht sollte Stanislav Woskresenski nochmal die Worte aus seinem Lieblingsfilm wiederholen – damit es alle hören.
Quelle: http://rugrad.eu/news/529859/
Uwe Niemeier

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 12 Okt 2012, 19:11
von domizil
Bescheidenheit – eine seltene Eigenschaft russischer Politiker

... aber es gibt sie.
Kaliningrad hat schon immer ein Energieproblem gehabt. Einerseits die isolierte Lage, andererseits die Abhängigkeit von Drittländern und nicht zuletzt, die wohl nicht immer qualifizierte Arbeit der Leitung von JantarEnergo – dem zuständigen Stromversorger in Kaliningrad. So bezahlte diese Firma jedes Jahr fast eine Milliarde Rubel (rund 250 Mio. Euro) für die Nutzung von Fremd-Stromnetzen und übernahm gleichzeitig auch die Wartung dieser Netze – bezahlte also eigentlich doppelt und erhielt im Gegenzug eigentlich nichts.
Vor rund vier Monaten kam nun Stanislav Woskresenski als neuer Vertreter des russischen Präsidenten nach Kaliningrad. In einer Nebenfunktion ist er auch Mitglied der Energiekommission Russlands. Kurzfristig und unbürokratisch setzte er das Problem auf die Tagesordnung der Kommission und erreichte, dass die Firma «JantarEnergo», welche sich z.Zt. in Zahlungsschwierigkeiten befindet, zukünftig diese Gebühren nicht mehr bezahlen muss. Ein Ereignis, welches natürlich für Aufsehen sorgte.
Auf die Frage eines Journalisten an Woskresenski, wie er das denn gemacht habe, antwortete dieser sinngemäß: «Ach, hier hat der Generaldirektor von JantarEnergo wohl ein wenig übertrieben. Natürlich bin ich Mitglied der Energiekommission, aber ich habe das Thema nur auf die Tagesordnung setzen lassen.»
Bei meinem Treffen mit dem Vertreter des Präsidenten vor einem Monat konnte ich Eindrücke von ihm und seiner Persönlichkeit sammeln. Ich habe mich nicht geirrt und bedaure, dass Stanislav Woskresenski nicht schon eher zu uns gekommen ist.
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 12 Okt 2012, 19:29
von pippie
Was lange wärt, wird manchmal gut.

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 12 Okt 2012, 19:39
von domizil
pippie hat geschrieben:Was lange wärt, wird manchmal gut.
... ja, endlich einen Vertreter des Präsidenten in Kaliningrad, der sein Handwerk versteht,
... am Sonntag, mit großer Wahrscheinlichkeit, behalten wir einen Bürgermeister (alt=neu) der sein Handwerk versteht,
... und irgendwann bekommen wir vielleicht auch andere Verantwortliche des Gebietes die qualifiziert ihre Arbeit verrichten ...
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 26 Okt 2012, 10:45
von domizil
Woskresenski: Grenzübergänge zwischen Kaliningrad und Polen sind „Russische Ökonomie in Miniatur“

Ich staune immer wieder, mit welchen zutreffenden, einfachen Worten der Vertreter des russischen Präsidenten in Kaliningrad, Stanislav Woskresenki, Fakten, oft negative Fakten beschreibt.

„Wenn man die Grenzübergänge besucht, kann man einen vollständigen Eindruck über die nationale Ökonomie Russlands erhalten: Aus Russland werden Erdölprodukte exportiert, aber importiert werden Lebensmittel und Dienstleistungen.“
Er spielt darauf an, dass die Polen in Kaliningrad billiges Benzin tanken und die Russen in Polen, der visafreien Zone, billige Lebensmittel und andere Dienstleistungen nutzen.

Er nutzte für diese Äußerungen eine Veranstaltung in der KANT-Universität in Kaliningrad und antwortete damit auf einen Vortrag von Wladimir Mau, dem Rektor der Akademie der Volkswirtschaft. Der Moskauer Experte verwies auf Tendenzen in der nationalen Ökonomie, auf gute Entwicklungen zur Lösung der Abhängigkeit Russlands von Gas/Öl, auf ungelöste Probleme die Auswanderung russischer Bürger betreffend.

Ich erinnere daran, dass bereits auf dem internationalen Investorenforum in Sotchi, Stanislav Woskresenski mit einer ziemlich klaren Kritik an den „Kaliningrader Machthabern“ und deren niedriger fachlicher Qualifikation aufgetreten ist. Gleichzeitig erinnere ich an den Besuch von D. Medwedjew in der vergangenen Woche in Kaliningrad und einiger protokollarischer Besonderheiten während dieses Besuches. Und ich erinnere an den gestrigen Versuch eines Duma-Abgeordneten, der den sofortigen Rücktritt des Kaliningrader Gouverneurs forderte.

Quelle: http://kaliningrad.ru/news/item/23258-v ... miniatyure
Uwe Niemeier,
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 26 Nov 2012, 20:54
von domizil
... ich möchte ein wenig Eigenwerbung für meinen neuesten Beitrag im BLOG machen, der auch morgen im News-Ticker von Russland-Aktuell erscheinen wird.

Thema: Woskresenski - nur Putins rechtes Ohr?

http://www.blog.aktuell.ru/2012/11/26/w ... chtes-ohr/

Uwe Niemeier

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 28 Nov 2012, 08:18
von domizil
Risikoversicherung - neu und doch nicht neu ...

In Deutschland gibt es das System der HERMES-Versicherung - kurz erläutert: die Versicherung von Exportrisiken. Nun gibt es dies auch in Russland und speziell in Kaliningrad-

Nach den Worten von Stanislaw Woskresenski, Vertreter des russischen Präsidenten in Kaliningrad, wird im Gebiet Kaliningrad eine Vertretung der „Russischen Agentur zur Versicherung von Exportkrediten und Investitionen“ eröffnet.

In der Zentrale dieser Agentur wird es einen speziellen Mitarbeiter geben, der sich nur mit den Besonderheiten des Kaliningrader Gebietes beschäftigt. Für andere Regionen gibt es diese Sonderregelung nicht – unterstrich Woskresenski während eines Seminars zum Thema „Neue Möglichkeiten für den russischen Export“ welches in der Kaliningrader Industrie- und Handelskammer stattfand.

Der Generaldirektor der Versicherungsagentur, Petr Fradkow erläuterte: „Im Namen des Staates nehmen wir Risiken auf uns, die dem russischen Exporteur oder der Bank entstehen. Schwierigkeiten können verschiedene Ursachen haben: Insolvenz des Handelspartners, Diskreditierung der Handlungen des Geschäftspartners, politische Gründe. Und wir verstehen auch, dass ein Teil des russischen Exports in Staaten mit instabilen Geschäftsbedingungen geht. Somit deckt also der russische Staat alle Risiken ab die entstehen, falls ein ausländischer Partner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.“

Fradkow versicherte, dass die Versicherungsprämien minimal sein werden, bei gleichzeitiger Abdeckung des vollständigen Ersatzes der Verluste für den russischen Exporteur. In erster Linie sollen die Dienstleistungen den Kleinunternehmern und dem Mittelstand zugute kommen.
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Im Vorzimmer der Macht

Verfasst: 21 Dez 2012, 16:53
von domizil
Stanislaw Woskresenski und seine (polit-ökonomische) Allergie

Woskresenski, Vertreter des russischen Präsidenten im Kaliningrader Gebiet, gab sein erstes Interview Vertretern der örtlichen Massenmedien. Zwei Dinge sind gleich zu Anfang bemerkenswert: Er gab dieses Interview kurz nach Beendigung der Pressekonferenz von Wladimir Putin in Moskau am 20.12.2012 und er gab das Interview zwei Internetportalen, die bekanntermaßen in einem kritischen Verhältnis zum Gouverneur und somit der jetzigen Kaliningrader Regierung stehen.

Quelle: http://www.newkaliningrad.ru/news/econo ... rgiya.html

Das Interview ist sehr lang. Eine Zusammenfassung des Interviews in deutscher Sprache durch mich kann auf anderen Internetportalen eingesehen oder bei mir per email abgefordert werden.
Im nachfolgenden mein Eigenkommentar zum Interview

Auf den ersten Blick kommt der Leser dieses Interviews zu dem (richtigen) Schluss, dass wir es bei Stanislaw Woskresenski mit einer herausragenden Führungspersönlichkeit, mit solidem Sachverstand zu ökonomischen und finanziellen Fragen zu tun haben. Diese Einschätzung gewinnt noch an Bedeutung wenn man bedenkt, dass Woskresenski erst seit Juli 2012 die Funktion des Präsidentenvertreters in Kaliningrad bekleidet. Kein Vertreter vor ihm hat seine Aufgabe so wahrgenommen wie er. Die Art und Weise wie er auftritt, die Äußerungen aus dem föderalen Zentrum, die realen, bereits jetzt umgesetzten Maßnahmen lassen die Schlussfolgerung zu, das Woskresenski eine wichtige, einflussreiche Persönlichkeit ist, dessen Worten und Empfehlungen man in Moskau an höchster Stelle aufmerksam zuhört.
Ein zweiter Blick allerdings lässt den Leser auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Die Analyse dessen, was Woskresenski den Journalisten zum Zustand des Kaliningrader Gebietes dargelegt hat (und er hat sicher nicht alles dargelegt) lässt nur den Schluss zu, dass frühere und heutige Entscheidungsträger in Kaliningrad überhaupt nicht die Schwerpunkte in der Entwicklung des Gebietes erkannt haben, sich diese mit Dingen beschäftigt haben, die unwichtig waren und damit zumindest keine politische und ökonomische Weitsicht gezeigt haben. Als Beweis mögen die politischen Ereignisse seit 2010 angeführt sein – begonnen bei der vorzeitigen Abberufung des Gouverneurs G. Boos und endend bei den Wahlergebnissen beider Wahlen 2011 und 2012. Moskau hat schon immer mit politischen Empfindlichkeiten auf Kaliningrad geschaut, aber auf Grund fehlender, fachlich kompetenter Lobbyisten, nicht die richtigen Schlüsse und Entscheidungen getroffen. Das war immer wieder Nährboden für unangenehme Diskussionen – bis hin zur Frage der Umbenennung der Stadt und einer immer wieder vermuteten Annäherung an Westeuropa (und somit Entfernung vom russischen Mutterland). Diese Periode scheint nun aber zu Ende zu sein.
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/