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Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 16:32
von domizil
... was ich als unangenehm empfinde ist Illoyalität - egal ob in der Politik oder in einer Firma als Angestellter oder leitender Mitarbeiter oder im privaten Bereich. Zuerst alle Vorteile genießen die geboten werden und wenn es dann zu unterschiedlichen Ansichten kommt, fängt man an mit "Veröffentlichungen". Ich habe dieses Gefühl der Illoyalität mir gegenüber dreimal im Leben durch und weiß ganz genau, was ich nie im Leben machen würde: Artikel schreiben und andere, die mit mir gearbeitet/gelebt haben, schlecht machen - mag passiert sein was will ...
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 16:58
von Axel Henrich
domizil hat geschrieben:... was ich als unangenehm empfinde ist Illoyalität
Ja, das ist es wirklich, aber wie in dem Link von Nikolaus zu sehen (zumindest in der deutschen Version - ich wusste gar nicht, dass sich die Sprachversionen inhaltlich so unterscheiden) "er ist schlau, aber auch schuftig".

Aber ganz ehrlich, ich habe immer schon gedacht, wenn er die Korruption wirklich mal angehen moechte, ist er selber ganz schnell in Noeten und das wissen auch die Anderen und nutzen das, solange es noch geht.

-ah-

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 17:16
von Sibirier
Aber er sitzt erstmals 6 Jahre im Sattel....und das hilft ihm...und er wird so etwas nicht 2 Jahre vor der Wiederwahl machen, sondern muss es jetzt machen....

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 17:30
von Axel Henrich
Sibirier hat geschrieben:...und er wird so etwas nicht 2 Jahre vor der Wiederwahl machen ...
Naja, man koennte jetzt ketzerisch sagen, dass jetzt eh schon klar ist, wer da wieder siegt ... :lol: , also ist der Zeitpunkt zur Korruptionsbekaemfung ziemlich egal.
Nein, aber das ignorieren von Unruhen im Land, oder wenn du der wirklichen Macht im Lande in die Weichteile trittst und du verlierst deren Unterstuetzung, haelst du dich nicht bis zur Wahl. So demokratisch sehe ich dann Russland doch noch nicht ...

-ah-

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 17:51
von manuchka
Ich bin wirklich überrascht und ganz erfreut über so ein angenehmes Diskussionsklima und den Austausch in diesem Thema. [Danke]

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 17:54
von Sibirier
Nee, aber man muss langsam anfangen, zu saeubern, da ist das Verteigungsministerium noch am unschaedlichsten..., warte mal bis die anderen Ministerien dran kommen...

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 18:09
von Axel Henrich
Sibirier hat geschrieben:da ist das Verteigungsministerium noch am unschaedlichsten...
Gerade das Ministerium wuerde ich, neben den "sozialen" Ministerien noch als wichtigstes einschaetzen. Wer die Arrmee hinter sich vereint ... Bei dem Geld was da umgesetzt wird, geht es vermutlich auch mit ganz anderen Bandagen ... Wenn ich mir vorstelle, was da an Geldern z.B. fuer das russ. Navigationssystem veruntreut wurde und keiner will da was mitbekommen haben ... :roll:

-ah-

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 18:31
von Dietrich
domizil hat geschrieben:... was ich als unangenehm empfinde ist Illoyalität - egal ob in der Politik oder in einer Firma als Angestellter oder leitender Mitarbeiter oder im privaten Bereich. Zuerst alle Vorteile genießen die geboten werden und wenn es dann zu unterschiedlichen Ansichten kommt, fängt man an mit "Veröffentlichungen".
Man muss bezüglich der von dir sogenannten "Illoyalität" aber unterscheiden, warum derjenige plötzlich nicht mehr loyal ist.
Eine blinde Loyalität, gegen die eigene Überzeugung, nur um seine Vorteile zu behalten, empfinde ich als mindestens genauso unangenehm.

Was du beschreibst ist glaube ich etwas anders gelagert, als bei dem Interviewten. Im Interview steht Pavlovsky ja zu seiner früheren Loyalität und er erläutert genau, warum er sich wann von Putin abgewand hat. Er wäscht keine "alte Wäsche", nur um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Man hat merkt ja sogar, dass Putin ihm leid tut in der aktuellen Situation. Obwohl er auch immer wieder betont, das Putin durch seinen Charakter und sein Handeln dran nicht unerheblich selber Mitschuld trägt.

Ein wenig zu sehr kommt mir in dem Interview allerdings dieses "Hätte er nur weiterhin auf mich (und die anderen) gehört, dann wäre alles viel besser" durch. Aber die Sache mit Medvedev scheint ihm auf jeden Fall wirklich sehr gegen den Strich gegangen zu sein. Zumindest die Auflösung der Rochade....

Re: Putin Analyse eines ehemaligen Putin-Verehrers

Verfasst: 16 Nov 2012, 21:11
von Gunnar
domizil hat geschrieben:... was ich als unangenehm empfinde ist Illoyalität - egal ob in der Politik oder in einer Firma als Angestellter oder leitender Mitarbeiter oder im privaten Bereich. Zuerst alle Vorteile genießen die geboten werden und wenn es dann zu unterschiedlichen Ansichten kommt, fängt man an mit "Veröffentlichungen". Ich habe dieses Gefühl der Illoyalität mir gegenüber dreimal im Leben durch und weiß ganz genau, was ich nie im Leben machen würde: Artikel schreiben und andere, die mit mir gearbeitet/gelebt haben, schlecht machen - mag passiert sein was will ...
Uwe, ich verstehe was Du meinst, aber wenn man es gedanklich ganz zu Ende durchspielt hat ein solches Verhalten einen großen Anteil an Korruption und Vetternwirtschaft.

Auch und gerade beim sogenannten Tyrannenmord geht es um die Gretchenfrage der Loyalität. Wir wissen z.B. inzwischen, dass einige hochrangige Offiziere im Dritten Reich bereits deutlich vor 1945 ganz klar gegen Hitler und seinen Wahnsinn eingestellt waren, dass sie sich aber aufgrund ihres Eides und ihrer Verpflichtung zur Loyalität strikt weigerten, den Tyrannenmord zu begehen oder wenigstens für zulässig zu erklären. Es hätte viel Unheil erspart werden können.

Als Konsequenz hieraus haben die Gründungsväter der Bundesrepublik in Art 20 Abs. 4 GG den 'Tyrannenmord' als ultima ratio sogar im Grundgesetz verankert:
Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.