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Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 12 Dez 2012, 17:01
von Axel Henrich
Sibirier hat geschrieben:@Dietrich daher sehe ich auch den Grund, warum die russ. Grundschueler besser lesen und rechnen koennen, weil sie einfach die Zahlen und Buchstaben schon im Kindergarten gelernt haben [...]
Aber eben auch ein Nachteil, weil Sie in der ersten Zeit unterfordert sind und dann vlt. meinen, dass das immer so ist ...
Deswegen war man zu der Zeit auch nicht begeistert, weil man vlt. um das Problem der Unterforderung in der ersten Zeit schon wusste ... Mag heuer vlt. schon anders sein, da kann es ja nicht schnell genug gehen ...
-ah-
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 12 Dez 2012, 17:05
von Sibirier
Also ich dachte alle russ. grundschueler muessten in den Kindergarten und deswegen wird es in der Grundschule vorausgesetzt, dass man Buchstaben und Zahlen kennt...
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 12 Dez 2012, 18:08
von Dietrich
Wenn es dann aber nicht alle machen - und deshalb in der Schule so und so wieder bei Null angefangen werden muss, dann bringt es natürlich auch nichts.
Das ist wie mit dem Englisch in der Grundschule. Am Ende von Klasse 5 sind die mit und ohne Englisch in der Grundschule wieder auf einem Level.
Doch nun, da in den meisten Ländern erste Erfahrungen gesammelt werden konnten, stellt sich die Frage nach dem Effekt. Der Englischdidaktiker Heiner Böttger von der Katholischen Universität Eichstätt hat dazu im Sommer 2008 an bayerischen Realschulen und Gymnasien geforscht. Das Resultat seiner noch unveröffentlichten Studie ist ernüchternd: 95 Prozent der Lehrer bemerken am Ende der fünften Klasse keinen signifikanten Unterschied mehr zwischen Schülern mit oder ohne Vorwissen aus Grundschultagen. Zwei Drittel der Pädagogen halten den Englischunterricht vor Klasse 5 für überflüssig.
http://www.spiegel.de/spiegel/a-601836.html
Ähnlich wird das wahrscheinlich auch mit Lesen und Schreiben sein. Wobei die von Axel angesprochenen Gefahren (Unterforderung im ersten halben Jahr) das Ganze dann sogar noch eher kontraproduktiv werden lassen.
Also ich sehe den Vorsprung der russischen Grundschüler in der Lesekompetenz weniger in diesem bereits im Kindergarten lesen lernen. Ich glaube, dass es einerseits die sprachlich homogenere Zusammensetzung der Klassen ist, zum anderen aber die Tatsache, dass viel mehr und auch ausdauernder geübt wird. Wenn die bei uns 3 kurze Sätze entziffert haben, dann ist die Aufgabe bereits zuende und es ist zwischendurch wieder ein wenig spielen angesagt. Ob allerdings auch in Zukunft wirklich in Russland noch viel mehr zuhause gelesen wird als in Deutschland (wie es wohl im Moment noch der Fall ist), das würde ich in Zeiten von Internet, Handys und Kabelfernsehen eher bezweifeln.
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 12 Dez 2012, 18:16
von Sibirier
Es bleibt abzuwarten.
M. E. ist in Russland noch ganztagsschule angesagt, obwohl sich wohl Ganztags auf bis 16 Ugr begrenzt.
Was macht Russland? Beibehalten? Was macht Deutschland? Endlich umsetzen, was schon lange gefordert wird? Also auch ganztagsschulen?
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 16 Jan 2013, 23:59
von umergel
Bildung hat leider zunehmend was mit Geld zu tun, mit dem Wohlstand der Familien, der Menschen. Was können sich die Eltern für ihre Kinder leisten, in Deutschland ist das zumindest immer mehr so. Die Allgemeinbildung in den Schulen ist oft schlecht, besonders in den Hauptschulen, wo auch der Migrantenanteil der Kinder oft sehr hoch ist. Die Wirtschaft in Deutschland klagt oft über die schlechte Schulbildung der Lehrlinge, die Schule hat die Kinder und Jugendlichen zu wenig und zu schlecht auf deren berufliche Zukunft vorbereitet. In der DDR gab es früher eine bessere Vorbereitung, da habe ich den UTP -Unterrichtstag in der Produktion oder ESP- Einführung in sozialistische Produktion wöchentlich einmal gehabt, man kam so frühzeitig mit Betrieben und Produktion in Berührung, Es gab auch für jede Schulklasse eine Patenbrigade aus Betrieben oder Genossenschaften. Dadurch gab es in der DDR eine enge Verzahnung von Schule und Betrieben. Das fehlt heute meist im vereinten Deutschland. So entdeckten die Betriebe und Genossenschaften damals in der DDR frühzeitig ihre künftigen Arbeiter und auch Leitungskräfte. Die Berufsbildung hatte damals auch ein hohes Niveau, es war eben alles einheitlich und staatlich organisiert.
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 17 Jan 2013, 16:01
von manuchka
Und das war ja alles soooo praxisrelevant...
Wir hatten noch zwei Wochen PA (Praktische Arbeit) dazu, wo wir irgendwelche Eckteile aus Metall sägen, feilen, bohren mussten, die für die Braunkohlecontainer von Schwarze Pumpe als Verschleißteile eingesetzt wurden. War eine Abwechslung zur Schule, ich hatte das erste Mal Schwielen an den Händen, und ich habe seit der Arbeitsschutz-Erklärungen damals hohen Respekt vor Standbohrmaschinen, weil ich weiß, was passieren kann, wenn Mädels mit ihren langen Haaren da rein kommen... aber sonst??? In ESP haben wir Schaltkreise gebaut, Parallel- und Kettenschaltung. War auch interessant, aber berufsvorbereitend sicher nicht.
Außerdem hast du sicher vergessen, dass nicht die Betriebe ihre Arbeiter entdeckten, sondern dass die Schulabgänger da und dort hinkommandiert wurden. Sowas wie bewerben gab's ja gar nicht richtig. Und einen Job bekamen so auch die, die in der Schule nix konnten und nix wollten, die mussten auch untergebracht werden.
Bissel differenzieren wäre schon gut.
PS: Ich hab kein reiches Elternhaus und trotzden Abi und Hochschulabschluss, ich musste halt 2 Jobs machen neben dem Studium, aber wie man sieht: Bildung geht auch ohne große Kohle. Das Problem ist eher die "Ich will bitte alles in den Arsch geschoben haben"-Mentalität vieler. Aber manchmal muss man selbigen Arsch ein wenig zusammenkneifen, bissel härter arbeiten und auf die eine oder andere Annehmlichkeit verzichten, damit man vorwärts kommt.
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 17 Jan 2013, 17:02
von GastroService
umergel hat geschrieben:Bildung hat leider zunehmend was mit Geld zu tun, mit dem Wohlstand der Familien, der Menschen. ........In der DDR gab es früher eine bessere Vorbereitung, da habe ich den UTP -Unterrichtstag in der Produktion oder ESP- Einführung in sozialistische Produktion wöchentlich einmal gehabt, man kam so frühzeitig mit Betrieben und Produktion in Berührung, Es gab auch für jede Schulklasse eine Patenbrigade aus Betrieben oder Genossenschaften. Dadurch gab es in der DDR eine enge Verzahnung von Schule und Betrieben. Das fehlt heute meist im vereinten Deutschland.
Ich sehe darin "nur eine Befriedigung der Statistik", denn wenn einer aus Zittau in der Schiffsbaubranche eine Ausbildung suchte hatte er auch keinen "Patenbetrieb" oder gar einen entsprechenden Einblick waerend der Schulzeit. (genau wie Heute).
Ich bin auch nicht begeistert von der "Vorbereitung auf das Arbeitsleben" unserer Schulabgänger, ob Hauptschueler, Abiturient oder nach dem Studium. Das Schulleben hat sich schon immer relativ wenig am realen (Arbeits-) Leben orientiert.
Wenn bedenke, dass man immernoch 3 bis 6 Jahre braucht, um einen neuen Beruf als solchen anzuerkennen und um die entsprechenden Inhalte festzulegen, heisst das doch, bis der erste Auszubildende den Beruf ergreifen kann, ist der Ausbildungsinhalt teilweise schon wieder ueberholt. Die staatliche Verwaltung hat die schnelle Entwicklung und deren Anforderungen der Wirtschaft immer noch nicht verinnerlicht.
Lehrer, die in den Vorabgangsklassen (egal welcher Schulgattung) unterrichten, sollten in ihren Sommerferien Betriebspraktikas machen MUESSEN: Das Gesetz gibt es her, dass Lehrer der staatlichen Schulen in den Sommerferien bis zu 3 oder 4 Wochen zu beruflichen Weiterbildung geschickt werden koennen!

Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 17 Jan 2013, 19:26
von manuchka
GastroService hat geschrieben:Lehrer, die in den Vorabgangsklassen (egal welcher Schulgattung) unterrichten, sollten in ihren Sommerferien Betriebspraktikas machen MUESSEN: Das Gesetz gibt es her, dass Lehrer der staatlichen Schulen in den Sommerferien bis zu 3 oder 4 Wochen zu beruflichen Weiterbildung geschickt werden koennen!

Wieso sollen denn die Lehrer ein Betriebspraktikum machen???

Was soll das bringen, wenn der Deutschlehrer in der Großbäckerei ein Praktikum macht oder der Mathelehrer in einem KFZ-Betrieb oder der Sportlehrer in einem Bürofachhandel???
Sinnvoll wären mehr Betriebspraktika - von mir aus auch verpflichtend in den Ferien - doch für die Schüler, die sollen schließlich aufs Berufsleben vorbereitet werden...
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 17 Jan 2013, 20:13
von GastroService
manuchka hat geschrieben:.......Wieso sollen denn die Lehrer ein Betriebspraktikum machen???

Was soll das bringen, wenn der Deutschlehrer in der Großbäckerei ein Praktikum macht oder der Mathelehrer in einem KFZ-Betrieb oder der Sportlehrer in einem Bürofachhandel???
Sinnvoll wären mehr Betriebspraktika - von mir aus auch verpflichtend in den Ferien - doch für die Schüler, die sollen schließlich aufs Berufsleben vorbereitet werden...
Dass die Lehrer/Innen auch einen Einblick in das "normale Leben nach der Schule" ihrer Zoeglinge und damit ein anderes Bild der "Welt" bekommen.
Du hast RECHT, ein Schnupperpraktikum von einer oder auch 3 Wochen in EINEM Betrieb bringt nicht viel, das sollten 3 oder gar mehr Praktikas sein und in unterschiedlichen Berufen (die der / die SchuelerIn als Ziel hat) und auch unterschiedliche Betriebe. Auch die Betriebe in denen Praktikas angeboten werden muessen die Zeit dafuer haben und moeglichst einen "Paten" fuer den / die PraktikantIn zur Seite stellen, der als Ansprechpartner begleitet.
Ich kenne selbst Berufsschullehrer, die in den Ferien 3 bis 4 Wochen in Betrieben arbeiten um den "Anschluss" an die Praxis nicht zu verlieren.
In diesem Sinne wuensche ich allen Lernenden und Lehrenden, dass sie ein MAXIMUM an Ausbildung, Wissen und Erfahrung sammeln koennen.
Gruss Guenter
Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 17 Jan 2013, 20:14
von Gunnar
Von der Konzeption her sollen die Kinder in den KiTas mehr oder minder bewusst vom schulischen Lernen im Sinne von Wissen-ansammeln geschützt werden. Die Kinder sollen erstmal richtig spielen lernen, heißt es immer wieder...
Am Anfang war ich da ziemlich skeptisch eingestellt, gerade weil es hier in Berlin ja als Alternative auch die russisch geführten KiTas gibt, die deutlich straffer sind und ein richtig verschultes Angebot haben. Inzwischen finde ich den spielerischen Ansatz der deutschen Kitas aber richtig, denn irgendwie ist in unserer Gesellschaft ab einem gewissen Alter doch eh schon alles auf Besser, Höher, Weiter, Schneller ausgerichtet. Warum sollen da in Gottes Namen schon die 2-5 Jährigen in diese Mühle geschickt werden. Ich denke, damit legt man allenfalls den Grundstein für den frühen Burn Out. Ich selbst jedenfalls zehre im stressigen und langen Berufsalltag eigentlich noch heute von einer unbeschwerten und verspielten Kindheit mit Lego und Playmobil, bei der auch gerne mal kindliche Langeweile bekämpft werden musste und zeitlicher Leerlauf nicht mit Englisch- oder Chinesischkursen für besser Marktkompatibilität vollgestopft wurde.