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Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 18 Jan 2013, 20:15
von domizil
... es gibt Partnerstädte, es gibt sogar einen Verantwortlichen im Bürgermeisteramt für die Zusammenarbeit mit den Partnerstädten. Ich bin ein wenig mit ihm bekannt, aber auch mir hat der "Liebe Gott" nur einen Arbeitstag mit 24 Stunden gegeben und deshalb habe ich diese Richtung - die sicher sehr interessant ist - einfach noch nicht "beackern" können. Na, abwarten ...
Uwe Niemeier

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 18 Jan 2013, 21:12
von umergel
Hallo, Uwe, ich drängle doch nicht, lasse Dir die Zeit, die Du für alles benötigst, man lebt nur einmal, hat genug Belastungen durch den Alltag. Ich kenne das als Pendler, mache meine Mails auch nur zwischendurch- schubweise, schon zu früheren Zeiten gab es ja zum Thema Zeit die Bemerkung "Der Tag hat eigentlich 25 Stunden, die Pausen und Mittag durchgemacht". Ich habe ja keine Erfahrung persönlich mit Russland und Kaliningrad, versuche mich da mit meiner vielleicht primitiven Denkweise rein zu finden, schreibe das nieder. Du bist Fachmann geworden, kennst die Region der Muschel mit.... wie aus der Westentasche, da will und kann ich nur ein ferner Weisenknabe sein. Meine Gedanken sollen eine Wertschätzung für Deine Mission- Deine Herzenstätigkeit sein, nicht mehr und nicht weniger. Nicht immer helfen Partnerregionen- oder städte, manches ist nur reine Politik, aber es kann ja doch in Einzelfällen auch wirtschaftliche oder kulturelle Aspekte dieser Kontakte geben. Das war oder ist ja auch so bei den ostdeutsch- westdeutschen Kommunalpartnerschaften, vieles ist nun eingeschlafen, reduziert, nach der Wende war das aber fast Pflicht, man wollte ja unbedingt die alten bestehenden Verwaltungen ablösen, den Futtertrog neu besetzen.

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 18 Jan 2013, 23:58
von domizil
... nun, was soll ich auf Deinen Kommentar antworten?
Ich lebe seit 1995 in Kaliningrad und fühle mich der Stadt im Besonderen und Russland im Allgemeinen verpflichtet - dankbar verpflichtet. Russland hat mir viel gegeben und ich versuche jetzt ein wenig zurück zu geben - formulieren wir es einfach mal so allgemein. Ob ich nun unbedingt der Fachmann oder Spezialist bin bleibt dahingestellt. Das es eine Reihe von Russen gibt, die sich gerne mit mir unerhalten - ja, das ist so. Und wenn ich jetzt noch eine Reihe von Deutschen finde, die sich mit mir unterhalten wollen und wo es mir gelingt ein gewisses Verständnis für die beiderseitigen Ansichten und Probleme zu finden - nun, dann habe ich eigentlich das erreicht, was ich erreichen wollte.

Im Februar findet in Kaliningrad der erste "Runde Tisch" (Mini-Format St. Petersburger Dialog) zu gemeinsam interessierenden deutsch-russischen Fragen statt. Organisator ist des "Institut für strategische politische Forschungen der Russischen Föderation". Man hat mir die Möglichkeit einer Teilnahme gegeben und ich hoffe, meinen Beitrag dort leisten zu können.
Uwe Niemeier

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 00:39
von umergel
Ja, Uwe, Du hast ja in Russland (Sowjetunion) studiert, kannst perfekt russisch, kennst damals und heute auch die russische Seele, kennst die Denk- und Verhaltensweisen der Russen und Nachbarn, das ist doch was ganz anderes wie bei mir, der in Schule und Studium schulrussisch lernte, nie in der Sowjetunion war, keine Kontakte dorthin hatte, der auch nach der Einheit nicht da war. Man kann da nur versuchen, aus der Ferne zu lernen, etwas aufzunehmen, da sind mir die Infos und Begegnungen über das Forum sehr spannend und interessant und verbinden auch menschlich etwas.

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 00:57
von domizil
umergel hat geschrieben:Ja, Uwe, Du hast ja in Russland (Sowjetunion) studiert,
... ja, Gott sei Dank, denn das ist die Grundlage für mein heutiges SEIN
umergel hat geschrieben:kannst perfekt russisch,
... nachdem ich 1973 ungefähr drei Mal durch die Sprachkundigenprüfung gefallen bin. Und erst, nachdem ich meinem Russischlehrer hoch und heilig versprechen mußte, niemals und niemandem zu erzählen, dass ich russisch spreche, die Sprachkundigenprüfung mit der Note "4" erhalten habe (und das war mehr als geschmeichelt)
umergel hat geschrieben:kennst die Denk- und Verhaltensweisen der Russen und Nachbarn,
... ich lebe nun seit 1995 mit meinen russischen Nachbarn in einer "Kommunalka-deluxe" - und die haben mir geholfen, Lenin, Stalin, Chrustchow, Breshnew ... usw. besser zu verstehen ... na und heute helfen mir auch noch andere Leute bei einem besseren Verständnis ...
umergel hat geschrieben: nie in der Sowjetunion war, keine Kontakte dorthin hatte,
... was nicht war, kann doch noch werden. Gut, die Sowjetunion wirst Du nicht mehr besuchen können, aber Russland ist schon noch eine reale Möglichkeit ...
umergel hat geschrieben:da sind mir die Infos und Begegnungen über das Forum sehr spannend und interessant
... das ist ja eigentlich das, was die Teilnahme hier im Forum so interessant und spannend macht. Wir haben aktuell 1.202 registrierte Mitglieder hier im Forum und ich denke mal so ungefähr 1.202 Meinungen und Ansichten - das ist doch schon was um sich gegenseitig zu informieren, argumentieren und für eine Meinungsbildung zu sorgen ...
Uwe Niemeier

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 12:52
von umergel
Ich habe gelernt aus Erfahrungen auch unserer Vereinsarbeit, man darf mit deutschen Sichtweisen und Denkweisen nicht andere Länder und andere Kulturkreise bewerten, gar kritisieren oder verurteilen. Man kann sich informieren, austauschen, fragen nach WIE und WARUM, aber muss dann zurück schalten. Aus vielseitigen Gründen fällt mir und meiner Familie das Reisen schwer, der normale Alltag verlangt viel Zeit, Kraft und mehr, darum erst einmal auch als gewisser Reiseersatz der Gedankenaustausch so, auch das Kennenlernen von netten Menschen und Familien vielleicht. Was mir zu DDR- Zeiten Sowjetunion- Reisende auch berichteten, war die Tatsache, dass man DDR- Touristen wegen der schlechten Währung in Hotels und Gaststätten oft schlechter behandelte und betreute als die Touristen mit harter Währung vom sogenannten Klassenfeind, die schlechte Währung machte die Brüder nicht unbedingt beliebt. Bei Privatkontakten wurde immer gesagt, die Russen sind herzlich gute Menschen, sehr gastfreundlich in den Familien. Das war aber auch in anderen Ostblock- Staaten so mit DDR- Touristen, selber erlebt und in der DDR war es ja auch so, harte Währung ging über fast alles und leider regiert ja Geld doch die Welt. Darum sind wir zu diesen Zeiten nicht in den Ostblock mehr hin gefahren, nach der Einheit und mit besserer Währung haben wir andere Reiseziele besucht, wollten nun nicht wegen besserer Währung plötzlich herzlich Willkommen bei den ehem. Brüdern sein, vielleicht war das auch eine Art Protesthaltung. Und nun hat ja die bessere Währung auch 2 Seiten der Medallie, eine Kehrseite und die schränkt auch wieder das Reisen ein.

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 14:56
von domizil
umergel hat geschrieben:man darf mit deutschen Sichtweisen und Denkweisen nicht andere Länder und andere Kulturkreise bewerten, gar kritisieren oder verurteilen.
... man darf schon, man soll sogar seine Sichtweise darlegen. Aber der Ton macht die Musike. Wenn ein Russe einem Deutschen wißbegierig zuhört, in der Hoffnung von ihm was zu lernen und der Deutsche tritt wie ein Oberlehrer auf, dann dürfte das Gespräch schnell in einen Monolog verfallen und kurz sein.
umergel hat geschrieben:dass man DDR- Touristen wegen der schlechten Währung in Hotels und Gaststätten oft schlechter behandelte und betreute als die Touristen mit harter Währung vom sogenannten Klassenfeind,
... ja, das war so. Heute spielt in Russland die harte Währung zwar eine Rolle, aber nicht als Zahlungsmittel im täglichen Leben. Es wird alles in Rubel bezahlt oder mit der Bankkarte und ich bemerke keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Bedienung von Russen und Ausländern. Der Ausländer wird in Kaliningrad mit ein wenig mehr Neugierde bedient. In Moskau fällt ein Ausländer wohl kaum noch auf, in Kaliningrad schon.
Uwe Niemeier

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 15:46
von umergel
Eigentlich beruht ja der Gedanke der Völkerverständigung auf der Bereitschaft, dass menschen verschiedener Kulturen, verschiedener Länder und Regionen ins Gespräch kommen und sich austauschen, niemand sollte sich da als Besserwisser oder Oberlehrer aufspielen, jeder sollte vor der eigenen Tür erst kehren. Aber man kann ja voneinander lernen, sich informieren, für sich dann die Entscheidungen treffen.

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 15:56
von domizil
umergel hat geschrieben:niemand sollte sich da als Besserwisser oder Oberlehrer aufspielen
... soweit zur Theorie. In der Praxis erlebe ich in Kaliningrad oftmals andere Dinge. Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Deutsche seit 1995 nach Kaliningrad gereist sind um hier "ihr Glück zu machen". Ich weiß aber, das fast alle wieder abgereist sind. Steht für mich die Frage, warum das so ist. Und wenn man sich dann so links und rechts umhorcht ... dann wird einiges klar. Deshalb versuche ich auch in meiner Arbeit mit deutschen Besuchern einige Besonderheiten im gesellschaftlichen Umgang zu vermitteln - damit eben die berühmten Fettnäpfchen nicht zu oft in Aktion treten
Uwe Niemeier

Re: Pro KALININGRAD - Öffentlichkeitsarbeit

Verfasst: 19 Jan 2013, 20:28
von umergel
Wenn man sein Glück irgendwo in der Fremde machen will, wirklich neu beginnen will, dann muss man davon nicht nur reden, dann muss man handeln und bereit sein, neue Ufer zu betreten, auch in seinen Denk- und Verhaltensweisen. Man muss dafür Opfer verschiedener Art bringen, auch finanzielle, muss sich sachlich- fachlich fair beraten lassen, die Sprache der möglichen neuen Heimat erlernen, man darf nicht nur an schnellen Gewinn und Ertrag denken und man muss auch ggf. Einschnitte im Lebensstandard hinnehmen. Das können und wollen viele dieser "Glücksuchenden" nicht, man möchte sich vielleicht auch in das berühmte gemachte Nest setzen, andere für sich machen lassen. Was auch wichtig ist, man sollte gesund sein, sich selber gut einschätzen können, sich nicht selber belügen mit dem, was man auf sich nehmen kann und will. Das ist zumindest meine Sicht dazu, ohne jemanden nahe treten zu wollen. Nach der Wende war es in der ehem. DDR ja auch so, wie viele Glücksritter aus dem Westen kamen in Strömen, wollten ihr Land und Haus wieder, als dann vieles endlich geregelt wurde, flaute das ab.