Meinungsfaschismus
Verfasst: 09 Jul 2013, 15:30
Aus aktuellem Anlass möchte ich hier auch meine Sicht auf das Thema "Diskussionskultur im Forum" darlegen:
Ich habe als Überschrift mal "Meinungsfaschismus" gewählt. Das mag zwar ein sehr reißerischer Titel sein, aber es trifft in meinen Augen doch ganz gut ins Herz des Themas. Wenn auch vielleicht mit zu großem Kaliber. Aber das ist, wie so vieles, Ansichtssache.
In dem meisten Diskussionen gibt es konkurrierende Meinungen. Menschen denken - aus welchen Gründen auch immer - unterschiedlich über den Sachverhalt, der zur Diskussion steht. Die Diskussion dient dann dazu, seine Argumente auszutauschen. Was oft zur Folge hat, dass man sich während der Diskussion Gedanken über seine eigenen Beweggründe und Argumente machen muss, damit man sie in Sprache fassen kann. Eine solche Diskussion ist also nicht nur für die anderen lehrreich, sondern auch für einen selbst. Natürlich ist es auch toll, wenn man während der Diskussion herausfindet, dass man mit seiner Meinung nicht allein ist. Oder - aber das ist wohl die Ausnahme - man ändert sogar während der Diskussion seine Meinung. Sehr selten ganz, aber vielleicht mal in Detailfragen, wenn einem die Argumente der/des Anderen überzeugen.
Wenn Menschen anderer Meinung sind, dann hat das viele Gründe. Andere Erfahrungen im Leben, andere Prioritäten, andere Grundsätze. Und da es selten die "alleinige und einzige Wahrheit" gibt, ist eine Einteilung in "der hat Recht" und "der nicht" so eigentlich nie möglich.
Leider kann man/ich in vielen Foren im Internet feststellen, dass sich viele Teilnehmer nicht mit dem Austausch von Argumenten zufriedengeben, sondern dass sie es als Ziel einer solchen Diskussion sehen, die Meinungsherrschaft in dem Thema zu erringen. Und wenn sie merken, dass Argumente nicht helfen, weil Leute selten ihre Meinung um 180 Grad drehen, dann wird eben versucht, die Meinung und vor allem die sie vertretenen Person/Personen als Minderwertig oder geistig minderbemittelt hinzustellen. Dies ist besonders dann zu bemerken, wenn in einem Thema das Verhältnis der Personen mit unterschiedlichen Meinungen zahlenmäßig ungleichmäßig ist.
Nehmen wir ein Beispiel NICHT aus diesem Forum:
Schaut man ins Forum von Spiegel Online (SPON) in einem Thema zur Energiewende/Reaktorkatastrophe/Kernkraft, so sind 95% der Leute absolut gegen jegliche weitere Nutzung der Kernkraft als Energiequelle. Jeder noch so hahnebüchende Beitrag findet noch jemanden, der offen seine Zustimmung ausrückt. "Wagt" es aber trotzdem irgend jemand z.B. darauf hinzuweisen, dass in Fukushima niemand an den Folgen der Kernschmelze gestorben ist, so wird er sofort von allen einhellig als "Von der Energiewirtschaft bezahlt" bezeichnet oder als Dummkopf, Ignorant oder ähnliches beschimpft. Ähnliches ist in vielen Bereichen zu beobachten. Im Moment zum Beispiel swehr gut in den Themen in Bezug auf Edward Snowden.
Also was unterscheidet Diskussionen "im Netz" von Diskussionen im wirklichen Leben?
Im wirklichen Leben wird man sich zumindest im privaten Bereich immer nur mit Leuten zu einer expliziten Diskussion über strittige Theman zusammenfinden, die mehr oder weniger der gleichen Meinung sind. Stellt man trotzdem irgendwann fest, dass die Ansichten zu sehr auseinander gehen, dann wechselt man über kurz oder lang das Thema, wenn einem an einer weiteren harmonischen Begegnung mit dem Gegenüber gelegen ist. Aber meist findet man sich eigentlich zu recht homogenen Gruppen zusammen, in denen die Grundmeinung mehr oder weniger gleich ist. "Stammtisch" wird sowas dann gerne genannt, wenn es sich um Meinungen handelt, die in irgendeiner Weise als konservativ einzuordnen sind. Wobei eine analoge Diskussion unter weiter links stehenden kaum weniger "Stammtisch" gennant werden kann....
Im Netz ist das anders. Im Netz ist man mehr oder weniger anonym. Und selbst wenn nicht absolut anonym ist, so steht man sich trotzdem nicht direkt gegenüber und so ist einem recht egal, wie harmonisch die Begegnung in Folge abläuft. Im privaten Bereich gibt es so etwas nur sehr selten, man findet so etwas eher in der Politik bei öffentlich ausgetragenen Diskussionen oder in TV-Formaten die teilweise extra darauf angelegt sind.
Im Netz laufen deshalb Diskussionen schnell aus dem Ruder. Da wird beleidigt, gepöbelt und wildeste Unterstellungen gemacht um die Meinungsherrschaft zu erringen. Und wenn man dann noch etliche Mitstreiter hat, mit denen man sich gegenseitig kräftig auf die Schulter klopfen kann und denen man in ihren Pöbeleien auch noch beipflichten kann, so macht das noch viel mehr Spaß. Außerdem kann man sich in einer solchen Gruppe auch viel besser über Beleidigungen der anderen Seite echauffieren.
Hat man dann erst einmal eine entsprechende zahlenmäßige Übermacht, so kann man prima seinen Meinungsfaschismus ausleben und generell alle Abweichler von der "faschistisch geduldeten Meinung" abkanzeln.
Warum schreibe ich dies? Weil genau das eingetreten ist, was ich schon vor einiger Zeit befürchtet hatte: Es findet kaum mehr Diskussion über politische Themen hier im Forum statt. Und wenn doch, dann wird bereits nach ein oder zwei Seiten gepöbelt, diffamiert etc. was das Zeug hält. Bei politischen Diskussionen zu "deutschen Themen" werden teilweise tatsächlich noch Argument ausgetauscht (siehe Ehegattensplitting), aber sobald es Russland betrifft, werden keine abweichenden Meinungen mehr zugelassen.
(Jetzt wird es persönlich:)
Da hat man dann plötzlich als angeblicher Russlandfeind "eigentlich nichts in diesem Forum zu suchen". Als Moderator ist man so und so nicht tragbar und alles gipfelt dann in der Aussage, man hätte eine braune Gesinnung.
Was soll so etwas? WO habe ich Meinungen geäußert, die auch nur annährend in die kranke Denkrichtung nationalfaschistischer Ideen gehen? Weder bin ich ausländerfeindlich (mehr als 50% meiner Freunde und Bekannten sind ausländischen Ursprungs), noch habe ich etwas gegen Behinderte und Schwule.
Ja, ich vertrete viele Standpunkte, die man eher konservativ nennen könnte: Ich halte wenig von zwanghaften Gemeinschaftsschulen, bin für eine mehr authoritäre Erziehung als es im Moment Mainstream ist, finde dass Polizisten sich gegen mit Messer bewaffnete durchaus mit der Pistole wehren dürfen, halte trotz aller Abhörskandale etc. die USA für einen wertvollen Partner Deutschlands, bin dagegen, unser Geld ungeprüft nach Griechenland, Portugal, Italien oder sonstwohin zu überweisen, etc.
Viel schlimmer: Ich lese meinen Kindern Pippi Langstrumpf MIT "Negerkönig" vor und ich esse nach wie vor Negerküsse (allerdings nicht sehr oft!).
Ach ja, fast vergessen: Ich halte die deutsche Energiewende für eine Katastrophe und kann nicht verstehen, wie eine Physikerin bei so etwas ruhig schlafen kann.
Aber "braun"? WO denn bitte?
Immer nach dem Motto: Behaupten wir es einfach mal. Nachfragen werden ignoriert. Irgendetwas wird schon hängen bleiben. Klappt ja auch anscheinend ganz gut, denn mittlerweile hält mich sowohl Sibirier für "nicht mehr (er)tragbar, als auch Zejtnot, der plötzlich meint, ich hätte "seltsame Ansichten". Und welche sind das bitte? Das mir anständige Schwule Adoptiveltern lieber sind als idiotische Heterosexuelle? Das ich Kernenergie unter Umständen befürworte? Das ich das Verfahren gegen Pussy Riot für eine Farce halte, genau wie den Zirkus im Moment gegen A. Navalny? Das ich die russischen Gesetze gegen NGOs für falsch halte? Das ich der Meinung bin, Putin und seine Gefolgschaft gehen nach demokratischen Maßstäben zu weit in der Sicherung ihrer persönlichen Macht?
Ich weiss nicht genau, warum z.B. Pippie jetzt um Löschung gebeten hat (der entsprechende Thread ist wohl an mir vorbeigegangen), aber ich finde eine derartige Reaktion ansich feige und kann sie nicht verstehen.
Ich würde mir echt wünschen, dass auch politische Themen in Bezug auf Russland hier wieder unaufgeregt diskutiert werden könnten. Und nicht nur Themen zum Thema Reisen, Visum und "witzige Webvideos".
Ich habe als Überschrift mal "Meinungsfaschismus" gewählt. Das mag zwar ein sehr reißerischer Titel sein, aber es trifft in meinen Augen doch ganz gut ins Herz des Themas. Wenn auch vielleicht mit zu großem Kaliber. Aber das ist, wie so vieles, Ansichtssache.
In dem meisten Diskussionen gibt es konkurrierende Meinungen. Menschen denken - aus welchen Gründen auch immer - unterschiedlich über den Sachverhalt, der zur Diskussion steht. Die Diskussion dient dann dazu, seine Argumente auszutauschen. Was oft zur Folge hat, dass man sich während der Diskussion Gedanken über seine eigenen Beweggründe und Argumente machen muss, damit man sie in Sprache fassen kann. Eine solche Diskussion ist also nicht nur für die anderen lehrreich, sondern auch für einen selbst. Natürlich ist es auch toll, wenn man während der Diskussion herausfindet, dass man mit seiner Meinung nicht allein ist. Oder - aber das ist wohl die Ausnahme - man ändert sogar während der Diskussion seine Meinung. Sehr selten ganz, aber vielleicht mal in Detailfragen, wenn einem die Argumente der/des Anderen überzeugen.
Wenn Menschen anderer Meinung sind, dann hat das viele Gründe. Andere Erfahrungen im Leben, andere Prioritäten, andere Grundsätze. Und da es selten die "alleinige und einzige Wahrheit" gibt, ist eine Einteilung in "der hat Recht" und "der nicht" so eigentlich nie möglich.
Leider kann man/ich in vielen Foren im Internet feststellen, dass sich viele Teilnehmer nicht mit dem Austausch von Argumenten zufriedengeben, sondern dass sie es als Ziel einer solchen Diskussion sehen, die Meinungsherrschaft in dem Thema zu erringen. Und wenn sie merken, dass Argumente nicht helfen, weil Leute selten ihre Meinung um 180 Grad drehen, dann wird eben versucht, die Meinung und vor allem die sie vertretenen Person/Personen als Minderwertig oder geistig minderbemittelt hinzustellen. Dies ist besonders dann zu bemerken, wenn in einem Thema das Verhältnis der Personen mit unterschiedlichen Meinungen zahlenmäßig ungleichmäßig ist.
Nehmen wir ein Beispiel NICHT aus diesem Forum:
Schaut man ins Forum von Spiegel Online (SPON) in einem Thema zur Energiewende/Reaktorkatastrophe/Kernkraft, so sind 95% der Leute absolut gegen jegliche weitere Nutzung der Kernkraft als Energiequelle. Jeder noch so hahnebüchende Beitrag findet noch jemanden, der offen seine Zustimmung ausrückt. "Wagt" es aber trotzdem irgend jemand z.B. darauf hinzuweisen, dass in Fukushima niemand an den Folgen der Kernschmelze gestorben ist, so wird er sofort von allen einhellig als "Von der Energiewirtschaft bezahlt" bezeichnet oder als Dummkopf, Ignorant oder ähnliches beschimpft. Ähnliches ist in vielen Bereichen zu beobachten. Im Moment zum Beispiel swehr gut in den Themen in Bezug auf Edward Snowden.
Also was unterscheidet Diskussionen "im Netz" von Diskussionen im wirklichen Leben?
Im wirklichen Leben wird man sich zumindest im privaten Bereich immer nur mit Leuten zu einer expliziten Diskussion über strittige Theman zusammenfinden, die mehr oder weniger der gleichen Meinung sind. Stellt man trotzdem irgendwann fest, dass die Ansichten zu sehr auseinander gehen, dann wechselt man über kurz oder lang das Thema, wenn einem an einer weiteren harmonischen Begegnung mit dem Gegenüber gelegen ist. Aber meist findet man sich eigentlich zu recht homogenen Gruppen zusammen, in denen die Grundmeinung mehr oder weniger gleich ist. "Stammtisch" wird sowas dann gerne genannt, wenn es sich um Meinungen handelt, die in irgendeiner Weise als konservativ einzuordnen sind. Wobei eine analoge Diskussion unter weiter links stehenden kaum weniger "Stammtisch" gennant werden kann....
Im Netz ist das anders. Im Netz ist man mehr oder weniger anonym. Und selbst wenn nicht absolut anonym ist, so steht man sich trotzdem nicht direkt gegenüber und so ist einem recht egal, wie harmonisch die Begegnung in Folge abläuft. Im privaten Bereich gibt es so etwas nur sehr selten, man findet so etwas eher in der Politik bei öffentlich ausgetragenen Diskussionen oder in TV-Formaten die teilweise extra darauf angelegt sind.
Im Netz laufen deshalb Diskussionen schnell aus dem Ruder. Da wird beleidigt, gepöbelt und wildeste Unterstellungen gemacht um die Meinungsherrschaft zu erringen. Und wenn man dann noch etliche Mitstreiter hat, mit denen man sich gegenseitig kräftig auf die Schulter klopfen kann und denen man in ihren Pöbeleien auch noch beipflichten kann, so macht das noch viel mehr Spaß. Außerdem kann man sich in einer solchen Gruppe auch viel besser über Beleidigungen der anderen Seite echauffieren.
Hat man dann erst einmal eine entsprechende zahlenmäßige Übermacht, so kann man prima seinen Meinungsfaschismus ausleben und generell alle Abweichler von der "faschistisch geduldeten Meinung" abkanzeln.
Warum schreibe ich dies? Weil genau das eingetreten ist, was ich schon vor einiger Zeit befürchtet hatte: Es findet kaum mehr Diskussion über politische Themen hier im Forum statt. Und wenn doch, dann wird bereits nach ein oder zwei Seiten gepöbelt, diffamiert etc. was das Zeug hält. Bei politischen Diskussionen zu "deutschen Themen" werden teilweise tatsächlich noch Argument ausgetauscht (siehe Ehegattensplitting), aber sobald es Russland betrifft, werden keine abweichenden Meinungen mehr zugelassen.
(Jetzt wird es persönlich:)
Da hat man dann plötzlich als angeblicher Russlandfeind "eigentlich nichts in diesem Forum zu suchen". Als Moderator ist man so und so nicht tragbar und alles gipfelt dann in der Aussage, man hätte eine braune Gesinnung.
Was soll so etwas? WO habe ich Meinungen geäußert, die auch nur annährend in die kranke Denkrichtung nationalfaschistischer Ideen gehen? Weder bin ich ausländerfeindlich (mehr als 50% meiner Freunde und Bekannten sind ausländischen Ursprungs), noch habe ich etwas gegen Behinderte und Schwule.
Ja, ich vertrete viele Standpunkte, die man eher konservativ nennen könnte: Ich halte wenig von zwanghaften Gemeinschaftsschulen, bin für eine mehr authoritäre Erziehung als es im Moment Mainstream ist, finde dass Polizisten sich gegen mit Messer bewaffnete durchaus mit der Pistole wehren dürfen, halte trotz aller Abhörskandale etc. die USA für einen wertvollen Partner Deutschlands, bin dagegen, unser Geld ungeprüft nach Griechenland, Portugal, Italien oder sonstwohin zu überweisen, etc.
Viel schlimmer: Ich lese meinen Kindern Pippi Langstrumpf MIT "Negerkönig" vor und ich esse nach wie vor Negerküsse (allerdings nicht sehr oft!).
Ach ja, fast vergessen: Ich halte die deutsche Energiewende für eine Katastrophe und kann nicht verstehen, wie eine Physikerin bei so etwas ruhig schlafen kann.
Aber "braun"? WO denn bitte?
Immer nach dem Motto: Behaupten wir es einfach mal. Nachfragen werden ignoriert. Irgendetwas wird schon hängen bleiben. Klappt ja auch anscheinend ganz gut, denn mittlerweile hält mich sowohl Sibirier für "nicht mehr (er)tragbar, als auch Zejtnot, der plötzlich meint, ich hätte "seltsame Ansichten". Und welche sind das bitte? Das mir anständige Schwule Adoptiveltern lieber sind als idiotische Heterosexuelle? Das ich Kernenergie unter Umständen befürworte? Das ich das Verfahren gegen Pussy Riot für eine Farce halte, genau wie den Zirkus im Moment gegen A. Navalny? Das ich die russischen Gesetze gegen NGOs für falsch halte? Das ich der Meinung bin, Putin und seine Gefolgschaft gehen nach demokratischen Maßstäben zu weit in der Sicherung ihrer persönlichen Macht?
Ich weiss nicht genau, warum z.B. Pippie jetzt um Löschung gebeten hat (der entsprechende Thread ist wohl an mir vorbeigegangen), aber ich finde eine derartige Reaktion ansich feige und kann sie nicht verstehen.
Ich würde mir echt wünschen, dass auch politische Themen in Bezug auf Russland hier wieder unaufgeregt diskutiert werden könnten. Und nicht nur Themen zum Thema Reisen, Visum und "witzige Webvideos".