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Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 25 Feb 2013, 00:14
von Mariana
Magdeburg-Moskva hat geschrieben:
Mariana hat geschrieben:Dass da nix los is, kann ich nicht gerade sagen...da ist sehr viel unmut in der luft, und zwar bei den Ureinwohnern, den Tscherkessen. Die sind 1864 nach einem 100-jährigen Krieg mit Russland von den Russen massenweise ermordet (Krasnaya Polyana -"Blutrotes Feld" - dämmert es jetzt, weshalb dieser Name gegeben wurde?) und von Sotschi aus ins Osmanische Reich zwangsverschifft worden. Die tscherkessische Hauptstadt Sotschi und das Land Tscherkessien wurden von Russland annektiert. Die Austragung der Olympischen Spiele ausgerechnet auf diesem Areal kränkt die Ureinwohner sehr, aber wenn die den Mund aufmachen, werden die gleich verknackt oder die Birne wird ausgepustet.
Ich höre weder von Morden an Tscherkessen / Adygejern, noch von deren Aufschreien. Immer dran denken, dass jeder Dreck am Stecken hat.

Und solch einen Beitrag gleich als ersten zu schreiben, riecht nach Propaganda/Spam.
Na klar, ich sitze hier in meinem kleinen Kabuff in der CIA-Hauptniederlassung irgendwo in der amerikanischen Pampa und habe nichts anderes zutun, als tagein, tagaus antirussische Propaganda zu verfassen und in die Welt zu setzen... jede kleine Kritik an Russland ist ja schließlich amerikanische Negativpropaganda, nicht wahr, meine Liebe?

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 25 Feb 2013, 00:36
von Mariana
GIN hat geschrieben:
Mariana hat geschrieben:Dass da nix los is, kann ich nicht gerade sagen...da ist sehr viel unmut in der luft, und zwar bei den Ureinwohnern, den Tscherkessen. Die sind 1864 nach einem 100-jährigen Krieg mit Russland von den Russen massenweise ermordet (Krasnaya Polyana -"Blutrotes Feld" - dämmert es jetzt, weshalb dieser Name gegeben wurde?) und von Sotschi aus ins Osmanische Reich zwangsverschifft worden. Die tscherkessische Hauptstadt Sotschi und das Land Tscherkessien wurden von Russland annektiert. Die Austragung der Olympischen Spiele ausgerechnet auf diesem Areal kränkt die Ureinwohner sehr, aber wenn die den Mund aufmachen, werden die gleich verknackt oder die Birne wird ausgepustet.


Man würde zur heutigen Zeit sagen das Ubykhen Islamisten waren die einfach nur Gewalt verstanden. Heute werden die ehemaligen Bewohner von Krasnaya Polyana von Abchasen, Shapsough und sogar von Adygen vereinahmt ohne eine wirkliche Grundlage zu haben.
Seltsam, das mit dem "nur Gewalt verstehen", das sagt man doch heutzutage in Russland auch über die Tschetschenen. Klingt ganz nach Simplifizierung und Entmenschlichung der kaukasischen Einheimischen, egal ob Nord-, Ost-, West- oder Südkaukasier. Kann es sein, dass das von russischer Seite ständig angeführt wird, weil die Russen selbst nichts anderes außer Gewalt verstehen??? Historische Beispiele dafür gibt es ja en masse...

Sie versuchen Sand in die Augen zu streuen, schauen Sie sich historische Landkarten vor dem Jahr 1864 an, dann sehen Sie zu welchem Land Sotschi und Umgebung gehört haben, nämlich zu Tscherkessien.

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 25 Feb 2013, 19:26
von bauplan
Mariana hat geschrieben:
Sie versuchen Sand in die Augen zu streuen, schauen Sie sich historische Landkarten vor dem Jahr 1864 an, dann sehen Sie zu welchem Land Sotschi und Umgebung gehört haben, nämlich zu Tscherkessien.
Also ich schaue mir immer die Karten vom heiligen römischen Reich deutscher Nation von 1236 an und frage mich, warum Deutschland so klein ist.

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 25 Feb 2013, 19:51
von GastroService
bauplan hat geschrieben:Also ich schaue mir immer die Karten vom heiligen römischen Reich deutscher Nation von 1236 an und frage mich, warum Deutschland so klein ist.
Dann baue Dir einen Globus von Deutschland, der wirkt zumindest groesser :lol:
und einen fuer fuer Sotschi 1864, damit die auch einen eigenen Globus haben :D

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 26 Feb 2013, 03:22
von GIN
Sie versuchen Sand in die Augen zu streuen, schauen Sie sich historische Landkarten vor dem Jahr 1864 an, dann sehen Sie zu welchem Land Sotschi und Umgebung gehört haben, nämlich zu Tscherkessien.
Die "Tscherkessen" waren eine lose Konföderation von Adygischen Völkern die sich im Kriegsbund gegen die Russen sahen. Eine lose frühe Eidgenossenschaft ohne Hauptstadt, ohne Verfassung und ohne Gerichtsbarkeit. Es gab kein Staatenwesen. Die Ubykhen (Bewohner um Sochi) gehörten zu keinem Zeitpunkt dieser Konföderation aus adygischen Stämmen an. Sie hatten eine andere Sprache, anders als ihre nördlichen Nachbarn waren sie strenge Suniten und lebten isoliert in den Hügeln zwischen Tscherkessen und Abchasen. Ich empfehle Ihnen erst einmal französische oder englische Reiseberichte zu dem Thema aus dem 19 Jahrhundert. In Google Books gibts viele Einträge dazu.


Des Weiteren muss man sich in die Mentalitt des 19 Jahrhundert versetzen. Es stimmt das nach heutigen Massstäben die Russen Kriegsverbrechen im Kaukasus verbrochen haben, es stimmt aber auch das die Bewohner im Kaukasus nach heutigen Massstäben mehrheitlich auch nicht ok waren und man sie (gerade die Bewohner um Sochi) heute wegen Sklavenhandel, Menschenraub (Überfall auf ihre Nachbarn, auch eigene Ubychen)vor ein Gericht bringen würde.

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 28 Feb 2013, 18:36
von GastroService
Nichts los oder keinen Nachrichten aus Sotschi? kann man so nicht behaupten - auch wenn es nicht die besten Nachrichten sind :roll:

http://www.aktuell.ru/russland/panorama ... _3677.html
Experten: Sotschi geologisch untauglich für Olympiabau
Sotschi. Kaum ist der Countdown für die Olympiade 2014 gestartet, kommen Hiobsbotschaften aus Sotschi: Das gesamte Gelände sei geologisch zu schwierig, um dort auf Dauer bauen zu können. Diese Einsicht kommt sehr spät.

Re: Nichts los in Sochi?

Verfasst: 31 Mär 2013, 01:10
von Mariana
GIN hat geschrieben:
Die "Tscherkessen" waren eine lose Konföderation von Adygischen Völkern die sich im Kriegsbund gegen die Russen sahen. Eine lose frühe Eidgenossenschaft ohne Hauptstadt, ohne Verfassung und ohne Gerichtsbarkeit. Es gab kein Staatenwesen. Die Ubykhen (Bewohner um Sochi) gehörten zu keinem Zeitpunkt dieser Konföderation aus adygischen Stämmen an. Sie hatten eine andere Sprache, anders als ihre nördlichen Nachbarn waren sie strenge Suniten und lebten isoliert in den Hügeln zwischen Tscherkessen und Abchasen. Ich empfehle Ihnen erst einmal französische oder englische Reiseberichte zu dem Thema aus dem 19 Jahrhundert. In Google Books gibts viele Einträge dazu.


Des Weiteren muss man sich in die Mentalitt des 19 Jahrhundert versetzen. Es stimmt das nach heutigen Massstäben die Russen Kriegsverbrechen im Kaukasus verbrochen haben, es stimmt aber auch das die Bewohner im Kaukasus nach heutigen Massstäben mehrheitlich auch nicht ok waren und man sie (gerade die Bewohner um Sochi) heute wegen Sklavenhandel, Menschenraub (Überfall auf ihre Nachbarn, auch eigene Ubychen)vor ein Gericht bringen würde.

1.Es gab zu keinem Zeitpunkt im Nordwestkaukasus strenge Sunniten, was schreiben Sie da überhaupt??? Mir scheint, Sie kennen sich in der Materie gar nicht aus. Es gibt genug historische Quellen der Osmanen, in denen die Osmanen beklagen, wie schwer es war, den Islam bei den Tscherkessen, Abchasen und den Ubykhen, die damals eine Mischung aus heidnischen Traditionen und christlicher Religion praktizierten, an den Mann zu bringen...auch mit Geld ließ sich da nicht viel machen, das schreiben die Osmanen selber! Die Tschetschenen, nach deren Land der russische Zar ebenso gegiert hat, haben letztendlich einen Glaubenskrieg, einen Djihad, gegen die Russen geführt, deswegen spricht man auch vom Muridenkrieg. Die Tscherkessen aber haben für die Erhaltung ihres unabhängigen Landes gekämpft, das ist doch was völlig anderes!!!Übrigens, ausschlaggebend für den Glaubenswechsel zum Islam war die unmenschliche Reaktion des Russischen Zaren, die mehrmals vorgetragenen Bitten der Tscherkessen um eine friedfertige Lösung auszuschlagen. Die Tscherkessen wollten dem Zaren mit dem Glaubenswechsel ein letztes klares Zeichen setzen, dass man seine Autorität nicht akzeptiert.

2.die Ubychische Sprache stand dem Tscherkessischen näher als das Abchasische. Abchasen und Tscherkessen benötigen auch Dolmetscher untereinander, auch wenn diese Sprachen miteinander verwandt sind.

3. Sie brauchen nicht in der Vergangenheitsform schreiben, wenn Sie von russischen Verbrechen im Kaukasus schreiben...die begeht Russland immer noch, und zwar an allen Völkern im Kaukasus! Die Russen sind also in ihrer Mentalität im 19. jahrhundert stehen geblieben...dabei wollen sie sich doch so gern als ein modernes friedfertiges Volk nach westlichen Maßstäben verkaufen bei den Olympischen Winterspielen nächstes Jahr! Vergessen Sie's, das nimmt den Russen doch eh keiner ab...

4. Wollen Sie mir weismachen, bei den Russen gab es keine Verbrechen???? Sklavenhandel und staatliche Organisation war eine innertscherkessische Angelegenheit, das rechtfertigt nicht den Einfall in das Land und die fast völlige Ausrottung eines Volkes! Wenn die Russen so edelmütig waren/sind, wie Sie hier vorgeben, warum hat sich der Russische Zar nicht ebenbürtige Gegner gesucht, die noch viel mehr im Sklavenhandel verwickelt waren -die Osmanen, Engländer, Franzosen, Portugiesen???

Re: Ubykhen, Shapsough, Abchasen, Tscherkessen, Adygejer

Verfasst: 12 Jul 2013, 10:03
von GIN
modernes friedfertiges Volk nach westlichen Maßstäben verkaufen bei den Olympischen Winterspielen nächstes Jahr! Vergessen Sie's, das nimmt den Russen doch eh keiner ab...
Das heutige Russland ist ein multiethnisches Land. In dem Land leben viele Völker miteinander in Frieden. Russland ist nicht in der Mentalität des 19 Jahrhunderts stehen geblieben sondern hat eine eigene postsowjetische Mentalität die letzten 20 Jahre entwickelt. Ich stimme zu das im Nordkaukasus vieles im Argen ist und wünsche auch den Völkern, wenn überhaupt eine Mehrheit das will? (Zweifel), eine Unabhängigkeit dieser Staatengebilde. Für die restlichen Teile der Russischen Föderation kann das nur positiv sein.
Das müssen aber die Einheimischen entscheiden, nicht irgendwelche Ausländer wie wir.

Des Weiteren stütze ich meine Behauptungen zu den Ubykhen auf Schriftverkehr aus den 1710er Jahren und 1850 er Jahren. Schön kann man zbs in "de grands arbes" von lettres edifiantes... einem Buch aus dem Jahre 1780 lesen wie ein Jesuite die Ubykhen beschrieb. 1710 Schweine jagen, Wein anbauen und einen Baum wohl als Gott verehren. 1850 berichtet Wereschschagin nur von diesem Baum, in französischen und englischen Reiseberichten wird zbs. beschrieben wie ein Ubykhe einem Reisenden nicht die Hand gibt, kein Wein angebaut wird und die Gebildeten sich in Arabisch unterhielten mit Ausländern. ...
Damit unterschieden sich gerade die Ubykhen von den Nachbarn, aber natürlich Vermutungen von mir die ich auf Reiseberichte stütze.

Nun Gut, für mich von Interesse weil ich diese noch nicht gelesen habe... bitte sende mir doch zbs. Berichte von Osmanen über Shapsough bis Abchasen. Sehr interessant für mich.

Re: Ubykhen, Shapsough, Abchasen, Tscherkessen, Adygejer

Verfasst: 12 Jul 2013, 10:38
von Zejtnot
GIN hat geschrieben:Das heutige Russland ist ein multiethnisches Land. In dem Land leben viele Völker miteinander in Frieden.
Interessantes Thema, grundsätzlich. Ich hatte letztens die Diskussion mit einer Freundin, ob Ausländer in Russland Grund und Boden erwerben dürfen sollen. Sie war strikt dagegen, weil diese Fleckchen Erde nun mal den Russen gehöre. Just in dem Moment saßen wir aber in einem Haus, welches in einem Gebiet steht, wo bis 1940 ausschließlich Schoren gelebt haben. Russen hätten demnach überhaupt kein Recht, dort zu leben. Aber wo zieht man die Linie? Wer muss wann wo gelebt haben, damit es einen Anspruch gibt? Ist 1985 die Basis? Dann dürften die Deutschen halb Westsibirien im Grundbuch eintragen lassen, also jene Ausländer, die meine Freundin ausgrenzen wollte. Und so weiter und so fort.

Fazit: All diese Diskussionen können nie "gerecht" geklärt werden. Der einzige Weg ist schlicht ein friedliches Zusammenleben ohne sture Rache wegen den Streitereien unserer Vorfahren.