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Re: Milliardäre in Russland
Verfasst: 27 Okt 2013, 20:21
von _RGP_
Die 13% Steuer sind zumindest mir klar.
Es ging mir um die "26% Rente usw." / "Sozialabgaben"
Siehe hier:
bella_b33 hat geschrieben:Soweit ich das beurteilen kann, sind immer knapp 40% weg(13% Lohnsteuer + 26% Rente usw.),
inorcist hat geschrieben:Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber noch 30% Sozialabgaben
Re: Milliardäre in Russland
Verfasst: 28 Okt 2013, 00:29
von GIN
Ihr schreib oft über die Rente. Was bleibt den wirklich so mit 65 vom russischen Topf? % vom Einkommen, pauschale Sätze?
Re: Milliardäre in Russland
Verfasst: 28 Okt 2013, 07:13
von Zejtnot
Wie inorcist schreibt: Die 13 % Einkommenssteuer zahlt vollständig der Arbeitnehmer. Die 30 % Sozialsteuer (Rente, KV, Unfallversicherung) zahlt vollständig der Arbeitgeber.
Wer länger als 183 Tage pro Jahr ausserhalb des Landes ist (egal ob Russe oder Ausländer), zahlt 30 % Einkommenssteuer statt der genannten 13 %.
Für die Sozialsteuer gibt es hingegen Obergrenzen, also eine Progression. (Achtung, die Tabellen zum Единый социальный налог sind veraltet, denn inzwischen heißt das Kind Обязательное социальное страхование в России.) Laut
http://www.nordoutsourcing.ru/otchisleniya2013/ sind 2013 für die ersten 568.000 Rubel 30 % zu zahlen, für alles darüber nur noch 10 % (nur Versicherungsanteil der Rentenversicherung). Es gibt geringere Sätze für bestimmte Branchen und Sonderwirtschaftszonen. (Die weitreichenden früheren Rabatte für KMUs mit vereinfachtem Steuersystem sind hingegen ausgelaufen.)
Bei Bewerbungsgesprächen wird aber meinem Eindruck zufolge immer über den Nettolohn gesprochen, als Arbeitgeber muss man also in der Tat mit 43% mehr kalkulieren. (Dies liegt auch darin begründet, dass eine Steuererklärung und Rückzahlung der Lohnsteuer extrem selten ist, auch Familiensplitting o.ä. machen bei der Flattax keinen Sinn.)
Posting wurde nachträglich korrigiert, da ich die falsche Tabelle verlinkt hatte.
Re: Milliardäre in Russland
Verfasst: 28 Okt 2013, 07:38
von kamensky
@Zejtnot:
Vielen Dank für die gut erklärende Antwort.

Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 10:16
von Zejtnot
Nach Hinweisen habe ich das Posting oben nochmals korrigiert. Um nicht alle zu verwirren, räume ich aber noch ein wenig auf. Die Hinweise waren:
Berlino10 hat geschrieben:Aber ist dein Link nicht veraltet? "Эта статья о налоге, отменённом с 1 января 2010 года."
inorcist hat geschrieben:Laut einem KPMG-Bericht von 2013 sind es erst 30% und dann 10%, die Grenze liegt bei 512 000 Rub -
Tabelle auf Seite 30
Danke für die Hinweise, inorcist und Berlino10. Berlino, die Grenze 512.000 ist der 2012er Wert, inzwischen sind es 568.000. Mein nun ergänzter Link nennt ausdrücklich beide Zahlen und verweist darauf, dass es eine Änderung gab.
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 11:45
von Berlino10
Zejtnot hat geschrieben: Berlino, die Grenze 512.000 ist der 2012er Wert, inzwischen sind es 568.000. Mein nun ergänzter Link nennt ausdrücklich beide Zahlen und verweist darauf, dass es eine Änderung gab.
Danke, jetzt ist es mir klar, degressive Abgaben ab rund 1.000 EUR monatlich (!)
Das wird aber wohl nicht so wahrgenommen ("das zahlen ja die Arbeitgeber").
Für meine persönliche Wahrnehmung ein weiterer Baustein zu einer unglaublich unsozialen Verteilung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse in RUS,
neben dem Raub der Volks-Milliarden, Korruptions- und Steuervermeidungs-Abflüssen, ..
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 12:33
von Zejtnot
Berlino, der Versicherungsanteil der Pensionskasse (also damit der "Generationenvertrag") muss weitergezahlt werden. Man beschneidet also eher den Rücklagenteil, sprich sich selbst. (Natürlich wird auch die KV beschnitten - aber ehrlich, ich nutze die staatlichen medizinischen Möglichkeiten nie und zahle immer bar aus meiner eigenen Tasche bei privaten Ärzten. Insofern fände ich es ungerecht, wenn ich auch oberhalb der Bemessungsgrenze noch mehr zahlen sollte.)
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 12:46
von bella_b33
Zejtnot, wo hast Du die 30% her? Bei uns sind es noch 23%(meine Chefin sagte gerade, daß insgesamt 36% vom Geld weg sind).
Gruß
Silvio
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 13:04
von Berlino10
bella_b33 hat geschrieben:Zejtnot, wo hast Du die 30% her? Bei uns sind es noch 23%(meine Chefin sagte gerade, daß insgesamt 36% vom Geld weg sind).
Da kommen ja noch 5,1% Krankenversicherung und 2,x% Sozial-Fond dazu ...
Ja klar, Zejtnot, kann man sich streiten, ob es gerecht wäre, mehr als 50 EUR Krankenversicherung bezahlen zu müssen, obwohl man alles privat bezahlt.
Eine Freundin, musste 2 Stunden nach ihrer Krebsoperation zu Fuß in das andere Gebäude gehen, ... für so etwas könnte ich solidarisch sein.
Hauptübel bleibt wohl eher das Entlohnungssystem + die mMn unfassbare Flat-Tax, eine Gesellschaft, die die Mehrheit ausblutet zu Gunsten weniger,
die sich das Meiste ohnehin unrechtmäßig angeeignet haben. Ich kann mir nicht vorstellen, das man darauf eine gesunde, friedvolle Gesellschaft aufbauen kann.
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 14:12
von Zejtnot
bella_b33 hat geschrieben:Zejtnot, wo hast Du die 30% her? Bei uns sind es noch 23%(meine Chefin sagte gerade, daß insgesamt 36% vom Geld weg sind).
Gemäss meinem
Link oben sind die genauen Summen in diesem Jahr wie folgt:
ПФР = Пенсионный фонд России = Rentenfond Russlands = 22,0 %
ФСС = Фонд Социального Страхования = Sozialversicherungsfond = 2,9 %
ФФОМС = Федеральный Фонд Обязательного Медицинского Страхования = Föderale Krankenversicherung = 5,1%
ТФОМС = Территориальный фонд обязательного медицинского страхования = Territoriale Krankenversicherung = 0,0%
Warum der letzte 0 ist - keine Ahnung.
Berlino10 hat geschrieben:Hauptübel bleibt wohl eher das Entlohnungssystem + die mMn unfassbare Flat-Tax, eine Gesellschaft, die die Mehrheit ausblutet zu Gunsten weniger,
die sich das Meiste ohnehin unrechtmäßig angeeignet haben.
Es ist zweischneidig. Auch ohne Flattax werden die Superreichen nicht wirklich belangt. Aber zugleich hat es erst die Flattax geschafft, die Bereitschaft zur Steuerzahlung enorm zu heben. Auch die ungerechte Entlohnung muss man im Verhältnis zur Arbeitsmoral sehen - wenn mein Schwiegervater nicht im Büro ist, trinken alle Mitarbeiter Tee. Er ist im Gegensatz dazu 12 Stunden pro Tag unterwegs, ruiniert seine Gesundheit und hat die ganze Verantwortung in seiner Firma. Die Firma hat er ohne krumme Dinger selbst aufgebaut. So ein Einsatz ist ein Mehrfaches des Lohnes wert.