Dem 1. Absatz stimme ich 100 % zu!
weltenbummler hat geschrieben:Europa möchte in diesen Ländern in erster Linie Rechtstaatlichkeit und Demokratie fördern.
So idealistisch kann ich es nicht sehen. das wäre zu schön, um wahr zu sein. Treibender Gedanke ist doch die Wirtschaft und Demokratie, soziale Sicherheit sind dann sinnvoll, wenn das wirtschaftliche Ziel dadurch schneller erreicht werden kann.
Die Wirtschaft soll durch harte Maßnahmen saniert werden (Abbau von Subventionen und Arbeitsplätzen, Lohnverzicht, Marktöffnung, stabile Währung...).
Logisch, mit Hungerleidern kann man keine Geschäfte machen. Allenfalls sind sie als billige Produktionsstätten brauchbar. Aber wir brauchen auch Absatzmärkte und dazu müssen Menschen vorhanden sein, die etwas kaufen können.
Im Moment kostet das erst einmal und da will man nicht so gerne heran. Investieren ja, aber nur wenn man bald dadurch verdienen kann.
Dazu kommen noch die gut ausgebildeten Menschen der Zutrittsländer, die hier unseren Arbeitsmarkt mit Fachkräften in Schwung bringen. Kleines Problem: Nicht alle sind hoch qualifiziert und eine Erweiterung des Hartz IV-Programms ist auch keine freundliche Perspektive.
Langfristig führt dies sicherlich zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und auf ganz lange Sicht sicher auch zu einem Anstieg des Lebensstandards. Kurzfristig verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Menschen hierdurch aber drastisch.
Den Menschen vor Ort wünsche ich es, aber ich fürchte, da gibt es viel zu viele Illusionen, dass man das schnell und bequem erreichen kann.
Osteuropa hat diesen Weg erfolgreich beschritten. Ob die Mehrheit der Russen und der Ukrainer diesen schweren Weg wirklich gehen will, wage ich aber zu bezweifeln.
Osteuropa insgesamt hat sich auf den Weg gemacht und einige sind schon ein gutes Stück vorwärts gekommen. Andere kämpfen noch und werden noch lange brauchen.
Ja, ob Russen und Ukrainer sich auch auf den Weg machen wollen? Ankommen wollen sie. Schon an den vielen Zuwanderern kann man sehen, dass nicht alle die Energie und Geduld haben und auf der Strecke bleiben.
Zumal dieses Experiment unter Jelzin schon einmal sehr gründlich misslungen ist.
Der Konsum ist gestiegen, vor allen Dingen der eigene Wodka-Konsum. Nebenbei wurde die Wirtschaft zum Plündern frei gegeben.
Putin hat dann erst mal aufgeräumt, reformiert und den Aufschwung eingeleitet. Dafür hat er auch weltweit jede Menge Lorbeeren erhalten. Aber nun hat er sich darauf weich gebettet, nimmt mit seinen Favoriten selbst an der Plünderung teil, die Wirtschaft stagniert, die Kleptokratie floriert und für weitere echte Reformen fehlt ihm scheinbar der Schwung.