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Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 13:42
von GIN
kamensky hat geschrieben:Quittiert Akwab seine Präsidentschaft freiwillig, oder werden auch in Abchasien zuerst die Waffen sprechen? Wann lernen diese Machtmenschen endlich, dass das Volk nicht mehr alles goutiert?

http://de.ria.ru/post_soviet_space/2014 ... 29481.html
Ankvab wurde vor einiger Zeit mit grosser Mehrheit gewählt. So wie etwa Janukowtisch. Nach meiner Meinung hat er eine starke Basis im Volk. Ich verstehe das er nicht gewillt ist zurückzutreten. Die bewaffnete Karte halte ich für nicht ausgeschlossen. Es ist schwierig seinen bewaffneten Kern unter Kontrolle zu halten, gibt einen harten Kern nach meiner Meinung von etwa 300 Mann die seiner Leibgarde verschrieben sind die Waffengewalt bei Stress auslösen könnten. Die Opposition ist gesplittet, jeder hat eine Rechnung offen und ihre Leute sind auch oft nicht zu kontrollieren. Es gibt einfach zu viel Waffen im Land, jeder Haushalt mindestens ein Sturmgewehr.

http://apsnypress.info/news/12099.html

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 13:53
von Berlino10
GIN hat geschrieben: Nach meiner Meinung hat er eine starke Basis im Volk. Ich verstehe das er nicht gewillt ist zurückzutreten. Die bewaffnete Karte halte ich für nicht ausgeschlossen.
Immerhin hat das Parlament ihm mit 20 von 35 Abgeordneten das Mißtrauen ausgesprochen?
Reicht das nicht für eine Neuwahl? Er kann ja wieder kandidieren?

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 14:40
von Dietrich
Auf focus heiße es:
12.26 Uhr: Die unter russischem Schutz stehende abtrünnige georgische Provinz Abchasien wird von einer schweren Regierungskrise erschüttert. Unter Druck steht vor allem der pro-russische Präsident Alexander Ankwab. Nach dreitägigen Unruhen forderte das Parlament des selbsternannten Staates am Donnerstag Ankwabs Rücktritt. Die Proteste richteten sich gegen Korruption und Misswirtschaft, in deren Verlauf Demonstranten den Präsidentensitz stürmten. Im Parlament forderten 20 von 21 anwesenden Abgeordneten den Amtsverzicht Ankwabs, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Ein hochrangiger russischer Politiker signalisierte dagegen, ein Sturz des Präsidenten könnte russische Hilfen in Frage stellen.
Das widerspricht sich dann doch aber mit dem, was Belino schrieb...
Berlino10 hat geschrieben:die Opposition wolle wohl mehr RUS-Nähe und Stabilität
Ich gebe zu, ich kenne mich mit der politischen Landschaft in Abchasien überhaupt nicht aus. In welche Richtung will denn die Opposition jetzt? Ich hatte aus der recht sachlichen/freundlichen Berichterstattung auf rian auch eher den Eindruck, dass (wie Berlino es schrieb) Russland nicht soo unzufrieden mit einem Wechsel wäre. Wobei "Sturz des Präsidenten aufgrund Einwirkens der Opposition" natürlich ansich schon eine Sache ist, die Russland grundsätzlich kritisch beurteilt.

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 14:42
von kamensky

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 15:12
von Berlino10
Der Focus Bericht ist eine typische Propaganda Lüge.
Die Proteste brandeten u.a. deshalb aus, weil sich der Präsident distanziert zur Zollunion verhielt.
Da versucht man wieder anti-russische Proteste zu erfinden, die es nicht gibt.

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 15:24
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:Das widerspricht sich dann doch aber mit dem, was Belino schrieb...
Berlino10 hat geschrieben:die Opposition wolle wohl mehr RUS-Nähe und Stabilität
Die berlinosche Logik kann ich nur bedingt nachvollziehen. Wenn ich es richtig sehe, ist die amtierende Regierung prorussisch und eine Opposition wäre eher progeorgisch, allenfalls national-abchasisch. Dazu dürfte er Einfluss Russlands schon wegen der 45 russischen Militärbasen in Abchasien mehr als deutlich sein. Eine Opposition mit nahezu gleicher Zielsetzung, wie die amtierende Macht wäre schon denkbar. Im Moment wäre ja hier auch die FDP in der Opposition, falls sie paar Stimmen mehr hätte, und die gehört ja wirklich nicht auf die rote oder grüne Seite.
Stabilität und Ehrlichkeit ist wohl die Forderung, die RUS-Nähe halte ich für weniger relevant. denn die ist ja durch die Regierung gegeben.
Dietrich hat geschrieben:Ich gebe zu, ich kenne mich mit der politischen Landschaft in Abchasien überhaupt nicht aus. In welche Richtung will denn die Opposition jetzt? Ich hatte aus der recht sachlichen/freundlichen Berichterstattung auf rian auch eher den Eindruck, dass (wie Berlino es schrieb) Russland nicht soo unzufrieden mit einem Wechsel wäre. Wobei "Sturz des Präsidenten aufgrund Einwirkens der Opposition" natürlich ansich schon eine Sache ist, die Russland grundsätzlich kritisch beurteilt.
Möglicherweise ist der Präsident etwas von geraden Weg abgewichen und mag nicht mehr so ganz, wie Moskau es will. Da wäre dann eine linientreue Ablösung sicherlich willkommen. Aber ob sich Russland im Moment Grabenkämpfe leisten will? Aktuell sollte der Bedarf daran erst mal gedeckt sein. Außerdem sind die kaukasischstämmigen Ukrainer als Freiheitskämpfer sicher noch in und um Donetzk herum im Einsatz. Ich weiß nicht, ob man die so schnell zu Abchasen umdekorieren kann.

Interessant ist ja, das Moskau nahezu blitzschnell sich um konstruktive Vermittlung bemüht hat. Die Lage dort scheint für Referendum mit Anschluss noch nicht reif zu sein. Vielleicht ist das Agressionspotential auch zu hoch, denn dort gab es schon mal erbitterte, blutige Auseinandersetzungen, die man ungern wieder aufleben lassen will. So "friedlich" wie die Ukrainer scheinen die Abchasen nicht zu sein.

Gerade habe ich noch einmal nachgeforscht.
Der Ansatzpunkt der Unruhen ist wohl, dass es erhebliche Hilfszahlungen aus Russland gibt, die aber nicht in die Landesentwicklung umgesetzt werden, sondern vermutlich in dunklen Kanälen verschwinden. Da fühlt sich das Volk, egal ob pro- oder contra-russisch einfach betrogen und ruft nach Ordnung.
Moskau wird es auch nicht gefallen, dass russisches Geld verplempert wird und wird somit zum Fürsprecher der "Opposition".
So gesehen dürfte es eher ein lokaler, interner Konflikt sein, der wenig Chancen hat, über die Grenzen zu schwappen.

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 15:56
von Berlino10
In Abchasien gibt es keine pro-georgischen Kräfte. Die würden dort keine 5 Minuten überleben.

Stalin hatte 1931 die eigenständige Abchasische Sozialistische Sowjetrepublik (1921) seiner Heimat Georgien zugeschlagen,
Verbot der abchasischen Kultur, Sprache, Namen ... Hunderttausende Georgier wurden zwangsangesiedelt.

Georgische Truppen marschierten nach der Unabhängigkeitserklärung Abchasiens 1992 ein und besetzten das Land,
es kam zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, Plünderungen und schweren Ausschreitungen gegen nicht-georgische Zivilisten (HRW)

Daraufhin wurden nahezu alle georgisch stämmigen Einwohner von Abchasen, Russen, Armenier, Angehöriger anderer Minderheiten
und der Konföderation der Kaukasusvölker vertrieben oder getötet. (Massaker von Sochoumi)

Bzgl. RUS gibt es nur Differenzen über die Intensität der Kooperation, als Teil der RF oder "nur" als unabhängiger Staat in der Zollunion.

Laut Familie geht es um Korruption, Verbrechen, Stabilität, Zollunion mit RUS

Laut RIA ist die Opposition auch für noch engere Partnerschaft mit RUS
http://de.ria.ru/politics/20140529/268625463.html

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 16:14
von Dietrich
Berlino10 hat geschrieben:Bzgl. RUS gibt es nur Differenzen über die Intensität der Kooperation, als Teil der RF oder "nur" als unabhängiger Staat in der Zollunion.
Laut Familie geht es um Korruption, Verbrechen, Stabilität, Zollunion mit RUS
Laut RIA ist die Opposition auch für noch engere Partnerschaft mit RUS
http://de.ria.ru/politics/20140529/268625463.html
Leider ging Focus ja nicht darauf ein welcher russische Politiker angeblich russische Hilfen in Frage stellte... denn das wäre ja immerhin ein Zeichen, dass es da nicht nur Zufriedenheit auf russischer Seite gibt.

Wenn ich mir in deinem Link (Danke dafür) den Bericht durchlese:
Der oppositionelle Koordinierungsrat politischer Parteien und gesellschaftlicher Organisationen rief in einer Erklärung auf, einen neuen Vertrag mit Russland abzuschließen, der die „strategische Partnerschaft qualitativ auf einen neuen Stand“ bringen soll. „Unabhängig von den innenpolitischen Prozessen in unserer Republik hat die strategische Partnerschaft unserer beiden Länder keine Alternative und wird sich im Geist der Bruderschaft, der gegenseitigen Hilfe und der Achtung der Souveränität und der staatlichen Unabhängigkeit Abchasiens weiter entwickeln.“
Für mehrere Generationen der Abchasier sei Russland der einzige Beschützer, so die Erklärung weiter. Die Einbindung in die Integrationsprozesse, die Russland im postsowjetischen Raum initiiert habe, sei für Abchasien die einzige Möglichkeit, seine Unabhängigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. „Wir sind an einer gleichberechtigten Mitgliedschaft in der Zollunion, der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und der entstehenden Eurasischen Wirtschaftsunion interessiert und hoffen diesbezüglich auf den Beistand Russlands.“
Dann könnte man es auch so lesen, dass sie von Russland mehr auf Augenhöhe behandelt werden möchten, als es jetzt der Fall ist. "Qualitativ auf einen neuen Stand", "hat die strategische Partnerschaft unserer beiden Länder keine Alternative", "der Achtung der Souveränität", "weiter entwickeln" und nicht zuletzt "gleichberechtigte Mitgliedschaft" könnten auch auf eine diplomatisch verklausulierte Unzfriedenheit mit der momentanen Behandlung als kleiner abhängiger halb Juniorpartner halb Föderationssubjekt hindeuten.

An der Focus-Darstellung könnte also durchaus etwas dran sein.... weil es wahrscheinlich gar nicht so einfach ist, schwarz oder weiß darzustellen, wer mehr pro-russisch ist, oder wer weniger.

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 16:34
von Berlino10
Aber Dietrich, der FOCUS erweckt doch bewusst den Falscheindruck, wir hätten es in Abchasien mit einer Situation ähnlich wie auf dem Maidan zu tun.
Ein pro-russischer, korrupter Präsident soll durch den Willen des Volkes abgelöst werden ... und RUS droht mit Sanktionen ..

Das ist definitiv eine Lüge ... es gibt in Abchasien keine nicht pro-russischen Kräfte.
Über 80% haben einen Russischen Pass. Und die RF+ ist das einzige Land, das Abchasien überhaupt anerkennt.
Welche Details mit RUS ablaufen, weiß ich nicht, Schwager und Schwiegermutter in Gudauta sagen nur, dass der Präsident die Zollunion mit RUS verschleppt habe ...

Re: Abchasien nächster Konfliktherd?

Verfasst: 30 Mai 2014, 16:49
von Dietrich
Naja, von anti-russisch stand da ja auch nichts explizit drin...
Die Proteste richteten sich gegen Korruption und Misswirtschaft,
...und nicht gegen Moskau.
Aber so einfach wie es diese drei Sätze im Focus darstellt, scheint die Lage ja nun eben nicht zu sein, da gebe ich dir recht. Wer aber pro-rusisscher ist, ist aber allem Anschein nach eben auch nicht so einfach.

Russland wird aber wohl eher weiterhin an der Maxime festhalten, dass ein durch Demonstrationen geforderter Rücktritt eines Präsidenten im russischen Einflußbereich nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Sie haben ja schon Vermittler geschickt, die zwischen den verschiedenen Gruppen der Handaufhalter die Verteilung der rusisschen Hilfsgelder regeln sollen, damit es wenigstens nach außen hin wieder ruhig wird.
Ob es klappt wird man sehen.