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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 01:04
von Berlino10
Axel Henrich hat geschrieben:... , aber bisken mehr Objektivitaet und Ausgewogenheit wäre doch ..
Woher soll denn die kommen? Wenn man noch an die Tagesthemen & Co. glaubt ...
die eben Andreas Umland (!!) das Minsker Treffen haben kommentieren lassen ... :shock:

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 09:21
von Axel Henrich
Berlino10 hat geschrieben:Andreas Umland (!!) das Minsker Treffen haben kommentieren lassen ... :shock:
Ja, ist wirklich unglaublich, klang auch nicht wirklich gut vorbereitet, einfach mal schnell eben ein paar allgemein Plätze gesammelt und ab ins Fernseh ...
Klar, als Berater für Europafragen in Kiew sing ich freilich des Lied wes Brot ich eß, aber auf soviel Subjektivität und Einseitigkeit fallen wohl bloß noch ganz einfach Gestrickte rein.

Also ich denke ja auch nicht, dass da mal mal ebend Jemand ne Republik ausruft und der Staat hat das gefaelligst widerspruchslos hinzunehmen. Aber bei den immensen Opferzahlen inzwischen sollte klar sein, dass hier ein anderer Weg gefunden werden muss. Da nützt auch nix, wenn das Poroschwnko inzwischen selber einsieht, da muss gehandelt werden, aber so frei wird er da in seiner Entscheidung auchnnicht sein:

"Einige Leser werden sich vielleicht die Frage stellen, warum es im Angesicht der humanitären Lage in der Ukraine nicht endlich zu Gesprächen um einen Waffenstillstand zwischen dem durch den Westen hofierten Putschregime in Kiew und den ostukrainischen Separatisten kommt?
Die Antwort auf diese Frage könnte sich aus einem jüngst publizierten Strategiepapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) ableiten, in dem es heißt, dass Kiew zur Sicherung und zum Erhalt seiner mit dem IWF vereinbarten Bailout-Tranchen in einer Gesamthöhe von $17 Milliarden unbedingt die gegen Kiew aufbegehrenden Regionen im Osten und Süden des Landes wieder unter seine politische und militärische Kontrolle bekommen müsse.
Andernfalls dürfte diese Bailout-Zusage im Angesicht einer immer stärker abstürzenden Hrywna sowie einer explodierenden Auslandsverschuldung, die zuletzt die Marke von $140 Milliarden erreichte, auf der Kippe stehen"

Dazu kommt, dass das Land schon ewig keine wirkliche Führung hat, auch Poroschenko lässt keine klare Linie erkennen und mit Neuwahlen - in der derzeitigen Situation - wird es nicht besser. Er hat zwar gestern versprochen, alle mit einzubeziehen, aber das sind im Kriegszustand nur leere Worthuelsen. Musste wohl wieder mal schnell gehen, um gewisse Ziele zu sichern ...

-ah-

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 11:34
von Gunnar
Berlino10 hat geschrieben: Welches Putin Zitat?
Warum fragst Du mich, wo Putins Statements bleiben? Ich stehe nicht auf seine Seite.
Sorry, das bezog sich auf den Beitrag von ah vor Deinem. Hatte ich nicht klar gekennzeichnet.

@ah: Mal im Ernst, hat Putin sich schonmal zu seiner Strategie in Sachen IS geäußert?

Was die USA anbelangt, so wiederhole ich mich wenn ich sage, dass das auch nicht meinem Verständnis von guter Politik entspricht, trotzdem ist mir das lieber als die russische Haltung und zwar weniger wegen der Art und Weise, die bei beiden in der Regel ziemlich selbstherrlich und kriegerisch ist, sondern wegen der dahinterstehenden Motivationslage. Da sehe ich nach wie vor gravierende Unterschiede. Um es vereinfacht auf den Punkt zu bringen: Die russischen Bürger sind nicht der russische Staat, der russische Staat arbeitet gegen die einfachen Interessen seiner eigenen Büger. Diese sind ihm in aller Regel schnurzpiepegal. Die amerikanischen Bürger hingegen sind zugleich ihr Staat, das Staatsverhalten deckt sich mit dem breiten Bürgerwillen und dient den US Bürgern und deren Interessen.

Handelt ein Staat nicht einmal im Interesse seiner eigenen Bürger, sonder enthält er diesen laufend gezielt Informationen vor und unterdrückt er die Bildung selbstständig politisch denkender und agierender Bürger, dann handelt er nur noch für eine kleine Elite und hat für mich keinerlei Legitimation. Es geht dann nur noch um die Bereicherung/Absicherung einer kleine Gruppe zu Lasten der großen Gemeinschaft.

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 11:42
von Gunnar
Eine interessante Position des Dalei Lamas:
Schlechte Mütter sind sehr selten, weil sie das Kind neun Monate lang austragen. Biologisch gesehen sind Frauen also sensibler für andere. Ich glaube deshalb, dass wir mehr Frieden haben könnten, wenn mehr Frauen an der Macht wären.
http://www.stern.de/kultur/dalai-lama-i ... 33621.html

Was wäre wohl, würde Russland und die USA von Frauen geführt? ;)

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 12:29
von Berlino10
Gunnar hat geschrieben: Da sehe ich nach wie vor gravierende Unterschiede. Um es vereinfacht auf den Punkt zu bringen: Die russischen Bürger sind nicht der russische Staat, der russische Staat arbeitet gegen die einfachen Interessen seiner eigenen Büger. Diese sind ihm in aller Regel schnurzpiepegal. Die amerikanischen Bürger hingegen sind zugleich ihr Staat, das Staatsverhalten deckt sich mit dem breiten Bürgerwillen und dient den US Bürgern und deren Interessen.

Handelt ein Staat nicht einmal im Interesse seiner eigenen Bürger, sonder enthält er diesen laufend gezielt Informationen vor und unterdrückt er die Bildung selbstständig politisch denkender und agierender Bürger, dann handelt er nur noch für eine kleine Elite und hat für mich keinerlei Legitimation. Es geht dann nur noch um die Bereicherung/Absicherung einer kleine Gruppe zu Lasten der großen Gemeinschaft.
Du sprichst ganz entscheidende Kriterien an. ABER: Diesen Unterschied mit einem Plus für die USA gab es früher vielleicht einmal, zu Zeiten des New Deal ...
Die Anklage, die du gegen RUS führst, ("gegen die einfachen Interessen seiner eigenen Bürger" ) müsstest du heute ehrlicherweise ebenso gegen die USA und auch die EU führen.
Und es war ja Putin, der den RUS Staat wieder aufbaute gegen die Interessen weniger bestimmender privater Oligarche der 90er, die sich RUS zu ihrem persönlichen Wohl einverleibt hatten.

Die USA sind "keine funktionierende Demokratie mehr" (Carter) Und genau die "Interessen einer kleinen Gruppe bestimmen dort die Gemeinschaft".
Wir haben in den USA eine Plutokratie und in DEU sind wir ebenfalls auf dem Weg dorthin. Die USA lassen jährlich Zehntausende eigene Bürger völlig unnötig sterben, weil sie ihnen medizinische Grundversorgung verweigern. 40 Mio Menschen bekommen nicht genug zu essen. Die Eliten bereichern sich auf Kosten des Volkes und dominieren Presse und Politik nach Belieben.
Bürgerwillen? Der wird in den USA wie in RUS verfälscht und gemacht - durch Propaganda, globale Zwänge und Korruption und ....

Wo sollen da noch Vorteile gegenüber RUS sein? Zugegebenermaßen ist RUS nahezu das asozialste, was wir auf der Welt kennen.
Aber im Gegensatz zu EU/USA wenigstens in der Entwicklung verbessert.

Aber wir stehen doch heute, hier nicht vor einer Entscheidung, uns für das ein oder andere politische System entscheiden zu müssen.
Ohne den Schock von Hunger und Elend würde ich mich ohnehin für die individuellen Freiheiten des Westens entscheiden.
Dass der einzelne verbindliche (Menschen-)Rechte gegenüber dem Staat hat, sehe ich noch als den entscheidenden Vorteil des Westens.
Aber eine Wahl des Systems steht nicht an.
Es geht bei uns um die Wiederbelebung und Rettung unserer ehemaligen Demokratie und Sozialen Marktwirtschaft.
Wir waren mal richtig besser. Seit Jahren gibt es leider eine Annäherung bis Äquivalenz bzgl. der Herrschaft weniger gegen die Interessen der Bürger.

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 12:54
von Gunnar
Berlino10 hat geschrieben: Wir waren mal richtig besser. Seit Jahren gibt es leider eine Annäherung bis Äquivalenz bzgl. der Herrschaft weniger gegen die Interessen der Bürger.
Ich kann Deine Ansätze nachvollziehen und denke in ähnlicher Richtung, ziehe aber daraus weniger radikale Konsequenzen als Du es evtl. tust. Ich versuche zu trennen zwischen Zwängen, die sich (leider) im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt haben und unnötigen, weil freiwilligen Verschlechterungen, die allein deshalb erfolgten, um Einzelne zu bereichern. Diese Trennung ist extrem schwierig und unübersichtlich, aber ich meine, dass darf nicht dazu führen, dass man sie einfach bei den Betrachtungen weglässt.

Wir selbst als Verbraucher steuern ja durch unser Konsumverhalten zu einem großen Teil diese Globalisierung mit und strafen gnadenlos die Marktteilnehmer mit Kaufverweigerung ab, die nicht die allerletzte Innovation zum allerniedrigsten Preis auf den Markt bringen können oder wollen.

Die Diskussion um die Leitkultur ist ja vor ein paar Jahren leider irgendwie unschön abgedriftet, sie ist aber eigentlich notwendig und wird von unseren Politikern wenig bis gar nicht betrieben. Die heutige Politikergeneration besteht aus Technokraten und Verwaltern, nicht aus "Ideologen". Das ist zum einen gut, den Ideologie ist immer nah am Irrsinn, da das Beugen des Sein unter das Sollen stets die Gefahr der Maßlosigkeit enthält. Trotzdem kann es auf Dauer auch nicht gut gehen, wenn Ethik, Moral und Lebensinhalt vollständig hinter die Absicherung funktionierender Märkte zurücktritt. Man bräuchte Dringen Politiker die die Verwaltungs- und Durchsetzungsqualität einer Angela Merkel mit einer großen politischen oder besser noch philosophischen Linie verbinden. Aber wer soll das sein? Das letzte was wir brauchen sind Scharlatane, Labersäcke oder Zocker, dann schon lieber die blassen Verwalter.

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 27 Aug 2014, 13:55
von Berlino10
Leider ziehe ich keinerlei Konsequenzen .. ich schaffe es als alter Rheinischer Kapitalist ja nicht einmal aus Protest mal Die Linke zu wählen ;)
Ich jammere nur, bzw. beklage laut die Aufgabe bzw. den Verfall unserer grossen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Errungenschaften der Bonner Republik.

Ich habe auch keine Lösung, stelle nur fest, dass der ehemalige gesunde Ausgleich zwischen den Produktivkräften Arbeitgeber / Arbeitnehmer zum Wohle der Gesellschaft
durch die Diktatur des Internationalen Finanz-Kapitals zusehens mehr zugrunde geht. Und zwar in allen Feldern der Wirtschaft, Presse, Politik ...

In der Tat sind Ideologen - auch die guten Willens - meist gefährlich und opfern die Wohlfahrt der Gesellschaft allzu gerne im Schein ihrer angeblich funktionierenden Ideologie.
Das war in der DDR so ... und auch Venezuela ist sicher keine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Es sind systemische Kräfte, die unsere Gesellschaften bestimmen - von kapitaldominierter Presse über lobby-abhängige Politiker bis hin zum Media-Markt-Konsumenten.
Einzelne Politiker haben keine Chance ... weder national Alternativen aufzubauen (die Eliten machen sie fertig) noch international für Durchsetzung zu sorgen.
Zu Zeiten multinationaler Konzerne gab es noch nationale Lösungen - in einer globalisierten Wirtschaft käme es auf mächtige internationale Politik-Bündnisse an (USA, DEU, F),
die den schlimmsten Entwicklungen entgegentreten - TTIP, Banken-Subventionierung, Steuerflucht, ...

Funktionierende Märkte sehe ich nicht ... wir haben klassisches Marktversagen, etwa wenn die Staaten Banken subventionieren,
wenn die Gesellschaft, der Staat die Wohlfahrt aller nicht mehr optimieren kann, sondern kleine Eliten zu ihrem eigenen Vorteil dominieren.

Regiert der Staat zu mächtig, schrumpft der Kuchen ... ist er zu schwach, lassen die Eliten für zu viele nur noch Krümel übrig - ein Dilemma.
Und selbst wenn der Kuchen wie in RUS eine Erdöl-Mindestgröße liefert, wird eine staatliche Kontrolle von denselben Eliten geentert, und hinterlässt auch nur Krümel für das Volk.
Starke Gewerkschaften zwangen einst die Unternehmen zum Ausgleich und Wohlfahrt. Dem internationalen Finanz-Kapital stehen nur devote und oft gekaufte Erfüllungspolitiker gegenüber.

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 28 Aug 2014, 01:18
von Gunnar
Ja, ein Jammertal. Auch die gute alte Währungs- und Zinspolitik der Bundesbank ist einer EZB gewichen, die amerikanische Geldmarkpolitk betreibt...naja, kein Wunder mit einem ehemaligen Goldman Sachs Mann vorne (Draghi).
Das Geld wird ja nur so auf den Markt geworfen, unabhängig von jeden volkswirtschaftlichen Gegenwerten :roll:

Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Verfasst: 30 Aug 2014, 04:36
von Haya
Moin moin,
Handelt ein Staat nicht einmal im Interesse seiner eigenen Bürger, sonder enthält er diesen laufend gezielt Informationen vor und unterdrückt er die Bildung selbstständig politisch denkender und agierender Bürger, dann handelt er nur noch für eine kleine Elite und hat für mich keinerlei Legitimation. Es geht dann nur noch um die Bereicherung/Absicherung einer kleine Gruppe zu Lasten der großen Gemeinschaft.
Mit Informationen meinst Du sicherlich die angeblichen Beweise bzgl. der Massenvernichtungswaffen im Irak?
Schön, dann sind Wir uns schon mal einig, dass die USA nicht im Sinne der Bürger handeln.

Gruß
Haya