Gewollt oder ungewollt?

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Dietrich
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Dietrich »

Zejtnot hat geschrieben:Auch ich hege den Verdacht, dass der Sturz Janukowitschs dem Kreml nicht ungelegen kam, aber diese Herleitung ist mir zu einfach.
Was ist "zu platt"?
Das der Kreml genau sah, wie die Machtbasis Janukowitchs langsam Stück für Stück in sich zusammenbrach? Das bei den vielen Insidern im Apparat von Janukovich die Lagebeurteilung im Kreml da durchaus realistisch war? Das man sich dann natürlich schnellstens Gedanken machen muss, wie man nicht mit in den Sog hineingezogen wird, der dort entstehen könnte?
Das man an dieser Stelle lieber aktiv agierte, anstatt sich darauf zu verlassen, im richtigen Moment nur zu reagieren?

Nein Zejtnot, das ist nicht platt, sondern genau das, was wir auch im Moment im Osten der Ukraine sehen. Putin (und damit meine ich natürlich auch den Rest der russischen Führung die was zu sagen haben) schafft Fakten. Er agiert und reagiert nicht.
Und da findest du es platt, wenn er auch bei Sturz Janukovichs die Initiative ergriffen haben soll?

Ob die Schüsse auf dem Maidan Teil dieses Plans waren, darüber lässt sich streiten und im Moment sehe ich da auch kaum mehr als ukrainische Propaganda bezüglich der eindeutigen Verurteilung der Vorfälle.
Das Janukovich aber nach der Unterschrift unter das mit Steinmeier und Co. ausgehandelte Abkommen auf Anweisung von Moskau geflohen ist, damit man das Narrativ eines Putsches aufbauen kann (welches uns z.B. Berlino hier ja schon mindestens 100x gepredigt hat), fand ich vorher schon sehr überezeugend und nach der Veröffentlichung des besagten Dokumentes fühle ich mich in dieser Annahme natürlich bestätigt.

Das dies Thema von den deutschen Medien noch nicht aufgegriffen wurde... lies dir den Artikel von der "dutzendfach überführten Propagandalügnerin" Golineh Atai durch.
Wobei ich hoffe, dass die deutschen Medien wenigstens schon in Kontakt mit der Novaya Gazeta getreten sind, um die Dokumente zu überprüfen.
Bei Snowden haben sich auf jeden Fall alle darum bemüht. Reitschuster (ja, ja ich weiß) hat auf jeden Fall schon letzte Woche vor Ort in Moskau Kontakt mit der NG gesucht und über die baldige Veröffentlichung berichtet.
Zejtnot hat geschrieben:(ob nun mit oder ohne Deppenapostroph)
Mensch Zejtnot..... das ist doch eigentlich nicht dein Stil!
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Zejtnot
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Zejtnot »

Mir ist zu platt, wie aus einem unbestätigten externen Dokument mir nichts dir nichts "Putins Eroberungsplan" wurde. Dieses Dokument, sollte es echt sein, ist eben kein Plan des Kremls und kein Plan Putins, sondern er wurde von außen eingereicht.

Ich gehe natürlich auch davon aus, dass das aktuell laufende Szenario in der Ukraine durchaus eine der geplanten Optionen des Kremls war. ABER dieses Dokument ist kein Beweis dafür. Und mit solchen Artikeln und Formulierungen braucht sich die deutsche Presselandschaft nicht wundern, dass man als unglaubwürdig wahrgenommen wird.

Da hilft es dann auch nicht, "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres zu ernennen oder über die vielen kritischen Kommentare zu schimpfen. Da sollte man sich einfach mal überlegen, ob es objektiv ist, aus einem externen Strategiepapier gleich "Putins Eroberungsplan" zu machen.

Wäre es ein "Plan der russischen Nationalisten" oder was auch immer ... sofortige Zustimmung meinerseits!
Dietrich hat geschrieben:Mensch Zejtnot..... das ist doch eigentlich nicht dein Stil!
Stimmt, aber Apostrophitis und "Sylvester" sind zwei Fehler, die mich wirklich ärgern. Da will ich die Welt verbessern!
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Wladimir30
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Wladimir30 »

Zejtnot hat geschrieben: Stimmt, aber Apostrophitis und "Sylvester" sind zwei Fehler, die mich wirklich ärgern. Da will ich die Welt verbessern!
Plenken????? Solltest Du auch mit aufnehmen. Jochen macht das ja nicht mehr.....
Ich hatte bis vor kurzem gar nicht gewusst, was Plenken eigentlich ist...
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kamensky
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von kamensky »

Zejtnot hat geschrieben:Was mich aktuell nur wieder ärgert ... da hat die Novaya Gazeta ein Blatt Papier in der Hand, welches angeblich von einem zwielichtigen Oligarchen an den Kreml übergeben wurde. Einen Nachweis gibt es dafür nicht. Offensichtlich ist das Papier auch nicht auf dem Briefpapier des Kreml und auch von niemandem aus dem Kreml unterschrieben. Es wurde einzig "in den Kreml (ein)gebracht", schreibt die Novaya Gazeta.
Hast du dir auch mal Gedanken gemacht, weshalb diese (in-, oder existente) Strategie in Form eines, wie du es nennst neutrales Blatt Papier, ohne Ratifizierung bestehen sollte, oder möglicherweise besteht? Der zwielichtige Oligarch nur als Figurant erwähnt wird? Könnte da nicht einem allfälligen Ermittlungsverfahren (Beweislage,Verantwortung, mein Name ist Hase) dahinter stecken? Die russischen "Schmierenmärchen" aus dem Kreml stehen doch den westlichen in Nichts nach.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Wladimir30
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Wladimir30 »

Die FAZ widmet diesem Dokument (so es denn eines ist) einen ausführlichen Bericht. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... ageIndex_2
Etliches von dem, was der von der „Nowaja Gaseta“ veröffentlichte Text fordert, wurde im vergangenen Jahr Moskauer Politik - ob aufgrund dieses Textes, ist bis auf weiteres nicht zu klären. Russische Vorstöße zur „Heimholung“ der Krim gab es schon früher. Der Oppositionspolitiker Wladimir Milow schrieb am Mittwoch auf Facebook, er glaube an „dieses Papier“ nicht. Pläne zur Spaltung der Ukraine seien vor langer Zeit und unter strengster Geheimhaltung von den Geheimdiensten und der Armee ausgearbeitet worden, jemand wie Malofejew habe da nichts zu melden.

Das „Leck“ diene vielmehr dazu, die Mär vom „ehrlichen und edlen Russland“ zu nähren, das lediglich auf „Intrigen der EU und der ukrainischen Oligarchen“ reagiere. Das Dokument sei damit „ein weiterer Stein in der Mauer der offiziellen russischen Version der Ereignisse um die Ukraine“ ohne Bezug zur Realität, so Milow. Die „echten geheimen Aufzeichnungen“ über die Ausnutzung der Schwäche der Führung in Kiew zu des Kremls Vorteil würden „nicht so bald gezeigt“.
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von _RGP_ »

Die meisten Länder haben irgendwelche Strategiepapiere für diese oder jene Situation erarbeitet. Manche offiziell und im Auftrag durch das zuständige Ministerium, manche werden erst von Abgeordneten und sonstigen Mitarbeitern erarbeitet, und vorgeschlagen.
Schleicht euch mal im Pentagon ein. Dort findet sich auch für jedes Szenario irgendein Plan, der bei Bedarf aus der Schublade geholt wird.
Mit den Planungen für Irak und Afghanistan hat man auch nicht erst einen Tag vor Abmarsch begonnen. Für Nordkorea, Syrien, Iran, Nigeria etc. existieren in den Schubladen diverser Staaten auch "Pläne".
Dieser hier (so er denn wirklich existierte) und seine Umsetzung war am Ende aber dennoch Folge und Reaktion auf den vom Westen initiierten Umsturz.
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Zejtnot
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Zejtnot »

Wladimir30 hat geschrieben:Die FAZ widmet diesem Dokument (so es denn eines ist) einen ausführlichen Bericht. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... ageIndex_2
Diese Formulierungen (wie auch die Überschrift) halte ich für sehr korrekt. Und da gehe ich auch voll mit.
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Dietrich
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Dietrich »

Zejtnot hat geschrieben:Ich gehe natürlich auch davon aus, dass das aktuell laufende Szenario in der Ukraine durchaus eine der geplanten Optionen des Kremls war. ABER dieses Dokument ist kein Beweis dafür. Und mit solchen Artikeln und Formulierungen braucht sich die deutsche Presselandschaft nicht wundern, dass man als unglaubwürdig wahrgenommen wird.
O.K., dass dies nicht "der Beweis" dafür ist, damit stimmt ich überein.
Aber es ist wie mit MH17. Jeder einzelne Baustein an sich ist nicht der Beweis. Aber alle Bausteine zusammen ergeben schon ein ziemlich klares Bild. Und genau das passier hier auch. Es ist ja nicht so, dass es nur dieses Dokument gibt und alles andere passt nicht dazu.
Zejtnot hat geschrieben:Da hilft es dann auch nicht, "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres zu ernennen oder über die vielen kritischen Kommentare zu schimpfen. Da sollte man sich einfach mal überlegen, ob es objektiv ist, aus einem externen Strategiepapier gleich "Putins Eroberungsplan" zu machen.
Was die Überschriften betrifft, da bin ich deiner Meinung. Diese Aufmerksamkeitserhaschung in Zeiten der Klickwerbung ist echt ätzend. Aber das betrifft beide Seiten der Ukraine-Medaille. Wie hieß es gestern auf SPON? "USA halten Militärparade vor Russlands Grenze ab". Weil drei(!) amerikanische Stryker-Radpanzer an einer Militärparade zum estnischen Nationalfeiertags teilgenommen haben. Zusammen mit anderen NATO-Partnern Estlands. Mittlerweile ist der Titel geändert worden (USA beteiligen sich an Militärparade vor russischer Grenze) der erste Satz ist aber immer noch absichtlich(!) provokant "Die USA haben am Dienstag eine Militärparade in der estnischen Stadt Narva abgehalten." und einfach falsch.
Zejtnot hat geschrieben:Wäre es ein "Plan der russischen Nationalisten" oder was auch immer ... sofortige Zustimmung meinerseits!
"Russisches Strategiepapier" hätte es auch erstmal getan.
Zejtnot hat geschrieben:Stimmt, aber Apostrophitis und "Sylvester" sind zwei Fehler, die mich wirklich ärgern. Da will ich die Welt verbessern!
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von Berlino10 »

Dietrich hat geschrieben: Das Janukovich aber nach der Unterschrift unter das mit Steinmeier und Co. ausgehandelte Abkommen auf Anweisung von Moskau geflohen ist, damit man das Narrativ eines Putsches aufbauen kann (welches uns z.B. Berlino hier ja schon mindestens 100x gepredigt hat), fand ich vorher schon sehr überezeugend und nach der Veröffentlichung des besagten Dokumentes fühle ich mich in dieser Annahme natürlich bestätigt.
Das hat wirklich was von Lachnummer.

Admin: Entschuldigung, ich glaub ich hab aus versehen Berlions Beitrag geändert :oops:
Ich wollte Ihm einfach nur zustimmen :)
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klaupe
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Re: Gewollt oder ungewollt?

Beitrag von klaupe »

_RGP_ hat geschrieben:Die meisten Länder haben irgendwelche Strategiepapiere für diese oder jene Situation erarbeitet. ....
Genau das ist der Knackpunkt.
Es ist eigentlich nichts Besonderes, fast schon Tagesgeschäft. Solche Denkspiele sind notwendig, um beim Eintreten eines Ereignisses nicht ganz blöd dazustehen.

Blöd ist allenfalls, dass man bei passender Gelegenheit irgend so einen Plan aus dem Archiv zieht und ausschlachtet, gerade so, als wäre es die einzige und alleinseligmachende Verkündigung des Herrn.

Interessant wird es natürlich, wenn sich Inhalte mit 'Nebensätzen' des Zaren decken. Da haben wir ja schon eine Reihe sehr interessanter Statements, die sich mit der aktuellen Entwicklung decken. Das die Krim "Heim ins Reich" muss, ist nicht wirklich eine Neuigkeit. Dass die Ukraine von Natur aus ur-russisch ist (Kiewer Rus und der Hl. Wladimir, damit ging es ja los) ist auch keine neue Erkenntnis.
Dass alle Anderen von USA gesteuerte Faschisten sind, das weiß jedes Kind zwischen Petersburg und Wladiwostok und damit hat der böse Feind seinen Stempel weg.

Nebenbei: Was ich so vom Faschismus kenne, deckt sich zu- und auffällig mit dem System, dass man in Russland täglich beobachten kann. Die USA und die Europäer schaffen es einfach nicht, dieses hohe Niveau und den Grad der faschistischen Vollkommenheit zu erreichen -- kann aber noch werden.
In der Ostukraine sind die Separatisten da schon ein paar Schritte weiter.
Berlino10 hat geschrieben:
Admin: Entschuldigung, ich glaub ich hab aus versehen Berlions Beitrag geändert :oops:
Wird nicht so schlimm sein, er wiederholt das ja öfter [gaehn]
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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