Seite 2 von 2

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 12 Mär 2015, 21:20
von klaupe
Gunnar hat geschrieben:"Helmut Schmidt: Mehr Verständnis für Putin"
Mehr Verständnis, heißt das, dass man alles akzeptieren, ja sogar gutheißen muss, was er veranstaltet?

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 12 Mär 2015, 23:42
von lausi
Gunnar hat geschrieben:Hier ist der nöchste SPD Troll :lol:

"Helmut Schmidt: Mehr Verständnis für Putin"
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 78373.html
Troll? Weil er Angst vor einem Krieg hat? Aber sonst geht es Dir gut? [roulette]
Hier ist der Bericht ausführlicher als in der FAZ:
http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... rieg-.html

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 11:25
von Dietrich
lausi hat geschrieben:Troll? Weil er Angst vor einem Krieg hat? Aber sonst geht es Dir gut? [roulette]
Nein, weil er mit seiner Appeasement-Politik den Krieg sogar fördert. Je weniger Putin Gegenwehr spürt, desto weiter geht er. Je weiter er geht, desto wahrscheinlicher ist ein Krieg auch außerhalb der Ukraine.
Denn dort tobt bereits seit Monaten ein eben solcher....

Wenn man einem jugendlichen Intensivtäter immer nur mit guten Worten kommt und nicht ziemlich schnell klare grenzen setzt, dann muss man irgendwann richtig durchgreifen. So ähnlich ist das mit Putin auch, auch wenn dieser natürlich kein Jugendlicher mehr ist.

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 12:03
von Gunnar
Troll ist natürlich überspitzt formuliert. Schmidt sitzt ja auch nicht Olgino sondern in Hamburg. ;)
Schröder, Clement und Platzeck sind auf jeden Fall die heißeren Kanditaten auf den Troll Titel.

Aber wie viele der anderen Politrentner (Kohl, Genscher, Bahr usw.) ist Schmidt zu sehr in seinen eigenen Erfahrungen verhaftet und verkennt, dass sich die Zeiten seit damals erheblich verändert haben. Das ist ja ein allgemeines Altersphänomen, dass erfolgreiche Leute meinen, ihr eigener Weg sei für immer und ewig der richtige.

Die Sowjets waren damals berechenbar, es ging um Ideologien und Realpolitik, aber geopolitisch ging es im Grundsatz nur um den Erhalt des status quo. Die Sowjetunion hat keine aggressive Expansionspolitik betrieben. Hätte Putin letztes Jahr nicht ein Nachbarland angegriffen, würde kein Mensch auf die Idee kommen, ihm ernsthaft reinzufunken. Nicht umsonst sind ja die europäischen Armeen, die allein zur Verteidigung gegen eine Sowjetunion gehalten wurden, nach dem Fall des eisernen Vorhangs derart extrem geschrupft worden dass man sich heute die Augen reibt. Das hat der West ja nicht gemacht, weil er aggressive Politik gegen Russland vor hatte. Die ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion sind dem Westen freiwillig in Scharen in die Arme gelaufen. Wie hat Putin so süffisiant nach der Schlacht um Debaltseve gesagt: Man muss halt auch verlieren können.

Wenn sich damals die Sowjetunion einen Eingriff in einen Nichtbündnisstaat erlaubt hätte (z.B. Schweden), dann wäre vermutlich die nukleare Katastrophe ausgebrochen. Putin traut sich nun sowas und ist selbst erstaunt, wie wenig Widerstand er dabei nur noch aus dem Westen erfährt. Denn der ist gerade erst aus dem Tiefschlaf und dem Traum der europäischen Friedenszone erwacht. Übrigens lag Schmidt schon damals bei seiner Einstellung zum Nato Doppelbeschluss falsch. Schon damals hat er nicht erkannt, dass die Zauberformel Annäherung PLUS Abschreckung lautet. Aus der Retrospektive ist ja allen bekannt, dass die Wettrüstung zusammen mit der ausgestreckten Hand das schlimmste verhindert hat.

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 12:16
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:So ähnlich ist das mit Putin auch, auch wenn dieser natürlich kein Jugendlicher mehr ist.
Er ist noch kein Fall für Чёрный беркут, aber er hat gute Chancen, dort eine angemessene Präsidentensuite zu belegen.

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 13:29
von klaupe
Gunnar hat geschrieben:Das ist ja ein allgemeines Altersphänomen, dass erfolgreiche Leute meinen, ihr eigener Weg sei für immer und ewig der richtige.
Trotzdem dürfen sich ja auch die Politrentner eine eigene Meinung leisten. In die Liste gehören noch weltweit ein paar andere Politrentner, Militärvereranen und Journalisten (z.B. Schmalzkrone), denen auch mittlerweile der Überblick verloren gegangen ist.
Eigenartig, dass die alte Riege mit beginnenden Demenzerscheinungen gerne als potente Interviewpartner bei RT & Co. eingeladen werden. Dann muss man das Gespräch nur noch im Schnittraum richtig "straffen" und schon hat man fantastische Beiträge anerkannter "Experten" im Kasten.
Falls sie im falschen Talk landen, evtl. sogar Life, gibt es prompt Klamauk.
Die Sowjetunion hat keine aggressive Expansionspolitik betrieben.
Kann man für die letzten paar Jahre unterschreiben.
Hätte Putin letztes Jahr nicht ein Nachbarland angegriffen, würde kein Mensch auf die Idee kommen, ihm ernsthaft reinzufunken.
In der westlichen Beliebtheitsskala hatte er schon den Platz in der Spitzengruppe verloren. Zu auffällig war die ungleiche Entwicklung im Land, die Kritiker mobilisierte. Mit der Protz-Olympiade kam er schon in die Schlagzeilen, noch bevor die vom Krim-Thema abgelöst wurden. Aber da war alles noch weitgehendst in Butter, denn von der Gier der Bessergestellten oder gar oligarchen Priviligierten lebte ja auch der Westen ganz gut -- pecunia non olet!
Nicht umsonst sind ja die europäischen Armeen, die allein zur Verteidigung gegen eine Sowjetunion gehalten wurden, nach dem Fall des eisernen Vorhangs derart extrem geschrupft worden dass man sich heute die Augen reibt.
Da siegte das westliche Wunschdenken vor der Vernunft und man glaubte unkontrolliert den Friedensliedern, die Putin weltweit sang. Ja, er wurde dafür gelobt, bewundert und sogar mit Orden und Ehrentiteln beschenkt. Immer noch gibt es hier den Putin-Wodka.
Das hat der West ja nicht gemacht, weil er aggressive Politik gegen Russland vor hatte
Das wird ihm aber inzwischen als hinterfotzige Täuschung vorgehalten.
Die ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion sind dem Westen freiwillig in Scharen in die Arme gelaufen.
Na, jetzt muss ich mal auf die Bremse treten:
Der geläuterte Feind wurde schon vom Westen, insb. EU und NATO, heftig umworben -- sogar Russland. Man hatte echt die Illusion von einem friedlichen Gesamteuropa, das im €uro-Wohlstand schwimmt. Da gehörte Russland und seine Rohstoffe durchaus mit ins Boot.
Bei den ehemaligen Vasallen hatte man es einfacher, denn die hatten sich ja schon, teilweise blutig, von Moskau gelöst und feiern inzwischen den Tag der Befreiung als Nationalfeiertag von der CCCP/Russland größer als den 9. Mai.
Bei denen ist man mit den hartnäckigen NATO/EU Werbungen offene Türen eingelaufen und dann sind sie natürlich gerne beigetreten. Fördernd war natürlich, dass die Trennung von Moskau zuvor eher nach Zangengeburt oder Kaiserschnitt aussah.
Doch trotz der Tatsache, dass der Westen den Russen ziemlich stramm auf die Pelle rückte, gab es durchaus sinnvolle Beziehungen Russland-EU und in der NATO-Zentrale gab es sogar ein gemütliches Büro für Russland, obwohl nicht einmal registrierter Beitrittskandidat. Sogar gemeinsame Veranstaltungen mit fröhlichem Waffenrasseln wurden veranstaltet und man unterhielt sich ernsthaft über Kosteneinsparungen beim Militär.

Also es kann wohl kein klar denkender Mensch davon reden, dass es schon immer ein Feindbild Russland gab. In diese Rolle hat sich Russland ganz alleine gebracht, als langsam das listige Doppelspiel erkannt wurde. Der Kaukasus war sicherlich einer der Auslöser und der blutige Terror, der sogar Moskau erreichte und dann westliche Kritik auslöste, hat die Freundschaft nicht gerade gestärkt.

Da wurde es natürlich bequem, das eigene Versagen zu verschleiern und den Westen für das Debakel verantwortlich zu machen. Die Bösewichte saßen nun im (NATO-)Ausland und Putin mutierte zum Volksheld und Kleister aller Massen.
Wie hat Putin so süffisiant nach der Schlacht um Debaltseve gesagt: Man muss halt auch verlieren können.
Wenn "die Richtigen" verlieren ist das doch SUPER
Denn der (Westen) ist gerade erst aus dem Tiefschlaf und dem Traum der europäischen Friedenszone erwacht.
Das muss man echt dem Westen vorwerfen, dass er da sehr leichtsinnig etwas verpennt hat. Statt jetzt mit Kraft aufzutreten, schlängelt man sich mit Protesten, Sanktionen und Nonsensabkommen à la Minsk durch und lässt sich dabei von Putin vorführen wie der Zirkusbär am Nasenring. Der Bär brumt und brüllt manchmal, aber die Krallen sind gestutzt und das Maul ist zahnlos.
Bild

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 17:26
von lausi
Dietrich hat geschrieben:... Je weniger Putin Gegenwehr spürt, desto weiter geht er. Je weiter er geht, desto wahrscheinlicher ist ein Krieg auch außerhalb der Ukraine. Denn dort tobt bereits seit Monaten ein eben solcher....

Wenn man einem jugendlichen Intensivtäter immer nur mit guten Worten kommt und nicht ziemlich schnell klare grenzen setzt, dann muss man irgendwann richtig durchgreifen. So ähnlich ist das mit Putin auch, auch wenn dieser natürlich kein Jugendlicher mehr ist.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/n ... 22242.html
Bekommst Du Deine Prognosen von General Bredlove?
Die Wahrscheinlichkeit hast Du aber selbst ausgerechnet? Oder gibt es dafür irgendwelche Indizien?
Außerdem scheint Dir entgangen zu sein, wer den Krieg in der Ostukraine angefangen hat? Nicht die Separatisten haben mit Artillerie in Wohngebiete reingehalten.
Achso, entschuldige, es ist ja gar kein Krieg, nur eine Anti-Terror-Operation...

Zum jugendlichen Intensivtäter sag ich jetzt mal nichts... soviel Doppelmoral ist nicht mehr erträglich.
Oder bist Du auch dafür, Gottes Eigenem Land Grenzen zu setzen?

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 18:08
von Dietrich
lausi hat geschrieben:Zum jugendlichen Intensivtäter sag ich jetzt mal nichts... soviel Doppelmoral ist nicht mehr erträglich.
Oder bist Du auch dafür, Gottes Eigenem Land Grenzen zu setzen?
Diese Antwort hast du jetzt schön rausgesucht. Bist aber anscheinend irgendwie in der Spalte verrutscht. Das mit Doppelmoral und so passt nur, wenn der Vorredner was mit den USA angeführt hat.
Bei anderweitigen Vergleichen ist das eher unpassend.
Aber ist schon O.K. so, ich habe dich auch so verstanden. Nichts, was ich nicht schon hunderte Male genau so irgendwo gelesen hätte. Nur da passte es eben meist besser in den Zusammenhang.

Re: Ist Steinmeier wegen Schröder befangen?

Verfasst: 13 Mär 2015, 18:16
von lausi
klaupe hat geschrieben:In der westlichen Beliebtheitsskala hatte er schon den Platz in der Spitzengruppe verloren. Zu auffällig war die ungleiche Entwicklung im Land, die Kritiker mobilisierte. Mit der Protz-Olympiade kam er schon in die Schlagzeilen, noch bevor die vom Krim-Thema abgelöst wurden. Aber da war alles noch weitgehendst in Butter
Da war schon lange nichts mehr in Butter, Du musst viel weiter zurück denken.
In der westlichen Beliebtheitsskala war er spätestens nach der Abschaffung der PSA-Verträge am unteren Ende gelandet.
PSA ist die Abkürzung für den Euphemismus "Product Sharing Agreement", welcher letztendlich nichts anderes bedeutet, als dass die Länder mit den Rohstoffen nicht nur diese liefern, sondern auch praktisch alle Gewinne abgeben. So kam es, dass Russland beim Westen Milliarden Dollar Schulden hatte, obwohl es dem Westen noch die eigenen Bodenschätze abgab. Erst 2004 gelang es Putin, dass die Gelder der entnommenen Bodenschätze wieder Russland zuflossen. Schlagartig vervierfachte sich der Russische Staatshaushalt, die Gehälter, Renten und Sozialauslagen verdreifachten sich und dem Volk ging es auf einen Schlag besser.

Dazu kommt noch die angestrebte Abkehr vom Petrodollar. Die letzten, die das versucht hatten, waren Saddam Hussein und Muammar Ghadaffi.
Nur ist es bei Rußland nicht so einfach, die Sache militärisch zu korrigieren...

Zum Nachlesen und Ansehen:
http://politisch.ch/usa-versus-russland ... h-geschah/
http://schildverlag.de/node/861

Ich weiß, dass unsere Transatlantiker hier sofort "Propaganda" rufen werden.
Der Film ist es aber wert, gesehen zu werden, u.a. um sich über das Thema eine eigene Meinung zu bilden.