Gunnar hat geschrieben:Das ist ja ein allgemeines Altersphänomen, dass erfolgreiche Leute meinen, ihr eigener Weg sei für immer und ewig der richtige.
Trotzdem dürfen sich ja auch die Politrentner eine eigene Meinung leisten. In die Liste gehören noch weltweit ein paar andere Politrentner, Militärvereranen und Journalisten (z.B. Schmalzkrone), denen auch mittlerweile der Überblick verloren gegangen ist.
Eigenartig, dass die alte Riege mit beginnenden Demenzerscheinungen gerne als potente Interviewpartner bei RT & Co. eingeladen werden. Dann muss man das Gespräch nur noch im Schnittraum richtig "straffen" und schon hat man fantastische Beiträge anerkannter "Experten" im Kasten.
Falls sie im falschen Talk landen, evtl. sogar Life, gibt es prompt Klamauk.
Die Sowjetunion hat keine aggressive Expansionspolitik betrieben.
Kann man für die letzten paar Jahre unterschreiben.
Hätte Putin letztes Jahr nicht ein Nachbarland angegriffen, würde kein Mensch auf die Idee kommen, ihm ernsthaft reinzufunken.
In der westlichen Beliebtheitsskala hatte er schon den Platz in der Spitzengruppe verloren. Zu auffällig war die ungleiche Entwicklung im Land, die Kritiker mobilisierte. Mit der Protz-Olympiade kam er schon in die Schlagzeilen, noch bevor die vom Krim-Thema abgelöst wurden. Aber da war alles noch weitgehendst in Butter, denn von der Gier der Bessergestellten oder gar oligarchen Priviligierten lebte ja auch der Westen ganz gut -- pecunia non olet!
Nicht umsonst sind ja die europäischen Armeen, die allein zur Verteidigung gegen eine Sowjetunion gehalten wurden, nach dem Fall des eisernen Vorhangs derart extrem geschrupft worden dass man sich heute die Augen reibt.
Da siegte das westliche Wunschdenken vor der Vernunft und man glaubte unkontrolliert den Friedensliedern, die Putin weltweit sang. Ja, er wurde dafür gelobt, bewundert und sogar mit Orden und Ehrentiteln beschenkt. Immer noch gibt es hier den Putin-Wodka.
Das hat der West ja nicht gemacht, weil er aggressive Politik gegen Russland vor hatte
Das wird ihm aber inzwischen als hinterfotzige Täuschung vorgehalten.
Die ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion sind dem Westen freiwillig in Scharen in die Arme gelaufen.
Na, jetzt muss ich mal auf die Bremse treten:
Der geläuterte Feind wurde schon vom Westen, insb. EU und NATO, heftig umworben -- sogar Russland. Man hatte echt die Illusion von einem friedlichen Gesamteuropa, das im €uro-Wohlstand schwimmt. Da gehörte Russland und seine Rohstoffe durchaus mit ins Boot.
Bei den ehemaligen Vasallen hatte man es einfacher, denn die hatten sich ja schon, teilweise blutig, von Moskau gelöst und feiern inzwischen den Tag der Befreiung als Nationalfeiertag von der CCCP/Russland größer als den 9. Mai.
Bei denen ist man mit den hartnäckigen NATO/EU Werbungen offene Türen eingelaufen und dann sind sie natürlich gerne beigetreten. Fördernd war natürlich, dass die Trennung von Moskau zuvor eher nach Zangengeburt oder Kaiserschnitt aussah.
Doch trotz der Tatsache, dass der Westen den Russen ziemlich stramm auf die Pelle rückte, gab es durchaus sinnvolle Beziehungen Russland-EU und in der NATO-Zentrale gab es sogar ein gemütliches Büro für Russland, obwohl nicht einmal registrierter Beitrittskandidat. Sogar gemeinsame Veranstaltungen mit fröhlichem Waffenrasseln wurden veranstaltet und man unterhielt sich ernsthaft über Kosteneinsparungen beim Militär.
Also es kann wohl kein klar denkender Mensch davon reden, dass es schon immer ein Feindbild Russland gab. In diese Rolle hat sich Russland ganz alleine gebracht, als langsam das listige Doppelspiel erkannt wurde. Der Kaukasus war sicherlich einer der Auslöser und der blutige Terror, der sogar Moskau erreichte und dann westliche Kritik auslöste, hat die Freundschaft nicht gerade gestärkt.
Da wurde es natürlich bequem, das eigene Versagen zu verschleiern und den Westen für das Debakel verantwortlich zu machen. Die Bösewichte saßen nun im (NATO-)Ausland und Putin mutierte zum Volksheld und Kleister aller Massen.
Wie hat Putin so süffisiant nach der Schlacht um Debaltseve gesagt: Man muss halt auch verlieren können.
Wenn "die Richtigen" verlieren ist das doch SUPER
Denn der (Westen) ist gerade erst aus dem Tiefschlaf und dem Traum der europäischen Friedenszone erwacht.
Das muss man echt dem Westen vorwerfen, dass er da sehr leichtsinnig etwas verpennt hat. Statt jetzt mit Kraft aufzutreten, schlängelt man sich mit Protesten, Sanktionen und Nonsensabkommen à la Minsk durch und lässt sich dabei von Putin vorführen wie der Zirkusbär am Nasenring. Der Bär brumt und brüllt manchmal, aber die Krallen sind gestutzt und das Maul ist zahnlos.
