Die Kaese-Situation

domizil
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1922
Registriert: 03 Apr 2011, 04:32
Wohnort: Russische Föderation

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von domizil »

... hoffentlich gleite ich nicht zu sehr vom Thema ab und schliddere in die Politik hinein - ich versuche wirtschaftlich zu bleiben.
klaupe hat geschrieben:Es geht nicht 'weil', sondern oft nur 'trotz'.
Prinzipiell hat der Staat das erkannt. Deshalb gibt es auch die Präsidentenweisung, die Kleinstunternehmen drei Jahre nicht zu kontrollieren, es gibt die sogenannten "Steuerferien" und viele andere Dinge. Aber wir wissen natürlich auch, dass es den russischen Spruch gibt: "... das Land ist groß, der Zar ist weit" und solange, wie nicht in ALLEN strukturellen Ebenen des Staates ein "frischer Wind weht" (ich könnte auch schreiben: radikale Personalerneuerung unter moralischen und fachlichen Aspekten), so lange wird sich in Russland vieles nur sehr langsam bewegen - leider.

Uwe Niemeier
m1009

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von m1009 »

die Kleinstunternehmen drei Jahre nicht zu kontrollieren,
Die Kehrseite der Medaille kennen wir doch... Die "Alte Firma" wird nach 3 Jahen vor die Wand gefahren (Gewaehrleistung/Garantie/Steuern/Abgaben entfallen)... Am naechsten Tag mit gleicher Mannschaft wird weitergemacht.
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von klaupe »

domizil hat geschrieben:... so lange wird sich in Russland vieles nur sehr langsam bewegen - leider.
.. und das ist Käse, wobei wir wieder beim Thema sind. ;)

Ich hoffe ja sehr, dass die Folgen der Sanktionen incl. Käsemangel zum schnelleren Umdenken animieren.

Dabei gilt es nicht, Umwege zu finden, um ans Ziel zu kommen -- also kein Schweizer Käse -- sondern die verlotterten Produktionskapazitäten zu modernisieren bzw. wieder produktiv zu machen und, falls es unmöglich ist, entsprechende Neuanlagen zu errichten. So arm ist Russland wirklich nicht, um in die breite Produktion zu investieren bzw. innovative Kräfte zu fördern.

Staatsmilliarden in spektakuläre Events, zweifelhafte Bürgerkriege, prestigeträchtige aber teure Landgewinne oder spektakuläre Aufrüstung zu stecken ist zwar Medienwirksam, aber nur vorübergehend geeignet, die allgemeine Zufriedenheit zu fördern.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 6686
Registriert: 07 Okt 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von Wladimir30 »

Nochmal zurück zum Thema. Was heute vormittag erst in der Metro, danach im Globus. Die Situation ist absolut gleich in beiden. Es gibt Schweizer Käse und einige Sorten Schafs- und Ziegenkäse aus Spanien. Ein großer runder Schafskäse aus der Mancha sah genauso aus, wie sie dort wirklich in den Geschäften sind. 2500 Rubel. Na, wenn der wirklich echt ist, wann hab ich den zuletzt gegessen? Also sei 's drum. Das Erwachen kam an der Kasse, als sich herausstellte, dass 2500 der KILOPREIS war, und das Ding fast 4 Kilo wiegt. Wow. Dafür schmeckt er aber auch hervorragend.
Nach dem Kaffee ist vor dem Kaffee
domizil
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1922
Registriert: 03 Apr 2011, 04:32
Wohnort: Russische Föderation

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von domizil »

... ich setze persönlich große Hoffnungen in zwei wirtschaftliche "Vorgänge":

1. Die weitere Disziplinierung des russischen Bankensektors, den Elvira Nabiullina Mitte 2013 erfolgreich begonnen hat. Es geht um die Lizenzentzüge für russische Banken, in deren Endergebnis all die Banken verschwinden, die sich eben nicht wie ein Finanzinstitut verhalten. Im vergangenen Jahr waren es 89 Banken und in diesem Jahr bisher 17 Banken. Wenn wir die Zahl der Banken von gegenwärtig rund 850 auf 400 runterfahren, dann haben wir eine solide finanztechnische Basis in Russland und das Geld wird wieder "unter dem Kopfkissen hervorgeholt" und der Gesellschaft zur Verfügung gestellt.

2. Die Amnestie für Auslandskapital. Hier scheint die endgültige Beschlussfassung kurz bevorzustehen. Und wenn dann das im Ausland geparkte Geld schrittweise zurückfließt, dann kann es in die russische Wirtschaft (steuerfrei) investiert werden. Und jetzt in Russland erarbeitetes Geld fließt dann auch nicht mehr ins Ausland ab, sondern verbleibt im Land. Schon jetzt haben wir in den letzten Wochen einen realen Rückfluss von Auslandskapital, welcher durch die russische Zentralbank wöchentlich veröffentlicht wird. Vorerst sind es nur ein paar hundert Millionen USD -aber ein Anfang, um die wirtschaftlichen Probleme, inclusive des Aufbaus einer eigenen Käse-Wirtschaft, zu lösen.

Uwe Niemeier
m1009

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von m1009 »

Wladimir30 hat geschrieben: Na, wenn der wirklich echt ist
OT:

Wer erkennt das Original? Genau... der Rechte.

Bild
Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 6686
Registriert: 07 Okt 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von Wladimir30 »

Eine neue Käsesorte? Sieht lecker aus.

20 мкм ist vemutlich die Größe der Löcher im Käse?
Nach dem Kaffee ist vor dem Kaffee
Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 6686
Registriert: 07 Okt 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von Wladimir30 »

m1009 hat geschrieben:Es gab und gibt in Russland (leider) keine (ich kenne Einen) kleine Milchbauern, die hinter der Scheune Kaese produzieren. Vielleicht meldet sich Gunnar noch dazu, dieser hat sicher besten Einblick.
Solange Gunnar noch überlegt, schnell von mir ein paar Worte. Ein Kumpel von mir war fast drei Jahre auf einem Biobauernhof in der Schweiz tätig. Als er zurükkam, wollte er auch gerade Käse hier machen. Es scheiterte aber seiner Aussage nach an der Milch. Zu wenig, zu schlecht.
Nach dem Kaffee ist vor dem Kaffee
Benutzeravatar
CSB_Wolf
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2626
Registriert: 26 Mär 2005, 00:06
Wohnort: Sued Deutschland - nicht Bayern und nicht mehr in Moskau bei meiner Frau. Das hat sich erledigt.
Kontaktdaten:

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von CSB_Wolf »

Wladimir30 hat geschrieben: Ein Kumpel von mir war fast drei Jahre auf einem Biobauernhof in der Schweiz tätig. Als er zurükkam, wollte er auch gerade Käse hier machen. Es scheiterte aber seiner Aussage nach an der Milch. Zu wenig, zu schlecht.
Die Käseherstellung ist eine Wissenschaft für sich, nicht umsonst ist die Schweiz und Deutschland, insbesobndere Allgäuer Käse, qualitativ mit führend auf der Welt. Die reinen Französischen oder Holländischen Käsesorten sind natürlich auch sehr gut. Ich habe allersdings in Moskau auch schon Gouda gegessen, der war aus Russischer Produktion und genau so gut wie das Orginal.

Gruss
wolf
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von klaupe »

domizil hat geschrieben:... in deren Endergebnis all die Banken verschwinden, die sich eben nicht wie ein Finanzinstitut verhalten
Subjektiv und aus der Distanz gesehen stellt es sich hier so dar, als würden private Initiativen von oben blockiert. Das ist natürlich das Fressen für westliche Medien.
Aber wenn ist die staatlich gelenkten Medien betrachte, fehlt mir einfach eine sachliche Anklage gegen die Banditen. Es bleibt zu viel "Geheimnis" und der Verdacht der Willkür offen und der positive Aspekt einer radikalen Bereinigung bleibt auf der Strecke.
Vorerst sind es nur ein paar hundert Millionen USD -aber ein Anfang, um die wirtschaftlichen Probleme, inclusive des Aufbaus einer eigenen Käse-Wirtschaft, zu lösen.
Ein paar hundert Millionen ist für mich ein enormer Sack voll Geld und wenn dazwischen 'nur' steht, lässt es auf enorme Summen schließen, die im Ausland geparkt sind.
Der Käse ist, dass es Kapitalflucht ist und nicht die Suche nach besseren Renditen. Inzwischen kann man ja in Russland wirklich lohnend anlegen. Ob sich aber auch der Vertrauensverlust in die heimische Käsewirtschaft so schnell revidieren lässt?
Meinem Patriotismus wären da, angesichts etlicher Fehlverteilungen/-investitionen des Kapitals im Inland, deutliche Grenzen gesetzt.

Immerhin, ein Anfang ist gemacht! Die perfekte Sensation wäre, wenn die regierungsnahen Oligarchen laut und leserlich ihre Geldcontainer in die Heimat schleppen und dort investieren würden (möglichst in den Mittelstand.)
Ach Quatsch, geht ja nicht, deren Konten sind ja immer noch gesperrt :roll:
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Antworten

Zurück zu „Lebensmittel“