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Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 13:41
von Gunnar
ja, aus russischer Sicht ist Dein Argument absolut logisch, aus deutscher Sicht wünscht man sich aber doch irgendwie eine konkrete namensrechtliche Regelung aus der man gesetzlich ableiten kann, dass sich der Nachname dem Geschlecht grammatikalisch anpasst, zumal es ja nicht durch die Bank für alle Nachnamen gilt. Aber das sind halt die Sachen, bei denen das internationale Privatrecht irgendwie an die Grenzen der Rechtssystematik stoßen, weil ganz unterschiedliche Rechts- und Kuluturkreise plötzlich miteinander harmonieren sollen.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 13:52
von Dietrich
Meine Frau ist da ganz altmodisch und hat meinen Nachnamen angenommen.... sie hatte allerdings auch noch den Nachnamen ihres Exmannes im Pass stehen (trotz Scheidung vor vielen Jahren) und da fällt dann die Entscheidung natürlich leicht.
Hätte ich ihren Geburtsnamen angenommen und würde dann meinen Vornamen "einrussischen", dann...
Dimitina.JPG

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 14:46
von Zejtnot
Aber lustigerweise können ukrainische Familiennamen im Russischen auch bei Männern auf A enden.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 14:57
von Nikolaus
Und eine Menge "russischer" Familiennamen kommen auch bei Frauen in voller Uebereinstimmung mit der Orthographie ohne das -a aus ... :)

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 16:08
von Dietrich
Nikolaus hat geschrieben:Und eine Menge "russischer" Familiennamen kommen auch bei Frauen in voller Uebereinstimmung mit der Orthographie ohne das -a aus ... :)
Wäre also möglicherweise einfach zu kompliziert, das irgendwie in ein Gesetz oder eine Verwaltungsvorschrift zu packen.... Und wozu auch.... ist eben gelebte Sprache.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 20:41
von m5bere2
Dietrich hat geschrieben:Wäre also möglicherweise einfach zu kompliziert, das irgendwie in ein Gesetz oder eine Verwaltungsvorschrift zu packen.... Und wozu auch.... ist eben gelebte Sprache.
Nun, bei den typisch Sibirischen Familiennamen auf -их und -ых (die hier hergebracht wurden und im europäischen Russland dann aus der Mode kamen), wie Медных, Долгих, Сохатых, usw, macht ein -a am Ende ja gar keinen Sinn. :-)

Ich finde diese sibirischen Familiennamen auf -ых und -их irgendwie ziemlich cool.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 27 Nov 2015, 23:02
von Wladimir30
Dietrich hat geschrieben:Eine Frau heißt eben nicht Petrov. Ist einfach (grammatisch) falsch.
Eben, das ist kein Gewohnheitsrecht oder so, das ist einfach eine Folge davon, dass die russischen Familiennamen alte Possessivadjektive sind, die fast überwiegend auch wie Adjektive dekliniert werden. So wie die alten Formen отцов дом, мамин сын bzw. мамина дочка. Deshalb ist es für Russischmuttersprachler keine Frage, warum die männlichen Formen auf -ow (Anton Tschechow) oder -in (Wladimir Lenin) enden, die weiblichen Namen (Vor- und Nachnamen) dagegen auf -a: -owa (Anfisa Tschechowa) oder auf -ina (Larissa Dolina).

Die Namen auf -ых (Черных) sind alte Genitiv Plural Formen (auch Adjektivformen). Logischerweise können diese dann nicht mehr weiter dekliniert werden.

Die ukrainischen Nachnamen auf -a (Taras Bulba) sind dagegen selten. Wie auch männliche Vornamen auf -a (Olexa). Häufiger sind die auf -enko (Petrenko, Poroschenko), die nicht dekliniert werden. Hier gibt es dann auch keine Endungen, die Frauen bezeichnen. Oder weissrussische Nachnamen auf -itsch (Malewitsch), die ebebfalls gleich sind für Mann und Frau. '

Bei den nichtslawischen Familiennamen, die im Russischen natürlich auch verbreitet sind (Viktor Zoj, Nelli Kim, Jurij Lotman, Samuil Marschak, Rusanna Selimjan, Saakaschwili, usw.), wird ebenfalls nicht unterschieden zwischen Mann und Frau.

Sprich die Geschichte Russlands mit ihren multinationalen Einflüssen und der langen Sprachgeschichte haben das Namensrecht selbst im Russischen kompliziert gemacht. Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Form, oder eben keine Unterscheidung, deklinierbar und nicht deklinierbar, deklinierbar nur die männliche Form, die weibliche Form desselben Namens aber nicht. Varianten und Kombinationen gibt es gar viele.

Tja, und das dann im deutschen Namensrecht gebührend berücksichtigen mit völlig anderen sprachlichen Traditionen, das wird dann echt problematisch.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 07:24
von m5bere2
Wladimir30 hat geschrieben:Häufiger sind die auf -enko (Petrenko, Poroschenko), die nicht dekliniert werden.
Im Ukrainischen werden sie dann aber interessanterweise dekliniert. Finde ich irgendwie überraschend, dass sie es im Russischen nicht werden, denn eine Deklination dieser Namen gestaltet sich ja eigentlich nicht schwierig... (im Gegensatz zu -ых, was ja, wie du sagst, schon Genitiv-Plural-Adjektive sind). Dagegen wird Zoi wieder dekliniert...

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 07:33
von Wladimir30
m5bere2 hat geschrieben:Dagegen wird Zoi wieder dekliniert...
Ja, aber die Frau von Viktor, wenn er denn eine gehabt hätte, hätte auch Zoj als Nachnamen gehabt. Und bei ihr wäre er nicht mehr dekliniert worden.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 14:34
von m5bere2
Wladimir30 hat geschrieben:Ja, aber die Frau von Viktor, wenn er denn eine gehabt hätte, hätte auch Zoj als Nachnamen gehabt. Und bei ihr wäre er nicht mehr dekliniert worden.
Was ich auch ziemlich interessant finde, dass "ausländische" Männernamen eher dekliniert werden als ausländische Frauennamen.
Den Mann von Merkel würde man wohl auch deklinieren. (also ihren Exmann Merkel, der aktuelle heißt ja Sauer). Wie sich das wohl entwickelt hat, dass die Deklination nicht vom Namen sondern vom Geschlecht des Trägers abhängt?