--> http://www.zeit.de/2016/35/boris-schuma ... iftstellerDIE ZEIT hat geschrieben: [...] Wenig verwunderlich: Es handelt sich um eine glühende Abrechnung mit dem linken Milieu, das ihm in den ersten Jahren in Deutschland eine Heimat geworden war. Schumatsky berichtet in dem Buch von einer tiefen Entfremdung während des Ukraine-Konflikts. Er habe mit Bestürzung wahrgenommen, mit welcher Skepsis, ja Ablehnung seine Freunde zunächst der prowestlichen Revolution in der Ukraine begegneten und schließlich Putins Feldzug rechtfertigten. Er verspüre seither einen Hauch von Heimatlosigkeit.
Boris Schumatsky begreift den Blick vieler Deutscher auf Putin nicht nur als fatale Abkehr von den Idealen der Aufklärung, sondern als Folge einer Sinnentleerung, die sich im wohlstandsverwöhnten Westen eingenistet hat. Die Revolution hat eine Leidenschaft und einen Wagemut aufblitzen lassen, die man diskreditieren musste, um die eigene Feigheit und Ideenlosigkeit zu kaschieren. Putins Attraktion gründet Schumatsky zufolge nicht nur in gut eingeübten antiamerikanischen Reflexen der Linken, sie ist grundlegender: Sie wurzelt im postmodernen Lebensgefühl, das keine Fakten, sondern nur noch Interpretationen kennt. Der plurale Wahrheitsbegriff der Postmoderne wurde von Putin in die politische Praxis überführt. Sein Verfahren stieß hierzulande aufgrund der vulgären Rezeption von Foucault und Derrida auf Verständnis und Nachsicht. Die selbstkritische Manie, den Westen als eurozentristische, phallozentristische, logozentristische, irgendwie beliebige Konstruktion zu entlarven, verhalf mit einem Mal auch autoritären Gesellschaftsmodellen zu ihrem Recht.
So ein Fall, bei dem ich echt kein Verständnis für entgegenbringen kann.., ist irgerndwie auch nicht verwunderlich, dass die meisten Russen (so etwas) nicht gutheißen würde: da sitze "jemand" "irgendwo" im Ausland, zwar mit einem "russischen Background" (bereits aber seit mehr als 20 Jahren "völlig" aus dem Kontext gerissen) und nimmt sich das "Recht" über andere zu urteilen/verurteilen, gar Deutsche in Sachen (Russland, "Russlandversteher", "Putinversteher") eines Besseren zu belehren, und dabei noch gleichzeitig versucht wird, ein "Kapital" daraus zu schlagen..
Scheint irgendwie so ein "Megatrend" letzter Zeit geworden zu sein, über Putin von "beiden Seiten" (beide Lager) welche Bücher zu veröffentlichen (scheinbar verdiene man da(bei) gutes Geld)
Ich kenne diesen Boris nicht (hab zwar paar mal von ihm was gehört), auch kein einziges Buch von ihm gelesen, aber nach dem kurzen "Überflug" seiner Biographie, finde/fände ich etwas unfair (aus moralischer Sicht), dass z.B. nur seiner Familiengeschichte u.a. zu Stalinzeit so große Achtung geschenkt wird/werde.., denn es hatte damals so ziemlich jede Familie (noch vor dem WKII) (b)(g)etroffen, sprich viele unter "Stalinterror" litten.
Müsste man etwa 80 Mil. Bücher (mit ähnlicher Fam.Geschichte) nun auf den Markt bringen??!! (Weil zum Teil da auch noch gut dabei verdient werden könne??)
Bei uns in der Familie z.B. fiel auch einer meiner Urgroßväter (mütterlicherseits) im Zuge der sog. Stalin-Repressalien in Jahre 1937 zum Opfer..
Seine Familie: bestehend aus der Frau und vier Kindern, darunter auch ein Säugling(7 Tage alt) (ab da) zum Volksfeind denunziert/gebrandmarkt wurde, sodass die Frau es nicht alleine (allein erziehend) schaffte, "Rest" der Familie durchzubringen und die Kinder (u.a. meine Oma) auf die Straße "betteln" gegangen sind, und generell die Familie in den (einigen) Rechten beschnitten wurde, sofern man erfuhr dass sie aus der Familie eines "Verräters" stammen..
Zwar wurde das Augenmerk (dbzgl.) später etwas verschoben.., aber auch nur, weil es da ein anderes "Unheil" über das russische Volk herfiel, nämlich der Beginn des WKII (für die Russen eher erst ab 1941 "relevant") und meine Oma und ihre Geschwister bereits mit 10/11 Jahren arbeiten ("schuften") mussten..
Mich würde eher (in der heutigen Zeit) folgendes (Untersuchungen) Interessieren, und zwar inwiefern nun die "Spätfolgen" für die Russen "insgesamt" (m.E. nicht zu unterschätzender Effekt) waren, mitsamt Auswirkungen auf Nachfolgegenerationen, Veränderungen in der Erziehung/Psyche etc..
P.S.: Der Wladimir Kaminer hat da meiner Meinung nach eindeutig bessere "Taktik" gewählt, zwar bedient er sich hin und wieder einiger Ressentiments - kann aber immerhin für "gute Unterhaltung" beim deutschen Publikum sorgen..


