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Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 09:32
von Evgenij
DIE ZEIT hat geschrieben: [...] Wenig verwunderlich: Es handelt sich um eine glühende Abrechnung mit dem linken Milieu, das ihm in den ersten Jahren in Deutschland eine Heimat geworden war. Schumatsky berichtet in dem Buch von einer tiefen Entfremdung während des Ukraine-Konflikts. Er habe mit Bestürzung wahrgenommen, mit welcher Skepsis, ja Ablehnung seine Freunde zunächst der prowestlichen Revolution in der Ukraine begegneten und schließlich Putins Feldzug rechtfertigten. Er verspüre seither einen Hauch von Heimatlosigkeit.
Boris Schumatsky begreift den Blick vieler Deutscher auf Putin nicht nur als fatale Abkehr von den Idealen der Aufklärung, sondern als Folge einer Sinnentleerung, die sich im wohlstandsverwöhnten Westen eingenistet hat. Die Revolution hat eine Leidenschaft und einen Wagemut aufblitzen lassen, die man diskreditieren musste, um die eigene Feigheit und Ideenlosigkeit zu kaschieren. Putins Attraktion gründet Schumatsky zufolge nicht nur in gut eingeübten antiamerikanischen Reflexen der Linken, sie ist grundlegender: Sie wurzelt im postmodernen Lebensgefühl, das keine Fakten, sondern nur noch Interpretationen kennt. Der plurale Wahrheitsbegriff der Postmoderne wurde von Putin in die politische Praxis überführt. Sein Verfahren stieß hierzulande aufgrund der vulgären Rezeption von Foucault und Derrida auf Verständnis und Nachsicht. Die selbstkritische Manie, den Westen als eurozentristische, phallozentristische, logozentristische, irgendwie beliebige Konstruktion zu entlarven, verhalf mit einem Mal auch autoritären Gesellschaftsmodellen zu ihrem Recht.
--> http://www.zeit.de/2016/35/boris-schuma ... iftsteller

So ein Fall, bei dem ich echt kein Verständnis für entgegenbringen kann.., ist irgerndwie auch nicht verwunderlich, dass die meisten Russen (so etwas) nicht gutheißen würde: da sitze "jemand" "irgendwo" im Ausland, zwar mit einem "russischen Background" (bereits aber seit mehr als 20 Jahren "völlig" aus dem Kontext gerissen) und nimmt sich das "Recht" über andere zu urteilen/verurteilen, gar Deutsche in Sachen (Russland, "Russlandversteher", "Putinversteher") eines Besseren zu belehren, und dabei noch gleichzeitig versucht wird, ein "Kapital" daraus zu schlagen..

Scheint irgendwie so ein "Megatrend" letzter Zeit geworden zu sein, über Putin von "beiden Seiten" (beide Lager) welche Bücher zu veröffentlichen (scheinbar verdiene man da(bei) gutes Geld)

Ich kenne diesen Boris nicht (hab zwar paar mal von ihm was gehört), auch kein einziges Buch von ihm gelesen, aber nach dem kurzen "Überflug" seiner Biographie, finde/fände ich etwas unfair (aus moralischer Sicht), dass z.B. nur seiner Familiengeschichte u.a. zu Stalinzeit so große Achtung geschenkt wird/werde.., denn es hatte damals so ziemlich jede Familie (noch vor dem WKII) (b)(g)etroffen, sprich viele unter "Stalinterror" litten.
Müsste man etwa 80 Mil. Bücher (mit ähnlicher Fam.Geschichte) nun auf den Markt bringen??!! (Weil zum Teil da auch noch gut dabei verdient werden könne??)

Bei uns in der Familie z.B. fiel auch einer meiner Urgroßväter (mütterlicherseits) im Zuge der sog. Stalin-Repressalien in Jahre 1937 zum Opfer..

Seine Familie: bestehend aus der Frau und vier Kindern, darunter auch ein Säugling(7 Tage alt) (ab da) zum Volksfeind denunziert/gebrandmarkt wurde, sodass die Frau es nicht alleine (allein erziehend) schaffte, "Rest" der Familie durchzubringen und die Kinder (u.a. meine Oma) auf die Straße "betteln" gegangen sind, und generell die Familie in den (einigen) Rechten beschnitten wurde, sofern man erfuhr dass sie aus der Familie eines "Verräters" stammen..
Zwar wurde das Augenmerk (dbzgl.) später etwas verschoben.., aber auch nur, weil es da ein anderes "Unheil" über das russische Volk herfiel, nämlich der Beginn des WKII (für die Russen eher erst ab 1941 "relevant") und meine Oma und ihre Geschwister bereits mit 10/11 Jahren arbeiten ("schuften") mussten..

Mich würde eher (in der heutigen Zeit) folgendes (Untersuchungen) Interessieren, und zwar inwiefern nun die "Spätfolgen" für die Russen "insgesamt" (m.E. nicht zu unterschätzender Effekt) waren, mitsamt Auswirkungen auf Nachfolgegenerationen, Veränderungen in der Erziehung/Psyche etc..


P.S.: Der Wladimir Kaminer hat da meiner Meinung nach eindeutig bessere "Taktik" gewählt, zwar bedient er sich hin und wieder einiger Ressentiments - kann aber immerhin für "gute Unterhaltung" beim deutschen Publikum sorgen..

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 11:07
von Dietrich
Evgenij hat geschrieben:da sitze "jemand" "irgendwo" im Ausland, zwar mit einem "russischen Background" (bereits aber seit mehr als 20 Jahren "völlig" aus dem Kontext gerissen) und nimmt sich das "Recht" über andere zu urteilen/verurteilen, gar Deutsche in Sachen (Russland, "Russlandversteher", "Putinversteher") eines Besseren zu belehren, und dabei noch gleichzeitig versucht wird, ein "Kapital" daraus zu schlagen..
Welchen Background sollte man denn deiner Meinung nach haben, um darüber zu urteilen, wie Deutsche in Deutschland auf Russland schauen?
Also ich finde, jemand der aus Russland kommt, aber schon etliche Zeit in Deutschland wohnt gar keine schlechte Besetzung für diese Aufgabe.

Er weiß mehr über Russland als die meisten Deutschen über die er sich ein Urteil bildet, ist aber trotzdem nah genug an den Deutschen dran, um sie genau zu studieren.

Das einzige Problem ist höchstens, dass seine Meinung sich nicht mit deiner deckt.....

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 12:15
von Wladimir30
Dietrich hat geschrieben:Welchen Background sollte man denn deiner Meinung nach haben, um darüber zu urteilen, wie Deutsche in Deutschland auf Russland schauen?
Also ich finde, jemand der aus Russland kommt, aber schon etliche Zeit in Deutschland wohnt gar keine schlechte Besetzung für diese Aufgabe.

Er weiß mehr über Russland als die meisten Deutschen über die er sich ein Urteil bildet, ist aber trotzdem nah genug an den Deutschen dran, um sie genau zu studieren.
Ich weiß es nicht, aber ich vermute mal, dass Evgeny dies auch gar nicht so an sich verurteilte. Klar, eine russische Herkunft ist für die Beurteilung bestimmter Dinge, die in Russland so vor sich gehen, hilfreich, sogar sehr, wenn es darum geht, die Mentalität der Leute darzustellen, die Konflikte, die sich aus den unterschiedlichen Mentalitäten ergeben (können).

Es ist aber etwas ganz anderes, wenn jemand, der eine lang zurückliegende russische Herkunft hat, versucht, die aktuelle politische Lage zu beurteilen. Gerade in Russland ändert sich die politische Lage stärker und schneller als in Deutschland im allgemeinen. Das Russland der 90er Jahre des 20. Jh. hat sehr sehr wenig mit dem heutigen Russland zu tun. Selbst das Russland Anfang des 21. Jh. war ein anderes als es heute ist. Das betrifft das politische System, das betrifft aber auch das Wertesystem der Leute, das Lebensgefühl, die Sicht auf viele Dinge. Sich nun anzumaßen, weitreichende Schlüsse zu ziehen, basierend hauptsächlich auf der Tatsache, dass jemand aus dem Land irgendwann mal kam, halte ich für hochgradig vermessen.

Evgeny hat zudem Recht, es gibt sehr sehr viele Familien in Russland, die unter Stalins Terror physisch gelitten haben. Das kann und darf kein Ausnahmekriterium sein.

Wie wäre es denn, wenn jemand vor 20 oder noch mehr Jahren aus Deutschland ausgewandert ist (aus welchen Gründen auch immer), und sich nun als der große Maxe bei der Beurteilung des politischen Systems in Deutschland aufschwingt? Wie glaubwürdig ist er noch? Kann er die Schwingungen, die Stimmungen, die z.B. der aktuelle Erfolg der AfD erzeugen, adäquat darstellen? Kann er wissen, woher die AfD kommt, welche Beweggründe die Leute hatten, die AfD zu wählen? Nur weil er vor 20 Jahren als junger Knabe (damals evtl. überhaupt dem Alter gemäß eher unpolitisch) in Deutschland wohnte? Qualifiziert ihn die Herkunft zu großen Analysen?

Welchen Background man haben sollte? Ich vermute, es ist weniger eine Frage des Backgrounds, sondern
  • (Aus-) Bildung
  • Urteilsvermögen
  • Mut zum eigenen Denken und zur eigenen Meinungsbildung
  • Ausreichend Lebenerfahrung in beiden Ländern

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 12:25
von Saboteur
lausi hat geschrieben: Ich hab den Artikel nicht gelesen, mein Kommentar ist aus meiner Erwartungshaltung in Bezug "ZEIT" entstanden.
Meine Meinung zur ZEIT deckt sich mit diesem Beitrag.
Ich würde mich freuen, wenn ich sie korrigeren könnte.
Ich verstehe nicht genau was du mir sagen willst. Ich habe den ellenlangen Text jetzt nicht gelesen. Aber Zeitung lesen ist zumindest für mich keine Einbahnstraße ,sodass ich durchaus manchmal in der Lage bin über gelesenes nachzudenken und sogar zu distanzieren.

Ich werde die Zeit irgendwann mal für 1 Jahr abonieren und dann mal sehen; )

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 12:57
von Evgenij
Dietrich hat geschrieben:[...]
Also ich finde, jemand der aus Russland kommt, aber schon etliche Zeit in Deutschland wohnt gar keine schlechte Besetzung für diese Aufgabe.

Er weiß mehr über Russland als die meisten Deutschen über die er sich ein Urteil bildet, ist aber trotzdem nah genug an den Deutschen dran, um sie genau zu studieren.

Das einzige Problem ist höchstens, dass seine Meinung sich nicht mit deiner deckt.....
Dein Vorwurf mag in erster Linie auch berechtigt sein.., nur man müsste die Sache sich etwas „breiter“ ansehen..

Mag zwar nichts „schlechtes“ daran sein, so ein russ. Background zu haben und vllt. auch gar als eine notwendige Bedingung hierfür betrachten, nur ist (muss) diese keinesfalls auch eine hinreichende.

Ich werfe ihm z.B. nicht vor, dass er etwa nicht meiner Meinung ist (Gott möge ihm und mir es erlauben), sondern dass der vllt. nicht ganz im Bilde sei (zB. Putin betreffend), was die aktuelle Situation hier anbelangt, und/oder aber auch generell Russland betreffend.
--> Generell beruht so ziemlich vieles in unserem Leben auf „Informationsasymmetrie“ – kann da nur geholfen werden , die Augen etwas „breiter“ zu öffnen (-> „Eyes Wide Shut“) :lol:

Ich (sage ja nur) vermute, dass wenn man seit mehreren Jahren nicht mehr im Lande ist, und sich nicht mehr in dem gesellschaftlichen Kontext ‚aktiv‘ befindet, sprich: Hier keine Familie, keine Arbeit, kein soziales Umfelde etc. hat, wird/würde echt schwierig sein, sich ein „objektives Urteil“ zu bilden und dieses auch noch nach außen hin „korrekt“ zu vermitteln (kann einfach schlicht falsch sein).
Die Deutschen, die aber (traditionell) schon lange hier leben, Familien haben, Geschäfte machen etc., haben da viel besseres Bild über Russland als irgendeiner (da spielt dann der Background oder gar Nationalität beim derjenigen fast keine Rolle mehr – zumal auch noch seine Erfahrung Jahrzehnte lang zurück liegt), für so etwas braucht man „ihn“ oder „mich“ schon gar nicht!!

Es ist auch in etwa so, als ob man als qualifizierter Hochschulabsolvent sich in Sachen (Weiter-)Bildung zur „Ruhe“ setzt und nichts mehr macht, und aber weiterhin (mit der Zeit) glaubt/von sich überzeugt ist – ein „toller Kerl“ zu sein.
Ist ja bekanntlich, dass die Halbwertszeit vom Wissen(bestand) ca. nur 5 Jahre beträgt!!


Dass ist(meistens) auch ein Trugschluss, zu glauben, dass sich als in DE lebender Deutscher in Sachen Russland über (irgend)einen Russen (der auch noch [zufällig] in DE lebt) mit „seinen Kenntnissen“ über Russland gut identifizieren könn(t)e!
Denn selbst bei vielen Russen, Russlanddeutschen etc., die zu früherer Zeit gen EU auswanderten, der russ. „Kontext“ nicht (mehr) so nah wie man es sich vllt denken könnte, da man dann in der Regel (viele Probleme) habe(n) (kann), und eher danach trachte(n) (sollte) (idealerweise so) in den „neuen“ deutschen Kontext eingebunden zu sein (-> wohl war, nicht jedem (wird)/ ist es (zu) gelingen). Im Zuge eines Lebens im (nenne ich das jetzt so) „Exils“ können bei einem eher „surreale“/ eigene Welt im Kopf entstehen, welche nicht unbedingt mit der realen (russischen) Welt übereinstimmen, und sich eher aus paar Erinnerungsbrocken/Sehnsüchten etc. zusammensetzen tut.

Wie gesagt:
Die Deutschen können das „untereinander“ da auch ganz prima weitergeben (wie z.B. hier im Forum - spricht sich ja vieles und schnell herum).
Oder aber als Option ist ja jedem freigestellt, ohne (auf) irgendjemand zu hören, einfach mal sich ein Ticket nach RUS buchen/hierhin reisen und/um quasi aus erster Hand selber alles zu erfahren/erleben.


Zurück zum Boris:

Da (müssen wohl) bei ihm - meiner Meinung nach - viele andere Faktoten mit rein spielen:

1. Ist ja nicht ohne Grund so etwas, dass er dem damaligen Russland (seiner Heimat) den Rücken kehrte..

2. Wenn dies aber aus dem Hass/Kränkung/Beleidigung heraus geschehen war (ist ja bekannt, dass sowass kein guter Ratgeber ist), kann er nicht mehr „vorurteilsfrei“, „unbefangen“ etc. sein.

3. Er den Deutschen (aus seinem Umfeld) gerade Übel nimmt, dass sie viel eher (besser) in/über Russland Bescheid wüssten; DA ER JA FÜR ALLES RUSSISCHE DER ANSPRECHPARTNER (LOGISCHERWEISE) DEM DENKEN NACH SONST WÄRE/SEIN SOLLTE und sich (nun) deshalb (т.к. он не удел) quasi darauf aufbauend ein gewisser „latenter“ Hass/Neid auf sie aufbauen konnte, und er nur mit seinem Werk als (kleiner) „Racheakt“ nun zum Vorschein treten möchte..

Allgemein:

Jeder, der hier lebt (freiwillig oder nicht) und dieses Land „hasst“ – wäre echt gut beraten dieses Land (aber auch generell gelte sowas für jeden in ähnlicher Situation) zu verlassen.., nicht weil ich es so meine, sondern seiner/ihrer eigenen „Gesundheit/Psyche“ wegen..

Hatte ja an anderer Stellt bereits (ähnliches) berichten können:
--> http://www.colta.ru/articles/society/14 ... 5648628662

Nach so vielen Jahren, die sie hier verbracht hatte, ist sie dann zurück nach DEU und konnte NUR was Negatives über Russland berichten.., womöglich da sie letztendlich es nicht schaffte „RUS“ zu verstehen (es nicht wollte) und/oder nur ihre deutsche „Matrix“ überall anlegte (hat anlegen wollen) und daher das Ganze misslungen ist/war (-> «Что русскому хорошо –, то немцу смерть» oder so)

Ähnlicher Fall beim -> „Boris Reitschuster“

Da Du vielleicht in dieser sog. Ambivalenz: „Man könne Russland entweder lieben oder hassen“ - verfangen zu sein scheinst.., hast in Dir (kann mich aber auch irren) dieses „Hassliebe“-Gefühl bzgl. Russland aufgebaut..

Grüße,
Evgeny

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 13:24
von Dietrich
Auch wenn das hier von manchen immer und immer wieder behauptet wird:
Ich hasse Russland nicht!
Wie und wieso sollte man auch ein Land hassen? Was hasst man dann? Die Landschaft? Die Städte? Alle Menschen?

Ich hasse weder die Menschen noch die Städte, noch die Wiesen und Felder und was es noch so alles an Landschaftsformen gibt.

Ja, ich bin absolut nicht mit der aktuellen Politik der russischen Regierung einverstanden. Hasse ich Putin? Vielleicht. Wobei "hassen" immer was persönliches hat. Und da habe ich eigentlich keine emotionale Verbindung zu Putin. Also "hassen" wohl eher nicht.
Liebe ich Putin? (um auf den Titel dieses threads zurück zu kommen) Garantiert nicht.

Warum ich nicht mit der aktuellen Politik nicht einverstanden bin, habe ich in etlichen tausenden Sätzen hier oft genug beschrieben, wird aber oft (absolut sinnenstellt) nur als "Nato-Troll" kategorisiert.
Übrigens von den genau den Leuten, die Schumatsky mit Bestürzung in seinem Essay charakterisiert. Und da würde ich seine Begründungen jetzt nicht als 100% korrekt bezeichnen (zumal ich das Buch noch nicht gelesen habe), aber es geht schon in die richtige Richtung.

Aber STOP. Wir sind hier nicht im politischen Bereich.
Wundert mich soundso, warum dieses Thema hier angesiedelt ist.

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 13:35
von Evgenij
Dietrich hat geschrieben: Wundert mich soundso, warum dieses Thema hier angesiedelt ist.
Aber 'Liebe' sollte man doch von der 'Politik' trennen, oder nicht?? :D :lol:
(Es sei denn, man ist in die Politik verliebt)

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 14:38
von zimdriver
... wie lieblich das klingt ...
Dietrich hat geschrieben:...
Ich hasse weder die Menschen noch die Städte, noch die Wiesen und Felder und was es noch so alles an Landschaftsformen gibt.
....

Erich Mielke, 13.11.1989, vor der DDR- Volkskammer:
"Ich liebe - Ich liebe doch alle - alle Menschen - Na ich liebe doch - Ich setzte mich doch dafür ein!".
Quelle

Unsere Heimat, ein Lied der Pionierorganisation Ernst Thälmann:
Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer,
Unsere Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
Unsere Heimat ist das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld,
Und die Vögel in der Luft und die Tiere der Erde
Und die Fische im Fluß sind die Heimat.

Und wir lieben die Heimat, die schöne
Und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört,
Weil sie unserem Volke gehört.
Quelle

... das musste gerade mal raus, bei der schönen Vorlage

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 14:46
von Dietrich
Evgenij hat geschrieben:Da Du vielleicht in dieser sog. Ambivalenz: „Man könne Russland entweder lieben oder hassen“ - verfangen zu sein scheinst.., hast in Dir (kann mich aber auch irren) dieses „Hassliebe“-Gefühl bzgl. Russland aufgebaut..
Genau dieses "entweder lieben oder hassen" wird doch genau dann als Maßstab angesetzt, wenn man mich als Russlandhasser bezeichnet.
Eben nicht von mir!

Wenn ich über Putins Politik diskutiere, dann muss ich nicht in jedem dritten Satz irgendwas über meine positiven Erlebnisse in Russland einstreuen. Dann geht es um das Thema und bei dem ist meine Einstellung nun mal negativ.
Ja, ich hasse es, wie Russland im Moment Politik macht. Wie Putin all das zerstört, was seit 1990 an Vertrauen und Zuneigung aufgebaut wurde.

Als ich 2002 meine Frau kennenlernte, war Russland für mich ein europäisches Land mit einer schweren Vergangenheit. Wenn meine Frau von den schweren Jahren erzählte, dann dachte ich daran, wie gut es mir in der Zeit ging. Während meine Frau stundenlang irgendwo in der Kälte anstand, ohne zu wissen was es da überhaupt zu kaufen gab, bin ich nach der Schule in die Bäckerei um mir was Leckeres zu kaufen, danach nach Hause an den reichlich gedeckten Mittagstisch und danach habe ich mit meinem Kumpel am Computer gespielt oder wir waren draußen unterwegs. Was ein Gegensatz!
Aber Russland war für mich eindeutig auf dem richtigen Weg. Ein Weg der Schritt für Schritt weiter in Richtung Demokratie geht. In Richtung friedlicher Zusammenarbeit mit den restlichen Ländern in Europa. Klar gab es Probleme. Der Kapitalismus war in einigen Bereichen zu ungezügelt und durch Korruption und fehlende Rechntssicherheit war er oft auch nicht nur positiv.

Und dann kam Putins unsägliche Volte mit Medvedev und sehr viel von dem wurde zerstört.

Ja, das hasse ich, was dort passiert ist und noch passiert. Weil es auf mittlere/lange Sicht für Russland schlecht ist. Für die "normalen" Russen.

Aber Russland.... das hasse ich nicht. Denn dann wäre es mir egal, was Putin den Menschen dort antut. Ist es aber nicht.

Re: Warum wird PUTIN so geliebt?

Verfasst: 06 Sep 2016, 17:08
von Dietrich
Und zum Beispiel glaube ich kaum, dass ein Viktor Shenderovich zum Beispiel sein Land "hasst":
http://www.unian.info/politics/1504603- ... -that.html
"Verstehen" tut er es wahrscheinlich auch mehr als die meisten, denn er beschäftigt sich bereits sein ganzes Leben lang damit.