saransk hat geschrieben:Wladimir30 hat geschrieben:Erstens ist hier viel Bangemacherei dabei. Es ist nicht alles schlimm in Russland, auch das Gesundheitssystem nicht.
Das kommt halt immer auf die Krankheit an. Einen Beinbruch zu gipsen ist ja nicht unbedingt das Problem. Das klappt hier wie dort mehr oder weniger reibungslos. Interessanter, oder halt auch bedenklicher, wird es bei den sogenannten "Alterskrankheiten".
Wenn der Krankenwagen nach einem Schlaganfall aber viel zu lange braucht
Genau darum geht es. Nicht um eine Grippe, ne abgerissene Fingerkuppe oder eine Weisheitszahnbehandlung. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (inklusive Schlaganfall) und Krebs sind die Krankheiten an denen mehr als 2/3 aller Menschen in den Industrieländern sterben. Im einen wie im anderen Fall ist Russland im Vergleich zu anderen Industriestaaten besonders schlecht aufgestellt.
Die damals 1-jährigen Nichte meiner Frau ist vor eineinhalb Jahren an einem Weichteilsarkom erkrankt. Die Chancen in Deutschland wären bei einer frühen Diagnose sehr gut gewesen. In der Moskauer Privatklinik konnte man zwar die Diagnose stellen, ihr aber nicht helfen, so dass die Cousine meiner Frau weit mehr als 100.000 Euro zusammenbekommen musste um die Behandlung in Deutschland (Tumorzentrum Essen) sowie den mehrmonatigen Aufenthalt zu finanzieren. Bis das Geld durch Crowdfunding sowie den Verkauf einer kleinen Eigentumswohnung zusammenkam und die Behandlung endlich starten konnte verging fast ein Jahr. Die Prognose hatte sich bis dahin deutlich verschlechtert. Ausgang ist offen...
m1009 hat geschrieben:
Dann wuerde ich vorschlagen... nie ins Ausland, schon gar nicht oestlich von Oder-Neisse. Oder gar suedlich Wien/Zuerich/Basel. Auf keinen Fall in ein Auto steigen. Strassen im Allgemeinen meiden.
Letztendlich ist jeder seines Glueckes Schmied. Wohnorte an der Anzahl der Minuten, die der Notarztwagen zum Einsatzort braucht, auswaehlen... Nun ... das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.
Es geht in den Beiträgen oben nicht um die Beseitigung aller Risikofaktoren und das weißt du auch. Russland befindet sich in Punkto Lebenserwartung im letzten Viertel der Staaten der Erde. Und daran ist nicht nur der hohe Alkoholkonsum sowie die Ernährung, sondern auch die katastrophale medizinische Versorgungslage Schuld.
Es muss natürlich jeder Mensch mit sich selbst ausmachen, welche Prioritäten man im Leben setzt und wie wichtig ihm eine vernünftige Gesundheitsversorgung im Alter ist. Wenn man damit umgehen kann, dass die Chance enge Familienangehörige auf Grund medizinischer Mangelversorgung (langsame Krankenwagen/Rettungshelikopter, fehlende Stroke-Units, fehlende Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, schlecht ausgebildete Ärzte) zu früh zu verlieren deutlich höher ist, weil andere Lebensfaktoren diesen Missstand ausgleichen, spricht ja nichts gegen ein Leben in Russland. Für mich ist, neben persönlichen Entwicklungschancen (u.a. erfüllende Jobs, Bildungsmöglichkeiten ect.) für mich und meine Familie, die Gesundheit einer der Faktoren, bei denen ich keine bzw. wenig Abstriche machen möchte.