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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 21:37
von Zejtnot
Kleine Beispiele bei der Schwangerschaftsbetreuung bei uns:
* Immunoglobulin D gegen einen Rhesuskonflikt war in Novosibirsk bei unserem ersten Kind schlicht nicht lieferbar. Gar nicht. Haben wir mit Hilfe des Forums dann aus Moskau mit Kurier besorgt. Bei beiden Kindern mussten wir diese Vorsichtsmaßnahme, die bei einer nachfolgenden Schwangerschaft lebenswichtig für Mutter und Kind werden kann, selbst bezahlen.
* In der Familie meiner Frau haben bislang alle Mütter spät entbunden. Auch meine Frau war 5 Tage über dem Termin und der Arzt wollte deswegen die Geburt mechanisch einleiten. Das ist eine Lehrbuchmeinung von 1960. Als wir protestierten: "Soll ich Ihnen Bilder von toten Kindern zeigen? Entweder sie glauben mir und machen, was ich sage, oder sie müssen sich einen anderen Arzt suchen!" Haben wir dann gemacht.
* Eine andere Ärztin meinte in der Geburtsvorbereitung ungefragt zu uns: "Alternative Geburtsmethoden? Im Wasser? Sind wir Frösche oder Menschen?"
St. Petersburg ist da inzwischen sicher weiter, aber in Sochi würde ich mich eher auf solche Dinge einrichten ...
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 21:50
von russland2020
Das ist leider wirklich etwas schockierend. ich war früher schon mal in einer kleineren Stadt mit 500000 Einwohnern, die fand ich auch relativ normal. Gut nicht so sauber wie in den meisten deutschen Städten...aber grundsätzlich in Ordnung. Mit der Sauberkeit und dem Umweltbewusstsein ist mir schon ein Unterschied aufgefallen....aber nicht so krass wie jetzt hier im Video. An solche Zustände würde ich mich wohl nicht gewöhnen können bzw. ich könnte mich nicht wohlfühlen. Danke für die Info.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 21:56
von russland2020
Danke für die Hinweise Zejtnot...ich hätte echt vermutet das Sochi vom Standart wie St. Petersburg ist.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 21:59
von Wladimir30
Axel hat geschrieben: 07 Okt 2020, 20:50
Das meinen wir mit Kulturschock
Das meint Axel mit Kulturschock.
Ich (und vermutlich nicht nur ich alleine) meine damit etwas ganz anderes. Umgangsformen, Konfliktlösungsstrategien, das Empfinden dessen, was als Konfliktpotential erachtet wird, das Wertesystem dessen, was als wichtig und erstrebenswert erachtet wird. Das alles kann zunächst zu Unverständnis führen, dann zu Missverständnissen, die sich zu Konflikten aufschaukeln, weil Dinge, die als selbstverständlich angesehen und deshalb auch nicht thematisiert werden, weshalb sie unter der Oberfläche der bewussten Wahrnehmung weiter gären.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 22:19
von m5bere2
kamensky hat geschrieben: 06 Okt 2020, 21:49
Existiert in Russland bzw. Deutschland kein sogenanntes Frauen- bzw. Mannesgut, oft auch Eigengut genannt? Dabei handelt es sich um Vermoegen jeglicher Art, was die Eheleute zuvor (also vor der Eheschliessung ) hatten.
Gibt es. Aber ich schrieb ja "was in der Ehe angeschafft wird". Damit die Wohnung tatsächlich nur der Frau gehört, müsste sie nachweisen, dass die Wohnung aus Mitteln gekauft wurde, die sie schon vor der Eheschließung hatte.
Ins "Eigengut" fällt auch Geerbtes, z.B.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 07 Okt 2020, 23:10
von Zejtnot
Wladimir30 hat geschrieben: 07 Okt 2020, 21:59Ich (und vermutlich nicht nur ich alleine) meine damit etwas ganz anderes. Umgangsformen, Konfliktlösungsstrategien, das Empfinden dessen, was als Konfliktpotential erachtet wird, das Wertesystem dessen, was als wichtig und erstrebenswert erachtet wird.
Was mir auffällt: Personen, die aus eigener Überzeugung und aus Interesse nach Russland kommen, fühlen sich meist sauwohl. Personen, die entsannt werden, reagieren auf viele Details hingegen genervt und negativ. Dies hängt einfach auch damit bereit, wie sehr man bereit ist, sich einer fremden Kultur zu öffnen und Dinge zu akzeptieren, wenn sie in anderen Kulturen nicht wie gewohnt laufen.
Sei es das Abwaschen unter laufendem Wasser weil nicht abgewaschenes Spülmittel krebseregend sein könnte. Siezen der Schwiegereltern. Nasehochziehen statt ins Taschentuch schnauben. Wirklich Kleinigkeiten, wo Russland aber schlicht anders tickt als man es gewohnt ist.
russland2020 hat geschrieben: 07 Okt 2020, 21:56Danke für die Hinweise Zejtnot...ich hätte echt vermutet das Sochi vom Standart wie St. Petersburg ist.
Sochi ist Provinz. Bis vor wenigen Jahren noch 200.000 Einwohner - das fällt unter Kleinstadt. Jetzt 500.000, aber dennoch keine Metropole. Im Sommer brummt es durch Touristen. Im Winter ist nebenan in Krasnaya Polyana noch etwas Leben. Aber von der touristischen Infrastruktur abgesehen ist es immer noch ein Kaff. Ich habe beruflich ein wenig mit Sochi zu tun - bei der Bürosuche oder auch der (privaten) medizinischen Versorgung merken wir den Unterschied zu Novosibirsk deutlich.
Aber grundsätzlich ist es ein sehr lebenswerter Ort. Sauber, gepflegt, warm, Skigebiet um die Ecke. Nur den Strand mag ich in Sochi nicht - Beton und Steine.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 08 Okt 2020, 09:00
von Wladimir30
russland2020 hat geschrieben: 07 Okt 2020, 21:56 ich hätte echt vermutet das Sochi vom Standart wie St. Petersburg ist.
Auch wenn es sich in den letzten Jahren ändert, aber grundsätzlich gilt, dass (fast) alles, was außerhalb Moskaus und St.-Petersburg ist, Provinz ist. Noch vor wenigen Jahren war es so, dass man sofort, sobald man aus Moskau rauskam, einen gewaltigen Unterschied bemerken konnte, der Unterschied war richtig krass. Prinzipiell gilt das aber heute noch. Es stimmt schon, eine Stadt mit 200.000 Einwohnern kann man getrost als Provinzstadt bezeichnen
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 08 Okt 2020, 09:51
von m1009
Wladimir30 hat geschrieben: 08 Okt 2020, 09:00
Es stimmt schon, eine Stadt mit 200.000 Einwohnern kann man getrost als Provinzstadt bezeichnen
ALLES ausserhalb Moskau/MOB und Piter ist Provinz. Unter 500? Ein Kaff.
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 08 Okt 2020, 11:14
von saransk
Wladimir30 hat geschrieben:Ich (und vermutlich nicht nur ich alleine) meine damit etwas ganz anderes. Umgangsformen, Konfliktlösungsstrategien, das Empfinden dessen, was als Konfliktpotential erachtet wird, das Wertesystem dessen, was als wichtig und erstrebenswert erachtet wird. Das alles kann zunächst zu Unverständnis führen, dann zu Missverständnissen, die sich zu Konflikten aufschaukeln, weil Dinge, die als selbstverständlich angesehen und deshalb auch nicht thematisiert werden, weshalb sie unter der Oberfläche der bewussten Wahrnehmung weiter gären.
Deshalb scheitern ja auch immer wieder binationale Ehen. Nicht nur zwischen Deutschen und Russen. Im Rausch der ersten Gefühle/in den ersten Jahren fällt vieles nicht auf oder wird nicht thematisiert. Spätestens wenn aber Kinder da sind oder eingeschult werden droht ein solcher Kulturschock, wenn einer der beiden mit den Maßstäben oder Vorstellungen seiner alten Heimat an die Sache rangeht. Es geht dann nämlich nicht nur um 1+1, sondern auch um andere "banale" Sachen wie Kindergeburtstage oder dunkelhäutige Mitschüler.
Wladimir30 hat geschrieben: 08 Okt 2020, 09:00Es stimmt schon, eine Stadt mit 200.000 Einwohnern kann man getrost als Provinzstadt bezeichnen.
Stimmt. Saransk ist von der Einwohnerzahl so groß wie Augsburg. Von der Fläche aber eher wie ein größeres Dorf, und vom lebensgefühl "mein kleines schnuckeliges Kaff". Dagegen ist Augsburg eine richtige Großstadt mit Streß und Hektik und Unübersichtlichkeit
Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft
Verfasst: 08 Okt 2020, 16:54
von Axel
saransk hat geschrieben: 08 Okt 2020, 11:14
Es geht dann nämlich nicht nur um 1+1, sondern auch um andere "banale" Sachen wie Kindergeburtstage oder dunkelhäutige Mitschüler.
Soll das ne Unterstellung sein, dass Russen rassistischer als Deutsche sind ? Erst vor paar Wochen wurde publik, dass viele NRW-Beamte über Whatsapp Hitlerbilder verschickten und über Flüchtlinge hetzten, vor einem Jahr wurde Walter Lübcke von einem Neonazi ermordet, in Halle hat ein Neonazi versucht eine Synagoge zu stürmen und Juden zu töten, in Schleswig-Holstein gibt es Bootcamps für identitäre Bewegung und andere rechte Ableger. Ganz ehrlich: Seit dem Einzug der AFD in den Bundestag ist doch spätestens auch bei uns Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig geworden, da mit dem Finger auf Russland zu zeigen finde ich einfach absurd und lächerlich.