Packerowski hat geschrieben: 13 Mär 2024, 23:58
Es steht da etwas davon willkürlichen Verhaftungen, von Kampfhandlungen und Entführungen im Kaukasus und davon, alle in Russland befindlichen Deutschen sollten besser mal ausreisen. Und genau das empfinde ich als
intellektuelle Beleidigung.
Muss echt nicht so sein bzw. oft hat sowas keine tiefgründige Bedeutung oder Absicht.
Im Grunde basiert das Ganze auf simplen Grundpostulaten:
In Kurzform: es ist der Gesamt-/Lage geschuldet und die Fronten verhärten sich immer mehr.
… etwas ausführlicher:
1. Schlampigkeit bei der Ausführung des Jobs; völliges Desinteresse für/um Russland
- Beamte sind auch nun mal nur Menschen, erhalten ‘von oben’ den Auftrag irgendwelche Warnungen auszugeben, da prüft auch keiner genau nach, ob die Lage der wirklichen Objektivität entspricht oder nicht.
- Oft ist es aber auch so, dass man die Lage nicht bzw. nur schlecht einschätzen kann (immerhin befinde man sich in einer besonderen Situation, die es vorher so in der Form noch nie gegeben hat, daher auch die Erfahrungswerte schlicht fehlen) und es nur pro forma gemacht wird.
- Da sitzt irgendein Sachbearbeiter vorm PC und setzt es, indem er die paar Phrasen eintippt, um und fertsch.. Da macht es sich auch keiner die Mühe, jedes Mal den ganzen/langen Text aufs Neue zu revidieren.
- Seitdem der Kurs auf beiden Seiten auf Konfrontation ausgerichtet ist, wo kein gegenseitiges Vertrauen mehr gibt (auf fast allen Ebenen), geschweige denn Respekt besteht, werden solche kleine Tätigkeiten als unbedeutend bzw. nebensächlich erachtet und somit nicht mehr “ordentlich” ausgeführt, ja es einfach für “zu lässig” genommen wird.
2. Zu einem gewissen Maß ist aber auch der “Eigennutz” ganz bestimmt mit dabei.
- Nach dem Motto “Ich machs vorsichtshalber/für alle Fälle" (“про запас”/ на всякий случай) ...
Kurzum - “Vorsicht ist besser als Nachricht” und muss mich hinterher quasi um nichts mehr kümmern (wenn der Fall ja nicht eingetreten ist/nicht eintreten kann) etc.
3. Der neue Botschafter
- Des Weiteren darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Botschafter erst ziemlich frisch seinen neuen Posten bekommen/bezogen hat (nur ein halbes Jahr im Amt), und noch keine richtige ‘Handlungsmuster’ (welcher Art auch immer) sich herauskristallisiert haben oder eben einer sich von anderen “Ideen” und Vorstellungen leiten lässt bzw. an anderen ‘Subjekten’ samt Umständen gebunden ist.
4. Keine Allgemeingültigkeit
- Es war ja auch schon vorher (noch zu friedlichen Zeiten) nicht der Fall gewesen, dass alle Reiseinfos/-Warnungen zu 100% mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Sondern eher allgemeiner Natur, aus der bürokratischen (Beamten-) Sicht und basierend auf der öffentlichen u. zwischenstaatlichen (nicht aber zwischenmenschlichen) Ebene waren.
- Wohlwissend (sowohl vonseiten des Staates als auch von jedem einzelnen Bürger), dass jedwede Empfehlungen keine Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen können und eher dem Grundsatz entspricht: kann einen treffen, muss aber nicht…
5. ‘Aus eigenem Verschulden’
- Ich sag jetzt etwas provokativ:
“Ihr Deutschen (mich eingeschlossen) seid doch selber daran schuld, wenn Ihr ständig/jedes Mal auf die Website vom Auswärtigen Amt rennt, sich in (irgend) eine Deutschenliste eintragen lässt (kurzum: “deutsche Denke” walten lässt etc.) bevor man eine Reise unternimmt und darauf vertraut, was da alles geschrieben steht… und dann plötzlich enttäuscht da steht, wenn etwas der eigenen Wahrnehmung nicht entspricht."
- Ich kann mir nun wirklich ganz schwer bspw. bei einem Russen vorstellen (würd mich echt wundern), wenn der sich ebenso so ausgiebig vor der Reise informieren, Website von Mid aufsuchen etc. tät, wie ein Deutscher es tut.
Der Russe traut (nur) seiner eigenen Wahrnehmung, und tut es (falls er die Entscheidung getroffen hat) auch noch überzeugt, und zwar/auch ohne auf irgendwelche äußerlichen Faktoren Acht zu geben.
Abschließend:
Man kann ja auch im Vorfeld keine richtigen Prognosen abgeben, was nach den “Wahlen” alles passiert /passieren könnte. Dass da sich vieles ändert könnte (ohne ins Detail zu gehen), liegt ja fast schon auf der Hand.
Muss man aber jetzt schon (so deren mögl. Motivation) handeln u. darauf hinweisen bzw. pot. (noch nicht eingetretene) Gefahren u. Risiken berücksichtigt haben.
DaChefe hat geschrieben: Und vermutlich müssen diese Reisewarnungen auch immer etwas "dramatisch" klingen, sonst hält das ja keinen davon ab, doch hinzufahren.
Wird ganz sicher auch einer der Gründe sein.