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Verfasst: 03 Jul 2006, 11:28
von FabiRq
Ja, das da grundsätzlich viel Müll rumliegt, habe ich ja gar nicht bestritten. Ich dachte nur, ich hätte sowas wie eine Tendenz zum Umdenken feststellen können. Vielleicht habt Ihr ja aber auch recht, und es waren nur Ausnahmen... hoffentlich nicht :-)

FabiRq

Verfasst: 03 Jul 2006, 11:45
von Xottabych
Dazu euine kleine Geschichte:

Als ich in SPb gweohnt habe, lebte ich in einem Zimmer mit 2 anderen Russen. Eines Tages habe ich eine handvoll leere batterien angesammelt gehabt, und fragte in die Runde: "Kann man die getrennt vom restlichen Müll entsorgen?".

- "Du bist hier in Russland"
- "Das weiß ich, aber ich meine, Batterien, das ist doch Sondermüll"
- "DU BIST HIER IN RUSSLAND. Gib mal her"

Er nimmt die Batterien, öffnet das Fenster - und schmeißt sie auf die Straße.

Tja, wahrscheinlich ein extremer Fall?

Jedenfalls habe ich auch am Subbotnik mal beobachten könen, was man neben Laub so alles auf offener straße verbrennen kann, und das mitten in der Stadt: Hausmüll, Sofapolster, Altöl, Autoreifen...

Mann, man versuche soetwas mal in einer deutschen Stadt. Ich spekuliere mal auf eine Strafe von 5000 Euro.

Verfasst: 03 Jul 2006, 12:13
von Zeppelin
Dank Euch schon mal für die ersten Berichte.
Obwhl ich sporadisch auch solche Erfahrungen gemacht habe, wie Fabi, dürfte es sich dabei höchstens um erste zarte Entwicklungsansätze handeln.
Die eher negativen Aussagen von Euch decken sich ja mit dem allg. Bild.

@Dietrich: Tut mir leid, wenn ich die Antworten in der Umfrage womöglich nicht genau genug formuliert habe.
Danke Dir aber für Deine Info über die Papiercontainer. Ohne die erforderliche Infrastruktur und eine harte Umweltgesetzgebung nebst konsequenter Ahndung von Verstößen, ist mit Sicherheit nicht daran zu denken, dass die Leute sich ändern würden.

Die Frage der Einstellung der allgemeinen Bevölkerung hatte ich daher auch ganz weg gelassen.
Zunächst käme es wohl darauf an, eine aufgeschlossene Stadtverwaltung zu finden, die sich für die Einführung eines flächendeckenden Sammel-, Sortier- und Verwertungssystems einsetzt.
Von den Leuten die manuelle Mülltrennung zu erwarten, wäre wohl illusorisch. Aber es gibt ja heute derart moderne Sortieranlagen, dass das auch kaum noch nötig wäre.

Der Traum wäre es also, wenn man eine ganze Großstadt zu so einem Modellprojekt überzeugen könnte, bei dem man dann auch den Beweis antreten kann, dass sich das Ganze rechnet und man sich einfach wohler fühlt, wenn sich nicht in jeder Ecke der Dreck stapelt.

Wenn ich mir allein die gigantischen Mengen an PET-Getränkeflaschen vorstelle, die heute - gerade auch in der RF - in einer Millionenstadt anfallen, muss das schon ein mittleres Vermögen sein, sofern man den Kunstoff wiederverwendet, anstatt erst den ganzen aufwändigen Prozess vom Erdöl bis zur fertigen Flasche durchlaufen zu müssen... - Ganz abgesehen von gesparten Deponiekosten etc.

lG.
Zeppelin

Verfasst: 03 Jul 2006, 14:15
von Dietrich
Dazu noch eine Beobachtung in der Naehe unserer Metrostation (Orekhovo).

Dort wurden vor ca. 1 jahr (oder vielleicht 1 1/2) grosse Muelltonnen augestellt, die ausser einer Werbeflaeche noch 3 getrennte Kammern fuer Plastik, Papier und sonstigen Muell hatten. Also fast wie in D.
Vor kurzem wurden die wieder abgebaut. Wahrscheinlich wurden die Werbeflaechen nicht verkauft. Nach ein paar Wochen ganz ohne Muelltonnen stehen da jetzt viel viel kleinere. Auch mit 3 Kammern, aber aus Acryl, so dass man jetzt genau sehen kann, das die Leute sich UEBERHAUPT keine Muehe machen, die Sachen in die richtige Klappe zu schmeissen.
In allen drei Kammern sind sowohl Glasflaschen, als auch PET-Flaschen als auch Papier und Aludosen.

Schade.... aber eben Russland!

Dietrich

Verfasst: 03 Jul 2006, 14:49
von Zejtnot
Es gibt eine Mülltrennung, auch wenn nicht in der deutschen Form!

Auf den Müllhalden verdienen sich die Direktoren eine goldene Nase, in dem sie Obdachlosen sortierten Müll abkaufen. Die Stadt kippt also alles auf die Halde und die Obdachlosen suchen dann alles raus, was sich am Rand der Kippe wieder in Geld verwandeln lässt. Offiziell machen sie das natürlich illegal, damit keiner haften muss, wenn einer der Obdachlosen mal aus Versehen unter der nächsten Mülllieferung landet oder in eines der unzähligen Feuer auf den Müllkippen stolpert.

Dieser kleine Exkurs in die russische Realität macht Eines klar: In diesem Markt etwas Legales aufzubauen, geht nur mit verdammt guten Beziehungen! Denn mit einer legalen Mülltrennungsanlage nimmt man den Direktoren mit der goldenen Nase das Geschäft weg.

Ferner braucht man Abnehmer, die ordentlich getrennten Müll kaufen wollen. Arbeitsschutz und eine beheizte Halle kosten Geld!

ABER GANZ IM ERNST: Wenn Du eine konkrete Idee hast, das Thema anzugreifen, maile mir mal. Ich würde so ein Gedankenspiel gern ein wenig weiter entwickeln. Wie Du siehst, habe ich mich damit bereits beschäftigt!

Verfasst: 03 Jul 2006, 16:00
von CSB_Wolf
@ waldmeister
Er nimmt die Batterien, öffnet das Fenster - und schmeißt sie auf die Straße.


Bild

Gruss
Wolf

Verfasst: 03 Jul 2006, 18:03
von Zeppelin
Zejtnot Schott hat geschrieben:Es gibt eine Mülltrennung, auch wenn nicht in der deutschen Form!

Auf den Müllhalden verdienen sich die Direktoren eine goldene Nase, in dem sie Obdachlosen sortierten Müll abkaufen. Die Stadt kippt also alles auf die Halde und die Obdachlosen suchen dann alles raus, was sich am Rand der Kippe wieder in Geld verwandeln lässt. Offiziell machen sie das natürlich illegal, damit keiner haften muss, wenn einer der Obdachlosen mal aus Versehen unter der nächsten Mülllieferung landet oder in eines der unzähligen Feuer auf den Müllkippen stolpert.

Dieser kleine Exkurs in die russische Realität macht Eines klar: In diesem Markt etwas Legales aufzubauen, geht nur mit verdammt guten Beziehungen! Denn mit einer legalen Mülltrennungsanlage nimmt man den Direktoren mit der goldenen Nase das Geschäft weg.
Davon habe ich auch schon oft gehört und sehe das als eines der größten Hindernisse. Deshalb haben ja auch die Firmen, die ich hier dazu angefragt habe, nur abgewunken.
Die Mülldirektoren dürften sicher über beste Verbindungen zu den Stadtverwaltungen verfügen...
Ich denke es dürfte nur funktionieren, wenn man so einen Abfallbaron mit ins Boot bekäme, aber ich selbst bin der Letzte, der so etwas organisieren könnte.
Ferner braucht man Abnehmer, die ordentlich getrennten Müll kaufen wollen. Arbeitsschutz und eine beheizte Halle kosten Geld!

ABER GANZ IM ERNST: Wenn Du eine konkrete Idee hast, das Thema anzugreifen, maile mir mal. Ich würde so ein Gedankenspiel gern ein wenig weiter entwickeln. Wie Du siehst, habe ich mich damit bereits beschäftigt!
Konkrete Ideen habe ich im Moment nicht. Die Umfrage diente auch vor allem dazu, mich mal zu erkundigen, wie sich die Lage inzwischen Entwickelt hat. Aber ich danke Dir für das Angebot und werde es bei Gelegenheit aufgreifen, wenn ich einen neuen Aufhänger finde.
Wie die verarbeitende Industrie als Abnehmer für Dosenschrott, PET-Schnitzel, Rohglas, Papier etc. eingestellt ist, kann ich natürlich auch nicht einschätzen.
Daher frage ich danach, ob evtl. die einheimischen Primärrohstoffe zu billig sind, als dass es ein Interesse an beireits aufbereiteten Ausgangsstoffen gäbe.
Soweit ich weiß, ist aber Metallschrott aller Art durchaus gefragt.

Gruß,
Zeppelin

Verfasst: 03 Jul 2006, 18:15
von Dave
Zeppelin hat geschrieben:Soweit ich weiß, ist aber Metallschrott aller Art durchaus gefragt.
Dieser nimmt aber seinen Weg zur Wiederverwertung nicht über
die "Hausmüllstrasse"...

Die Autos werden sowieso gesondert entsorgt, verwertet usw. und
der ganze Bauschrott ist i.d.R. schon vor dem Abriss verhöckert.

Das Problem Hausmüll und dessen Trennung lässt sich in RU nur
staatlich oder städtisch angehen. Als Privater oder als solches Unter-
nehmen bleibt meist nur der kostspieleige und garantierte Schiff-
bruch.

Aber ich denke dazu könnte Kollege M.-M. mehr erzählen, ich kenne
wie erwähnt nur die Situation im Bauwesen.

Und wenn wir privat bei uns in Moskau sind, dann wird effektiv alles
in die selbe Tüte geworfen und in den Container vor dem Haus ge-
bracht. Weiter habe ich diesen Weg nicht verfolgt...

..aber verbrannt oder sonstwie vernichtet haben wir noch nie etwas.

Dave

Verfasst: 03 Jul 2006, 18:37
von Zeppelin
Dave hat geschrieben:
Zeppelin hat geschrieben:Soweit ich weiß, ist aber Metallschrott aller Art durchaus gefragt.
Dieser nimmt aber seinen Weg zur Wiederverwertung nicht über
die "Hausmüllstrasse"...
Ich denke da z.B. an Getränkedosen, Haushaltsgeräte etc. und natürlich nicht an Industrieschrott, Bauschrott etc.
Die Autos werden sowieso gesondert entsorgt, verwertet usw. und
der ganze Bauschrott ist i.d.R. schon vor dem Abriss verhöckert.

Das Problem Hausmüll und dessen Trennung lässt sich in RU nur
staatlich oder städtisch angehen. Als Privater oder als solches Unter-
nehmen bleibt meist nur der kostspieleige und garantierte Schiff-
bruch.
Deshalb schieb ich ja von der Verwaltung einer größeren Stadt, wobei man aber an den Müllbaronen nicht vorbeikommen wird.

Zeppelin

Verfasst: 03 Jul 2006, 19:08
von Oblomski
Ich kenne einige Häuser in Zentrum von Moskau, wo es bereits so was wie Ständer mit gelben Säcken gibt. Sie stehen dann im Treppenhaus neben dem Müllschacht, wo die Plastiktüten vom Supermarkt normalerweise landen. Ob es dort wirklich funktioniert, ist mir nicht bekannt. (@Dietrich: Gibts bei euch wirklich Papiertüten? Ich wohne 2 Stationen weiter (Krasnogwardejskaja) und habe hier noch keine gesehen).