Dossier ueber Beslan

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Glaubst du, was in dem Dossier steht?

Umfrage endete am 13 Sep 2006, 08:56

Ja, auf jeden Fall!
4
24%
Das meiste schon
6
35%
Einiges vielleicht
3
18%
Eher nichts
2
12%
Alles Luege!!
2
12%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 17

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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

barthez hat geschrieben: Die These, dass die Geiseln keinen interessiert hätten, halte ich schon für sehr gewagt. [...]
Allerdings ist es ein Widerspruch in sich, wenn man behauptet, das Hauptaugenmerk läge auf dem Sieg über die Terroristen, und die Geiseln spielten dabei eine untergeordnete Rolle.
Ich wage sogar zu behaupten, dass vielen Politikern eine Geiselbefreiung mit ein paar toten Kindern (muessen ja nicht gleich soviele sein) lieber ist als eine, bei der es ausser den Terroristen keinen erwischt. Alleine um danach viel effektiver Innenpolitik gegen alle moeglichen Terroristen machen zu koennen.
Vom 9.11. und von Beslan spricht man noch in 10 Jahren. Die verhinderten Anschlaege in London, bei denen keiner ums Leben kam sind in 2 Jahren vergessen. Schaut euch an wie schwer sich die Politiker z.B. hier in Deutschland zur Zeit tun, aufgrund der London-Sache neue Verschaerfungen durchzubringen. Waeren 5-6 Flugzeuge explodiert, waere das Alles schon beschlossene Sache.

Dietrich
Bephep

Beitrag von Bephep »

barthez

>>Aber einen Staat anfang der 70er mit einem Staat Mitte 2000 gleichzusetzen, ist ebenso unfair - unzwar in beide Richtungen!<<< es gibt keinen Staat 33-72.
Das ist ebenso unfair.

Die Aufklaerungsarbeit in DE ist nicht besser.Wenn das BKA einen Verdacht hat das jemand Terrorist ist erfaehrt das kein Polizeibeamter.Der ist vorher nicht informiert wenn er das Auto eines Verdaechtigen kontrolliert.Es war nur Glueck das die Bomben nicht explodiert sind.

Der Libanese,der die Visaeinladung fuer einen Bombenbauer beantragt hat ,war schon mehrmals im Visier der Fahnder.Trotzdem gab es ein Visum.

Warum wird in DE immer mehr ueberwacht,warum keine Fingerabdruecke von Menschen die einreisen.Dann haette man innerhalb von Stunden gewusst wer die Bombenbauer waren.

Jeden Tag in den Nachrichten,Bomben im Irak.30, 40, 50 Tote im Monat so um die Tausend.Glaubt da noch jemand mit fanatischen Muslimen verhandeln zu koennen.?
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

Paul hat geschrieben:
Zeppelin hat geschrieben:Weil die Befreiung der gefangenen Kinder ganz offenkundig nicht im Mittelpunkt der staatlichen Interessen stand, sondern ein glorreicher militärischer Sieg über die Terroristen unter gleichgültiger Inkaufnahme der Opfer. Ich frage mich, ob jemand der wie Paul argumentiert, genau so gleichmütig wäre, wenn seine Kinder im Rahmen von Maßnahmen von 'Sicherheitskräften' getötet worden wären.
Hihi, Zeppelin, genau solch eine Entgegnung hatte ich von Dir erwartet. :P Gangbare Alternativen hast Du natürlich nicht vorzutragen. Ich darf Dir versichern, daß ich noch nicht im postheroischen Zeitalter angekommen bin (und hoffentlich auch nie ankommen werde). Bei einer Geiselbefreiung geht es nicht um abstrakte Ziele, sondern um den Kampf gegen konkrete Terroristen. Letztere haben in einer solchen Situation leider das Heft des Handelns in der Hand. Ein Staat kann, egal wie er reagiert, fast nur verlieren.
...
Na dann hast Du mich ja schon recht gut kennengelernt Paul.
Bei einer Geiselbefreiung geht es eben primär um die Befreieung der Geiseln. Siehe z.B. Mogadishu http://de.wikipedia.org/wiki/Landshut_( ... 3%BChrung) Da hat der Staat keineswegs verloren, sondern gezeigt, dass die Bürger des Staates höchster Wert sind und nicht Kanonenfutter für die Durchsetzung politischer Doktrinen.

Deine Sichtweise erinnert hingegen eher an die Rechtfertigung der DDR-Regierung für die Mauer, den Schießbefehl und die dort Ermordeten.

Und daher ist es doch wohl sinnlos, Dir gegenüber alternative Vorgehensstrategien zu erörtern.
Du beantwortest ja auch nicht die Frage, ob Du Deine Kinder gern der Staatsräson opfern würdest. Und diese Unterlassung spricht Bände: Wahrhaft heroisch.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
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Saboteur
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Beitrag von Saboteur »

ich kann da Zeppelin nur Zustimmen. Die Geiselbefreiung beim Musical Nord Ost zu loben ist absolut lächerlich. Das Gesicht auf Kosten von so vielen Menschenleben zu bewahren ist unverhältnismäßig! Die Befreiung der Geiseln von Beslan hat über 300 Tote gefordert (laut aktuell.ru) auch das ist ein Desaster! Solche Geiselbefreiungen sind in anderen europäischen Ländern undenkbar! Das Relikt aus der Sovjetzeit, das mit Terroristen, Entführern, et nicht verhandelt wird hat bis jetzt überlebt! Um die Opfer wurde sich ein Dreck geschert...das reiht sich in eine längere Kette von solchen Ereignissen ein...ich sag nur die peinliche und eiskalte Vorgehensweise bei dem Untergang der Kursk...auch hier wurden die Menschenleben hinten angestellt! Ich glaube das wird sich in Russland auch so schnell nicht ändern, war ja schon immer so!

Klar gibt es in Deutschland nicht diesen Terrorismus, trotzdem ist Pauls Einstellung ziemlich menschenverachtend und emotionslos. Als nächstes kommt noch dass die Feldherren der roten Armee geniale Helden waren...lächerlich! Schukow hat in den Seelower Höhen 30000 Rotarmisten verheizt um das unabstrakte Ziel Berlin ein Deut schneller zu erreichen!

DER ZWECK HEILIGT NICHT ALLE MITTEL!


Wie kann eine alternative Geiselbefreiung abgelehnt werden wenn sie noch NIE ausprobiert wurde...

Wir sollten nicht vergessen das es immer um Menschenleben geht und welche Reaktion man sich wünscht wenn man selbst davon betroffen ist.
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...
Ralph
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Beitrag von Ralph »

Du weißt so lange nichts von einer Frau, bis du ihr vor Gericht begegnest... (Zitat: Norman Mailer, Norman Kingsley Mailer, amerikan. Schriftsteller, 1969 u. 1980 Pulitzer-Preis, 1923 - 2007)
Bephep

Beitrag von Bephep »

Zeppelin
>>Siehe z.B. Mogadishu<< da hat der Staat auch nicht durch Verhandlungen die Geiseln freibekommen.Sondern durch Gewalt.

Die Geiselbefreiung Nord Ost war deshalb ein Drama weil es fuer das Gas nicht sofort und ausreichend Gegenmittel gab und die Aerzte nicht wussten wie und was sie behandeln mussten.Also es war dilletantisch vorbereitet.Man kann aber auch sagen das den anderen Geiseln das Leben gerettet wurde.

>>Du beantwortest ja auch nicht die Frage, ob Du Deine Kinder gern der Staatsräson opfern würdest. Und diese Unterlassung spricht Bände: Wahrhaft heroisch.<<
das ist ein rethorisches Totschlagargument gegen Paul.Was wuerdest Du schreiben wenn er seine Kinder opfern wuerde.!!!!!!!!!!!

Saboteur.
>>Wie kann eine alternative Geiselbefreiung abgelehnt werden wenn sie noch NIE ausprobiert wurde...<<<
Weil es nie funktionieren wird.Wenn Basajew gefordert haette das Putin zurueck trtetn soll er Praesident von Russland wird und ALLE Russen Moslems werden sollten haettest Du dem zugestimmt.Das ist uebertrieben aber nach der driten erfolgreichen Geiselnahme waeren diese Forderungen gekommen.Bei wieviel Entfuehrungen wurde verhandelt,Loesegeld bezahlt und trotzdem ist der Entfuehrte ermordet worden.

Das Gladbecker Geiseldrama ist ein Beweis das verhandeln nichts bringt,die Geiselnehmer konnten in Hagen erschossen werden aber der damalige Innenminister Schnoor hat das verhindert.Er wollte weiter verhandeln,Ergebnis tote Geisel.

Es kann doch nicht sein das dem Staat die Schuld am Tod der Geiseln gegeben wird. Schuld haben die Geiselnehmer das sollte man nie vergessen.Die sind Menschenverachtend und die Schuldigen.
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

Bephep hat geschrieben:Zeppelin
>>Siehe z.B. Mogadishu<< da hat der Staat auch nicht durch Verhandlungen die Geiseln freibekommen.Sondern durch Gewalt.
(Sag mal, warum kannst Du Deine Zitate nicht kenntlich machen?)
Mogadishu: Ja, aber die war ausschließlich gegen die Terroristen gerichtet und keine Geisel kam zu Schaden.
Und wenn das Schlimmste eingetreten wäre, hätte die Bundesregierung mit Sicherheit in aller Form die gebotene Entschuldigung vorgebracht, und die Hinterbliebenen entschädigt.
Bephep hat geschrieben:Die Geiselbefreiung Nord Ost war deshalb ein Drama weil es fuer das Gas nicht sofort und ausreichend Gegenmittel gab und die Aerzte nicht wussten wie und was sie behandeln mussten.Also es war dilletantisch vorbereitet.Man kann aber auch sagen das den anderen Geiseln das Leben gerettet wurde.
Genau mit dieser Darlegung beantwortest Du die Kritik an den russischen 'Sicherheitsbehörden' doch selbst: Die russische Regierung hat erst auf massiven externen Druck hin zugegeben, dass es an diesen Gegenmitteln fehlte. Die überlebenden Geiseln haben es eben allein dem Glück und ihrer Konstitution zu verdanken, dass sie überlebten.
Das Gesundheits- und Katastrophenschutzwesen sollten schon darüber informiert sein, welche Kampfstoffe die übrigen 'Organe' der Staatsmacht einsetzen und mit den nötigen Gegenmitteln ausgestattet sein.
Bephep hat geschrieben:>>Du beantwortest ja auch nicht die Frage, ob Du Deine Kinder gern der Staatsräson opfern würdest. Und diese Unterlassung spricht Bände: Wahrhaft heroisch.<<
das ist ein rethorisches Totschlagargument gegen Paul.Was wuerdest Du schreiben wenn er seine Kinder opfern wuerde.!!!!!!!!!!![/
Ganz einfach - wenngleich der Konjunktiv hier fehl am Platze ist: Einerseits Kondolenz, andererseits die unangenehme Frage, wo jemand - wie der vermeintlich rhetorisch erschlagene Paul - seine Prioritäten setzt.
Wer Kadavergehorsam leistet ist für mich die persona non grata schlechthin!
Dagegen achte ich jede(n), der/die zum Wohle aller auch einen potenziellen Konflikt mit seiner Regierung nicht scheut!

Eine Rechtfertigung der angeblich unvermeidbaren Opfer von Terroranschlägen werde ich jedoch niemals akzeptieren!

Zeppelin
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Bephep

Beitrag von Bephep »

Zeppelin
>>(Sag mal, warum kannst Du Deine Zitate nicht kenntlich machen?)<<<
Ich benutze kein Windows.Daher <<<<<<<

>>>>>Und wenn das Schlimmste eingetreten wäre, hätte die Bundesregierung mit Sicherheit in aller Form die gebotene Entschuldigung vorgebracht, und die Hinterbliebenen entschädigt>>>>

Das mit Sicherheit.

Sicher habe ich Kritik an der Durchfuehrung der Geiselbefreiung,die Organisation war katastophal aber ohne Gewalt gegen die Geiselnehmer waeren vielleicht alle Geiseln gestorben.Aber wie schnell und wie gut kann man alles organisieren.So eine Geiselnahme hat es vorher noch nicht gegeben,darauf war niemand vorbereitet.

Man kann mit Terroristen nicht verhandeln,die wollen nur zeigen wie machtlos der Staat ist.Und auch den Staat ins unrecht setzen.Sie wollen Oeffentlichkeit und alle beim Geiseldrama Nord Ost waren bereit Selbstmord zu begehen.

Hier sollten auch zwei Bomben in Zuegen explodieren mit vielleicht vielen Toten, haben die Bombenleger vorher verhandelt.?Die wollten toeten und mit moeglichst grosser Wirkung in der Oeffendlichkeit.
Paul

Beitrag von Paul »

Bephep hat geschrieben:das ist ein rethorisches Totschlagargument gegen Paul.Was wuerdest Du schreiben wenn er seine Kinder opfern wuerde.!!!!!!!!!!!
Danke für Deine Sorge, Bephep, aber I'm well and alive. :wink: :blumen2:


@ Zeppelin und Saboteur: Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie zuverlässig bestimmte Reflexe funktionieren. :P :duell:
Zeppelin hat geschrieben:Du beantwortest ja auch nicht die Frage, ob Du Deine Kinder gern der Staatsräson opfern würdest. Und diese Unterlassung spricht Bände: Wahrhaft heroisch.
Ich dachte, das hätte sich implizit ergeben. Nun also konkret. Prämisse: Ich habe keine Kinder und vermag mithin meine psychische Situation in solch einem Fall nicht vorherzusehen. Ansonsten: Wenn meine Kinder als Geiseln nicht zu retten gewesen wären, würde ich dies hinnehmen. (Über meine Auffassung zum Sterben hatten wir bekanntlich schon einmal diskutiert.) Ohne Opfer - gleich welcher Art - ist kein Staat, ja überhaupt keine Gemeinschaft, zu schaffen und zu erhalten (der hedonistische Zeitgeist, der einem atomistischen Individualismus huldigt, bestreitet dies natürlich).
Saboteur hat geschrieben:Wir sollten nicht vergessen das es immer um Menschenleben geht und welche Reaktion man sich wünscht wenn man selbst davon betroffen ist.
Ich würde - ganz im Ernst! - auch als Geisel (sofern ich nicht durchdrehen oder dem Stockholm-Syndrom verfallen täte) immer für eine harte Haltung des Staates plädieren. Man kann nicht ernstlich wollen, daß ein Massenmörder wie Bassajew weiter sein Unwesen treiben kann, nur um heute - vielleicht! - ein paar Leute zu retten, die er dafür aber morgen zusätzlich umbringt. Die Härte Israels gegenüber Terroristen ist keine spezifisch jüdische Verschrobenheit (zumindest nicht ausschließlich), sondern resultiert aus jahrzehntelangen Erfahrungen.
Zu Saboteurs Vorwurf der Emotionslosigkeit: Danke für die Blumen! Irgendjemand muß in unserer hochemotionalisierten, von medialen Aufwallungen geschüttelten Gesellschaft schließlich einen kühlen Kopf bewahren.
Zeppelin hat geschrieben:Ganz einfach - wenngleich der Konjunktiv hier fehl am Platze ist: Einerseits Kondolenz, andererseits die unangenehme Frage, wo jemand - wie der vermeintlich rhetorisch erschlagene Paul - seine Prioritäten setzt. Wer Kadavergehorsam leistet ist für mich die persona non grata schlechthin! Dagegen achte ich jede(n), der/die zum Wohle aller auch einen potenziellen Konflikt mit seiner Regierung nicht scheut!
Meine Position ist kein Kadavergehorsam, sondern Ausdruck der Einsicht in größere Zusammenhänge. Deine Position hingegen ist das Ergebnis einer falschen Ethik (s.u.), auf der Du auch in einer fanatischen, für Argumente offensichtlich unzugänglichen Weise verharrst. Es bleibt wohl auch Dein Geheimnis, weshalb aufgeregt schreiende Mütter, in ihrer individuell ja verständlichen Betroffenheit, mehr für das Gemeinwohl zu tun imstande sein sollen als eine Regierung. Ferner: Daß ich Opposition und Konflikt (ggf. auch mit der Obrigkeit) nicht scheue, sollte auch Dir mittlerweile aufgegangen sein - sonst hätte ich mich bequemerweise dem mainstream angeschlossen und würde über die vermeintlichen Katastrophen von Nord-Ost und Beslan schwadronieren. Beides waren keine Super-Sonnentage, aber es wurde aus der jeweils konkreten Lage mit das Beste gemacht (im Gegensatz etwa zu Fürstenfeldbruck 1972), die Operationen sind somit insgesamt postiv zu bewerten - was auch meinerseits keinesfalls die Kritik an dort gemachten Fehlern ausschließt (siehe bspw. oben in diesem Strang).

Zeppelin hat geschrieben: Da hat der Staat keineswegs verloren, sondern gezeigt, dass die Bürger des Staates höchster Wert sind und nicht Kanonenfutter für die Durchsetzung politischer Doktrinen. Deine Sichtweise erinnert hingegen eher an die Rechtfertigung der DDR-Regierung für die Mauer, den Schießbefehl und die dort Ermordeten. Und daher ist es doch wohl sinnlos, Dir gegenüber alternative Vorgehensstrategien zu erörtern. [...]
Eine Rechtfertigung der angeblich unvermeidbaren Opfer von Terroranschlägen werde ich jedoch niemals akzeptieren!
Saboteur hat geschrieben:ich kann da Zeppelin nur Zustimmen. Die Geiselbefreiung beim Musical Nord Ost zu loben ist absolut lächerlich. Das Gesicht auf Kosten von so vielen Menschenleben zu bewahren ist unverhältnismäßig! Die Befreiung der Geiseln von Beslan hat über 300 Tote gefordert (laut aktuell.ru) auch das ist ein Desaster! Solche Geiselbefreiungen sind in anderen europäischen Ländern undenkbar! [...]
Klar gibt es in Deutschland nicht diesen Terrorismus, trotzdem ist Pauls Einstellung ziemlich menschenverachtend und emotionslos. [...]
DER ZWECK HEILIGT NICHT ALLE MITTEL!
Hier entpuppt Ihr euch als Gesinnungsethiker reinsten Wassers! (Gerade von Zeppelin als altem Weberianer hätte ich das nicht unbedingt erwartet.) Die konkrete Lage mit all ihren Unwägbarkeiten und Dilemmata muß gar nicht erst genau analysiert werden, denn alles was nicht unbedingt in das Schema vom Menschen als Höchstwert paßt (oder zu passen scheint! - man denke an die präventive Wirkung von Geiselbefreiungen für die Zukunft) ist per se schlecht und böse. Toll. :evil: Daß die Wirklichkeit häufig nicht "aufgeht", also in Kongruenz mit der reinen Lehre zu bringen ist, versteht Ihr nicht. Was ich aus Eurer hypermoralischen Sicht bin, wurde ja deutlich ausgesprochen - aber ich kann damit leben. 8)
Gerade im Bereich Terrorismus gibt es keine moralisch einwandfreien Lösungen. Bsp.: das dt. Luftsicherheitsgesetz - soll eine entführte Maschine im Anflug auf ein Ziel abgeschossen werden dürfen oder nicht? Die sich hier vor allen negativen Konsequenzen drückende Position der in Karlsruhe klagenden Liberalen führt schlußendlich zum blinden Fatalismus ("Leben darf nicht gegen Leben abgewogen werden"). Sorry, diese Position ist so abstrus und widerlich, daß einem die Haare zu Berge stehen. Wer glaubt, das Handeln des Staates (oder einer anderen Großorganisation) mit der privaten Kleingruppenmoral beurteilen zu können, dem ist nicht mehr zu helfen. Dafür ist dieses Handeln viel zu komplex und vernetzt - eine auch für mich einstmals schmerzliche Erfahrung.
Zurück zu den beiden konkreten Fällen: Die abzuwägenden Alternativen waren nicht "alle Geiseln bleiben am Leben" vs. "einige Geiseln müssen geopfert werden", sondern "fast alle Geiseln werden von zur Selbsttötung breiten Islamisten ermordet" vs. "eine größere Anzahl von Geiseln kann gerettet werden".

Saboteur hat geschrieben:Das Relikt aus der Sovjetzeit, das mit Terroristen, Entführern, et nicht verhandelt wird hat bis jetzt überlebt! [...]
Wie kann eine alternative Geiselbefreiung abgelehnt werden wenn sie noch NIE ausprobiert wurde...
Dazu haben sich Ralph und Bephep ja schon dankenswerterweise eingelassen. Ergänzend weise ich auf die Politik Frankreichs und Österreichs hin, die in den 1970er und 80er Jahren gegenüber Terroristen seehr zurückhaltend waren - es hat ihnen nichts geholfen, die Terroristen kamen wieder. All' diese Erfahrungen lehren, daß Nachgiebigkeit und Verhadlungen bei einer konkreten Geiselnahme politisch-strategisch lediglich zu einer Aufwertung der Terroristen führen und sie so zu neuen Gewaltaktionen anstacheln. Das sind keine "fehlgeleiteten Jugendlichen", die man nur mit guten Worten auf den rechten Weg zurückzuführen braucht, damit alle happy sind. Überdies wäre ich daran interessiert, wie Du dir einen rationalen Diskurs mit religiös motivierten Selbstmordattentätern ("Schwarze Witwen" etc.) vorstellst. Aber angeblich kann man ja über alles reden. O Herr, bewahre uns vor der Dekadenz. :karate:

Saboteur hat geschrieben: Das Gesicht auf Kosten von so vielen Menschenleben zu bewahren ist unverhältnismäßig! [...] Solche Geiselbefreiungen sind in anderen europäischen Ländern undenkbar!
Solche Massengeiselnahmen hat es bisher in anderen europäischen Ländern auch nicht gegeben. Verhältnismäßigkeit stellt auf die Zweck-Mittel-Relation ab (Stichwort: milderes Mittel). Zu welchen Absurditäten überzogene Rücksichten führen können, läßt sich hierzulande seit dem Brokdorf-Beschluß des Bundesverfassungsgerichts erleben. In die Praxis übersetzte "Deeskalation" bedeutet, daß die Straße dem Mob überlassen wird und die Polizei hinterher die Scherben zusammenfegt. Glücklicherweise halten sich bisweilen ein paar mutige Polizisten nicht daran - trotz aller medialen Kritik seitens der "üblichen Verdächtigen".

Zeppelin hat geschrieben: Bei einer Geiselbefreiung geht es eben primär um die Befreieung der Geiseln. Siehe z.B. Mogadishu [...]
Ja, aber die war ausschließlich gegen die Terroristen gerichtet und keine Geisel kam zu Schaden. Und wenn das Schlimmste eingetreten wäre, hätte die Bundesregierung mit Sicherheit in aller Form die gebotene Entschuldigung vorgebracht, und die Hinterbliebenen entschädigt.
Zur Klarstellung: Genau das meinte ich. Eine gewaltsame Geiselbefreiung ist primär immer gegen die Geiselnehmer gerichtet und nicht für irgendetwas.
Zuletzt geändert von Paul am 01 Sep 2006, 02:16, insgesamt 5-mal geändert.
Paul

Beitrag von Paul »

barthez hat geschrieben: Zum einen: Die SEks in Deutrschland sind um längen besser Ausgebildet, werden besser entlohnt und müssen ganz andere Voraussetzungen mitbringen, um dort überhaupt Vorsprechen zu dürfen.
Ob die deutschen Polizei-Spezialeinheiten besser ausgebildet sind als die russischen wage ich zu bezweifeln, kann es natürlich nicht letztgültig klären. Warum? Die russischen sind nicht so viel jünger als die Einheiten hierzulande. In D wurden sie nach 1972 gegründet, in der SU in Vorbereitung der Olympiade 1980 in Moskau. Das waren zum einen im Rahmen der Miliz die "OMON" und "OSN Vympel" bei den Inneren Truppen (so heißt dort die Bereitschaftspolizei). Sowohl in D als auch in der SU mußte beim Aufbau viel experimentiert werden - Spezialeinheiten, besonders für Geiselnahmen, gibt es nicht von der Stange zu kaufen (das ist heute etwas anders). Trotzdem hatten sich diese Einheiten auch vor 1991 schon bewährt, denn auch in sozialistischen Ländern gab es entgegen der Propaganda Gewaltkriminalität und Geiselnahmen. Die Spezialeinheiten des KGB ("Alpha") haben m.W. erst in den 80ern auf Anti-Terror-Einsätze umgeschult.
Nach 1991 und der explodierenden Kriminalität wurden in der RF zahlreiche neue Spezialeinheiten gegründet. Es sind dies im Bereich des MWD: "OMON" und "SOBR" als Teil der regionalen Miliz, "Vympel" und zahlreiche weitere "OSN" in den Verbänden der zentral geführten Inneren Truppen. Dazu kommen beim FSB die "Gruppe Alpha", Sondereinheiten der Steuerpolizei usw. (von den Streitkräften ganz zu schweigen). An geeigneten Kräften herrscht also kein Mangel.
Zur Besoldung: Die ist auch in D nur marginal besser als beim Durchschnittspolizisten in der jeweiligen Gruppe. Geld allein ist kein Anreiz für derartige Opfer, die ein Beamter dort bringen muß. Und im Gegensatz zu deutschen Spezialeinheiten (die GSG-9 findet kaum noch Nachwuchs! - der Dienst dort ist ja ach so unbequem, und Helden braucht in D heute auch niemand mehr :x) sind sie in Rußland durchaus populär: Spetsnaz ist einfach cool. Davon zeugen nicht nur die Bewerberzahlen, sondern auch so manche, z.T. etwas hagiographische Webseite (z.B. http://www.bratishka.ru http://www.russianarms.info). Das Sozialprestige der Angehörigen ist m.E. recht hoch, da neben Orden und Ehrenzeichen sowie der öffentlichen Anerkennung später auch gute Verdienstmöglichkeiten in der freien Wirtschaft winken.

barthez hat geschrieben: Zum anderen: Die "Aufklärungsarbeit", was geplante Dinge angeht, ist nicht nur deshalb besser, weil vielleicht weniger Terroristen in Deutschland leben, sondern eher, weil es ne andere Welt ist.
Na ja, wir haben hier in D bisher extrem viel Glück gehabt, weit mehr als Verstand. Die jüngsten Bahnanschläge sind am Dilletantismus der Attentäter gescheitert, nicht an unseren "guten" Sicherheitsbehörden. In den meisten dt. Innenministerien gilt das Prinzip "hoffen und beten" - beten, daß schon nichts passieren wird ("es ist immer nochmal gutgegangen" :twisted:) und hoffen, daß, falls doch, die eigenen marginalen Anstrengungen schon ausreichen werden. (Datensammeln ist nun einmal leider billiger als die Personalstärke zu erhöhen.) Es wird zwar viel Papier produziert (einschließlich Gesetzgebung), die praktische Sicherheitsarbeit ist aber eher dürftig. Auch um die dringend erforderliche (gesetzliche) Regelung strittiger Fragen (z.B. Inneneinsätze der Bundeswehr) drückt man sich herum.
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