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Re: @Paul

Verfasst: 15 Sep 2006, 00:25
von Paul
Stefan hat geschrieben:Wenn ich dir einen Tipp geben darf von einem Insider: Gehe in das Richteramt.
Geht aber nicht, da kein Staatsexamen. Ergo ab in die Wirtschaft oder öffentliche Verwaltung. Obwohl die Bedingungen schon verlockend sind. 8)

Verfasst: 15 Sep 2006, 12:00
von manuchka
Hallo Stefan,
hier meldet sich noch 'ne Kollegin. Erstmal herzlich willkommen, und dann gleich ein Kommentar zum Thema Richterberuf:wollen kann man viel, aber zum einen gibt es Richterstellen nun mal nicht wie Sand am Meer, zum anderen muss man die entsprechende Note haben. Und wenn du nach dem Referendariat nicht gleich rankommst, ist der Zug in der Regel abgefahren. Ansonsten finde ich den Richterberuf auch eine feine Sache, die Zivilstation im LG hat mir im Referendariat mit am meisten Spaß gemacht.

Gruß,
Manu

@manuchka

Verfasst: 16 Sep 2006, 10:17
von Stefan
Ok, da gebe ich dir vollkommen recht.

Aber wenn man einmal dabei ist, dann hat man es m. E. geschafft.

Wir hier - die Justizfachangestellten - haben in Deutschland sowieso ein riesiges Problem.

Da der Haushalt wieder in den Miesen ist - wie eigentlich seit Denkzeiten - und die Justiz auch einen Teil dazu beitragen muss, werden nun alle Fachangestellen die einen Zeitvertrag haben - ich gehöre auch zu denen - einfach auf die Straße gesetzt.

Ich habe mich vor Wut an meine oberste Dienstherrin - Frau Müller-Piepenkötter - gewandt und ihr die Situation in den einzelnen Gerichten versucht aufzuzeigen. Ihr einziges Statement war lediglich, daß halt auch die Justiz einen Teil dazu beitragen muss und es keine Ausnahmen geben kann und darf.

Tja, da sitz ich nun, ich armer Thor, bin so klug wie je zuvor.

Dafür habe ich fast sieben Jahre in der Justiz meinen Dienst verrichtet. Die jungen noch leistungsfähigen Beschäftigten dürfen ihren Platz räumen und die Alten, die am liebsten schon in Rente gehen würden, bleiben da.

Es ist leider kein Wunder, warum es langsam in unserem System hackt. Die Justiz manövriert schon am Abgrund und wenn das mit den Stellenstreichungen so weiter geht, dann hat sich die Justiz in zehn Jahren an die Wand festgefahren und kommt nicht mehr weg.

Re: @manuchka

Verfasst: 19 Sep 2006, 12:24
von Zeppelin
Stefan hat geschrieben:...
Es ist leider kein Wunder, warum es langsam in unserem System hackt. Die Justiz manövriert schon am Abgrund und wenn das mit den Stellenstreichungen so weiter geht, dann hat sich die Justiz in zehn Jahren an die Wand festgefahren und kommt nicht mehr weg.
Mit etwas Verspätung auch meinerseits: [welcome]

Was Du über die Zustände in der Justiz berichtest, ist in der Tat haarsträubend, zumal ich den Eindruck habe, dass die Gerichte immer stärker belastet werden.
Aber mit Deiner Ausbildung müsstest Du doch eigentlich auch in anderen Bereichen ganz gute Jobmöglihkeiten haben. Wenn ich es richtig verstanden habe, bist Du auch IT-Fachmann?
Da würde es sich doch anbieten, z.B. eine Weiterbildung für SAP-HR zu machen (bekommst Du sicher von der Arbeitsagentur finanziert) und dann in der Personalabteilung eines mittleren bis größeren Unternehmens die Systeme zu betreuen.
Ich habe das einige Jahre gemacht und während dieser Zeit sowohl viel Spannendes erlebt, als auch ein ganz ansehnliches Salär erziehlt. (SAP ist natürlich nur ein Bsp. für vergleichbare Systeme.)

Allerdings habe ich das als externer Consultant gemacht und bin ständig durch das ganze deutssprachige Europa getingelt, bis ich schließlich keine Flughäfen und Hotels mehr sehen konnte.
Aber ich weiß genau, dass die HR-Admins in den Unternehmen sehr "gepflegt" werden.
Der Grund dafür ist so banal wie überzeugend: Jeder - vom Staplerfahrer bis zum Vorstandsvorsitzenden will pünktlich und korrekt seine Kohle auf dem Konto haben und wenn die SV-Beiträge nicht korrekt abgeführt werden, hat jedes Unternehmen ein riesiges Problem an der Backe.

Außerdem weiß jeder, der Dir in der Firma über den Weg läuft, dass Du weißt, wieviel (oder wie wenig) er verdient, was in seiner Personalakte steht etc. Aber nur ganz ganz wenige wissen Entsprechendes über Dich und die werden sich auch hüten, darüber etwas verlauten zu lassen.

In Abwandlung eines uralten Gewerkschaftsslogans kann ein HR-Admin sagen: "Aller Räder stehen still, wenn mein kleiner Finger es will."
Verantwortung und Privilegien entsprechen also fast denen des Richteramtes.

Natürlich trifft dies alles auch weitgehend für die Buchhaltungs- und Controllingsysteme zu, aber das Steuer- und Bank-/Kapitalmarktrecht finde ich noch nervender, als das Arbeits- und Sozialrecht.

Sehr gefragt sind allerdings auch SAP-Berater, die Russisch können und sich mit dem Land auskennen!

Naja, ich wünsch Dir jedenfalls viel Erfolg. Und wenn der Staat Dich (Dein Know-How) nicht haben will, dann weine ihm keine Träne nach.

Mit der Verbindung aus juristischen und IT-Kenntnissen hast Du sicher ganz gute Karten.

Gruß,
Zeppelin

Verfasst: 19 Sep 2006, 20:13
von Stefan
Danke für die Begrüßung.

Ein IT-Fachmann bin ich leider noch nicht. Mir fehlt leider dazu noch etwas an Wissen. Aber z. T. geht es im Dienst auch nicht mehr so direkt ohne mich. Wenn ich eines von den Russen gelernt habe, dann ist es aus altem Schrott noch was Brauchbares zu machen.

Ich frickele mir also aus defekten Computer einfach einen neuen, wenn der benötigt wird.

Aber leider kann man meinen Job auch Negativieren: Tippse mit Rechtskenntnissen.

Aber was soll es, ich bin bemüht alles an Lehrgängen zu besuchen, was ich bekommen kann.

Verfasst: 25 Sep 2006, 11:56
von Zeppelin
Stefan hat geschrieben:Danke für die Begrüßung.

Ein IT-Fachmann bin ich leider noch nicht. Mir fehlt leider dazu noch etwas an Wissen. Aber z. T. geht es im Dienst auch nicht mehr so direkt ohne mich. Wenn ich eines von den Russen gelernt habe, dann ist es aus altem Schrott noch was Brauchbares zu machen.

Ich frickele mir also aus defekten Computer einfach einen neuen, wenn der benötigt wird.

Aber leider kann man meinen Job auch Negativieren: Tippse mit Rechtskenntnissen.

Aber was soll es, ich bin bemüht alles an Lehrgängen zu besuchen, was ich bekommen kann.
Nun stell mal Deinen Scheffel nicht so unter's Licht :) Tippse mit Rechtskenntnissen und ein bissel PC-Schrauben muss man erst mal nachmachen.
Meine Frau kann z.B. als 'kleine' Jurastudentin mit zehn-Finger-Schreibfäghigkeit und Wissen um die advanced possibilitis von Word, Excel und Adobe Acrobat nebst Grundkenntnissen in Netzwerkadministration und Datensicherung ihren Lebensunterhalt durch einen Nebenjob in einer Anwaltskanzlei ganz gut bestreiten.

Wie viel Dir die Lehrgänge im öD brinmgen, kann ich nicht einschätzen. Ich würde Dir aber raten, schon mal mit der Arbeitsagentur über einen Intensivkurs zu verhandeln, wenn schon jetz absehbar ist, dass Du Deinen jetzigen Job demnächst los bist.
Falls Du etwas Zeit nebenbei aufbringen kannst, empfehle ich Dir, Dich mal etwas ausführlicher mit SQL bzw. dem MS-SQL-Server2000 oder Oracle zu beschäftigen - falls Du das nicht ohnehin schon drauf hast. Da kann nämlich keine "Tippse" mehr mitreden.

Womöglich hat ja die SAP AG direkt ein Interesse an Dir.

BG
Zeppelin