Seite 2 von 4
Verfasst: 15 Feb 2007, 16:02
von Zeppelin
Zejtnot_ hat geschrieben:Also den Sprachunterricht kann man in Russland wirklich meist vergessen. Die pädagogischen Unis haben kein Geld und die Studenten erst recht nicht. Viele künftige Sprachlehrer in der Provinz haben so nie die Chance, in das Land, dessen Sprache sie unterrichten sollen, mal mit den eigenen Augen zu sehen. Ohne Praxis vor Ort fühlen sie die Sprache aber nicht.
...
Fazit: Die Sprachausbildung ist meist ganz schlecht. Man lernt jahrelang und kann am Ende nicht reden sondern nur auswendig gelernte Phrasen.
Ja,
darauf wollte ich weiter oben im Thread mit meiner Anmerkung zur mangelnden Lehrmittelausstattung an den PH's und die Qualifikation der Lehrer hinaus (Spracherfahrung, Methoden, Pädagogik).
Um ein guter Sprachlehrer zu werden, braucht man sehr viel Idealismus und ebenso engagierte Ausbilder.
Ein Au-Pair Aufenthalt in einem Land, dessen Sprache man später lehren will, ist oft die einzige Möglichkeit zur Ergänzung der an der PH vermittelten Kenntnisse. Aber auch das ist suboptimal. Leider canceln dabei viele ihr Studium in der Heimat, wenn sie im Ausland erst einmal "Blut geleckt" haben.
So verliert RUS einen Teil seiner Eliten, ist aber selbst dran Schuld.
Wen reizt schon eine Einkommensaussicht auf 80 bis 100 Euronen angesichts aller anderen lebenserschwerenden Umstände?
Wer dennoch zurückkehrt sucht sich oft lieber einen Job als Fremdsprachensekretär o.ä. in der 'Privat'wirtschaft, als an eine staatlichen Schule zu arbeiten.
So bleiben als Lehrer die übrig, die den Absprung nicht gefunden haben oder wirkliche Enthusiasten sind (oder beides.)
Grüße,
Zeppelin
Verfasst: 15 Feb 2007, 16:38
von Xottabych
Zejtnot hat geschrieben:Fazit: Die Sprachausbildung ist meist ganz schlecht. Man lernt jahrelang und kann am Ende nicht reden sondern nur auswendig gelernte Phrasen.
Ich glaube, dazu trägt außerdem bei, dass beim Sprachunterricht ungeheuer großes Gewicht auf das Übersetzen von Texten gelegt wird. Ich habe schon oft beobachtet: Da sitzen die Schüler/Studenten Ewigkeiten mit dem Wörterbuch am Schreibtisch und mühen sich mit langen Passagen ab, deren Vokabular nicht dem Kenntnisstand angepasst ist. Dabei lernt man Sprachen doch am besten durch deren aktiven Gebrauch.
Verfasst: 15 Feb 2007, 21:03
von zimdriver
Zeppelin hat geschrieben:...
Ein Au-Pair Aufenthalt in einem Land, dessen Sprache man später lehren will, ist oft die einzige Möglichkeit zur Ergänzung der an der PH vermittelten Kenntnisse. Aber auch das ist suboptimal. Leider canceln dabei viele ihr Studium in der Heimat, wenn sie im Ausland erst einmal "Blut geleckt" haben....
Das stimmt wohl, aber überall. Der gleiche Effekt tritt sehr häufig ein, wenn deutsche Jugendliche zum Austauschjahr/ AuPair nachUSA, Neuseeland oder sonstwohin gehen. Und besser als die beste Uni ist dieses praktische, tägliche Leben in fremdsprachiger Umgebung allemal.
Zum Thema zurück: Ja, ich habe auch davon gehört, daß es in Moskau solche besseren Schulen gibt. Ab 7. Klasse, mit aufwendigen Prüfungen vor dem Start und danach die beinahe- Garantie für den erträumten Studienplatz an nahezu jeder Uni. Und daß die Unis manchmal mit Geld leichter zu absolvieren sind, ist auchwahr.
Ich verstand dieses Thema jedoch als
Schulsystem- bezogen.
Verfasst: 15 Feb 2007, 21:24
von Zeppelin
zimdriver hat geschrieben:Ich verstand dieses Thema jedoch als Schulsystem- bezogen.
In der Threadüberschrift steht jedoch "Bildungssystem" - und eben darauf bezog ich mich. Dabei beziehe ich eben - sofern mir möglich - das gesamte System von der frühkindlichen Bildung über die Schule(n) bishin zu einem berufsqualifizierenden Abschluss ein, und dazu auch noch die Möglichkeiten berufsbegleitender Weiterbildung.
Falsch von mir?
Zeppelin
Verfasst: 15 Feb 2007, 21:37
von zimdriver
nee, nee- ich war schmalspurig beim Thema... Da die Unis in D inzwischen nicht schlechte Studiengebühren eingeführt haben, ist es mit der "Bildung für Alle"-Parole auf Mittelfrist wohl auch vorbei.
Verfasst: 16 Feb 2007, 10:51
von Rotech
ich bin eigendlich der Meinung das hier in Russland (ich meine nur die eingeschraenkte Sicht -Moskau), das gerade viel wert auf Sprache gelegt wird, da man hier sein Kind bereits ab der ersten Klasse in einer Fremdsprache unterrichten lassen kann. Das die Lehrer nicht den Ausbildungsstand haben (Niveau) wie in Deutschland ist mir noch nicht aufgefallen, das einzige ist das hier die Klassen zu gross sind (bei meiner 25 Kinder)
rotech
Verfasst: 16 Feb 2007, 11:40
von Zejtnot
Rotech hat geschrieben:Das die Lehrer nicht den Ausbildungsstand haben (Niveau) wie in Deutschland ist mir noch nicht aufgefallen ...
Glück gehabt.
Schau einfach mal: hier hat jeder (!) in der Schule - genauso wie in Deutschland - fünf Jahre eine Fremdsprache gelernt. Dann noch einmal zwei Jahre in der Uni. Aber wieviele sind - im Gegensatz zu Deutschen - nicht in der Lage, wenigstens drei zusammenhängende Sätze auf Englisch zu sagen?!
Das ist eigentlich der beste Beweis für die These, dass der Sprachunterricht mies ist.
Verfasst: 16 Feb 2007, 11:49
von Rotech
Ich arbeite hier mit Russen zusammen, habe einen Bekanntenkreis der entweder deutsch oder englisch kann. Aber hier gibt es Sparachausbildung ab der ersten Klasse, d.h. 11 Jahre in der Schule, dann nochmals 4 in der Uni (Zugangsverraussetzung min. eine Fremdsprache, wird per Pruefung abgefragt), daher die These das das Ausbildungsniveau relativ hoch ist (auf Sprachen bezogen). Die Grundlagen im Umgang mit dem Computer sind selbst bei Akademikern, meine Erfahrung, relativ gering (Office-Programme). Und das ein Maschinenbauing. keinen Schimmer hat was CAD ist, ist traurig, ich muss mal wieder meinen Frust niederschreiben.
rotech
Verfasst: 16 Feb 2007, 11:54
von Dietrich
Ich arbeite hier hauptsaechlich mit Informatikern zusammen. Die meisten davon koennen nur ausschliesslich russisch. Und die paar die Englisch koennen, bei denen ist es teilweise auch mehr als duerftig!
Also nach 11+ Jahren Sprachunterricht sieht das nicht aus.
Aber ich habe auch in D schon erlebt wie eine Horde Abiturienten sich nicht trauten auf einer Party mit einer Weissrussin zu sprechen. Und das Maedel war Englischlehrerin, konnte also recht gut englisch!
Verfasst: 16 Feb 2007, 13:28
von harald63
Ich weiss nicht wie das bei den Russen ist, aber vielleicht ähnlich wie in Japan. Die "können " auch alle Englisch. Aber versuch' mal, dich mit einem auf Englisch zu unterhalten... Die lernen viel schriftlich und Vokabeln. Auf Konversation wird da weniger Wert gelegt.