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Verfasst: 22 Feb 2007, 11:15
von manuchka
germanisator hat geschrieben:Wenn du ihm dann auch keinen Umgang mit Landsleuten und die Benutzung der Muttersprache nicht "verbittest", wie es Dietrich vorhat, dann wird alles gut.
Ich glaube, du hast Dietrich missverstanden. Er wird seiner Frau keineswegs den Umgang mit Landsleuten und Muttersprache verbieten - die "Abgrenzung", die er meinte, geht dahin, dass viele - besonders russische - Aussiedler oder Auswanderer in ihren russischen Ghettos leben und sich nicht die Mühe machen, wenigstens passabel deutsch zu lernen. Nicht von den Leuten, sondern von so einem Verhalten will Dietrich sich bzw. seine Frau durch einen ordentlichen Deutschkurs abgrenzen, um eben nicht Teil eines Ghettos zu werden, sondern sich zu integrieren. :wink:

Verfasst: 22 Feb 2007, 13:32
von Dietrich
Danke Manu![Danke]

Germis Unterstellung hatte ich gar nicht gelesen, obwohl direkt mein Name drinstand.... Aber da wir ja hier "Leidensgenossen" sind, verstehst du mich schon sehr genau.

Und genau das meinte ich. Wie stellt sich denn ein deutscher Chef ein Vorstellungsgespraech mit einer/m Russen/in i.A. so vor?

"Sie wollen also bei uns arbeiten? Was koennen Sie denn?"
"Ja, ich wollen bei sie arbeite! Ich koennen alles!!"

Und eben um dieses Klischee (oder wie schreibt man das neudeutsch?) von vornerein zu entkraeften, finde ich es eben extrem wichtig, dass meine Frau als erstes in D richtig gut deutsch lernt.

Ich habe hier in Russland immer noch den "Bonus", dass ich aus Deutschland, bzw. Westeuropa komme. Wenn die Leute auch meinen Akzent hoeren, dann aendern sie ihr Verhalten spaetestens dann ein wenig, wenn sie hoeren wo ich herkomme. War besonders bei den Untersuchungen zum Vid na Zhitelstvo teilweise sehr gut zu beobachten.

Aber einen solchen Bonus kann meine Frau eben in Deutschland leider nicht erwarten. Dort ist sie "Russin" genau wie alle anderen auch. Auch wenn die "Anderen" u.U. nur deshalb in D sind, weil sie gehoert haben, dass man ganz ohne Arbeit dort eine Wohnung und noch 350 Euro p.P. bekommt.

Und zu dem "verbitten". Quatsch! Ich bin sogar froh, wenn meine Frau auch in D dann Freunde und Bekannte findet mit denen sie russisch sprechen und sich Teile ihrer Kultur erhalten kann.
Denn man kann genausowenig aus einer "Russin" eine "Deutsche" machen, wie umgekehrt.

Verfasst: 22 Feb 2007, 15:04
von germanisator
@Dietrich: OK Das ist auch richtig so! Bloß eine Freundin von meiner Mutter hatte das. Der Ehemann hatte es ungern ( gelinde gesagt), wenn sie mit Kinden russisch sprach, oder sich mit Russen traf. Nun gibt es den deutschen Ehemann nicht.Meine Mutter hat sie nach der Scheidung kennengelernt. Jetzt holt sie das verseumte nach. Und genießt förmlich russisch zu sein. Deine Frau wird nie eine Deutsche werden, und ein Akzent lässt sich im Alter ab 15 eigentlich nicht mehr ablegen. Ich kenne kein einziges deutsch-russisches Paar, welches bereut hätte, dass sie beide Sprachen in der Familie pflegen und Multi-Kulti Kontakte haben.

@Zejtnot: Du triffst den Nagel auf den Kopf. Man kennt eben glückliche deutsch-russische Paare (zum Teil noch aus der DDR zeit zusammen, haben 25 jährige Kinder und so) und man kennt auch unglückliche (geschiedene) Paare. Wenn man die Hintergründe kennt, ergeben sich so einige Muster. Berufliche Integration ist ein wesentlicher Bestandteil des Familienglücks und bestimmt des Wohlstands.

Verfasst: 22 Feb 2007, 15:17
von germanisator
Zitat@Dietrich@:Und genau das meinte ich. Wie stellt sich denn ein deutscher Chef ein Vorstellungsgespraech mit einer/m Russen/in i.A. so vor?
"Sie wollen also bei uns arbeiten? Was koennen Sie denn?"
"Ja, ich wollen bei sie arbeite! Ich koennen alles!!"

@Dietrich: Es kommt ganz auf die Tätigkeit an! Als Putzfrau braucht man nicht mal das. Um die Sprache gut zu beherrschen (damit meine ich fließend und ohne Fehler) braucht man ziemlich viel Zeit. Wie ist denn dein Russisch? Keine Fehler und fließend? Sprachkurse hin oder her, ordentliches Deutsch kommt erst nach Jahren, so wie ordentliches Russisch.

Verfasst: 22 Feb 2007, 16:01
von Zejtnot
germanisator hat geschrieben:Wie ist denn dein Russisch? Keine Fehler und fließend? Sprachkurse hin oder her, ordentliches Deutsch kommt erst nach Jahren, so wie ordentliches Russisch.
Klar, aber man kann es fördern oder vernachlässigen. Dietrich will es fördern indem er verhindert, dass seine Frau nur (!) "mit Russlanddeutschen abhängt".

Sein Russisch ist nicht sooo wichtig, weil Deutschsein Russland manchmal eher ein Karrierevorteil ist.

Verfasst: 22 Feb 2007, 16:05
von germanisator
Zitat@Zejtnot@: Sein Russisch ist nicht sooo wichtig, weil Deutschsein Russland manchmal eher ein Karrierevorteil ist.

Das ist die schönste Ausrede, die ich gehört habe :D

Verfasst: 22 Feb 2007, 16:14
von Dietrich
Zejtnot_ hat geschrieben: Sein Russisch ist nicht sooo wichtig, weil Deutschsein Russland manchmal eher ein Karrierevorteil ist.
Schoen waer's!
Wenn du als Expatriat von deiner Firma nach Russland geschickt wirst - dann ja.
Wenn du dir als Deutscher in Russland was suchen musst und dazu noch in einem Bereich arbeitest, der in Russland recht schlecht bezahlt ist, dann ist russisch schon seeehr wichtig.

Verfasst: 22 Feb 2007, 16:36
von germanisator
Germanisierung ist ein langwieriger und komlizierter Prozess. Bei jedem verläuft sie anders. Manche brauchen zwei Jahre, manche fünf, manche packen es nie. Aus welchen auch immer Gründen.

Bei der Russifizerung sieht es nicht viel anders aus!

@Manuchka: Wie sieht es bei dir aus? Deine Beiträge hier im Forum lassen sehr gutes Russisch erkennen. Hast du Freunde gefunden. Wie ist es jobmäßig? Integration oder Notlösung?

Verfasst: 22 Feb 2007, 18:35
von manuchka
germanisator hat geschrieben:@Manuchka: Wie sieht es bei dir aus? Deine Beiträge hier im Forum lassen sehr gutes Russisch erkennen. Hast du Freunde gefunden. Wie ist es jobmäßig? Integration oder Notlösung?
Mein Russisch ist besser als das vieler Russlanddeutscher :oops: Ich hab sehr gute, wenn auch wenige Freunde hier - letzteres ist kein Sprach-, sondern ein Zeitproblem. Jobmäßig - hm, schwer zu sagen. Ich arbeite quasi fast in meinem Beruf, aber mit russischem Gehalt, kann also nicht sagen, dass ich optimale Bedingungen habe. Aber putzen muss ich nicht :) und das ginge auch nicht, weil Tadshikinnen und Usbekinnen und Russinnen da einfach unkomplizierter für den Arbeitgeber sind... Arbeitserlaubnis und so.

Verfasst: 22 Feb 2007, 19:14
von Dave
Zejtnot_ hat geschrieben:Der Geldaspekt ist dabei vollkommen (!!) nebensächlich.
Bis auf diesen Satz kann ich Deinem Einwand folgen. Aber, der Geld-
aspekt ist nie nebensächlich! Wer etwas anderes behauptet sagt nicht
die Wahrheit oder hat sie noch nicht gefunden.

Arbeiten ist immer ein Kompromiss aus Geldverdienen und Verwirklichen
des eigenen Lebenswerkes.

Dave