Naumova hat geschrieben:oh, da habe ich oben ein Jahrzentel wohl mit einem Jahrzehnt verwechselt

Och, das Jahrzentel (oder bessser noch Jahrzähndel) ist doch nett, solltest Du Dir patentieren lassen.
Ich mag solche Wortschöpfungen sehr.
Aber zu Deinen Fragen: Ich konnte durchaus in meinen Jahren als Soziologe, Politik- und Untenehmensberater einiges dazu beitragen, dass es hier nicht noch schlimmer kam oder sich bald wieder stabilisierte, die Leute sich leichter umgewöhnen konnte.
Aber es gab einen großen zurückbleibenden Rest der aus welchen Gründen auch immer einfach aufgegeben hatte oder sich in verklärte Wahnvorstellungen verstier, weil er / sie gar nicht mitbekommen hatte oder wahr haben wollt, was sich hinter den Kulissen der DDR abgespielt hatte.
Selbst in meiner eigenen Familie gab es Leute, die sich als Kollaborateure der Stasi herausstellten aber felsenfest davon überzeugt waren, damit keinesfalls etwas negatives getan zu haben.
Aber gerade diese Verweigerung zu Kollaborieren hätte dem Spuk viel früher ein Ende bereitet. Ich möchte das aber nicht weiter auswalzen, weil ich froh bin nur noch selten an all dies denken zu müssen.
Und mit den Tipps ist das so eine Sache. Welcher Mensch lässt sich schon gern etwas sagen? Das geht halt nur mit Leuten, die sich weder total verweigern noch von selbst ihren Weg finden. Und hinzu kommt dass ich mit meinem Beruf nicht wirklich eine Missionarische Verpflichtung verbinde, sondern eher nach der Devise vorgehe,
"Wer nicht Will, der hat schon" bzw.
"Wer nicht hören will wird fühlen."
Ich habe einfach keine Lust mehr, mir den A**** aufzureißen und mich dafür auch noch dumm anmachen zu lassen.
In meinen knapp drei Jahren, die ich im Land der "Schwammderl" und Oagbatzten" verbringen musste, habe ich mich nicht so recht aklimatisieren können (wollen). Z.B. hat ja ein Champignon Lamellen unterm Schirm und kann daher kein "Schwammderl" sein.
Aber es ist vergeblich darüber zu einer Einigung kommen zu wollen.
Zwischendurch war ich einige Jahre in dem Land, wo die hübschen Mädchen auf den Bäumen wachsen und wo die Lehrer Leerohr genannt werden (mit entsprechenden Zeugnisnoten in Deutsch für die dortigen Schülerinnen und Schüler).
Da bin ich dann an einem einem äußerst beratungsresistenten, kleinwüchsigen Spitzenpolitiker gescheitert, der aus Wessiland dorthin abserviert worden war und die Gelegenheit nutze, eine Reihe sehr dubioser Geschäfte zu machen.
Doch das Volk folgte diesem neuen Landesvater bis in den Schlachthof.
Da nahm ich halt meinen Hut und ging dort hin, wo mein Rat gefragt war....
Aber lassen wir das besser.
Was aber nun die Migranten betrifft, mit denen ich zu tun habe, da verhält sich das ähnlich: Manche sind offen und entschlossen und finden dann auch ohne wirlich große Probleme ihren Weg und die entsprechende Anerkennung aber manche kapitulieren auch zu schnell, unterschätzen sich, sind zu misstrauisch oder was auch immer und versuchen gar nicht erst, die Einstiegsschwierigkeiten zu überwinden.
ein ganz wesentlicher Grund dafür, meine jetzige Frau danach zu fragen ob sie ihr Leben künftig mit mir teilen wolle, war z.B. dass sie mich von vornherein davon überzeugt hatte, dass sie hier zumindest zeitweilig ihre Wahlheimat sieht, sie aber gar nicht erahnen konnte, wo da trotz bester Absichten überall die unsichtbaren Fußangeln lauern.
Da hinein zu tappen wollte ich ihr einfach nicht zumuten.
Also habe ich ihr zeitweilig "die Steigbügel gehalten" und kann mich nun freuen wie schnell und gut sie es geschafft hat, die Pferdchen im Zaum zu halten.
(Inzwischen kann sie ihren Gaul auch selbst aufzäumen und würde mich auslachen, wenn ich ihr die Steigbügel noch immer halten wollte. (Immerhon stammt sie aus einem Reitervolk und nicht ich. )
Aber die "Gestrandeten", die hier irgendwie so durchkommen, sind ein Problem, dem auch ich nicht beizukommen vermag.
So weit dazu.
Grüße
Zeppelin