manuchka hat geschrieben:Ich musste in unserer Ehe lernen, dass es Dinge gibt, die mein Mann - als Mann und Oberhaupt der Familie - alleine entscheidet, aber das ist auch richtig so. (Es gibt auch Bereiche, in denen ich allein entscheide.) Ich fühle dennoch mich nicht entmündigt, wenn ich nicht überall meinen Willen durchsetzen kann, und meine Meinung wird ja doch gefragt geachtet. Und ich durfte in unserer Ehe lernen, dass ich nicht immer und überall "meinen Mann stehen" und "die Hosen anhaben" muss, sondern Frau und damit durchaus auch mal schwach sein darf, weil mein Mann sich in solchen Situationen kümmert und ich mich da auf ihn verlassen darf.
Witzig, bei mir war es genau umgekehrt. Erst mit meinem deutschen Mann habe ich gelernt, daß es durchaus eine gleichberechtigte Partnerschaft sehr erfolgreich funktionieren kann. (Fast) Alle russische Männer, die ich auf verschiedene Weise kennengelernt habe, konnten nur mit Anstoß, Zustimmung oder gar Erlaubnis einer Frau etwas tun, bewegen oder erreichen.
Um mal kurz abzuschweifen, ein typisch russischer Witz dazu:
Ein Mann beschwert sich bei seinem Freund, seine Frau habe ihn völlig unter dem Pantoffel.
Der Freund rät, er solle mal auf den Tisch hauen und es ihr sagen, wer hier der Boss wäre.
Ermutigt kommt er nachhause und geht gleich in die Küche, wo seine Frau beim Abwasch ist.
Ohne ihn anzuschauen donnert Sie: "Wo bist Du gewesen?!!!!!"

Er zittert, schlägt aber trotzdem mutig auf den Tisch und mit krächzender Stimme sagt:
" SO! Du wirst mir jetzt mein Essen servieren und danach auch abräumen. Wärenddessen lege ich mich auf das Sofa und sehe fern.
Und rate mal, wer mir die Schuhe ausziehen und mich zudecken wird, wenn ich einschlafe?"
Die Frau bleibt noch einige Sekunden mit weit aufgerissenen Augen stehen, dann zeichnet sich auf ihrem Gesicht ein diabolisches Lächeln auf. Mit der Gußeisenpfanne wedelnd, kommt sie auf ihn zu und mit falsch zärtlicher Stimme sagt: "Meinst Du den Leichenbeschauer, Teuerster?"
Zurück zum Anfang. Warum es so ist? Vielleicht, weil die meisten von ihnen es nicht anders aus dem eigenen Elternhaus kennen. Der Vater ist die am wenigsten von der Mutter geachtete Person. Er wehrt sich ja auch nicht dagegen. Wer würde es schon wagen, die Stelle vor dem Kind für sich zu beanspruchen.
Mutterschaft ist heilig, unantastbar und darf auf keinen Fall in Frage gestellt, angezweifelt werden (Nicht meine Meinung). Für viele Frauen ist sie damit ein willkommener Fluchtort vor der Verantwortung dem eigenen Mann gegenüber, an sich selbst in der Beziehung zu arbeiten, überschwemmende Emotionen und Launen zu zügeln und Liebe zu ihm aufrecht zu erhalten (im Idealfall zu verstärken). Ab dem Moment, wo das erste Kind (im schlimmeren Fall ein Junge) da ist, wird es zum absoluten Mittelpunkt ihres Lebens. Und das bitte nicht bloß für die ersten zwei- drei Jahre, sondern für immer. Die ganze ungeheuere, zum größten Teil ihr selbst und ihrem Mann geltende Energie entlädt auf das Kind. Die spätere Probleme sind damit vorprogrammiert. Je mehr sich "das Kind" (jeden Alters) dagegen wehrt, desto lauter klingt es: " Ich bin Deine Mutter, ich habe mein Leben für Dich geopfert, wie ein Arbeitstier geschuftet, auf tausend schöne Dinge und tolle Chancen im Leben verzichtet (jede hat da eigenes Lied komponiert). Und Du wagst es, mir zu widersprechen?! Wenn Du meinen baldigen Tod nicht provozieren willst, tust Du, was ICH Dir sage." Die Weichen sind schon festgelegt. Da wundert man sich nicht, daß die Situation in eigener Familie genau diegleiche ist.
Ich habe selbst, als Kind, die totalitäre Position meiner Großmutter in der Familie miterlebt. Und wir waren weitgehend keine Ausnahmefamilie. Meine Mutter kämpft für ihre "Freiheit" immernoch.
Es ist schön zu erfahren, daß es warscheinlich immer mehr psychisch erwachsene Männer in Rußland gäbe.
Und internationale Erfahrungen haben dazu wohl auch sehr viel beigesteuert, zumindest was die große Städte angeht. In meiner Heimatstadt merke ich die Veränderungen aber noch kaum.