miroslav hat geschrieben:Ich komme aus dem Land mit dem Käse, den Bergen, dem "Grüezi", "Chuchichäschtli".
Ich weiß, warum Du die Taschenmesser nicht mit aufgezählt hast.
Die kommen nämlich gar nicht aus der Schweiz, sondern aus einer Fabrik, die ganz dicht neben dem Kanzleramt in Berlin steht. Hab ich ganz genau gesehen.
Da weht oben immer so eine rote Fahne mit 'nem weißen Kreuz drauf auf dem Dach.
Quatsch beiseite.
Man kann die Charaktereigenschaften der jungen russischen Frauen natürlich keineswegs verallgemeinern. Und wenn es viele von denen - zumindest in ihren Träumen - hier her zieht, ist das etwa damit zu vergleichen, dass viele dt. Frauen sich z.B. zu Lateinamerika(-nern) hingezogen fühlen.
Aber Träume und Praxis sind halt zwei verschiedene Schuhe.
Über die Abneigung Deiner sozialen Umgebung brauchst Du Dich als Schweizer ja wohl nicht zu wundern...
Und von mir selbst muss ich zugeben, dass es mir aus einer Reihe von Gründen nie in den Sinn gekommen wäre, jemals eine Frau zu heiraten, die im Gebiet der ehm. SU geboren und aufgewachsen ist.
Aber dann kam doch eine des Weges, die ganz anders war (und ist).
Ganz abgesehen davon, dass man erst mal überprüfen sollte, ob man im alltäglichen Leben auch tatsächlich mit einander zurecht kommt, würde ich aber Folgendes als Maßstab für Vertrauenswürdigkeit ansetzen:
Hätte diejenige welche auch aus eigener Überzeugung und sinnvoller Planung die Möglichkeit und den Willen, hierher überzusiedeln? Wenn ja, halte ich das Risiko für eher gering, das man nur Mittel zum Zweck wird.
Gerät man jedoch in die Rolle des "rettenden Prinzen", ist man mit dieser schnell überfordert, wenn die Holde hier auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt.
Dann wacht sie nämlich auf aus ihren Träumen und schreit laut: "Betrug, alles Lüge..."
Zum Heiratsalter: Als ich meine Frau kennen lernte, war sie gerade mal 21 und noch keine 22, als wir geheiratet haben.
ABER: Ihre zwei Jahre jüngere Schwester war da bereits verheiratet und hatte schon eine kleine Tochter. Ergo fühlte sich meine Frau unter dem Einfluss ihrer familiären Umgebung schon fast wie eine "Übriggebliebene"... (Was sie selbst als Blödsinn empfand.)
Naja, bei uns war die Lage anders. Sie hatte primär (und völlig unabhängig von mir) das Ziel, für ein zusätzliches Studium hier her zu kommen und um zumindest einige Jahre das Leben hier zu erkunden, nachdem sie schon mal paar Monate als Au-Pair hier war, in Kazan Deutsch studiert hatte und ans heiraten gar nicht dachte.
Insofern konnte ich ihr ganz beruhigt einen Antrag machen, da sich ja das eine mit dem anderen bestens verbinden ließ. - Gesagt, getan.
Die Ersparnis einigen Behördenaufwandes war dabei nur ein kleiner aber hilfreicher Nebeneffekt.
Viel wichtiger war es in unserer ersten Zeit, dass ich meiner Frau behilflich sein konnte, sich zu einer selbständigen und allgemein geachteten Persönlichkeit zu entwickeln.
Das war sie zwar durchaus, aber die Sozialisation unter den autoritären Bedingungen in Russland sorgte anfangs für ziemliche Berührungsängste mit Behörden, "Erwachsenen", Vorgesetzten usw.
Auch mit dem Vertrauen in eine rechtsstaatliche Zivilgesellschaft war es anfangs nicht weit her, was sich aber ebenso schnell geändert hat, wie sich z.B. als Radfahrerin im hiesigen Straßenverkehr zu orientieren und durchzusetzen.
Die Erfahrung zeigte dann auch recht schnell, dass die auch hier vorhandenen "Russenvorbehalte" keineswegs, gegen meine Frau wirksam wurden.
Eher das Gegenteil war der Fall - abgesehen von einigem Zickenterror, der vorrangig von weniger attraktiven deutschen "Kartoffeln" ausgeübt wird. (Aber Neid gibt es halt immer und überall.)
Ein weiterer kleiner "Nebenkriegsschauplatz" war es dann noch, meiner Frau abgewöhnen zu müssen, mich als ihr "Inventar" oder allseits dienstbaren Geist anzusehen.
Und in letzterem Punkt vertrete ich durchaus die Meinung, dass es unter Frauen aus RUS (aber nicht nur unter diesen) sehr verbreitet ist, sich als Ehefrauen zum universellen Lebensmittelpunkt zu erklären.
An Deiner Stelle würde ich also empfehlen, es zunächst mal ohne Trauschein mit einander zu versuchen. Man sollte möglichst vorab auch einige Konflikte miteinander ausgehalten haben und schauen, was dann noch von der Liebe übrig bleibt.
Ich weiß, ich weiß. Das sind alles Gemeinplätze.
Gruß,
Zeppelin