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Re: AIDS-Test

Verfasst: 23 Sep 2008, 14:01
von Zeppelin
Naila hat geschrieben:Ich war beim Arzt wegen einer Bescheinigung für die Ausländerbehörde. Dann hat er ohne jegliche Vorwarnung mir die Vene abgebunden. "Was machen Sie?" "Ja, ich muß Ihnen Blut entnehmen für einen AIDS-Test".
Mal abgesehen davon, dass ich das für eine juristische Unverschämtheit halte, kann ich doch nicht so recht nachvollziehen, was an einer simplen Blutabnahme nun so fürchterlich schlimm oder gar entwürdigend sein sollte, solange sie nicht mit solchen Zumutungen verbunden ist, wie z.B. Zejtnot oben schrieb. - Auch viele Andere haben hier ja schon von den unsäglichen "Gesundheits"tests in RUS berichtet.

Immerhin bekommt man so ja auch die Bestätigung, dass man nicht infiziert ist - oder wenn doch, ist man halt gewarnt.
Ich selbst war z.B. heilfroh, dass ich einige Wochen bevor ich meine Frau kennengelernt hatte, mal wieder Blutspenden gewesen war. Da ist ein AIDS-Test ja obligatorisch und man würde umgehend informiert werden, wenn da ein Verdacht bestünde.

Leider gestehen sich allzu viele Leute selbst nicht ein, dass sie sich möglicherweise infiziert haben. Und das Resultat dessen finde ich tatsächlich grausam.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 23 Sep 2008, 18:03
von Elja
Zejtnot hat geschrieben:Das ist aber im Vergleich zu den russischen Gesundheitstests (siehe oben) wirklich nicht erniedrigend!
Ich finde, dass jede medizinische Untersuchung, die gegen oder ohne den Willen des Betroffenen erfolgt, erniedrigend ist. Ich musste selbst im Jahr 2003 in Petersburg einen Aids-Test machen, um die Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, und ich habe mich dadurch erniedrigt gefühlt.

Außerdem hatte ich Angst, mir in der russischen Klinik irgendwas zu holen. Ob die Angst begründet war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall lebe ich noch. ;)

Also Naila, ich kann Deine Gefühle sehr gut verstehen. Hast Du den Arzt gefragt, warum er das macht? Oder hast Du dich nicht getraut? In solchen Fällen ist es wichtig, schnell zu reagieren und nach der Berechtigung zu fragen.


PS: Schlimm fand ich übrigens, wie mir damals in der Klinik das Ergebnis des Aids-Tests mitgeteilt wurde: einfach über den Empfangstresen hinweg! Hallo?! Privatsphäre?!! Das weiß ich heute noch, weil ich es so unglaublich fand.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 23 Sep 2008, 19:53
von CSB_Wolf
Naila hat geschrieben:
Oletsch hat geschrieben:Ich kann es mir auch nicht vorstellen, dass ein solcher Test eine Bedingung zur Erteilung der AE sein kann. Bei mir war es nie so. Ich stelle Deine Erfahrung nicht in Frage, Naila, aber es ist sehr sehr komisch. Irgendwas ist da schiefgelaufen.

Gruß
Oletsch
Ich war beim Arzt wegen einer Bescheinigung für die Ausländerbehörde. Dann hat er ohne jegliche Vorwarnung mir die Vene abgebunden. "Was machen Sie?" "Ja, ich muß Ihnen Blut entnehmen für einen AIDS-Test".
Kein Arzt in Deutschland ist berechtigt dir gegen deinen Willen Blut abzunehmen und keine Aussländerbehörde ist berechtigt so etwas von dir zu verlangen und wird dass auch nicht machen, dass währe ein klarer Fall für den Staatsabwalt und die zuständige Ärztekammer :roll: (Rechtsbeugung und Körperverletzung, beides ist strafbar)
Es gibt nur eine Aussnahme, wenn die Polizei einen angetrunkenen Autofahrer zur Abgabe einer Blutprobe auffordert wird dies durch sofortigen Entscheid eines Richters angeordnet und an einem Krankenhaus durchgeführt, selbst da kann sich der Betroffene Weigern aber dann ist der Führerschein halt gleich weg.

Ist ja schon ein Unterschied ob ein Arzt für eine Bescheinigung gegenüber der Krankenkasse ca. 30.--Euro abrechnen kann oder ca. 500.--Euro für einen Aids Test.

Gruss
wolf

Re: AIDS-Test

Verfasst: 23 Sep 2008, 21:24
von wolk0815
Elja hat geschrieben:Ich finde, dass jede medizinische Untersuchung, die gegen oder ohne den Willen des Betroffenen erfolgt, erniedrigend ist.
Auch wenn ich den Fall von Naila absolut nicht OK finde, so ist es aber doch wohl schon ein Unterschied wie bzw. was untersucht wird. ALLE Untersuchungen (egal ob befürwortet oder gegen den Willen) als erniedrigend zu bezeichnen geht doch etwas weit. Ich finde es ist doch schon ein Unterschied,ob man sich bis auf die Unterhose ausziehen und den berühmten ´Husten sie mal´-Test machen muss oder ob einem zB die Ohren, der Hals oder ähnliches untersucht wird.
Und was die Info über die Theke angeht: auch wenn´s bei uns sicher anders gemacht wird, ist es doch weniger peinlich ein ´Alles OK!´ so ohne Privatsphäre zu hören als ein ´Sorry, sie haben AIDS ! Der Nächste bitte!´

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 00:22
von Magdeburg-Moskva
Dietrich hat geschrieben:Nach meinen Internet-Recherchen war es 1987 wohl mal in Bayern im Gespraech (obwohl sich der Spiegel-Artikel irgendwie seltsam ironisch liest....) http://wissen.spiegel.de/wissen/dokumen ... op=SPIEGEL
Hallo, Dietrich,

als ich diesen Artikel las, hat es mir die Sprache verschlagen. Und das will etwas heißen. Und teilweise sind die Leute, die von einer Art Internierung gesprochen haben sollen (ich drücke mich bewusst vorsichtig aus) heute noch Bundesminister.

*immer noch geschockt*

M.-M.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 00:30
von Magdeburg-Moskva
Zeppelin hat geschrieben:
Naila hat geschrieben:Ich war beim Arzt wegen einer Bescheinigung für die Ausländerbehörde. Dann hat er ohne jegliche Vorwarnung mir die Vene abgebunden. "Was machen Sie?" "Ja, ich muß Ihnen Blut entnehmen für einen AIDS-Test".
Mal abgesehen davon, dass ich das für eine juristische Unverschämtheit halte, kann ich doch nicht so recht nachvollziehen, was an einer simplen Blutabnahme nun so fürchterlich schlimm oder gar entwürdigend sein sollte, solange sie nicht mit solchen Zumutungen verbunden ist, wie z.B. Zejtnot oben schrieb.
Hallo, Zeppelin,

es ist eben der Fakt, dass jemand an einer mündigen Person ohne deren Einverständnis einen Eingriff (auch Blut abnehmen ist ein Eingriff) oder auch bestimmte Laboruntersuchungen (z. B. HIV-Antikörpertest) vornimmt. Allerdings geht man rechtlich von einem Einverständnis aus, wenn ein mündiger Mensch den Eingriff nicht ausdrücklich ablehnt, also
Naila hat geschrieben:"Was machen Sie?" "Ja, ich muß Ihnen Blut entnehmen für einen AIDS-Test"
Ergänzung: Nein, das werden Sie nicht.

Übrigens, empfindliche Menschen fallen aus den Latschen bei Blutentnahmen; eine nicht fachmännisch durchgeführte Blutentnahme kann sehr schmerzhaft sein. Auch das ist eine Entwürdigung im weitesten Sinne.

In dem Fall reite ich kompromisslos auf meinen Rechtsstaatsprinzipien herum. Außerdem muss ich mich nicht am Schlechten (katastrophale Gesundheitstests in Russland) sondern am Positiven orientieren.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 00:36
von Magdeburg-Moskva
Zejtnot hat geschrieben:Ach so, ja, vor zwei Jahren musste ich beim Hautarzt auch noch die Hosen runterlassen - die Frau wollte wissen, ob ich Pickel im Intimbereich habe.
Scheiße, wenn dann die Intimrasur gerade so drei Tage zurück liegt.

Übrigens, ein Bekannter hatte mir erzählt, dass er das berühmte Glockenläuten und die Huste-Übungen bei seiner Musterung ganz ruhig und sachlich und - im Gegensatz zu anderen - ohne Drohungen ablehnen konnte.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 01:43
von Naila
Na ja, den Test abzulehnen habe ich mich nicht getraut. Ich war erst seit sehr kurzem in DE und wurde kurz vor dem AIDS-Test von einem Augenarzt richtig Sch.. behandelt. Seit dem 16 Lebensjahr bin ich kurzsichtig. Und dann war ich halt bei diesem deutschen Augenarzt, um die Sehstärke zu überprüfen, un es stellte sich heraus, daß die Sehekraft sich noch mehr verschlechtert hat. Das warfür mich im Alter von 22 Jahren höchstdramatisch und ich habe meine große Verwunderung darüber auch geäußert. "Wie kann das sein? Warum?!" Da sagte der Arzt: "Sie kommen doch aus Rußland? Waren Sie da überhaupt schon mal bei irgendeinem Arzt? Wahrscheinlich sehen Sie von Geburt an schlecht, haben das aber nicht gewußt. Die Vorsorge ist doch nicht üblich in so armen Ländern". Das wir 12 Mediziner in der Familie (Vewandschaft) hatten, wollte ich ihm nicht sagen... Da war ich eben durch so Äußerungen eingeschüchtert.

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 09:09
von Dietrich
Magdeburg-Moskva hat geschrieben: Hallo, Dietrich,

als ich diesen Artikel las, hat es mir die Sprache verschlagen. Und das will etwas heißen. Und teilweise sind die Leute, die von einer Art Internierung gesprochen haben sollen (ich drücke mich bewusst vorsichtig aus) heute noch Bundesminister.

*immer noch geschockt*

M.-M.
Ich schrieb ja auch, dass sich der Artikel irgendwie seltsam liest. Denn ehrlich gesagt kann ich mir einige angebliche Aussagen in dem Bericht einfach nicht vorstellen. War auch die einzige Stelle, wo ich was dazu gefunden habe. War vielleicht ein schlechter Aprilscherz oder so?

Re: AIDS-Test

Verfasst: 24 Sep 2008, 10:19
von harald63
Dietrich hat geschrieben:
Magdeburg-Moskva hat geschrieben: Hallo, Dietrich,

als ich diesen Artikel las, hat es mir die Sprache verschlagen. Und das will etwas heißen. Und teilweise sind die Leute, die von einer Art Internierung gesprochen haben sollen (ich drücke mich bewusst vorsichtig aus) heute noch Bundesminister.

*immer noch geschockt*

M.-M.
Ich schrieb ja auch, dass sich der Artikel irgendwie seltsam liest. Denn ehrlich gesagt kann ich mir einige angebliche Aussagen in dem Bericht einfach nicht vorstellen. War auch die einzige Stelle, wo ich was dazu gefunden habe. War vielleicht ein schlechter Aprilscherz oder so?
Leider nein. Das waren damals Gauweiler und Co und sie meinten es bitter ernst. Gott sei Dank hat sich damals die aufklärerische Süssmuth-Linie durchgesetzt und keine repressive. Sonst wäre HIV hier ein noch viel größeres Problem. Wir haben uns damals hier in Karlsruhe mit einer Gruppe namens "Wahrheit statt Süssmuth" herumgeschlagen. Dahinter stand die linkssektiererische MRI (Marxistisch-Reichistische Initiative), die eine Verquaste Mischung aus Marxismus und Psychoanalyse verzapft. Die propagierten Internierungen und Zwangstätowierung von HIV-Infizierten, um weiterhin unbeschwert ihre freie Sexualität ausleben zu können. Oder sowas ähnliches. Wie mit allen Sektierern war mit denen nicht zu reden. Kaum sagte man was gegen sie, schrien sie, so hätte es damals in Deutschland auch mit den Juden angefangen. Nut ätzend.