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Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 08 Okt 2008, 22:44
von Uwe
Wolf,
das stimmt so nicht.
Diese Siedlungen wurden für Spätausiedler (also den Echten aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten) gebaut.
In unser Dorf kamen auf diese Weise ca. 2.000 Flüchtlinge. Zuerst wurden Teile von Wohnungen beschlagnahmt und diese Leute dort zwangsweise eingewiesen (in unsere Familie auch). Dann wurden für diese Leute Siedlungen gebaut.
Das gab unter den Einheimischen, unter denen viele Ausgebombte waren, die auch alles verloren hatten, eine ganz schöne Unruhe.
Katholische Flüchlinge in ein evangelisches Dorf setzen und dann verhätscheln! Dafür hatte damlas keiner Verständnis. Heute spricht da kein Mensch mehr von.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 00:38
von CSB_Wolf
@ Uwe
Hallo Uwe,
ich habe es warscheinlich falsch formuliert, als ich noch zur Schule gegangen bin haben wir damals Zwei neue Mitschüler bekommen. Der eine war aus der DDR (damals Ostzone im Volksmund genannt und in der Schule so gelernt

) und der andere war entweder aus Pommern oder Schlesien, weiss ich heute leider nicht mehr so genau. Beide Familien haben bei der Ankunft sofort neue Wohnungen von der Stadt bekommen, nicht renovierte, sondern neue. Jede Stadt muste damals ein gewisses Kontigent für ebensolche Leute bereit halten, ist Glaube ich heute auch noch so. Die haben auch sofort Bargeld in gewisser Höhe bekommen und natürlich eingekauft auf Teufel komm raus 8) Der aus Pommern/Schlesien hat uns immer erzählt dass sie zuhause Gutsbesitzer gewesen seien mit bediensteten u.s.w., eine Grosse Klappe halt. Seine Eltern hatten uns bei einem Besuch dann mal Bilder von zu Hause, bzw ihrem Gut gezeigt. Der Hühnerstall von meinem Grossvater war eine Villa dagegen

Was aus der anderen Familie geworden ist weiss ich nicht, die waren nur einige Wochen in unsrer Stadt und sind dann weggezogen.
Gruss
wolf
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 09:48
von Uwe
Jo,
mein Vater war in einem Ausschuß auf Regierungsbezirksebene, in dem der zustehende Schadensersatz für die Verluste in den Ostgebieten festgestellt wurden. Von diesen Sitzungen kam er oft wütend wieder. "Wenn die das alles haben, was sie angeben, dann gehen die deutschen Ostgebiete bis zum Ural", meinte er immer. Ist aber doch menschlich das Maximale rauszuholem, oder?
Mich als Kind hatte es gravierend gestört, als plötzlich fremde Leute zwangsweise in unserem Haus Zimmer besetzten.
Heute sehe ich das auch anders. Nur die Ungleichbehandlung zwischen Ausgebombten und Flüchtlingen habe ich nie verstanden.
Bei uns im Dorf wurden Siedlungen für die Flüchtlinge gebaut. Die Wohnungen wurden nicht vermietet sondern wurden Eigentum. Das verstand damals kein Einheimischer.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 10:10
von Zejtnot
Paulchen hat geschrieben:Die sind aber freiwillig nach Amerika ausgewandert was meines Wissens für die Spätaussiedler bwz. deren Vorfahren nicht unbedingt gilt...
Wer hat sie denn nach Russland deportiert?!?! Die Vorfahren sind definitiv freiwillig an die Wolga ausgewandert, nachdem sie die Zarin mit allerlei Vergünstigungen gelockt hatte. Später, zu Sowjetzeiten wurden sie dann nach Kasachsten und Sibirien umgesiedelt, etc. - aber das war Generationen später.
Interessant ist, dass man in Sibirien oft hört: Die Dörfer der Deutschen waren immer sauber, immer gut organisiert, etc. Von den Russlanddeutschen hört man in Deutschland etwas anderes. Das zeigt mir, dass die wirklichen Russlanddeutschen sehr früh ausgewandert sind und später viele nachkamen, die sich nur noch bedingt zum deutschen Kulturkreis zählten.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 10:38
von manuchka
Zejtnot hat geschrieben:Das zeigt mir, dass die wirklichen Russlanddeutschen sehr früh ausgewandert sind und später viele nachkamen, die sich nur noch bedingt zum deutschen Kulturkreis zählten.
Die "wirklichen Russlanddeutschen", wie du sie bezeichnest, haben ja auch die dt. Kultur und vor allem die Sprache bewahrt, was für mich Grund und Rechtfertigung ist, dass sie wieder in ihre Heimat zurückkommen. Wo das nicht der Fall ist und man einfach vor x Generationen mal einen deutschstämmigen Urgroßvater hatte, sehe ich das anders - diese Leute sind russisch sozialisiert, und auch wenn da ein Tropfen deutschen Blutes in den Adern fließt, sind es doch Russen und keine Deutschen. Genau das führt dann zu Parallelgesellschaften, weil diese Menschen sich - verständlicherweise - schwer in Deutschland und seine Kultur integrieren. Und da bin ich auch dagegen, dass man alle mit dem Spätaussiedlerprogramm und allerlei Vergünstigungen nach Deutschland kommen lässt - und ihnen dann auch noch erlaubt, neben dem deutschen den russischen Pass zu behalten.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 11:05
von achim
Der kulturell interessierte Nachkomme sollte mehr Rechte als der einfache Nachkomme eines Deutschen haben? Das ist doch Quatsch. (Vor allem vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen.)
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 12:13
von Zejtnot
Richtig, Achim. Genau das ist ja das Problem - es ist zwar Blödsinn, den nicht-integrationswilligen Ururenkel eines Deutschen reinzulassen, den integrationswilligen Schwarzafrikaner jedoch nicht - aber eine juristisch und menschlich gute Lösung gibt es aber nicht.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 15:03
von Spätzleskosake
Es gibt Russlanddeutsche, die sich vom Deutschtum abgewandt haben und in deren Pass "Russe" steht. Diese Menschen haben fast keine Möglichkeit nach Deutschland auszuwandern. In Ludwigsburg ist solch ein "russischer Deutscher", nachdem er sich geweigert hat die deutsche Sprache zu lernen, wieder abgeschoben worden.
Ich habe ältere Russlanddeutsche Frauen im Übergangswohnheim kennen gelernt. Obwohl sie sich zum lutherischen Glauben bekannt haben, haben sie sich in der evangelischen Kirche nicht wohl gefühlt. Ich habe dann diesen Frauen einen pietistischen Prediger organisiert, der sie zu ihren Gebetsstunden im Wohnheim besucht hat. Ich kenne auch einen Fall, wo eine ältere Frau, obwohl ihre Kinder in Deutschland leben wieder zu ihrer alten Kirchengemeinde nach Barnaul zurück gekehrt ist, weil sie sich nur dort heimisch gefühlt hat.
Manuchka hat mit ihrem Beitrag vollkommen recht.
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 15:22
von Oletsch
Simone hat geschrieben:Gegenfrage: Waren Russlanddeutsche je erwünscht?
Ich habe bislang nur wenig Deutsche getroffen, die positiv über Russlanddeutsche gesprochen haben - leider.
Simone, es geht doch nicht um die Wünsche des Volkes, sondern um die große Politik. Politisch waren sie definitiv gewünscht.
Gruß
Oletsch
Re: Russlanddeutsche nicht mehr erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2008, 16:03
von Spätzleskosake
Oletsch hat geschrieben:Simone hat geschrieben:Gegenfrage: Waren Russlanddeutsche je erwünscht?
Ich habe bislang nur wenig Deutsche getroffen, die positiv über Russlanddeutsche gesprochen haben - leider.
Simone, es geht doch nicht um die Wünsche des Volkes, sondern um die große Politik. Politisch waren sie definitiv gewünscht.
Politisch waren sie erwünscht, als noch kein Politiker mit ihnen gerechnet hat. Als sich unter Kohl gezeigt hat, dass unter den Russlanddeutschen ein riesiges Wählerpotential für die Union ist, waren sie als Stimmvieh erwünscht.
Das schlimme ist, das die Russlanddeutschen immer instrumentalisiert wurden und nicht die Menschen betrachtet wurden. Allerdings kenne ich Migrationsbeauftragte, die eine sehr gute Arbeit gemacht haben und für "ihre Russlanddeutschen" Tag und Nacht da waren.