Kultgrieche hat geschrieben:Zeppelin hat geschrieben:Auf der Ebene der eher individuellen Motivation stellt er dabei den egoistischen Selbstmord dem altruistischen gegenüber.
Und auf der gesellschaftlichen, also eher exogenen Einflussebene nennt er die gegensätzlichen Typen anomischen Selbstmord versus fatalistischen Selbstmord.
Ich lese diese zwei Sätze immer und immer wieder und verstehe nur Voksal. Ich glaube, ich muss mir ein paar Vodka einflößen und was rauchen gehen, dann komme ich da eher mit.... Wer das verstanden hat, schicke mir bitte sein Autogramm.
Ich wollte niemanden mit der Erläuterung der weiteren Einzelheiten langweilen. Aber wenn Du das wünschst, bitte und so grob vereinfacht, wie möglich:
Ein egoistischer Selbstmörder wäre jemand, der sich selbst nichts wert ist und andere sowie der Rest der Welt eben so wenig. Bzw. er glaubt nicht mehr daran, dass irgendwer oder irgendetwas dazu beitragen könnte, diese Meinung zu ändern bzw. seine Lage zu verbessern.
Z.B. wäre das ein unheilbar kranker Mensch, der einfach nur noch seine Schmerzen nicht mehr ertragen kann und will.
Beim altruistischen Selbstmörder ist es genau andersherum. Der will nicht primär sein Leben beenden, sondern hält seinen sicheren Tot für unvermeidbar, um anderen Menschen Vorteile zu verschaffen.
Da wäre ein klassisches Beispiel der Soldat, der weiß, dass er vom Feind umgebracht wird, aber dennoch bis zur letzten Patrone kämpft, um anderen die Flucht zu ermöglichen. Oder auch der Fall Stauffenberg, der ja immerhin einkalkulieren musste, dass er den Anschlag auf Hitler nicht überleben würde.
Ein anomischer Selbstmord tritt nur im Zusammenhang mit extremen gesellschaftlichen Krisen auf: Börsencrashs, Kriege, Revolutionen, Putsche etc. Die Betroffenen können sich in den nunmehr für sie undurchschaubaren bzw. kalkulierbaren Verhältnissen nicht mehr orientieren und werden von übermächtigen existenziellen Ängsten erfasst, die sie nicht anders bewältigen können zu glauben.
Man denke hier an die zahllosen Leute, die beim Zusammenbruch der Wirtschafts- und Politiksysteme im Ostblock ihre Jobs verloren und nicht glaubten, unter den neuen Gegebenheiten ihre Existenz sichern zu können. Eng verbunden damit ist das Gefühl, in den Augen ihrer sozialen Umgebenung als die totalen Looser dazustehen und nur noch "nutzlose Fresser zu sein".
Und ein fatalistischer Selbstmord ist z.B. der klassische Fall des Dissidenten, der die sozialen, politischen und/oder wirtschaftlichen Verhältnisse nicht ertragen kann, aber auch keinen Weg sieht, diese in seinem Sinne zu verändern.
Vielleicht kannst Du damit etwas mehr anfangen. Doch nicht ohne Grund hatte ich ja die Lektüre von Durkheims Buch empfohlen.
Allerdings hatte ich gerade von Dir nicht erwartet, dass Du bei solchen Dingen Verständnisschwierigkeiten haben würdest.
Z.