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Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 00:31
von bella_b33
ich empfinde das Du-zen von älteren immernoch als respektlos wenn es der Ältere nicht abietet!
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 00:41
von Naila
@dave etwa weil ich in seinen Augen nicht so alt aussehe?! Danke! Darauf kann ich gut verzichten. Ich wurde bereits mit 17 gesiezt, als ich meinen ersten Job bekam. Fand ich auch gut, denn so etwas schüzt und verleiht Autorität. Zu einem Menschen,den man sizt, kann man nicht so leicht sagen: "Hei, Sie"
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 13:03
von Paulchen
Ich teile Nails Ansicht im wesentlichen. Viele Kinder sind nur noch lustgesteuert und die Eltern fördern das, jedenfalls steuern sie nicht dagegen. Kinder brauchen zur gesunden Entwicklung vorallem Grenzen, an denen sie sich austesten können, nicht grenzlose Freiheit...das ist was für die Studentenzeit
Hier ist ein sehr interessantes Interview aus der Berliner Morgenpost zu dem Thema:
http://www.morgenpost.de/vermischtes/ar ... aeuft.html
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 13:21
von Naila
Paulchen hat geschrieben:Ich teile Nails Ansicht im wesentlichen. Viele Kinder sind nur noch lustgesteuert und die Eltern fördern das, jedenfalls steuern sie nicht dagegen. Kinder brauchen zur gesunden Entwicklung vorallem Grenzen, an denen sie sich austesten können, nicht grenzlose Freiheit...das ist was für die Studentenzeit
Hier ist ein sehr interessantes Interview aus der Berliner Morgenpost zu dem Thema:
http://www.morgenpost.de/vermischtes/ar ... aeuft.html
Ja, genauso erlebe ich es jeden Tag! Ein wirklich kluger Artikel. Die Beziehung Schüler-Lehrer ist auf den Kopf gestellt, die Mutter mobt die Lehrerin, und das Kind hat kein Problem damit, deine Anweisungen völlig zu ignorieren, es nimmt dich gar nicht wahr. Es paßt dich sich an. Und das Schlimmste sind die Eltern, die das alles nicht als eine Störung oder überhaupt Problem erleben. Konsum ist das richtige Wort! Nicht nur matirielles Konsum, sondern auch geistiges. Alles ist ersetzbar, austauschbar, nichts besitzt einen wahren Wert.
Von diesen ein paar normalen deutschen Kindern in den fast 16 Jahren Deutschland (und ich habe es jeden Tag mit Hunderten von Kindern zu tun), habe ich hier nichts geschrieben. Ja, es gab auch die in meinem Leben. Ich kenne sie alle namentlich. Aber da waren die Eltern richtige Außenseiter im positiven Sinn.
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 13:45
von marcs
Liebe Naila,
gerne möchte ich wissen wieviel Jahren haben Sie denn mit chinesischen, kroatischen etc. Kindern gearbeitet bzw. verbracht?
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 13:47
von Paulchen
Interessant an dem Interview finde ich auch die Haltung zu dem Förderwahnsinn vieler Eltern (Selbstverteidigung, Klavierstunde, Balett, reiten, chinesisch, usw usw). Viele Eltern denken doch, damit würden sie ihre Kinder für die Zukunft top fit machen.
Ich bin froh mal aus fachkundigem Mund das glatte Gegenteil zu hören/lesen. Wenn mir andere Eltern erzählen, dass sie chinesische Kindmädchen engagieren, ihr Kind in die spanische Kita schicken und zu Hause miteinander englisch stümpern ähh sprechen, damit ihr Kind ein kleiner Heinz Schliemann wird, dann wird mir immer übel.
Unsere Kinder lernen russisch und deutsch parallel, weil es in der Natur der Sache liegt. Das hat nichts mit Leistungsdruck bzw. Selbstverwirklichung der Eltern in ihren Kindern zu tun. Sobald aber das der Fall ist und Eltern in ihren Kindern ihre eigenen Komplexe ausmerzen wollen, ist der burnout oder die vorgezogene midlife crises der Kleinen bei Erreichen ihrer Volljährigkeit vorprogrammiert.
Irgendwer hat mal gesagt, dass es für Kinder lehrreicher und wichtiger ist, im Wald zu spielen und Müllkippen zu untersuchen als nach dem Tennis zum Kindercoaching in englischer Sprache gefahren zu werden. Dass diese Kindern dann zu allem Überfluss häufig nicht einmal die Grundregeln des anständigen Umgangs mit Mitmenschen vermittelt bekommen haben, setzt allem natürlich die Krone auf.
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 13:55
von Naila
marcs hat geschrieben:Liebe Naila,
gerne möchte ich wissen wieviel Jahren haben Sie denn mit chinesischen, kroatischen etc. Kindern gearbeitet bzw. verbracht?
Seit über 10 Jahren habe ich mit denen zu tun. Ich glaube, die kriegen einfach zu Hause gesagt: "Respektiere Deinen Lehrer. Blamiere uns nicht".
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 14:06
von Naila
@ Paulchen
Ja, ja genau.

Bei uns gibt es kaum Kinder, die nicht in irgendeinem Verein sind. Die meisten besuchen 2,3,4 Vereine gleichzeitig. Ich war bei einer Familie eine zeitlang Privatunterricht geben. Ich bereue es zutiefst, daß ich es getan hebe. Wenn man deren Palast betrat, dachte man , man lande in einer Kathedrale. Eltern- Multimilionäre, Besitzer einer Hotelkette. 2 Kinder, beide im Zirkusverein, beim Karate, Tanz, weiß der Kuckuck. Und nun mußte der Klavierunterricht her. Das Mädchen, 12 Jahre alt, sitzt an ihrem weißen Flügel, kann nichts, will nichts, plötzlich macht sie einen Kopfstand auf dem Klavierhocker. Zeigt mir ihre Unterhose dabei. Das habe ich gesehen, ja. Ihr Vater sah aber dabei ihre unwahrscheinliche Gelenkigkeit. Beim 2. Mal zerriß sie das Notenheft. Nein, nicht aus Wut. Sondern, weil sie nicht wußte, waß sie mit ihren Händen anfangen sollte. Irgendwann wurde es mir zuviel, ich stand auf und ging. Die Leute haben sich nie bei mir entschuldigt.
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 14:19
von Zejtnot
Ich würde mich darüber nicht sonderlich aufregen - mit diesen Kindern werden die Eltern später noch ihre Freuden haben ... weil zur Überlebensfähigkeit ab 18 trägt eine solche Erziehung nicht zwingend bei.
Jede Zeit hat ihre Macken ... unsere Eltern wurden noch geschlagen, ich wurde das nicht und damals haben sich viele Ältere gefragt, wie denn so aus mir etwas werden soll. Naja, ganz missraten bin ich dennoch nicht.
Man muss seine eigenen Kinder ja nicht so erziehen.
Re: Kindererziehung in Deutschland
Verfasst: 11 Feb 2009, 21:22
von Papa Hoth
Guten Abend in die Runde,
die antiautoritäre "Erziehung" ist ein Phänomen welches uns die 68´er Generation beschert hat und einhergeht mit zunehmender Dekandenz und Werteverfall unserer Gesellschaftsordnung.
Die von den meisten Vorschreibern gewünschten "Tugenden" wie Bescheidenheit, Achtung vor dem Alter, Disziplin u.ä. sind Gesellschaftlich einfach nicht mehr "in" und gewollt - warum kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
Naila: Ich unterrichte selber. Meines Erachtens mußt Du Dir Deine Authorität als Lehrer täglich neu erarbeiten und kannst diese nicht einfach vorraussetzen.
Viele Grüße, Papa Hoth!